Netzwirtschaft

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Mark Zuckerbergs Weggefährten

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Der Vorstandschef von Facebook hatte bei der Gründung im Jahr 2004 mehrere Mitstreiter. Keiner von ihnen ist heute noch im Unternehmen. Aber Chris Hughes, Dustin Moskovitz und Eduardo Saverin sind nicht in der Versenkung verschwunden, sondern machen heute außerhalb von Facebook von sich reden. Ihre Facebook-Aktien haben sie dazu in eine komfortable Ausgangsposition gebracht.

Bild zu: Mark Zuckerbergs WeggefährtenMark Zuckerberg (Bild links) ist die alles überstrahlende Figur von Facebook. Daran gibt es spätestens seit der Veröffentlichung des Börsenprospekts im Februar keine Zweifel mehr, der enthüllte, dass Zuckerberg eine Mehrheit der Stimmrechte kontrolliert. Schon vorher galt Facebook in der Öffentlichkeit vor allem als Zuckerbergs Baby, und es wurde oft vergessen, dass er nicht alleine war, als das soziale Netzwerk im Jahr 2004 entstanden ist. Es war ein Gemeinschaftswerk von Zuckerberg und einigen seiner Kommilitonen, ausgeheckt in ihrem Wohnheim an der Elite-Universität Harvard. Um die Entstehungsgeschichte von Facebook gab es einige Kontroversen, die Gegenstand des preisgekrönten Films „Das soziale Netzwerk“ aus dem Jahr 2010 wurden.

Nach offizieller Darstellung des Unternehmens hatte Facebook neben Zuckerberg drei weitere Gründer: Dustin Moskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin. Keiner von ihnen ist heute noch im Unternehmen, was einer der Gründe ist, warum Facebook vor allem mit Zuckerberg identifiziert wird. Die drei Mitstreiter aus den Anfangstagen haben jeweils unterschiedlich lange Zeit bei Facebook verbracht und sie haben auch verschieden große Aktienpakete. Sie alle dürften aber nach dem Börsengang angesichts der angepeilten Bewertung von bis zu 100 Milliarden Dollar über ein stattliches Vermögen verfügen, jedenfalls auf dem Papier. Keiner der Mitgründer ist nach seinem Ausscheiden bei Facebook in der Versenkung verschwunden. Sie alle machen regelmäßig von sich reden, sei es als Gründer eigener Unternehmen, als Investoren oder mit wohltätigem und politischem Engagement.

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Zuletzt sorgte in der vergangenen Woche der 28 Jahre alte Chris Hughes (Bild rechts) mit der Nachricht für Aufsehen, dass er unter die Verleger gehen will. Hughes kaufte die Zeitschrift „The New Republic“, eine fast hundert Jahre alte Publikation mit liberaler Ausrichtung, die in Amerika großes Ansehen genießt, aber mit Auflagenschwund kämpft. Hughes wird nicht nur Eigentümer, sondern auch Herausgeber und Chefredakteur. Er hat zu seinem Antritt versprochen, nach jahrelangen Einschnitten die Redaktion wieder aufzustocken. Er will die Verbreitung der Zeitschrift in elektronischer Form forcieren. Der „New York Times“ sagte er, er wolle zwar die gedruckte Version des Magazins nicht einstellen, aber nach seiner Auffassung werde in fünf bis zehn Jahren die weit überwiegende Mehrheit der Bezieher den „New Republic“ auf einem Tablet wie dem iPad lesen.

Hughes ist der Geisteswissenschaftler unter den Facebook-Gründern. Er studierte Geschichte und Literatur und hatte mit Programmieren wenig am Hut. In seiner Facebook-Zeit war er zum Beispiel für die Unternehmenskommunikation zuständig. Anders als etwa Zuckerberg schmiss Hughes sein Studium nicht hin, sondern machte erst seinen Abschluss in Harvard, bevor er ins Silicon Valley zog, wo sich Facebook niedergelassen hatte. 2007 verabschiedete er sich wieder und ließ sich für die Präsidentschaftskampagne von Barack Obama anheuern. Er koordinierte die Internetaktivitäten und half, Obama-Anhänger online zu mobilisieren, etwa zu Aktionen oder zum Spendensammeln. Die Online-Organisation galt im Nachhinein als wichtiger Baustein für Obamas Erfolg, die Zeitschrift „Fast Compmany“ schrieb 2009 eine Titelgeschichte über Hughes mit der Überschrift: „Der Junge, der Obama zum Präsidenten machte.“ Nach seiner Arbeit für Obama versuchte sich Hughes selbst als Unternehmer und gründete Jumo, eine Art soziales Netzwerk für wohltätige Organisationen. Die Seite war aber kein durchschlagender Erfolg und wurde vor einigen Monaten mit einem Wettbewerber verschmolzen, Hughes hat hier nur noch eine Beraterrolle. Heute lebt Hughes in New York und ist hier zusammen mit seinem in die Politik strebenden Verlobten Sean Eldridge sehr präsent, die beiden gelten in der Stadt als eine Art junges Power-Paar. Unter allen offiziellen Facebook-Gründern hat Hughes das kleinste Aktienpaket, sein Anteil am Unternehmen wird auf weniger als ein Prozent geschätzt.

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Dagegen gehört der 27 Jahre alte Dustin Moskovitz (Bild links) zu den größten Facebook-Aktionären. Sein Anteil liegt laut Börsenprospekt bei 7,6 Prozent, auf der „Forbes“-Liste steht er als jüngster Milliardär der Welt (er ist acht Tage jünger als Zuckerberg). Die mit seinen Aktien verbundenen Stimmrechte hat er an Zuckerberg übertragen. Von allen Gründern ist Moskovitz der engste Weggefährte von Zuckerberg: Die beiden brachen zusammen ihr Harvard-Studium ab, um sich auf Facebook zu konzentrieren. Moskovitz hatte Wirtschaft studiert und sich das Programmieren selbst beigebracht, bei Facebook war er Technologievorstand und Chef der Softwareentwicklung. Er verließ Facebook im Herbst 2008 als letzter der Ko-Gründer. Er betätigte sich seither als Investor und gründete zusammen mit einem vorherigen Facebook-Kollegen ein eigenes Unternehmen mit dem Namen Asana, das auf internetbasierte Unternehmenssoftware spezialisiert ist. Daneben fällt Moskovitz mit wohltätigem Engagement auf: Er hat eine Stiftung mit dem Namen „Good Ventures“ gegründet, die von seiner Verlobten Cari Tuna geführt wird. Wie Zuckerberg hat er sich außerdem dem Spendenaufruf „Giving Pledge“ von Bill Gates und Warren Buffett angeschlossen – und somit versprochen, mehr als die Hälfte seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu verwenden.

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Der 29 Jahre alte Eduardo Saverin (Bild rechts) ist der wohl prominenteste von Zuckerbergs Mitgründern, denn seine Geschichte war ein wichtiger Teil des Films. Saverin, der aus einer wohlhabenden brasilianischen Familie stammt, war in der Anfangszeit von Facebook für die geschäftliche Seite verantwortlich und gab auch Startkapital. In der Hollywood-Version der Facebook-Geschichte wurde Saverin von Zuckerberg schon bald aus dem Unternehmen gedrängt, und sein Anteil wurde extrem verwässert. Saverin hat sich nie konkret geäußert, inwiefern der Film den Tatsachen entspricht. Er hat einen Rechtsstreit mit Facebook vor einigen Jahren mit einem Vergleich beigelegt, mit dem sich sein Schweigen erklären dürfte. Er soll einen 5-Prozent-Anteil am Unternehmen bekommen haben, Facebook erkannte ihn außerdem als einen der vier offiziellen Ko-Gründer an, was vorher nicht der Fall war. Saverin lebt seit mehr als zwei Jahren in Singapur. Er hat in einige junge Unternehmen aus Amerika und Singapur investiert, laut „Forbes“ hat er mehr als die Hälfte seiner Facebook-Aktien verkauft. Saverin zeigt sich von allen Gründern am seltensten in der Öffentlichkeit. Wenn er sich doch einmal äußert, ist von ihm kein ungutes Wort über Facebook zu hören.

Neben Zuckerberg, Moskovitz, Hughes und Saverin wird in der Branche oft noch als fünfter Gründer Andrew McCollum genannt, der am Anfang beim grafischen Erscheinungsbild der Facebook-Seite half. McCollum hat Facebook 2006 verlassen und sein Studium abgeschlossen, heute ist er unter anderem Investor. Facebook würdigt ihn nicht mit dem offiziellen Rang eines Mitgründers.

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(Fotos: dpa/AFP/The New York Times-Laif/Getty Images)

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1 Lesermeinung

  1. Sehr interessante Darstellung...
    Sehr interessante Darstellung über Facebook. Es ist wirklich die beste Übersicht, die ich bisher auf einer deutschen Seite gelesen habe. Hut ab

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