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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Im Internet ist Deutschland nur Mittelmaß

| 15 Lesermeinungen

Im internationalen Vergleich der Internet-Standorte liegt Deutschland im hinteren Mittelfeld, und auch die digitale Spaltung der Gesellschaft löst sich kaum auf. Bis das Internet die „Dampfmaschine für die deutsche Wirtschaft des 21. Jahrhunderts“ wird, muss noch viel passieren.

Deutschland und das Internet – eine Liebesbeziehung wird das wohl nicht mehr. Wenn die IT-Branche auf dem inzwischen sechsten IT-Gipfel an diesem Dienstag in München wieder bessere Rahmenbedingungen fordert, steht das Internet in Deutschland eher mäßig da. Im internationalen Vergleich befindet sich der Internet-Standort Deutschland bestenfalls im Mittelfeld, und die digitale Gesellschaft ist im vergangenen Jahr kaum vorangekommen. „Wir stellen fest: Die positive Entwicklung im letzten Jahr konnte nicht fortgesetzt werden. Noch immer sind 62 Prozent der Deutschen nicht versiert im Umgang mit den digitalen Medien“, sagt Robert Wieland, Geschäftsführer von TNS Infratest. Zwar ist der Anteil der Menschen, die als „digitale Außenseiter“ keinerlei Umgang mit den digitalen Medien haben, seit 2009 von 35 auf 26 Prozent der Bevölkerung gefallen, aber von 2010 auf 2011 ist dieser Anteil nicht weiter gesunken. „Dabei gilt gerade die Internetkompetenz inzwischen als eine Schlüsselkompetenz, um gleichberechtigt am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben in Deutschland teilzunehmen“, sagt Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

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Deutlich zugelegt hat nur der Typ „Trendnutzer“, der im Durchschnitt 37 Jahre alt ist, überwiegend männlich ist und eine mittlere bis hohe formale Bildung besitzt. Wenig verändert haben sich seit 2010 dagegen die Anteile der „digitalen Profis“, die in ihrem Beruf intensiv mit dem Internet zu tun haben, und der „digitalen Avantgarde“, die das Internet zu ihrem Lebensstil gemacht haben. Allerdings könnten mobile Geräte eine Verschiebung auslösen. Die einfache Bedienung der Tabletcomputer öffnet vielen Menschen den Zugang zum Internet, die bisher die Bedienung eines Personalcomputers gescheut haben. Die digitale Spaltung der Gesellschaft ist aber weiterhin nicht überwunden.

Mit Ausnahme der Online-Werber, die zumindest in Europa ein unerreicht hohes technisches Niveau haben, liegt Deutschland in vielen Ranglisten wie der Internetnutzung in Haushalten, Unternehmen und Schulen, dem E-Commerce-Umsatz oder der Nutzung des mobilen Internet bestenfalls auf mittleren Plätzen im Vergleich mit anderen Industrieländern, wie der aktuelle Monitoring-Report Deutschland Digital 2011 von TNS Infratest ergeben hat.

Etwas besser steht Deutschland da, wenn der Standort für die gesamte Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) betrachtet wird. „Die Leistung des IKT-Standorts Deutschland hat sich im Vergleich zu den 14 Top-Standorten verbessert, bleibt aber Mittelmaß“, heißt es im Monitoring-Bericht. Länder wie Südkorea, die Vereinigten Staaten und Großbritannien liegen an der Spitze. Deutschland hat sich nach dieser Messung von Rang 7 auf Rang 6 im vergangenen Jahr verbessert, was allerdings am Abrutschen von Schweden liegt. Insgesamt steht Deutschland etwa auf einer Stufe mit den Niederlanden, Finnland und Frankreich. Allerdings erreicht Deutschland in keinem der 23 Indikatoren den ersten oder zweiten Platz.

Insgesamt erreicht die deutsche IKT-Branche mit einem Weltmarktanteil von 5,1 Prozent den vierten Platz im Länder-Ranking, wird ihren Umsatz in diesem Jahr wohl um 1,9 Prozent auf 127 Milliarden Euro steigern und 858 000 Menschen beschäftigen.

Ein wesentlicher Faktor für den Fortschritt im Internet ist die Breitbandversorgung. „Breitbandnetze haben eine ähnliche wirtschaftliche Bedeutung wie Straßen oder die Stromversorgung“, heißt es in der Studie. In Deutschland sind zwar vergleichsweise viele Haushalte an ein Breitbandnetz angeschlossen, aber die Leistungsfähigkeit der Netze ist eher gering. Mit durchschnittlich 17 Megabit je Sekunde liegt die Anschlussgeschwindigkeit in Deutschland deutlich unter dem Durchschnitt der OECD-Länder, die 37 Megabit erreichen. In Deutschland beherrschen vergleichsweise langsame DSL-Netze den Breitbandmarkt, während in anderen Ländern die schnelleren Kabelnetze oder gar moderne Glasfaserleitungen einen wesentlich höheren Anteil haben. Gerade auf dem Land ist die Versorgung mit dem High-Speed-Internet weiterhin schlecht. Und der Ausbau der modernen Glasfasernetze bis in die Haushalte hinein kommt in Deutschland nur sehr schleppend voran. Immerhin: Die Preise für das schnelle Internet sind in Deutschland sehr gering.

Aufgeholt hat Deutschland in der Nutzung des mobilen Internet. Der Anteil der Menschen, die mobil mit ihrem Smartphone ins Internet gehen, ist innerhalb eines Jahres von 23 auf 28 Prozent gestiegen, haben die Marktforscher herausgefunden. Dennoch ist Deutschland auch in dieser Disziplin nicht vorne dabei. In der Rangliste der Länder mit mobiler Breitbandversorgung liegt Deutschland mit 26 Prozent auf Rang 13. Spitzenreiter ist Südkorea, wo 90 Prozent der Einwohner schnell und mobil im Internet surfen können. Der OECD-Durchschnitt beträgt 42 Prozent Versorgung. Zwar haben die Mobilfunkunternehmen inzwischen viele „weiße Flecken“ ohne DSL- oder Kabelzugang mit der vierten Mobilfunkgeneration LTE versorgt, doch der Nachholbedarf Deutschlands bleibt, attestieren die Marktforscher. Das mobile Internet ist in Deutschland noch eine Frage der Generation: Unter jungen Menschen sind Smartphones weit stärker verbreitet als unter älteren Menschen.

Die beste Plazierung erreicht Deutschland in der Online-Werbung, berechnet als Anteil der Online-Werbung am gesamten Werbemarkt. In dieser Kategorie belegt Deutschland Rang 3. Besser sind nur Großbritannien und Südkorea. Allerdings zeigt diese Zahl nicht, dass der Großteil der Online-Werbeumsätze in Deutschland in die Taschen amerikanischer Unternehmen fließt. Mindestens die Hälfte der Einnahmen geht direkt an Google. Werden die anderen Unternehmen wie Facebook, Yahoo, Microsoft oder Ebay mitgerechnet, sinkt der Anteil deutscher Unternehmen am Online-Werbemarkt auf bestenfalls ein Drittel. Der Einkauf im Internet macht etwa 22 Milliarden Euro aus, was Deutschland – umgerechnet auf die Bevölkerung – Rang 9 in der Rangliste einbringt.

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Von der Politik ist bisher nur wenig Hilfe für das Internet gekommen: Die Datenschutz-Debatte im Kompetenzgerangel von gleich drei Bundesministerien und stetige Unsicherheit über das Urheber- oder Leistungsschutzrecht helfen der Branche nicht. Dabei wird das Internet für die Unternehmen immer wichtiger. „Für die deutsche Wirtschaft ist das Web die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts: Es treibt die Konjunktur an und öffnet die Tür zu neuen Geschäftsfeldern“, sagt Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). 18 Prozent der Unternehmen erstellen ihr Kernprodukt inzwischen im Internet, und in weiteren 32 Prozent der Unternehmen hängen wesentliche Geschäftsprozesse vom Internet ab. Das bedeutet: Die Geschäfte der Hälfte aller Unternehmen in Deutschland sind inzwischen mittelmäßig bis stark vom Internet abhängig.

Zu diesem Bild zu: Im Internet ist Deutschland nur MittelmaßErgebnis kommt das IW mit einer Untersuchung der Geschäftsmodelle von 2500 Unternehmen in Deutschland. Besonders hoch ist die Bedeutung des Netzes für die Beziehungen zu Kunden und die Kooperation mit Partnern. Die andere Hälfte teilt sich auf in 32 Prozent traditioneller Unternehmen („Digitale Nachzügler“), die schwach oder sehr schwach vom Internet abhängig sind, und 18 Prozent, die das Internet gar nicht nutzen („Offliner“). Die digitalen Vorreiter sind in der Regel innovativer, erzielen also höhere Anteile ihres Umsatzes mit neuen Produkten und beschäftigen weit mehr Akademiker, hat die Studie ergeben. Für den Exporterfolg spielt das Netz keine wesentliche Rolle. Werden die verschiedenen Branchen betrachtet, spielt das Netz für die wirtschaftsnahen Dienstleistungen die größte Rolle: 27 Prozent des Umsatzes werden im Internet erzielt. Der Anteil der Unternehmen, die soziale Medien wie Facebook einsetzen, beträgt in diesem Wirtschaftszweig 46 Prozent. Im Handel und Gastgewerbe werden 27 Prozent des Umsatzes im Netz erzielt, während 35 Prozent Social Media nutzen. Banken und Versicherungen haben einen Online-Umsatzanteil von 23 Prozent, aber fast die Hälfte (47 Prozent) ist in den sozialen Medien aktiv. Das verarbeitende Gewerbe, der größte Zweig der deutschen Wirtschaft, erreicht einen Online-Umsatzanteil von 19 Prozent und 24 Prozent Social-Media-Nutzung. 

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15 Lesermeinungen

  1. Sehr gute Faktensammlung,...
    Sehr gute Faktensammlung, passend zum IT-Gipfel. Danke!

  2. Mobile Nutzung des Internets:...
    Mobile Nutzung des Internets: Alles eine Preisfrage. Bei einer echten Flatrate ohne Begrenzungen mit flächendeckend mindestens 2 MB/s und 10 €uro/Monat sähe es ganz anders aus.

  3. Vielen Dank für diese sehr...
    Vielen Dank für diese sehr interessanten Zahlen. Ergänzen und hinweisen möchte ich noch auf das Buch von Li/Bernoff zum Thema „Blogs“ – hier liegt Deutschalnd in der Nutzung und in Sachen Interaktion weit hinter den angloamerikanischen und Südkorea, Japan. Es wird weniger gelesen, kommentiert oder Beiträge verfasst.

  4. @bernhard: zum einen das, zum...
    @bernhard: zum einen das, zum anderen liegt die extreme mobile internetnutzung in japan/südkorea an den vielen pendlern, die dort mehrere stunden am tag in bahn/u-bahn etc. verbringen. mobile web hat dort sogar einen größeren anteil als web vom schreibtisch aus.

  5. Gehen wir mal davon aus dass...
    Gehen wir mal davon aus dass wir erst ganz am Anfang des neuen Zeitalters stehen. Wenn die „vorsintflutlichen Telefonleitungen“ irgendwann mal ganz verschwunden sind und die Leute alle ueber vernuenftige Verbindungsmoeglichkeiten verfuegen, wird sich das Bild rasant aendern.
    Solange wie das nicht passiert, stellt der Standort Deutschland sich internetmaessig selbst ein Bein. Aber so sind sie halt die Deutschen;
    Baustellen ohne Ende………..
    Wobei jeder 3. Deutsche seine Weihnachtseinkäufe im Internet tätigt lt .Statistik
    Wie gut dass mein Business international ausgerichtet ist.

  6. Deutschland ist also...
    Deutschland ist also „bestenfalls Mittelmaß“, soso. In der Studie wurden 15 Staaten analysiert, das ist schon einmal eine Auswahl der mächtigsten Staaten der Welt, und DARIN liegt Deutschland im mittleren Bereich. Das heißt, Deutschland belegt, was die „digitale Gesellschaft“ anbelangt, im absoluten Spitzenbereich weltweit und hat nur ganz wenige Länder wie Südkorea, einen absoluten IT-Riesen, vor sich.
    Deutschland hier „bestenfalls Mittelmaß“ zu bescheinigen ist völlig absurd. Dass der „Netzökonom“ sich hier für Verbands-PR missbrauchen lässt, ist einfach nur peinlich.
    Dass Dinge wie „Datenschutz“ in der Studie als Hemmnis gelten, sprich übrigens auch für sich.

  7. "Im Internet ist Deutschland...
    „Im Internet ist Deutschland nur Mittelmaß“? Ach? Und nu? Müssen wir jetzt alle sterben? Oder bekommen wir Hausarrest? Oder wie oder was?

  8. Vollkommen überflüssiger...
    Vollkommen überflüssiger Kommentar!
    Wir leben in einer welt, die nur auf Pumnp finaniziert ist.
    Die ganzen Förderungen gingen zu Lasten derer, die realistzisch und ehrluich Geld verdient haben.
    Außerdem müssen sie mal realisieren, wann das Internet überhaupt eingeführt worden ist.
    Vor allem lassen wir uns in Deutschland n icht mehr von Ihnen verarschen, weil die Mehrheit der Weltbevölkerung keinen Zuganz zum Internet hat und weil nicht mal in Amerika der Umggang in der form gepflegt wird, wie sie ihn hier erwarten.
    Sie sollten mal realisieren, dass wir noch normale menschen brauchen, die nicht täglich vor der Glotze sitzen oder zeit haben im Internet zu surfen oder im Internet zu spielen, weil Sie dafür sorgen, dass sie überhaupt noch was zu Essen auf dem Tisch haben und das stinknormale Leben überhaupt noch funktioniert.
    sie nehmen sich einfach viel zu wichtig und leben voll an der Realität vorbei, vor allem was die ganzen Menschen betrifft, die noch vor 20 jahren mit Schreibmaschinen geschrieben haben.
    Außerdem leugnen sie den Kostenfaktor und wollen auch das noch vom Steuerzahler finanziert haben. Ich würde derlei Subventionen für sie vollkommen streichen! Ganz abgesehen von den unlauteren Mitteln, mit denen das Internet eh aufgebaut wurde, von wegen schnellen Datentransfer, Sicherheit im Internet ect.
    Sie werden bald merken, dass Sie vom Internet alleine nicht leben können, wenn sie plötzlich vor einem leeren Kühlschrank stehen und Ihnen sonst alles Mögliche ausgeht!

  9. Die Statistik is Blödsinn und...
    Die Statistik is Blödsinn und nicht aussagekräftig. Auch Südkorea ist niemals zu 92% erschlossen. Auch erschießt sich mir überhaupt nicht warum ein superschneller Internetzugang wichtig ist. Außer natürlich für Leute die davon leben.
    In Deutschland gibt es neben dem Internet auch noch Geschäfte in denen man einkaufen kann. Also sind alle Statistiken innen denen das Internet hoch gejubelt und das Land als rückständig dargestellt wird wenn nicht 100% im Internet gehandelt wird, Blödsinn.

  10. @ Ruth Hoefer

    "Gehen wir mal...
    @ Ruth Hoefer
    „Gehen wir mal davon aus dass wir erst ganz am Anfang des neuen Zeitalters stehen.“
    Das korrespondiert mit der Aussage des Einleitungstextes, im Internet sei Deutschland nur Mittelmaß. Ich weiß nicht, ob Deutschland wirklich unbedingt in die Spitzengruppe aufschließen muss, wenn der Preis dafür wäre, dass wir, wie Matthias Kampmann sagt, dafür mehrere Stunden täglich im Zug sitzen müssen wie die Südkoreaner. Mir persönlich wäre das eher unangenehm.
    Auch wenn „wir“ im Internet nur Mittelmaß sind – in Sachen Software sind wir Spitze. Vor allem Überwachungssoftware. Die Firma Digitask geht hier mit gutem Beispiel voran, aber es gibt auch den Verdacht, dass eine andere deutsche Software-Größe dem Iran die Mittel an die Hand gegeben hat, die Grüne Revolution niederzuschlagen:
    http://www.ybersinn.de/2011/12/03/diemens001/
    Also: Deutschland braucht sich nicht zu verstecken!

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