Home
Netzwirtschaft

Netzwirtschaft

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Leichtere Kontrolle: Facebook runderneuert Privatsphäre-Schutzfunktionen

| 2 Lesermeinungen

Das soziale Netzwerk überarbeitet die Funktionen, mit denen die mehr als eine Milliarde Mitglieder ihre Inhalte schützen können.

Facebook-Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg hat sich in der jüngeren Vergangenheit recht regelmäßig zu Wort gemeldet, wenn es darum geht, wie seine mehr als eine Milliarde Nutzer rund um die Welt ihre Privatsphäre im sozialen Netzwerk kontrollieren können. Im Oktober vor zwei Jahren schrieb er im offiziellen Facebook-Blog unter dem Titel „Mehr Kontrolle für Euch“. Vor gut einem Jahr beschrieb er dann unter der Überschrift „Unsere Verpflichtung gegenüber der Facebook-Gemeinschaft“, an welchen Rädchen die Nutzer drehen können, um ihre private Daten zu sichern.

Zwar wird sich Zuckerberg in diesem Jahr nicht persönlich zu Wort melden. Trotzdem enthält die mit „Bessere Kontrollmöglichkeiten, um Inhalte zu verwalten” überschriebenen Ankündigung des Produktentwicklers Samuel Lessin einige Neuerungen, die die Kontrollmöglichkeiten der Nutzer auf Facebook tatsächlich verändern.

So wird Facebook seinen Mitgliedern noch vor Weihnachten in Teilen die Funktionen erneuern, mit denen sie ihre Inhalte kontrollieren. Sie erhalten etwa schnelleren Zugang zu ihren Nutzerkonten, um zu prüfen, welche anderen Nutzer Fotos oder Statusmeldungen sehen können. Dafür führt Facebook unter dem Projektnamen „Privacy Shortcuts” auf den Startseiten der jeweiligen Nutzerkonten ein neues Symbol in Form eines Schlosses ein, das die Nutzer einfacher zu den jeweiligen Einstellungsmöglichkeiten führen soll. Bislang müssen Facebook-Mitglieder sich durch ein Untermenü klicken, um diese Einstellungen zu ändern. Auch die Erlaubnisfreigabe für Drittanbieteranwendungen wie etwa Musikdienste wird neu geregelt: Bisher erlaubten Nutzer den Anwendungen in einem Schritt, auf ihre Daten zuzugreifen und Statusmeldungen in den Nutzerkonten zu veröffentlichen. Dies soll nun separat in zwei Schritten erfolgen.

Außerdem wird Facebook die Nutzer öfter darauf aufmerksam machen, dass bestimmte Inhalte wie Fotos oder Statusmeldungen weiter auf Facebook auftauchen, auch wenn sie diese auf ihrer Hauptprofilseite („Timeline”) versteckt haben. Damit will Facebook “böse Überraschungen” der Nutzer verhindern, wie Facebook-Managerin Erin Egan dem Netzwirtschaft-Blog sagte. Egan ist als “Global Privacy Officer” federführend für die Privatsphäreschutzfunktionen zuständig. “Wir glauben daran, dass solche Überraschungen nicht gut sind. Und wenn die Nutzer nicht das Gefühl haben, dass sie Kontrolle über ihre Inhalte haben, dann werden sie uns nicht vertrauen.”

Zudem wird das sogenannte Aktivitätenprotokoll, das alle Aktivitäten eines Nutzers anzeigt, nach der Überholung größer und links neben den Aktivitäten dargestellt. Damit sollen Mitglieder schneller herausfinden können, wie sie etwa mit Statusmeldungen anderer Nutzer verbunden sind. Außerdem ergänzt Facebook den Instrumentenkasten, mit denen sich Nutzer gegenseitig kontrollieren können. Das wirkt sich etwa darauf aus, wie Nutzer auf die Markierungsfunktion auf Bildern reagieren können. Bisher konnte ein Mitglied Markierungen mit der sogenannten „Untag”-Funktion verhindern. Zusätzlich soll es künftig die Möglichkeit erhalten, den Markierenden zu bitten, das Foto aus dem Netzwerk zu entfernen. Damit Mitglied Fotos löschen, die anderen möglicherweise nicht gefallen, baut Facebook-Managerin Egan auf die Einsicht der Nutzer. „Wir wollen hier die Kommunikation zwischen Nutzern in Gang bringen.” Facebook werde aber keinen Löschzwang ausüben, so lange Fotos nicht gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen.

Unter anderem hatte der irische Datenschutzbeauftragte die für europäische Nutzer zuständige Tochtergesellschaft Facebook Ireland im Dezember vergangenen Jahres dazu aufgefordert, Mechanismen einzuführen, damit Nutzer besser verstehen, wie ihre Daten auf der Facebook-Seite verwendet und genutzt werden. Im September hatte der Datenschutzbeauftragte Facebook dabei Fortschritte bescheinigt. Egan wollte dementsprechend die nun eingeführten Neuerungen nicht als direkte Reaktion auf die Berichte des irischen Datenschutzbeauftragten verstanden wissen. “Wir arbeiten ständig daran, die Nutzer besser im Umgang mit dem Netzwerk zu schulen und ihnen bessere Kontrollmöglichkeiten zu geben. Die neuen Funktionen passen in diese Strategie”, sagte Egan.

Das Büro des Hamburger Datenschutzbeauftragten teilte auf Anfrage mit, dass sich die angesprochenen Änderungen im Weitesten Sinne auf einem oberflächlichen Niveau bewegen. Es sei zwar immer gut, wenn bei Datenschutzfragen Benutzerfreundlichkeit steige, und der Nutzer schneller zum gewünschten Ziel komme oder besser informiert werde. Mit datenschutzrechtlicher Substanz hätten diese Neuerungen aber nichts zu tun. Zwar habe Facebook das Auskunftsrecht der Nutzer verbessert und die umstrittene Funktion der automatischen Gesichtserkennung für europäische Nutzer ausgesetzt. “Bei anderen wesentlichen Anforderungen der deutschen Aufsichtsbehörden, die dem Unternehmen im Februar dieses Jahres mitgeteilt wurden, ist jedoch keine Bewegung feststellbar.”

Youtube-Video von Facebook, das die neue Foto-Funktionen erklärt.

Folgen Sie mir auf Twitter.

Folgen Sie dem Netzwirtschaft-Blog auf Facebook und Google Plus.

 

0

2 Lesermeinungen

  1. Vielen Dank für dieses...
    Vielen Dank für dieses Update. Aber es bleibt ja nachwievor so, dass das System Facebook darauf basiert, Daten von Nutzern zu halten und auszuwerten.
    Von daher sollte nachwievor die Devise “ist es privat, stell es nicht auf Facebook” ein, oberste Priorität behalten.

  2. Habe vom Hamburger...
    Habe vom Hamburger Datenschutzbeauftragten auch keine andere Reaktion erwartet.
    Facebook ist ein börsennotierter Milliardenkonzern mit über 3.000 Mitarbeitern, dessen Existenzgrundlage auf den Nutzerdaten fußt.
    Facebook macht sich täglich Gedanken über Verbesserungen seines Services, verkauft Werbeanzeigen oder schlägt sich mit Behörden und Shareholdern rum … Also nichts Neues, wenn man Facebook mit anderen Unternehmen vergleicht.
    Das alles kostet Geld und muss von irgendjemandem finanziert werden … gleichgültig, ob auf direktem oder indirektem Wege über die Verwertung der persönlichen Nutzerdaten.
    Jeder Nutzer wird in den Facebook-AGBs darauf aufmerksam gemacht … vorausgesetzt er liest sie auch ;-)
    Nichts ist kostenlos … auch dann nicht, wenn man dafür offensichtlich nichts bezahlt.

Kommentare sind deaktiviert.