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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Google startet in Deutschland seine Attacke auf Groupon

| 13 Lesermeinungen

Einen Monat nach der Übernahme durch Google geht das Gutschein-Portal Dailydeal in die Offensive. Das Unternehmen reicht die Einnahmen aus nicht eingelösten Gutscheinen künftig komplett an die Händler weiter. Google erhöht damit wenige Tage vor dem Börsengang den Druck auf den Marktführer Groupon, bei dem die Nerven ohnehin blank liegen.

Einen Monat nach der Übernahme des Gutschein-Portals Dailydeal beginnt Google in Deutschland seine Attacke auf den Marktführer Groupon. Nach Informationen der F.A.Z. wird Dailydeal die Einnahmen aus nicht eingelösten Gutscheinen, die die Portale bisher komplett oder größtenteils behalten haben, künftig vollständig an die Unternehmen ausschütten. 80 Prozent sollen sofort fließen, die fehlenden 20 Prozent dann drei Monate nach dem Verkauf des Gutscheins. Bisher hatte Dailydeal nur eine Garantiesumme von durchschnittlich 30 Prozent des Gutscheinwertes gezahlt. Diese Änderung soll Dailydeal vor allem kleine und mittlere Unternehmen in die Arme treiben, die bisher dem Vertriebskanal skeptisch gegenüber standen oder mit der Konkurrenz zusammengearbeitet haben.

Gutscheine-Portale wie Groupon oder Dailydeal bieten ihren Kunden Gutscheine für Angebote wie Restaurantbesuche, Haarschnitte, Reisen oder Elektronikprodukte mit hohen Rabatten an. Die teilnehmenden Verkäufer können auf diese Weise ihre Produkte in großen Stückzahlen verkaufen oder ihre Läden füllen, müssen aber den hohen Rabatt in Kauf nehmen. Etwa 50 Prozent des Verkaufspreises gehen als Provision an das Gutschein-Portal.

Nach Angaben von Dailydeal werden zwischen 5 und 20 Prozent der verkauften Gutscheine nicht eingelöst. Die Änderung der Geschäftsbedingungen könnte das Unternehmen etwa 15 Prozent seiner Einnahmen kosten. „Wir können von den Provisionen aber gut leben“, sagte ein Sprecher. Bisher haben diese Provisionen dem Unternehmen aber keine Gewinne gebracht. „Dank Google steht Dailydeal finanziell nun gut da. Für 2012 erwarten wir schwarze Zahlen“, sagte der Sprecher. Vor der Google-Übernahme hatten die Investoren immer wieder Geld zuschießen müssen, um den Geschäftsbetrieb zu sichern. Der Umsatz wachse aber weiter zwischen 15 und 30 Prozent je Monat. „Für dieses Jahr erwarten wir einen Umsatz von 45 Millionen Euro“, sagte der Sprecher.

Dieser Markt ist hart umkämpft. Größter Anbieter ist Groupon, gefolgt vom Unternehmen Living Social, an dem sich der Online-Händler Amazon beteiligt hat. Google hatte vergeblich versucht, Groupon zu übernehmen und daher Dailydeal für 114 Millionen Dollar gekauft. Dailydeal ist allerdings viel kleiner und nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. Etwa 8000 Unternehmen haben schon Produkte über die Seite verkauft. Eine Expansion in andere Länder ist nicht vorgesehen, da Google dort mit dem eigenen Produkt Offers aktiv ist.

In Deutschland gibt es auch noch viele kleinere Anbieter, die sich meist in regionalen Märkten tummeln. Der Aufwand für das Geschäftsmodell ist recht hoch, da lokale Verkäufer in den Unternehmen das Modell oft noch erklären müssen. Vor allem bei Groupon soll intern ein extrem hoher Erfolgsdruck herrschen, verbunden mit einer hohen Fluktuation der Mitarbeiter, was intern nur „The German Way“ genannt wird – wie man hier sehr schön lesen kann: INSIDE GROUPON: The Truth about the world’s most controversial Company

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13 Lesermeinungen

  1. <p>Interssant ist auch die...
    Interssant ist auch die Entwicklung in den USA. Google hat dort vor wenigen Tagen erklärt, dass der eigene Gutscheindienst „Google Offers“, nun auch Offerten von mindestens 15 anderen Diensten präsentiert. Dazu gehören Angebote von „Plum District“, „Juice“ und „kgbdeals“. Die Initiative startet in der San Francisco Bay Area und wird bald auf weitere Städe in den USA ausgedehnt.

  2. <p>Auf dem Pirate Summit in...
    Auf dem Pirate Summit in Köln war in der Paneldiskussion auch ein Googler. Was dort bei mir besonders hängengeblieben ist, war die Aussage, dass Google eine integrierte Komplettlösung anstrebt. Es war nur ein Nebensatz, und auch nicht erklärt, aber es macht für mich aus Google-Perspektive viel mehr Sinn.
    Im Zusammenhang klang das weniger nach direktem Konfrontationskurs mit Groupon, sondern dass DailyDeal nur ein Baustein gewesen wäre. Wenn bald noch Akquisitionen im Bereich „Loyalty Programs“ o.ä. folgen, scheint das wohl auch der Fall zu sein…
    Alles andere würde auch meiner Meinung nach nicht zu Google passen. Warum sollten die sich ihre herrliche pro-Kopf-Rendite zerschießen, nur um sich auf einen zermürbenden Handels-& Saleskrieg einzulassen? Makes no sense…

  3. <p>Google hat in USA vor...
    Google hat in USA vor einigen Tagen eine Seite eingefuehrt, auf der der User anklicken kann, an welchen offers er ueberhaupt interessiert ist. A la „alerts“ werden ihm aus einer aggregierten Auswahl dann nur noch diese gemailt. Macht viel Sinn.

  4. @Denker: Stimmt, das ist ein...
    @Denker: Stimmt, das ist ein guter Ansatz, den wir mit unserer Plattform (http://shopyeti.com) ebenfalls seit einiger Zeit verfolgen.

  5. @Denker: die Seite in den USA...
    @Denker: die Seite in den USA heisst http://www.thedealmap.com und wurde vor ein paar Wochen von Google gekauft.
    Pendant in Deutschland: http://www.dealkompass.de

  6. Bedauerlich, dass nun unter...
    Bedauerlich, dass nun unter der Bezeichnung „The German Way“ ein Geschäftsgebahren zu trauriger Berühmtheit gelangt, das – hoffentlich – nicht symptomatisch für deutsche Firmen ist.
    Noch bedauerlicher, dass diese Brüder ihr Unwesen mittlerweile weltweit treiben.
    Nur zur Erinnerung, falls es nach sieben Jahren schon jemand vergessen haben sollte: einfach mal nach „Jamba-Kurs“ googlen – der Spreeblick-Beitrag erscheint dann gleich ganz oben. Dem „Business Insider“ wird dieser Hintergrund vielleicht nicht ganz fremd gewesen sein, zumindest hatte die Welle der Empörung damals auch Großbritannien erfasst.

  7. Google hat bereits im Sommer...
    Google hat bereits im Sommer PUNCHD – ein Loyalty service Anbieter, gekauft – siehe: http://getpunchd.com/google

  8. <p>Es ist sehr interessant zu...
    Es ist sehr interessant zu beobachten was gerade passiert. Es entstehen immer mehr Dealanbieter, die wirklich lokal orientiert sind, weil jeder nur drauf wartet, dass Groupon vor die Hunde geht. Dailydeal hat mit dem Googledeal wirklich Glück gehabt, denn die Konditionen sowohl von Groupon, als auch von Dailydeal sind dermaßen schlecht für kleine- und mittelständische Unternehmen, dass die meisten davor halt machen und kleinere Anbieter bevorzugen.
    Interessant ist auch, was mit Dealübersichten passiert, wenn Google plötzlich die Deals verschiedener Anbieter aggregiert. … Google hat da natürlich einen Vorteil auf Grund der Größe, aber bis dahin werde ich persönlich lieber einen kleinen Anbieter unstützen :-)
    lg, marti

  9. na, dass ist doch mal ein...
    na, dass ist doch mal ein feiner zug!

  10. <p>Was sagen eigentlich die...
    Was sagen eigentlich die deutschen Tageszeitungsverlage zur Daily Deal Akquise durch Google? Denn einige hatten ja in ihrer „Online Couponing-Strategie“ auf eine Partnerschaft mit DailyDeal gesetzt, um kein eigenes Portal aufbauen zu müssen. Holt man sich nun mit Google den „Feind“ ins Haus oder startet man doch selber durch?

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