Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (32)
 

Paypal-Präsident David Marcus: "Jeder andere Anbieter muss sich mit uns messen"

12.02.2013, 11:46 Uhr  ·  Der gebürtige Franzose zieht nach zehn Monaten an der Unternehmensspitzeeine Bilanz über die Veränderungen. Für die Branche sagt er rasant zunehmende Neuerungen voraus - und den Tod des Bargelds.

Von

Herr Marcus, als der Ebay-Vorstandsvorsitzende John Donahoe Sie Ende März vergangenen Jahres als neuen Präsidenten von Paypal vorstellte, sagte er, Sie würden Startup-Energie mitbringen und die Produktinnovation beschleunigen. Wie weit sind Sie damit in den ersten zehn Monaten gekommen?

Zum einen haben wir die Art verändert, wie wir unsere Produkte und Dienstleistungen gestalten. Wir haben zum Beispiel neun verschiedene Produktgruppen zu einer einzigen zusammengefasst. Außerdem haben wir fest zugeordnete Teams aus Designern, Ingenieuren und Produktmanagern gebildet, die zusammensitzen und die Produkte schneller zur Marktreife bringen. Allein im vierten Quartal des vergangenen Jahres haben wir so fünf Millionen neue aktive Kunden gewonnen. Es scheint, als ob sich diese Veränderungen jetzt niederschlagen in einer besseren Nutzererfahrung, von der die Kunden häufiger Gebrauch machen.

Auf der Münchner Digitalkonferenz DLD haben Sie unlängst angekündigt, dass die nächsten fünf Jahre in der Bezahlindustrie von großen Innovationen geprägt sein werden. Wie wird sich das Bezahlen verändern?

Kurz bevor vor fünf Jahren Apple das iPhone einführte, konnte sich auch noch kein Mensch vorstellen, was dieses Gerät auslösen wird. Und die Schönheit an Technik und Innovation ist, dass sie sich immer schneller entwickelt: Die Innovationsrate ist exponentiell. Ich glaube daher, dass wir in den nächsten fünf Jahren am Ort des Einkaufs mehr Neuerungen sehen werden als in den vergangenen 30 Jahren zusammen. Etwa an einer Tankstelle: Dort können Kunden bald einchecken, über das Mobiltelefon eine Zapfsäule auswählen und darüber auch bezahlen. Wenn es kalt ist, kann man so die Zeit, die man außerhalb des Autos verbringt, minimieren. Diese Erfahrungen werden schrittweise so viel besser sein, als das, was wir bei Barbezahlung sehen, sodass die Menschen anfangen werden, ihr Verhalten zu ändern. Das wird auch für die Konsumenten gut sein, weil etwa unangenehme Dinge wie Schlangestehen verschwinden werden.

Bild zu: Paypal-Präsident David Marcus: "Jeder andere Anbieter muss sich mit uns messen"

Auch hierzulande, wo immer noch der Großteil der Zahlungen bar abgewickelt wird?

In Deutschland sind immer noch 58 Prozent aller Zahlungen Barzahlungen. Aber das bedeutet für Anbieter wie Paypal einfach, dass man bessere Nutzererfahrungen entwickeln muss, die über das hinausgehen, was momentan angeboten wird.

Die meisten Innovationen werden wohl im Dauerbrennerthema mobiles Bezahlen zu erwarten sein. Wird 2013 das Durchbruchjahr für ortsunabhängige Bezahllösungen?

Aus unserer Sicht hat mobiles Bezahlen schon den Durchbruch geschafft. Wir haben 2012 mobile Transaktionen im Wert von 14 Milliarden Dollar abgewickelt, im Jahr zuvor waren es noch 3,9 Milliarden Dollar. Ein weiterer Punkt ist aber, dass jetzt die Grenzen zwischen online, mobile und offline immer weiter verschwimmen werden. Deshalb wird der E-Commerce, der elektronische Handel, in Zukunft ohne das „E” auskommen.

Was bedeutet, dass auch Internetunternehmen der ersten Generation wie Paypal im herkömmlichen Ladengeschäft mitmischen.

Das mobile Internet hat das Spiel komplett verändert. Und wir glauben, dass der Konsument eben nicht mehr an einem bestimmten Ort bezahlen will, sondern überall im Geschäft. Apple macht das auch gerade mit seinen Ladengeschäften vor. Dort können Kunden einen Barcode scannen und dann mit dem Objekt einfach den Laden verlassen. Das ist die bestmögliche Erfahrung: Du musst nicht an der Kasse warten, um zu bezahlen. Für uns dreht sich alles um solche ortsbasierten mobilen Bezahlmethoden.

Aber nicht nur Sie arbeiten daran, sondern auch eine Gruppe von Startups. Dazu kommen die großen Mobilfunkanbieter, die auch der Reihe nach Bezahllösungen präsentieren. Wie sehen Sie die Konkurrenz?

Jeder will Paypal sein, da gibt es keinen Zweifel. Jeder andere Anbieter will und muss sich mit uns messen. Aber Bezahldienstleistungen anzubieten ist ein schwieriges Geschäft. Wenn man nicht genug Nutzer hat, ist es schwierig, weitere Händler davon zu überzeugen, ebenfalls mitzumachen. Es ist eine Henne-Ei-Situation. Wir für unseren Teil bleiben einfach auf eine gesunde Art und Weise aufmerksam und konzentrieren uns darauf, bessere Nutzererfahrungen zu liefern.

Die Auslieferung vom mobilen Bezahldienst Paypal Here steht aber etwa in Deutschland immer noch aus.

Ja, wir haben auch noch keinen genauen Zeitpunkt festgelegt, von dem an wir Here auch in Deutschland anbieten. Aber wir arbeiten gerade daran, es so schnell wie möglich einzuführen. Mit solchen Angeboten ist es so: Es bringt nicht viel, lokale Bezahlmöglichkeiten anbieten, wenn es keine Händler gibt, bei denen die Kunden auch bezahlen können. In Deutschland haben wir aus diesem Grund gerade neue Vertriebsmitarbeiter eingestellt.

Ist das Bargeld eigentlich zum Aussterben verdammt?

Meine Antwort ist ja, die Frage ist nur, wann es passiert. Aber in dem Moment, wo der reine Bezahlvorgang aus dem Weg ist und Kunden mit mobilen Bezahllösungen schneller bekommen, was sie wollen, wird das Bargeld verschwinden.

Und was ist, wenn das Smartphone mal kein Netz oder zu wenig Restakku hat?

Dafür wird es Lösungen geben. Breitbandverbindungen werden überall verfügbar sein, und es gibt heute schon Batterien, die eine Woche halten. Daher glaube ich fest daran, dass solche Dinge bald keine Schwierigkeit mehr darstellen werden.

Folgen Sie mir auf Twitter.

Folgen Sie dem Netzwirtschaft-Blog auf Facebook und Google+.

Fotoquelle: Dpa Picture Alliance

 

 

  Weitersagen Kommentieren Empfehlen (1) Drucken
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
  1 2 3 4  
Lesermeinungen zu diesem Artikel (32)
Sortieren nach
1 Zabel24 12.02.2013, 13:31 Uhr

Die "Herr Marcus"se kommen...

Die "Herr Marcus"se kommen und gehen, mit ihnen die Prophezeihungen...
Soso, Bargeld verschwindet, aha. So wie Xerox-Manager, die vor 30 Jahren das papierlose Büro angekündigt haben. Oder das Verschwinden der Schiene zu Gunsten der Magentschwebebahn. Oder das anonyme Büro ohne feste Sitzplätze. Oder, oder, oder.... jaja.

1 Johannes 12.02.2013, 13:49 Uhr

Ich hätte auch mal eine...

Ich hätte auch mal eine Frage an Herrn Marcus;
wenn das Bargeld nicht mehr existiert, wie sollen dann Kinder/Jugendliche bezahlen? Soweit ich weiß muss man für ein Paypal-Konto 18 Jahre alt sein. Man kann ja schlecht verlangen, dass die Eltern ständig anwesend sind.

0 waschmeier 12.02.2013, 13:53 Uhr

Wenn man schon...

Wenn man schon Wortneuschöpfungen braucht um sichererer zu wirken - damit also nicht mal so sicher wie das Online-Banking der Sparkasse ist - wird man garantiert nicht zum verschwinden des Bargeldes beitragen.

1 kollege 12.02.2013, 14:11 Uhr

.... unglaublich welch' wirres...

.... unglaublich welch' wirres Zeugs doch so manche glauben von sich geben zu koennen...

1 drcsenki 12.02.2013, 14:21 Uhr

Hoffen wir, dass das Bargeld...

Hoffen wir, dass das Bargeld nie verschwindet! Denn, sonst bedeutet das, dass sich unser Staat aufgibt u. D. gaenzlich den Banken ausgeliefert ist. Soweit ich weiss, hat nach dem Grundgesetz der Staat das alleinige Recht, Zahlungsmittel zu schaffen.

1 Huga 12.02.2013, 14:53 Uhr

Es ist ja legal , dass er...

Es ist ja legal , dass er für seine Geschäftsidee wirbt. Der nachdenkliche Bürger wird
alles tun, damit das Bargeld nicht verschwindet, denn ohne Bargeld ist man auch dem
Finanzamt, dass mit der Vermögenssteuer droht zu 100% ausgeliefert. Der Not-
groschen auf dem Sparbuch taugt nicht für die Not, spätestens wenn die Bank
pleite ist, merkt man das. In unserem Informationszeitalter sogar schon, wenn der
Strom etwas länger - ein paar Tage ! - ausfällt. Dann gibt es kein Geld, weder
digitales noch bares !

1 WIFRI 12.02.2013, 14:54 Uhr

Na gut, dann versuche ich...

Na gut, dann versuche ich mich auch mal mit einer Prophezeiung (wobei ich schon denke, daß der schlecht zu kontrollierende Bargeldgebrauch vielen der "Entscheidungsträger"ein Dorn im Auge ist):
sollte es kein Bargeld mehr geben, werden sich die Menschen eine Ersatzwährung schaffen, ähnlich der "Zigarettenwährung" nach dem 2.Weltkrieg.

1 didio 12.02.2013, 15:07 Uhr

Nein, die MEnschen werden auch...

Nein, die MEnschen werden auch weiterhin etwas in der Handhalten wollen, was von Wert ist. Es ist eine sinnliche Erfahrung z.B. Gold in der Hand zu halten und zu wissen, dass andere darin einen enormen Wert sehen. Ich glaube nicht, dass Münz- und Papier geld verschwindet. Es kann auch zu Katastrophen größeren Ausmaßes kommen und Computersysteme flächendeckend lahmlegen. Was ist dann? Naturalienhandel? Geld bietet auch die Möglichkeit mal einen Betrag am Konto vorbei, an Büchern vorbei, am Finanzamt vorbei zu transferieren ohne gleich ein Verbrechen zu begehen. Ich denke an Taschengeld für die Kinder, an den Euro für den Bettler, an eine Flache Cogngnac, die man einem verdienten Mitarbeiter schenkt und es nicht im Werbebudget verbuchen möchte. Hardgeld ist einfach menschlich - Giralgeld nicht.

1 ichoderdu 12.02.2013, 15:10 Uhr

Bei Bargeldzahlung fallen...

Bei Bargeldzahlung fallen keine Gebühren an, PayPal dagegen langt ganz kräftig hin!

1 Klaus Peter Frenzen 12.02.2013, 15:32 Uhr

Mobile Bezahl-Systeme werden...

Mobile Bezahl-Systeme werden nur dann (dann aber auch sehr gewaltig!) Erfolg haben, wenn der Anbieter des Bezahlsystems im Regelfall (Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit ausgeschlossen) das Risiko von Leistungsstörungen und des Malware-Missbrauchs trägt. (Beweislast muss natürlich beim Anbieter des mobilen Bezahlsystems liegen). Ist das nicht gewährleistet, werden die Leute weiter treu und brav ihr Geld bei der Sparkasse abheben und bar bezahlen. Das gewährleistet ihnen wenigstens die Kontrolle und die Verantwortung über ihr Portemonnaie, also über das, was man sieht. Die bisherigen Versuche der Bezahl-Industrie, diese Verantwortung bei mobilen (manuell nicht greifbaren, rein virtuellen) Zahlsystemen auf den Kunden zu überwälzen, erzeugt zu Recht Misstrauen und muss durch klare Haftungsregelungen der Bezahl-Industrie-Unternehmen abgebaut werden.

  1 2 3 4  

Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft der F.A.Z.

Chronik 2014