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Der nächste schwere Patzer von Groupon

01.04.2012, 11:58 Uhr  ·  Die Rabattplattform hat viele Zweifler, die ihr Geschäftsmodell nicht für langfristig tragfähig halten. Daneben ist der Börsenneuling auch mit wenig vertrauenserweckender Bilanzierung ins Zwielicht geraten. Jetzt musste Groupon seinen Quartalsbericht nachträglich korrigieren - weil Kunden mehr Gutscheine zurückgeben als erwartet.

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Das Rabattportal Groupon hat schon seit geraumer Zeit Zweifler, und die Fragen nach den Zukunftsaussichten des Unternehmens sind nach dem Börsengang im November nicht weniger geworden: Ist das Geschäftsmodell langfristig tragfähig? Werden die Leute angesichts des ständigen Bombardements mit Emails, die Schnäppchen versprechen, nicht allmählich rabattmüde? Warum muss Groupon so viel Geld ins Marketing pumpen? Lohnen sich die Gutscheine für die Partner von Groupon, bei denen angesichts der drastischen Preisnachlässe und der vom Unternehmen eingestrichenen Provision oft nicht allzu viel Geld ankommt?

Dazu kommt, dass die Bilanzierungsmethoden von Groupon bislang alles andere vertrauenserweckend waren. Das galt schon vor dem Börsengang und – wie sich jetzt herausgestellt hat – auch nachher. Am Freitag nach Börsenschluss kündigte Groupon an, den Bericht für das vierte Quartal nachträglich korrigieren zu müssen. Grund sind höher als erwartete Rückerstattungen an die Käufer der Gutscheine, die Groupon anbietet. Die Korrektur reduziert die ursprünglich gemeldeten Umsätze, sie erhöht den Nettoverlust und sie sorgt dafür, dass der positive operative Gewinn komplett ausgelöscht wird. Groupon gab in einer Mitteilung außerdem zu, „erhebliche Schwächen in den internen Kontrollen” mit Blick auf die Finanzberichterstattung des vergangenen Jahres entdeckt zu haben. Um diese Schwächen auszumerzen, soll nun unter anderem mehr Personal für die Finanzabteilung eingestellt werden. Der Aktienkurs von Groupon rutschte am Freitag nachbörslich zeitweise um 6 Prozent auf 17,25 Dollar ab. Die Groupon-Aktien kamen im vergangenen November zu einem Ausgabepreis von 20 Dollar an die Börse, und der Kurs legte zunächst deutlich zu. Zuletzt notierten sie aber deutlich unter dem Ausgabpreis.

Groupon gehörte in den vergangenen Jahren zu den Senkrechtstartern der Internetbranche. Das Unternehmen verkauft Gutscheine, die dramatische Preisnachlässe von oft 50 Prozent und mehr für Restaurantbesuche, Yoga-Kurse oder Reisen bringen. Groupon ist seinen Schnäppchenangeboten rasant gewachsen, und der Börsengang wurde mit Spannung erwartet.

Schon im Vorfeld der Premiere an der Wall Street geriet das Unternehmen wegen aggressiver Bilanzierungsmethoden ins Zwielicht. Die Börsenaufsicht SEC störte sich zum Beispiel an einer im Börsenprospekt verwendeten Gewinnkennzahl, die Marketingkosten zur Akquisition neuer Kunden herausrechnet. Groupon sah sich zudem gezwungen, seinen Umsatz völlig neu zu definieren und die vormals in der Kennzahl enthaltenen Provisionen, die an die Partner abgeführt werden, herauszurechnen.

Der im Februar vorgelegte erste Quartalsbericht nach dem Börsengang wurde von den Finanzmärkten mit Enttäuschung aufgenommen. Groupon meldete zwar einen überraschend großen Umsatzsprung von 172 Millionen auf 503 Millionen Dollar. Aber Groupon wies einen Nettoverlust von 43 Millionen Dollar aus.

Mit der nun gemeldeten Korrektur trübt sich das Bild weiter ein. Groupon begründet den Schritt damit, dass mehr Kunden Gutscheine wieder zurückgegeben und damit die Erstattungspolitik des Unternehmens in Anspruch genommen haben. Groupon stellt einen Teil seiner Umsätze für solche Erstattungen zurück. Allerdings seien die Rückgaberaten für die im vierten Quartal verkauften Gutscheine höher ausgefallen als erwartet. Groupon führt dies auf eine Veränderung beim Produktmix hin zu mehr höherpreisigen Gutscheinen zurück, etwa Laserbehandlungen am Auge. Das Unternehmen habe nun festgestellt, dass solche teureren Gutscheine häufiger zurückgegeben werden.

Nach der Mitteilung vom Freitag reduziert sich der Umsatz um 14 Millionen Dollar und der Nettoverlust weitet sich um 23 Millionen Dollar aus. Das operative Ergebnis, das im Februar noch mit 15 Millionen Dollar angegeben wurde, wird nun um 30 Millionen Dollar reduziert – somit ergibt sich ein operativer Verlust von 15 Millionen Dollar. Die Korrektur könnte nun für Groupon auch juristische Konsequenzen haben. Eine ganze Reihe von Anwaltskanzleien, die auf Aktionärsklagen spezialisiert sind, gaben Pressemitteilungen heraus und kündigten an, die Bilanzierungsfehler auf etwaige Verstöße gegen Wertpapiergesetze zu untersuchen.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (3)
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0 kaicito 03.04.2012, 17:10 Uhr

Als bekennender...

Als bekennender Groupon-Gelegenheitsnutzer muss ich anfügen, dass die "Nachlässe von 50% und mehr" häufig schwer nachvollziehbar sind. Ein Spielzeug, dessen Groupon-Preis von 29,99 kürzlich angeblich 50% Ersparnis bedeutete, war zeitgleich bei amazon regulär zu 31,95 erhältlich. Dies ist sicher nicht die Regel, aber auch bei Restaurantcoupons bleibt gelegentlich unklar, ob Groupon-Kunden nicht eher mit abgespeckten Versionen der angeblich regulären Menüs abgespeist werden. Das Geschäftsmodell bleibt auch aus Kundensicht zwiespältig.

0 trotter5 04.04.2012, 10:44 Uhr

Groupon ist wahrscheinlich...

Groupon ist wahrscheinlich tot, wenn die nicht weiter vertreiben. Vielleicht wird ein Teil der Vertriebskosten eingespart werden können, aber eben nur ein Teil. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Geschäftsmodell auf irgendwas sinnvolles zusteuert oder jemals profitabel sein wird. Das ganze erinnert stark an an die diversen "Blasen" der Vergangenheit.

0 Alexander 04.04.2012, 12:10 Uhr

Preisnachlässe von mehr als...

Preisnachlässe von mehr als 50% nehme ich als Nutzer von Groupon gerne in Anspruch. Frage mich jedoch, welchen Nutzen die "kleinen" Partner von Groupon (Friseure, Zahnärzte, usw.) davon langfristig haben werden ... Warum sollte ich als Kunden heute die Hälfte für einen Haarschnitt oder professionelle Zahnreinigung zahlen und in einem Monat wieder den Normalpreis ... wenn ich bei Citydeal und Co. mir ähnliche Angebote holen kann? Das Frisieren der Bilanzen zeigt, außerdem dass das Modell für Investoren künstlich attraktiv gemacht werden soll ... frage mich auch hier, wie lange noch?

Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent der F.A.Z. in New York.