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Elektronikmesse CES in Las Vegas: Branchengiganten meiden Branchentreff

02.01.2013, 16:55 Uhr  ·  Die Elektronikindustrie bereitet sich auf ihr traditionelles Großereignis zum Jahresbeginn vor. Mobilgeräte, internetfähige Fernseher und Autoelektronik werden Schwerpunkte sein. Die Organisatoren sagen eine Rekordveranstaltung voraus. Aber einige prominente Namen fehlen.

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Die Elektronikindustrie bereitet sich auf ihr traditionelles Großereignis zum Jahresbeginn vor: Vom 8. bis 11. Januar findet in Las Vegas die Consumer Electronics Show (CES) statt. Die Organisatoren versprechen eine Rekordveranstaltung, und doch ist in diesem Jahr das Fehlen großer amerikanischer Namen auffälliger geworden. Der Softwarekonzern Microsoft, der viele Jahre eines der Aushängeschilder der Messe war, verzichtet diesmal auf einen Stand und auch auf die traditionell von ihm bestrittene Eröffnungsrede. Unternehmen wie der Internetkonzern Google und der Online-Händler Amazon, die mit Macht in den Elektronikmarkt drängen, sehen ebenfalls keinen Anlass, in Las Vegas nennenswert Flagge zu zeigen. Das Beispiel des Branchengiganten Apple, der es seit Jahren vorzieht, die Neuheiten auf eigenen Veranstaltungen zu zeigen, hat offenbar Schule gemacht. Im vergangenen Jahr gab es eine Flut von Produktvorstellungen, die nicht auf Messen stattfanden, sondern von den Unternehmen selbst arrangiert wurden. Es zeichnet sich ab, dass sich dies auch im neuen Jahr fortsetzen wird: So wird Research in Motion die mit Spannung erwartete neue Generation seines Blackberry-Handys, die dem Unternehmen aus der Krise helfen soll, am 30. Januar auf einer eigenen Veranstaltung in New York enthüllen.

Für die CES ist diese Entwicklung beunruhigend. Sie weckt Erinnerungen an das Schicksal der Computermesse Comdex in Las Vegas, die 2004 eingestellt wurde, nachdem sich zuvor prominente Aussteller zurückgezogen hatten. Offizell gibt sich der Branchenverband Consumer Electronics Association, der die Messe ausrichtet, ungerührt. Mit mehr als 170000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sei die diesjährige CES die größte aller Zeiten. Auch für die von Microsoft geräumte Fläche fanden sich schnell Interessenten. Insgesamt werden auf der CES diesmal 3000 Aussteller vertreten sein und 20000 Neuheiten vorstellen.

Den prominenten Rednerplatz am Vorabend des offiziellen Messestarts wird diesmal der kalifornische Mikrochiphersteller Qualcomm mit seinem Vorstandsvorsitzenden Paul Jacobs übernehmen. Qualcomm hat zwar nicht annähernd den Bekanntheitsgrad von Microsoft, repräsentiert aber gut die derzeitigen Umwälzungen in der Branche: Im abgelaufenen Jahr stieg Qualcomm zum wertvollsten Halbleiterunternehmen der Welt an der Börse auf und löste Intel ab. Qualcomm ist der führende Lieferant von Chips für internetfähige Handys (Smartphones). Das Unternehmen profitiert vom rasanten Wachstum mobiler Geräte wie Smartphones und Tablets, das zu Lasten traditioneller Personalcomputer wie Laptops und Desktops geht. Diese Entwicklung macht Unternehmen wie Intel oder auch Microsoft zu schaffen, deren Domäne noch immer das PC-Geschäft ist, auch wenn sie sich bemühen, im Mobilsegment stärker Fuß zu fassen.

Anders als Microsoft ist Intel der CES bislang treu geblieben. Der Konzern hatte im vergangenen Jahr mit den von ihm propagierten „Ultrabooks” für eines der beherrschenden Messethemen gesorgt. Intel versucht, diese Geräte, die an das Macbook Air von Apple erinnern, als neue Kategorie von Laptops zu etablieren und damit den lahmenden PC-Markt anzukurbeln. Dem Rummel in Las Vegas, wo Ultrabooks vieler verschiedener Hersteller gezeigt wurden, folgte aber bislang kein Ansturm der Verbraucher auf die Geräte. Intel hat das Segment noch nicht aufgegeben und dürfte auf der bevorstehenden CES neben Initiativen für Smartphones und Tablets erneut einen Schwerpunkt auf Ultrabooks setzen. Microsoft wird derweil auch ohne eigenen Stand präsent sein: Auf der Messe werden viele Geräte mit dem neuen Betriebssystem Windows 8 zu sehen sein, das Microsoft zum Einsatz sowohl auf PCs als auch auf Tablets konzipiert hat.

Die CES deckt ein breites Spektrum der Elektronik ab: Neben PCs, Smartphones und Tablets und zugehörigen Komponenten reicht die Palette von Kameras über Videospiele bis hin zu aufstrebenden Segmenten wie dreidimensionalen Druckern. Immer wichtiger werden in den vergangenen Jahren Elektronikprodukte für das Auto sowie Geräte und Applikationen rund um die Themen Fitness und Gesundheit.

Wie üblich werden auch in diesem Jahr die Hersteller von Fernsehern besonders viel Raum einnehmen. Neben Geräten mit ultrahoher Auflösung dürften vor allem internetfähige Fernseher oder „Smart TV” ein zentrales Thema der Messe werden – ein Gebiet, das bald viel umkämpfter werden könnte, sollten sich die Spekulationen bewahrheiten, wonach Apple einen eigenen Fernseher herausbringen will. Der koreanische Hersteller LG Electronics hat schon im Vorfeld der Messe angekündigt, dass er neue Fernseher mit dem Programm „Google TV” zeigen will. Die Begeisterung der Verbraucher für Google-Geräte hat sich freilich in den vergangenen Jahren in Grenzen gehalten. Auch der koreanische Wettbewerber Samsung hat die Enthüllung eines neuen Fernsehers auf der CES in Aussicht gestellt, der in die Kategorie „Smart TV” fallen dürfte. Spekuliert wird auch, dass Samsung in Las Vegas einen biegsamen Bildschirm zeigen wird, der künftig auf Smartphones oder Fernsehern zum Einsatz kommen könnte.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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0 Fabian 04.01.2013, 17:26 Uhr

Danke für den ausführlichen...

Danke für den ausführlichen Vorbericht. Ich denke auch, dass gerade das Thema Smartphones einen immer größeren Stellenwert einnehmen wird. Dass sich Microsoft gar nicht präsentiert verwundert, aber gut. Immerhin sind sie durch das neue Windows 8 ja zumindest auf vielen vorgestellten Rechnern passiv präsent. Die genannte bisherige ablehnende Haltung der Konsumenten ggü. den schönen flachen Ultrabooks kann ich - als Nutzer eines solchen - nicht nachvollziehen. Sie bieten in meinen Augen gerade die optimale Alternative zu einem MacBook Air, die ja nunmal optisch wirklich top sind. Aber einige Ultrabooks kommen da auch auf Windows Basis schon dicht heran. Ich denke, da tut sich noch einiges, da auch nicht jeder auf seine Tastatur verzichten möchte und komplett auf Tablet umswitcht.

Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent der F.A.Z. in New York.