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Werbespezialist Marin: Graph Search wird Google nicht über Nacht gefährlich

22.03.2013, 23:14 Uhr  ·  Der kalifornische Börsenneuling hilft Kunden, ihre Online-Kampagnen zu optimieren. Gründer und Vorstandsvorsitzender Chris Lien spricht mit der F.A.Z. über Google, Facebook und die Smartphone-Herausforderung für die Werbebranche.

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Das auf Online-Werbung spezialisierte kalifornische Unternehmen Marin Software hat am Freitag einen guten Start an die Börse hingelegt: Am ersten Handelstag stieg der Aktienkurs um 16 Prozent auf 16,26 Dollar. Der Ausgabepreis von 14 Dollar hatte schon über der angepeilten Spanne von 11 bis 13 Dollar gelegen. Marin bietet seinen Kunden Instrumente, um die Wirksamkeit von Werbung auf Suchmaschinen wie Google, in sozialen Netzwerken wie Facebook oder auf mobilen Plattformen wie Smartphones und Tablets zu messen und entsprechend ihre Online-Kampagnen zu optimieren. Zu den Kunden gehören werbetreibende Unternehmen wie Adidas und Nestlé sowie Werbeagenturen wie Razorfish. Marin konkurriert unter anderem mit Adobe Systems, dem zu Google gehörenden Online-Werbevermarkter Doubleclick und einer Reihe kleinerer Unternehmen. Seit der Gründung 2006 hat Marin noch kein Jahr mit Gewinn abgeschlossen. 2012 stieg der Umsatz um 65 Prozent auf 60 Millionen Dollar, und es gab einen Nettoverlust von 26 Millionen Dollar.

© Marin SoftwareChris Lien

Herr Lien, Sie haben den Finger am Puls der Online-Werbung. Wenn Sie zwischen Google und Facebook wählen müssten: Was halten Sie für die bessere Anzeigenplattform?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, und viele Unternehmen nutzen ja mehrere Plattformen gleichzeitig. Es kommt immer auf die spezifischen Anforderungen an: Geht es mir zum Beispiel erst einmal darum, Bewusstsein bei den Verbrauchern zu schaffen? Oder will ich sie zu einer konkreten Kaufentscheidung animieren?

Facebook und andere Unternehmen tun sich noch schwer mit dem Werbegeschäft auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets. Sehen Sie Fortschritte?

Wenn es um Werbung in sozialen Netzwerken oder um klassische Display-Anzeigen geht, ist das mobile Geschäft sicher  noch am Anfang. Bei Werbung mit Suchmaschinen sind wir aber schon viel weiter. Unsere Kunden geben heute schon 20 Prozent des für Suchmaschinen verwendeten Werbebudgets auf mobilen Plattformen aus.

Also halten Sie die Sorge, dass Facebook nicht genug Kapital aus mobilen Plattformen schlagen kann, für gerechtfertigt?

Nein, ich finde das überzogen und voreilig. Ich habe Vertrauen in die Innovationsfähigkeit der Unternehmen. Sie werden Werbeformen finden, die funktionieren. Und ich bin auch  überzeugt, dass die bei Smartphones heute noch vergleichsweise niedrigen Preise je Klick auf Anzeigen deutlich steigen werden.

Smartphones liegen zwar nicht bei den Preisen je Klick, aber bei der Zahl der Klicks vorne, wie Ihr Unternehmen herausgefunden hat. Wieviele von diesen Klicks kommen unbeabsichtigt zustande, weil die Nutzer auf dem kleineren Bildschirm danebentippen – das „Dicker-Finger-Phänomen“?

Ich bin sicher, das spielt eine Rolle, auch wenn wir dazu keine konkreten Zahlen haben. Aber um hier etwaigen Zynikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die dahinter eine Verschwörung vermuten: Viele Unternehmen arbeiten an Konzepten, um dieses Problem zu minimieren.

Google dominiert das Geschäft mit Suchwerbung seit Jahren. Meinen Sie, das wird sich jemals ändern?

Ich halte es für wahrscheinlich, dass Google die bevorzugte und dominierende Suchmaschine bleibt, auch wenn zum Beispiel Microsoft mit Bing heute sehr gute Suchergebnisse liefert. Aber Google bekommt von Unternehmen Konkurrenz, die zwar keine klassischen Suchmaschinen sind, aber immer mehr zur Informationssuche genutzt werden, etwa Facebook oder Amazon. Man sollte auch nicht vergessen, dass es bedeutende Märkte wie China oder Russland gibt, wo Google nicht die dominierende Suchmaschine ist.

Sie sprechen die Konkurrenz von Facebook für Google an. Glauben Sie, dass der neue Suchdienst „Graph Search“ von Facebook Google gefährlich werden kann?

Graph Search ist sicher ernst zu nehmen, aber das wird nicht über Nacht geschehen. Internetsuche ist eine sehr komplexe Aufgabe

Ihr Unternehmen ist defizitär und noch sehr klein. Warum gehen Sie schon an die Börse?

Wir hoffen vor allem, dass der Börsengang uns und unser Produkt bekannter macht. Und die Kursentwicklung am ersten Tag war ermutigend, auch wenn ich sie nicht überbewerten will. Der Emissionserlös von mehr als 100 Millionen Dollar wird uns helfen, aggressiv in Marketing und Vertrieb und in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Wann werden Sie profitabel?

Wir peilen die Gewinnschwelle für 2015 an.

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Veröffentlicht unter: Google, Facebook, Marin

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