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Auferstanden aus Ruinen – der Telekommunikationsmarkt in Afghanistan

23.05.2012, 15:02 Uhr  ·  Vor zehn Jahren lag der Telekommunikationsmarkt in Afghanistan am Boden. Nun zeigt ein Bericht die positive Entwicklung auf. Doch es gibt noch viel zu tun.

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Die Zahlen sind so beeindruckend, dass es ein Wort am besten beschreibt: Der Telekommunikationsmarkt in Afghanistan sei in den vergangenen zehn Jahren explodiert, schreibt Javid Hamdard in seinem im März erschienenen Bericht zur Lage der Branche in dem kriegsumtobten Land. Der Bericht ist im Auftrag der Nichtregierungsorganisation Internews erschienen und wurde von der amerikanischen staatlichen Hilfsorganisation Usaid mitfinanziert.

Von einem Zustand mit kaum funktionierender Infrastruktur, berichtet Hamdard, habe sich der afghanische Telekommunikationssektor zu einem Boommarkt entwickelt, der ein nie zuvor gesehenes phänomenales Wachstum verzeichne und inzwischen einen erklecklichen Anteil der Staatseinnahmen ausmache: Mehr als 12 Prozent der staatlichen Einnahmen stammten aus dem Telekommunikationsmarkt.

Hamdard hat einen der ersten umfassenden Berichte vorgelegt, der die Entwicklung der Telekommunikation in Afghanistan nachzeichnen. Seinen Ergebnissen zufolge hat sich etwa die Telekommunikationsdichte in dem mittelasiatischen Land zwischen 2006 und 2012 fast verzehnfacht: Erreichten die verschiedenen Telekommunikationsarten wie Mobilfunk oder Festnetz vor sechs Jahren gerade einmal 7 von 100 Afghanen, haben inzwischen 64 von 100 Zugriff. Verzehnfacht hat sich auch die Zahl der Mobilfunkkunden. Sie ist im selben Zeitraum von 1,7 Millionen auf 17,1 Millionen gestiegen. Nicht ganz so stark gewachsen ist offensichtlich die Zahl der Internetnutzer. Sie stieg geschätzt von 200.000 auf rund 1,1 Millionen. Von den rund 30 Millionen Afghanen sind also derzeit gerade mal rund 4 Prozent online.

Einen großen Anteil an dem Wachstum hat offensichtlich auch ein relativ offener Wettbewerb: Erst zehn Jahre ist es her, dass in Afghanistan der erste private Telekommunikationsanbieter seinen Betrieb aufnahm, die Afghan Wireless Communications Company. Seitdem drängten mehr und mehr Anbieter auf den Markt. Inzwischen sind sechs Dienstleister aktiv, die Preise sind dementsprechend rapide gesunken: Kostete eine Sim-Karte vor zehn Jahren noch 250 Dollar, liegt der Preis inzwischen bei 1 Dollar. Auch die Preise für Gespräche sind stark gefallen (siehe Grafiken).

 

Bild zu: Auferstanden aus Ruinen - der Telekommunikationsmarkt in Afghanistan

 

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Insgesamt habe das explosionsartige Wachstum des Telekommunikationsmarktes in Afghanistan sowohl die Erwartungen des öffentlichen Sektors wie auch der Industrie übertroffen, schreibt Hamdard. Er könne auch als Modell für andere Infrastrukturprojekte dienen. „Jedoch bleibt dieses Wachstum und der Fortschritt zerbrechlich.” Als Herausforderungen nennt der Studienautor unter anderem, dass das Glasfasernetz weiter ausgebaut werden müsse und die Bandbreite der Netze verbessert werden müsse. „Nichtsdestoweniger hat Afghanistan einen modernen Telekommunikationssektor aufgebaut, der den Zugang zu Informationen, die wirtschaftlichen Möglichkeiten und den Lebensstandard der Bevölkerung erhöht hat.”

 

 

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft der F.A.Z.