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Die Tücken von Facebook und Twitter: Wenn Manager sich verplappern

07.12.2012, 20:47 Uhr  ·  Netflix-Vorstandsvorsitzender Reed Hastings ist ins Visier der SEC geraten. Hat er mit einem Facebook-Eintrag gegen Regeln der Börsenaufsicht verstoßen? Er ist nicht der erste, der sich in sozialen Netzwerken in Teufels Küche bringt. Andere sind wegen offenherziger Äußerungen schon gefeuert worden.

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Was darf ein Manager auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter über sein Unternehmen sagen? Nicht zu empfehlen ist zum Beispiel folgende Äußerung: „Heute Abendessen mit dem Verwaltungsrat. Hat früher mal Spaß gemacht. Jetzt muss man jede Sekunde auf der Hut sein.” Das twitterte der Finanzvorstand der börsennotierten amerikanischen Modekette Francesca’s Holdings im März dieses Jahres. Am Tag danach setzte er noch einen drauf: „Verwaltungsratssitzung. Gute Zahlen = Glücklicher Verwaltungsrat.” Eine heikle Äußerung, denn die Quartalszahlen von Francesca’s wurden erst rund eine Woche später veröffentlicht. Als dem Unternehmen die Tweets auffielen, wurde der Finanzvorstand mit sofortiger Wirkung entlassen. Er habe „unvorschriftsmäßig Unternehmensinformationen über soziale Medien kommuniziert,” teilte Francesca’s mit. Der geschasste Finanzvorstand twitterte einige Tage später mit trockenem Humor: „Es muss einen einfacheren und billigeren Weg als das geben, um Follower zu bekommen.”

In dieser Woche geriet nun Reed Hastings, der Vorstandsvorsitzende des Filmverleihdienstes Netflix, wegen Äußerungen in sozialen Netzwerken in die Bredouille. In seinem Fall war es Facebook, was nahe liegt, da er dort einen Sitz im Verwaltungsrat hat. Die Börsenaufsicht SEC hat wegen eines Facebook-Eintrags von Hastings im Juli Ermittlungen eingeleitet, die zu einer Klage oder zu einer Unterlassunganordnung führen könnten. Die Behörde sieht in dem Facebook-Eintrag einen möglichen Verstoß gegen ihre Veröffentlichungsregel, wonach wesentliche Informationen für alle Investoren gleichzeitig verfügbar gemacht werden müssen, also zum Beispiel in einer Pressemitteilung oder einer Eingabe bei der SEC.

Hastings hatte auf seiner öffentlich zugänglichen Facebook-Seite, die 245000 Abonnenten hat, über Nutzungsdaten von Netflix geschwärmt. Erstmals hätten Netflix-Mitglieder im Juni den Dienst kombiniert mehr als eine Milliarde Stunden lang genutzt, schrieb er. Weiter sagte er, Netflix werde auch diesen Rekord brechen, sobald das Unternehmen bestimmte Serien in seinem Angebot habe. Der Aktienkurs von Netflix legte am Tag des Eintrags um 6 Prozent zu, wozu allerdings auch eine positive Studie eines Analysten der Citigroup beigetragen haben könnte. Am folgenden Handelstag kletterte der Kurs um weitere 13 Prozent. Schon damals gab es Diskussionen, ob Hastings womöglich gegen die SEC-Regel verstoßen haben könnte. Manche Experten meinten, Hastings habe sich mit seiner Äußerung zumindest in eine Grauzone vorgewagt.

Hastings nutzte jetzt abermals Facebook, um sich zu rechtfertigen. Er schrieb, er halte Äußerungen auf einer Facebook-Seite, die mehr als 200000 Abonnenten habe, für „sehr öffentlich”. Zudem sei die preisgegebene Information von einer Milliarde Nutzungsstunden nach Auffassung des Unternehmens nicht „wesentlich” für Investoren. Der Anstieg des Netflix-Aktienkurses sei „wahrscheinlich” auf die Citigroup-Studie zurückzuführen. „Wir bleiben optimistisch, dass dies im Überprüfungsprozess der SEC schnell geklärt werden kann”, schrieb Hastings. Mit seinem Rechtfertigungs-Eintrag auf Facebook ging Hastings diesmal aber auf Nummer sicher: Er reichte ihn gleichzeitig als Dokument bei der SEC ein.

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Veröffentlicht unter: Facebook, Twitter, Netflix

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (4)
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0 Markus Baldauf 08.12.2012, 12:51 Uhr

Ich war bis vor einiger Zeit...

Ich war bis vor einiger Zeit Angestellter eines grossen Unternehmens und bei uns wurde sehr viel Wert darauf gelegt, was die Mitarbeiter über das Unternehmen sagen bzw. was Sie auch nach extern kommunizieren. Das würde natürlich auch im Internet, und dazu zählt ja nicht nur Facebook, überprüft und fallweise auch mit den Kollegen besprochen. Ich würde daher persönlich jedem Mitarbeiter, egal ob Manager oder nicht, dringend empfehlen zweimal nachzudenken, bevor er irgendetwas über das Unternehmen im Internet veröffentlicht.

0 Philipp 09.12.2012, 10:09 Uhr

Leute in derart exponierten...

Leute in derart exponierten Positionen sollten sich darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen unternehmensrelevante Aussagen bei FB und Co. haben können. Wer`s trotzdem macht ist selber Schuld und muss zu Recht die Konsequenzen tragen. Wenn Hastings meint er halte einen Post an 200000 Abonnenten für „sehr öffentlich" mag das zwar so sein, aber müssen sich dann alle Investoren nach allen Social Media Accounts der Manager umschauen? Das kanns wohl kaum sein. Und ab wie vielen Followern und Fans ist es denn dann öffentlich...

0 fionn 09.12.2012, 13:06 Uhr

Gestern in der International...

Gestern in der International Herald Tribune auf S. 14: "Who controls your online self?.....Identity Management helps consumers take charge of Internet profiles" Interview with Michael Fertik, co-founder of Reputation.com "His company charges customers a fee to manage their online reputations..."

0 BD 10.12.2012, 15:12 Uhr

Sowas ist doch einfach nur...

Sowas ist doch einfach nur dumm. Was bringt es denn auf dem eigenen Twitterkanal, im Zweifelsfall, noch nicht freigegebene Infos zu publizieren. Gewinnen kann man dabei Nichts. Nur verlieren. Und wenn dann auch noch die Börsenaufsicht kommt... Wie so oft im Leben gilt eben auch in der Online-Welt: Erst denken, dann twittern...

Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent der F.A.Z. in New York.

Chronik 2014