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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Berliner Wein-Versender Wine in Black erhält Millionenfinanzierung

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Der Moskauer Wagniskapitalgeber Bright Capital Digital beteiligt sich an dem Startup.

Eigentlich sprach ihre Herkunft dagegen, dass sich Stephan Linden und Christian Hoya mit Online-Weinhandel selbständig machen. „Wir kommen beide aus Dortmund“, sagt Hoya, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer des Berliner Startups Wine in Black. Die Ruhrgebietsstadt galt früher mit dem zweithöchsten Hektoliterausstoß hinter dem amerikanischen Milwaukee als Inbegriff der Bierstadt, wenngleich davon heute nicht mehr viel übrig ist.

Dass Hoya und Linden sich dann doch auf den Versand von mittel- bis hochwertigen Weinen verlegten, lag an ihrem Studium an der privaten Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar bei Koblenz. Dort treffen sich am Deutschen Eck Rhein und Mosel, zwei große Ströme der hiesigen Rebenkultur. „Dort haben wir auch die Leidenschaft für den Wein entdeckt“, sagt Hoya.

Seit Anfang des vergangenen Jahres verschicken Hoya und Linden nun Winzerweine der gehobenen Klasse nach Deutschland, Frankreich und in die Niederlande. Ihr Geschäft ist stark gewachsen. Wenn man auf der Internetseite der beiden Gründer die Angebote sehen will, muss man sich erst einmal registrieren. Trotz dieser Hürde haben das innerhalb der ersten zwölf Monate nach Angaben des Unternehmens 200.000 Menschen getan; inzwischen kommen gut 10.000 neue Mitglieder im Monat dazu.

Zwar schweigen Linden und Hoya – wie für viele Internetunternehmer in der Anfangsphase üblich – mit Verweis auf die Investoren zu Umsatzzahlen. Allerdings sagen sie, dass sie „an guten Tagen“ eine vierstellige Flaschenzahl ausliefern. Multipliziert mit dem Durchschnittspreis von 15 Euro pro verkaufter Flasche würde das einen Tagesumsatz von mindestens 15.000 Euro bedeuten.

Jedenfalls scheinen die intern gehaltenen Zahlen die Investoren zu überzeugen. Am Dienstag hat sich nun die Gesellschaft Bright Digital Capital aus Moskau mit mehreren Millionen an  Wine in Black beteiligt. Dazu sind noch die Hamburger Wagniskapitalgeber Eventures, Passion Capital aus London und Project A aus Berlin involviert. „Das Unternehmen zeigt eine große Wachstumsdynamik und hat beste Chancen, zu einer wirklich globalen Marke zu wachsen“, teilte Vadim Tarasov, Partner bei Bright Capital Digital, zum Einstieg bei dem Weinversender mit.

International zu agieren, ist auch der Wunsch der beiden 27 beziehungsweise 28 Jahre alten Gründer Hoya und Linden. „Es gibt momentan keinen einzigen internationalen Weinverkäufer“, sagt Hoya. Die Branche sei national aufgegliedert. In Deutschland versendet zum Beispiel das  Unternehmen Hawesko über Katalog und Internet, aber auch der Filialist Jacques’ Weindepot ist im Internet präsent. Dazu kommen Winzer und Weingüter, die teilweise selbst im Netz verkaufen.

Gegen den Wettbewerb wollen Hoya und Linden mit günstiger Exklusivität punkten. Auf ihrer Seite präsentieren sie pro Woche im Schnitt zehn neue Weine, die drei Weinexperten unter den inzwischen 35 Mitarbeitern auswählen. Wie auf einer Auktionsseite laufen die Angebote irgendwann ab, was wohl auch den Exklusivitätscharakter verstärken soll. „Mit unserem schmalen Sortiment und der Konzentration auf bestimmte Weine, können wir den Winzern eine große Stückzahl auf einmal abkaufen“, sagt Christian Hoya. Dadurch entstehe eine hohe Einkaufskraft, was sich auch auf die Preise auswirke, die die Kunden auf der Seite sehen.

Die Konzentration auf den Preis macht sich mithin auch bei den Kunden bemerkbar. Im Schnitt seien sie 40 Jahre alt, sagen die beiden Gründer. „Wir erreichen die sogenannten Digital Natives“, ist Christian Hoya überzeugt. „Bisher ist ein Problem des Verkaufs von Premiumweinen, dass er oft elitär wirkt und sich abgrenzt“, hat Stephan Linden beobachtet. „Aber man muss daraus keine Wissenschaft machen.“

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1 Lesermeinung

  1. Also bestellen kann ich nichts auf der Seite...
    .. sieht zwar hipp aus, cool, schwarz, aber statt Wein könnten sie auch Socken verkaufen.

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