Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (3)
 

Erst Filmstudios, jetzt Videospiele: Die kuriosen Nebenprojekte von Amazon

08.08.2012, 02:47 Uhr  ·  Amazon ist eine Macht im Online-Handel. Neben seinem Kerngeschäft hat der Konzern aus Seattle seinen Aktionsradius in den vergangenen Jahren aber erheblich ausgeweitet, von "Cloud"-Diensten bis zum Tabletcomputer Kindle Fire. Mehr und mehr setzt Amazon auch auf eigene Inhalte. Jüngstes Beispiel ist der Vorstoß in das Geschäft mit Online-Videospielen, das Revier von Zynga.

Von

Amazon.com ist eine Macht im Online-Handel. Das Unternehmen lockt seine Kunden mit einem riesigen Sortiment, Kampfpreisen und schneller Lieferung. Das hat Erfolg und beschert Amazon hohe Wachstumsraten – zum Leidwesen vieler traditioneller Einzelhändler, zu denen die Kunden manchmal nur noch kommen, um sich Ware anzusehen, die sie dann hinterher bei Amazon bestellen.

Neben dem Internethandel hat Amazon in den vergangenen Jahren seinen Aktionsradius erheblich ausgeweitet. Manche Dinge sind verwandt mit dem Kerngeschäft, andere etwas abseitiger. Mit „Amazon Web Services” bietet der Konzern Computerkapazitäten in seinen Rechenzentren an und hilft Unternehmen damit bei der Verlagerung ihrer Informationstechnologie in die „Cloud”. Dies ist ein signifikantes Geschäft für Amazon und dürfte Schätzungen zufolge jährliche Umsätze in Milliarden-Dollar-Höhe bringen – das Unternehmen selbst macht dazu keine konkreten Angaben. Dann gibt es natürlich die Hardware-Aktivitäten von Amazon, erst mit dem digitalen Lesegerät Kindle, dann mit dem Tablet Kindle Fire und Spekulationen zufolge vielleicht auch bald mit einem eigenen Smartphone. Wie bei den Cloud-Dienstleistungen hüllt sich Amazon auch hier in Schweigen, was Umsätze betrifft, und sagt lediglich, der Kindle Fire sei das meistverkaufte Produkt auf seiner Internetseite.

In dieser Woche hat Amazon sich wieder einmal auf ein neues Feld gewagt, und es ist einer der kurioseren Vorstöße. Amazon geht jetzt unter die Entwickler von Videospielen und hat dazu ein eigenes Studio („Amazon Game Studios”) ins Leben gerufen. Und wie um zu unterstreichen, dass es eine ernst gemeinte Initiative ist, in die nennenswerte Ressourcen fließen sollen, schrieb Amazon in einer Mitteilung: „Wir stellen ein!” – gefolgt von einer Email-Adresse für die Kontaktaufnahme.

Amazon dringt mit der Offensive in das Revier des Online-Spielespezialisten Zynga ein. Das neue Amazon-Studio will interaktive Online-Spiele produzieren, sogenannte „Social Games”, für die auch Zynga mit Titeln wie „Farmville” oder „Cityville” bekannt ist. Das erste Spiel mit dem Namen „Living Classics” hat Amazon schon veröffentlicht, es ist kostenlos und kann auf der Plattform des sozialen Netzwerks Facebook gespielt werden – so wie das auch bei den Zynga-Spielen mehrheitlich der Fall ist.

Die Initiative von Amazon kommt just zu einer Zeit, in der das Geschäftspotential von Social Games zunehmend in Frage gestellt wird. Dafür sorgte vor allem Zynga vor ein paar Wochen mit einem katastrophalen Quartalsbericht, der den Aktienkurs des erst im Dezember an die Börse gegangenen Unternehmens hat abstürzen lassen. Zynga macht den größten Teil seiner Umsätze mit dem Verkauf von virtuellen Gütern innerhalb seiner Gratisspiele. Die schwachen Zahlen und eine dramatisch korrigierte Gewinnprognose haben nun die Frage aufgeworfen, ob den Spielern womöglich die Lust daran vergeht, Geld für real nicht existierende Dinge auszugeben.

Vielleicht spekuliert Amazon aber mit seinem Vorstoß auch gar nicht auf gigantische Einnahmen mit virtuellen Gütern. Analysten sehen den Sinn eher darin, dass Amazon mehr eigene und womöglich exklusive Inhalte haben will, die dann Geräte wie den Kindle Fire oder das etwaige kommende Smartphone attraktiver machen könnten.

Es ist nicht die erste Initiative von Amazon, eigene Inhalte zu entwickeln. So hat das Unternehmen vor knapp zwei Jahren ein eigenes Filmstudio ins Leben gerufen. „Amazon Studios” ermuntert Filmemacher und Autoren, Rohversionen von Filmen oder auch Drehbücher einzureichen. Die Idee von Amazon ist es, aus diesem Pool die Projekte mit dem größten Publikumspotential auszuwählen und zu realisieren. „Wir freuen uns darauf, Kassenschlager zu entwickeln,” sagte der für die Amazon-Filmstudios verantwortliche Roy Price bei der Vorstellung. Nach jüngsten Angaben sind mittlerweile 16 Filmprojekte in der Entwicklung. Im Mai kündigten die Studios an, neben Filmen künftig auch Serien zu produzieren, zunächst Komödien und Kinderprogramme. Diese Serien sind dann aber nicht fürs Fernsehen gedacht, sondern für den Streamingdienst „Amazon Instant Video”. Bei diesem Angebot konkurriert Amazon mit dem amerikanischen Unternehmen Netflix, das ebenfalls verstärkt auf exklusive und selbst produzierte Serien setzt.

Eine andere Offensive bewegt sich näher an den Wurzeln von Amazon als Online-Buchhändler. So hat das Unternehmen einen eigenen Verlag und versucht zunehmend aggressiv, prominente Autoren unter Vertrag zu nehmen. Dazu heuerte Amazon im vergangenen Jahr den Branchenveteranen Laurence Kirshbaum an, der früher die Buchsparte des Medienkonzerns Time Warner führte. Amazon gelang es zum Beispiel, den Schauspieler James Franco oder den in Amerika sehr bekannten Motivationsguru Timothy Ferriss als Autoren für den Verlag zu gewinnen.

Wie sich all diese Aktivitäten in den Umsätzen oder den Kosten des umtriebigen Konzerns niederschlagen, ist für Außenstehende kaum zu durchschauen. Denn Amazon gibt seine Geschäftszahlen nur in sehr aggregierter Form preis. Kein Zweifel besteht aber daran, dass Amazon gewillt ist, viel Geld in seine Geschäfte zu pumpen. Amazon ist berühmt für seine Investitionsfreude und nimmt dabei auch gerne magere Gewinne in Kauf. So war es auch im jüngsten Quartal, als Amazon bei einem Umsatz von 12,8 Milliarden Dollar gerade einmal einen Nettogewinn von 7 Millionen Dollar auswies.

Follow me on Twitter

 

 

 

Veröffentlicht unter: Amazon

  Weitersagen Kommentieren Empfehlen Drucken
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
Lesermeinungen zu diesem Artikel (3)
Sortieren nach
0 Klaus 08.08.2012, 07:34 Uhr

Gehören zu Amazons Geschäft...

Gehören zu Amazons Geschäft auch diese windigen Sammlungen aus Wikipedia-Einträgen (z.B. über Autoren und Musiker), die von Amazon als Bücher angeboten werden? Zum Beispiel das Buch: Elektronische Popmusik: Jean Michel Jarre, Kreidler, Vangelis, Hans Platzgumer, Chris & Cosey, Robert Miles, Synthie Pop, The Magnetic Fields, ... Ashley, Jimi Siebels, Indietronic, Popcorn [Taschenbuch] Quelle: Wikipedia (Herausgeber) Unverb. Preisempf.: EUR 14,42 Preis: EUR 13,99 kostenlose Lieferung. Siehe Details. Sie sparen: EUR 0,43 (3%) Alle Preisangaben inkl. MwSt. Gewöhnlich versandfertig in 9 bis 13 Tagen. Verkauf und Versand durch Amazon.de. Geschenkverpackung verfügbar. Verlag: Books Llc (22. Juli 2010) [????] .

0 peter 08.08.2012, 17:55 Uhr

Die großen Konzerne...

Die großen Konzerne (google,amazon,facebook..) zerstören leider die kleinen Geschäfte und Webseiten. Naja so ist es halt im Kapitalismus. Das System müsste eh mal renoviert werden. Denn was jetzt alles so passiert Krise... Die Zukunft sieht schwarz aus :)

0 Alexander (BLH) 14.08.2012, 20:31 Uhr

Amazon macht aus meiner Sicht...

Amazon macht aus meiner Sicht alles richtig … Mit dem relativ stabilen Online-Kaufhaus-Brot und Butter-Geschäft wird Geld verdient und dann in kleinere risikoreiche Projekte (hier Firmen, Ventures, usw.) investiert … Vielleicht wird aus dem einen oder anderen Projekt tatsächlich auch ein großer Erfolg … Wenn mich richtig erinnere, hat Nokia vor den Handys auch Gummistiefel produziert … Mal schauen, was Amazon bzw. Nokia als Nächstes auf die Beine stellen werden ;-)

Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent der F.A.Z. in New York.

Chronik 2014