Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

"Das ist Twitters große Wette"

| 11 Lesermeinungen

Twitter hat nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer am Tag, wächst in Deutschland aber kaum noch. Nun will Twitter in Deutschland Gas geben und sucht einen Geschäftsführer, sagt Twitters Plattform-Chef Ryan Sarver im Interview. Der neue Geschäftsführer soll den Deutschen auch erklären, warum Twitter eigentlich ganz einfach zu nutzen ist. Das neue Design der Homepage soll den Nutzern die interessantesten Inhalte zeigen. "Das ist Teil der großen Wette, die Twitter eingegangen ist", sagte Sarver.

Bild zu: "Das ist Twitters große Wette"Twitter hat nach eigenen Angaben 100 Millionen aktive Nutzer, wächst in Deutschland aber kaum noch. Nun will Twitter in Deutschland Gas geben und sucht einen Geschäftsführer, sagt Twitters Plattform-Chef Ryan Sarver im Interview. Der neue Geschäftsführer soll den Deutschen auch erklären, warum Twitter eigentlich ganz einfach zu nutzen ist. Das neue Design der Homepage soll den Nutzern die interessantesten Inhalte zeigen. „Das ist Teil der großen Wette, die Twitter eingegangen ist“, sagte Sarver.

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Herr Sarver, Twitter ist in anderen Ländern weit populärer als in Deutschland. Was macht Twitter hier falsch?

Deutschland ist für Twitter natürlich sehr wichtig und daher werden wir in Deutschland mehr investieren und präsenter sein. Wir finden gerade heraus, wo Twitter in Deutschland steht und wie wir hier vorankommen können. Aber wir haben noch keine Mitarbeiter in Deutschland, die das vorantreiben. Mitarbeiter zu akquirieren wäre der erste Schritt.

Also suchen Sie nach einem Geschäftsführer in Deutschland?

Ja, das werden wir definitiv tun. Wir wissen aber noch nicht, ob das nächsten Monat oder erst in sechs Monaten geschehen wird. Wir müssen die richtige Person finden.

Ist Twitter einfach zu kompliziert?

Die Menschen glauben, dass sie auf Twitter auch aktiv sein müssen, also Tweets schreiben. Das ist nicht der Fall. Die große Mehrheit unserer Nutzer twittert gar nicht, sondern nutzt Twitter, um interessante Inhalte zu finden. Das ist für uns voll okay.

Ist das neue Design der Seite ein Schritt in diese Richtung – Twitter als Entdeckungsinstrument für spannende Inhalte?

Jeden Tag werden 250 Millionen Tweets verschickt. Jeder Mensch kann natürlich nur einen kleinen Ausschnitt davon verfolgen. Wir möchten herausfinden, wofür sich unsere Nutzer interessieren und ihnen die Inhalte zeigen, die sie ansonsten verpasst hätten. Diese Inhalte sind in der neuen Rubrik „Discover“ zu sehen. Das ist Teil der großen Wette, die Twitter eingegangen ist. Wir haben gerade ein ganzes Team für diese Aufgabe akquiriert und investieren kräftig in diese Funktion. Das ist ein großer Teil der Zukunft von Twitter.

Welche Inhalte wird Twitter neben den Tweets anzeigen?

Im Moment zeigen wir nur Fotos und Videos. Wir schauen uns auch an, Artikel direkt auf Twitter zu zeigen. Das wäre ein natürlicher Schritt, denn es gibt Tonnen von Artikeln, die auf Twitter laufen. Im Moment ist die Zahl der Seiten limitiert, aber das wollen wir ändern. Wir arbeiten gerade an der Infrastruktur. Kooperationen mit Medienunternehmen testen wir in Amerika schon mit Erfolg. Das wollen wir auch in Europa und in Deutschland tun, benötigen dafür aber zuerst ein Team hier.

Wie funktioniert der Algorithmus, der die „Stories“ identifiziert, die für einen Nutzer interessant sein sollen?

Wir nutzen Informationen wie „wem folgt ein Nutzer“, „wo ist er“, und „welche Sprache spricht er“. Aber wir stehen in der Entwicklung  noch am Anfang. Wir wollen im neuen Design auch die Konversationen zusammenfassen. Wenn Lady Gaga einen Tweet sendet, gehen etwa 300 verschiedene Konversationen auf Twitter los. Wir arbeiten daran, diese Konversationen an einer Stelle zu zeigen,

Google+ entwickelt sich gerade in Richtung Twitter, als Informationstool, das die Diskussionen besser abbilden kann. Wie wird sich dieser Wettbewerb entwickeln? Werden sich die Nutzer irgendwann zwischen Twitter und Google+ entscheiden müssen?

Global sehen wir Google+ nicht als Wettbewerber, der die Nutzer zu einer Entscheidung zwingt. Wir setzen auf die Einfachheit unserer Site. Das wird uns die Abgrenzung vom Wettbewerb ermöglichen. Die Beiträge auf Google+ sind länger. Wir geben Nutzern die Möglichkeit, Inhalte sehr schnell zu scannen. Daher haben die Inhalte in der Timeline immer die gleiche Länge. Die Demokratie der Inhalte ist sehr wichtig für uns.

Wie wichtig ist der Ort der Twitter-Nutzer? Wie viele Nutzer teilen Twitter per GPS ihren aktuellen Aufenthaltsort mit?

Oh, das weiß ich gar nicht genau. Wir konzentrieren uns im Moment auch nicht auf dieses Thema Hyperlokal. Ich glaube, dass wird uns im Moment nicht die neuen Nutzer bringen, die wir gewinnen wollen. Wir denken eher in die Richtung, wie wir auch die Nutzer gewinnen können, die kein modernes Smartphone haben. Also in Richtung SMS und Feature Phones. Um möglichst viele Nutzer zu gewinnen, muss man diesen Weg gehen.

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In eigener Sache:  Dies ist mein letzter Beitrag im Netzökonom-Blog an dieser Stelle. Ich melde mich im neuen Jahr von neuer Stelle zurück. Bis hierhin schon einmal vielen Dank an alle Leser und Kommentatoren!

Die Seiten des Netzökonom-Blogs auf Twitter, Facebook und Google+ bleiben unverändert.

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11 Lesermeinungen

  1. <p>Das wird ganz sicher nicht...
    Das wird ganz sicher nicht einfach. In der Tat ist inzwischen durch den Eintritt von Google+ in den Bereich der sozialen Netzwerke noch ein starker Konkurrent dazugekommen. Als Nutzer möche ich eigentlich nicht meine Erlebnisse, Käufe und Erfahrungen erst auf Facebook, dann auf Twitter und nachher noch auf Google+ kommunizieren. Meines Erachtens wird Twitter es nicht nur in Deutschland schwerer haben. Das angesprochene Thema „Suche“ ist sicher auf anderen Portalen besser gelöst und im Durchschnitt liefern andere Wege auch bessere und nachhaltigere Ergebnisse.

  2. Guten Rutsch. Danke für deine...
    Guten Rutsch. Danke für deine Beiträge.

  3. Hi Dear - Twitter-People -...
    Hi Dear – Twitter-People – Just contact me on Twitter…Ich mache für Euch die neue Geschäftsführerin. Freelance of course. Wenn ich Twitter kapiert habe, und zwar ohne „Hilfe von computergestützten Söhnen“ – dann kapieren es auch andere.
    Auf LINKEDIN werden die Tweets übrigens ebenfalls gesendet…So we use it in different languages and even for poetry..

  4. Was böoß soll ich mit dem...
    Was böoß soll ich mit dem Schwachsinn anfangen, den irgendwelche Wichtigtuer zu irgendwelchem Nonens „twittern“ !? Irrelevante Zeitverschwendung !

  5. <p>danke für die zahlreichen...
    danke für die zahlreichen tollen Beiträge hier im Blog – hoffentlich gehts genauso weiter.

  6. <p>Ich nutze sowohl Twitter,...
    Ich nutze sowohl Twitter, Facebook als auch G+ und begrüße die geplanten und schon erstellten Änderungen und Neuerungen bei Twitter. Ich denke und beobachte, rein subjektiv natürlich, dass es sehr wohl ein Bedürfnis an dieser Form der Kommunikation gibt. Kurze Statements, Einbindung von Medien und nicht viel Zeit in die Beiträge investieren. Zeit verschlingt Twitter allerdings sehr viel durch die asynchrone Kommunikation. Hier sollte tatsächlich das system überarbeitet werden.
    G+ ist meines Erachtens nach dem ersten Hype nichts spektakuläres. Relativ wenig Kommuniktion und Links allerorten um auch via +1 ein besseres Google-Ranking zu erhalten. Ich bin auch gespannt , wie es weiter geht.
    Für Ihre neue Aufgabe wünsche ich Ihnen viel Glück und Erfolg!

  7. Viel Erfolg beim neuen...
    Viel Erfolg beim neuen Arbeitgeber in 2012 und danke für die vielen interessanten Beiträge hier.

  8. Vielen Dank für die...
    Vielen Dank für die unzähligen inspirierenden Beiträge hier … und schöne Festtage.

  9. Das Design erinnert bald...
    Das Design erinnert bald wirklich an ein ausgereiftes soziales Netzwerk. Ich denk das strebt Twitter die nächsten Jahre auch an, nämlich die Besuchszeit bzw. die Verweildauer der Besucher auf Twitter zu steigern, damit würden sich die Werbeeinnahmen nicht nur mehr als vervielfachen, sondern die Popularität und die Unterseiten wären für die SERPS umso interessanter.

  10. Also dann ist ja fast Google+...
    Also dann ist ja fast Google+ mit seinen 65 Mio. Usern fast dran – Social Media war im Jahre 2011 sehr präsent.
    Daneben einen guten Rutsch in das Jahr 2012.

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