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Nach dem Facebook-Zahltag: Investor Peter Thiel pumpt Geld in neue Unternehmen – mit anderer Strategie

24.06.2012, 12:09 Uhr  ·  Der aus Deutschland stammende Peter Thiel hat beim Börsengang von Facebook kräftig Kasse gemacht. Seine Einnahmen lässt er nicht ungenutzt herumliegen. Er hat jetzt seine zweite Wagniskapitalgesellschaft gegründet - in der Hoffnung, die nächsten bahnbrechenden Ideen aufzuspüren.

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Der Börsengang von Facebook mag viele Anleger enttäuscht haben, aber Peter Thiel muss sich nicht beklagen. Der aus Deutschland stammende Investor gehört zu den Altaktionären, die beim Börsengang Anteile verkauft haben, er ist sogar einer der berühmtesten. Thiel war der erste außenstehende Investor, er gab Facebook kurz nach der Gründung im Gegenzug für einen Anteil am Unternehmen 500000 Dollar. Seine damalige Begegnung mit Mitgründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg wurde im Film „The Social Network” verewigt. Thiel war auch einer derjenigen Altaktionäre, die wenige Tage vor dem Facebook-Börsengang deutlich mehr Anteile zum Verkauf freigaben – eine kontroverse Entscheidung, denn das aufgestockte Volumen der Emission wurde im Nachhinein von vielen Beobachtern als einer der Gründe angeführt, warum die Facebook-Aktie so schlecht aus den Startlöchern kam. Peter Thiel hat jedenfalls kräftig Kasse gemacht: Mit dem Verkauf von 16,8 Millionen statt der zunächst geplanten 7,7 Millionen Facebook-Aktien hat er beim Ausgabepreis von 38 Dollar rund 640 Millionen Dollar eingenommen. Ihm verbleiben 27,9 Millionen Aktien, die beim Schlusskurs am Freitag von 33,05 Dollar rund 920 Millionen Dollar wert sind.

Seine Einnahmen aus dem Facebook-Börsengang lässt der 44 Jahre alte Thiel nicht ungenutzt herumliegen. Vor wenigen Tagen kündigte er zusammen mit einigen Partnern die Gründung einer neuen Wagniskapitalgesellschaft mit dem Namen Mithril Capital Management an. Die Gesellschaft ist zunächst mit 402 Millionen Dollar ausgestattet, Thiel ist ihr größter Einzelinvestor, wobei er nicht verraten hat, wie viel Geld genau er beigesteuert hat.

Mit dem neuen Investmentvehikel hofft Thiel jetzt, die nächsten bahnbrechenden unternehmerischen Ideen aufzuspüren. Es ist seine zweite Wagniskapitalgesellschaft, neben dem 2005 aufgelegten Founders Fund. Mit dem Founders Fund hat Thiel in eine Reihe prominenter Unternehmen investiert, darunter Facebook und andere Internetdienste wie die Musikplattform Spotify, oder auch Gesellschaften aus ganz anderen Bereichen wie Robotik und Biotechnologie. Zu den Engagements des Founders Fund gehört auch das Raumfahrtunternehmen SpaceX, das vor einigen Wochen als erste private Gesellschaft einen Flug zur Raumstation ISS absolviert hat.

Mithril soll nun allerdings eine andere Strategie verfolgen als der Founders Fund, der tendenziell in sehr junge Unternehmen investiert. Die neue Gesellschaft sucht nach Technologieunternehmen auf der ganzen Welt, die ihre Gründertage hinter sich gelassen haben und in einem reiferen Stadium sind, aber auch auf absehbare Zeit noch keinen Börsengang anpeilen. Internetunternehmen in der Art von Facebook und anderer sozialer Netzwerke sind dabei offenbar nicht der Schwerpunkt. Thiel sagte in einer Mitteilung, sein Interesse ziele auf Technologien ab, die sich mit Herausforderungen wie Ressourcenknappheit und Krankheiten beschäftigen. Die Ambitionen sind groß: Thiels Mitgründer Ajay Royan sagte, die von Mithril ausgewählten Unternehmen sollen „Veränderungen anstoßen, die unvermeidlich erscheinen werden, nachdem sie passiert sind.” Der Name Mithril kommt aus den Romanen von J.R.R. Tolkien wie „Herr der Ringe”. Dort ist Mithril ein fiktives Metall, das sehr leicht ist, aber robuster als Stahl.

Thiels neuer Wagniskapitalprogramm kommt zu einer Zeit, in der andere Geldgeber zurückhaltender geworden sind. Nach Angaben des Branchenverbandes National Venture Capital Association haben Wagniskapitalgeber im ersten Quartal dieses Jahres 5,8 Milliarden Dollar investiert und damit 19 Prozent weniger als in den drei Monaten zuvor.

Peter Thiel ist 1967 in der Nähe von Frankfurt geboren, wanderte aber schon im Jahr danach mit seinen Eltern nach Amerika aus. Bevor er Investor wurde, war er selbst Internetunternehmer: Er war 1998 einer der Mitgründer des Online-Bezahldienstes Paypal, der 2002 für 1,5 Milliarden Dollar an den Internetmarktplatz Ebay verkauft wurde. Reich geworden mit dem Paypal-Verkauf, gründete Thiel zunächst den Hedge-Fonds Clarium Capital und dann den Founders Fund, mit dem er zu einem der prominentesten Investoren im Silicon Valley wurde.

Auf der Suche nach den nächsten Jungunternehmern hat Thiel vor einiger Zeit noch eine andere Initiative gestartet. Er schrieb ein Stipendium mit dem Namen „20 under 20″ aus, das jeweils 100000 Dollar an zwanzig Unternehmer versprach, die jünger als zwanzig Jahre sind. Die Stipendiaten sollten mit dem Geld ihre unternehmerischen Ideen verfolgen, anstatt erst einmal ein Studium abzuschließen. Das Programm hat für einige Aufregung gesorgt, weil es einer Aufforderung zum Studienabbruch gleichkommt. Thiel hat sich von der Kritik aber nicht beirren lassen und hat gerade den zweiten Jahrgang von Stipendiaten vorgestellt.

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Foto: AFP

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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0 Alexander Witt (BLH) 01.07.2012, 10:57 Uhr

Beachtliche Leistung von Herrn...

Beachtliche Leistung von Herrn Thiel: Potential von Facebook richtig eingeschätzt, frühzeitg investiert und rechtzeitig ausgecashed … und am Ende sogar noch 27,9 Mio. Facebook-Aktien im Depot behalten. Fairerweise sollte man ergänzen, dass solche Erfolgsgeschichten nicht gerade zum Alltag eines Wagniskapitalgesellschafters gehören … Denn das Wort "Wagnis" impliziert, dass hinter jeder Success Story hunderte Mißerfolgsgeschichten stehen, über die keiner gerne spricht ;-) Rolf Dobelli nennt das in seinem Buch "Die Kunst des klaren Denkens" "The Survivorship Bias". Bin gespannt, welche weiteren Stars Herr Thiel in Zukunft hervorbringen bringt …

Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent der F.A.Z. in New York.