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Zehn Jahre Skype: Geburtstag einer Telefonrevolution

22.04.2013, 11:30 Uhr  ·  Vor zehn Jahren kam Skype auf den Markt. Der Dienst für Internettelefonie hat das Geschäftsmodell vieler etablierten Telefongesellschaften durcheinandergewirbelt, aber nicht jedem Glück gebracht.

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Mehr als 9000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Bruder und Schwester, doch einmal in der Woche sehen sie sich von Angesicht zu Angesicht auf ihren Computerbildschirmen: immer freitags, immer zur selben Uhrzeit und immer auf Skype. Der Dienst für Internettelefonie bringt den Pensionär aus dem Rheinland mit der Sekretärin im Ruhestand zusammen, die schon vor Jahrzehnten in das mittelamerikanische Land El Salvador ausgewandert ist.

In diesem Jahr feiert Skype seinen zehnten Geburtstag. Am Dienstag vor zehn Jahren sicherten sich die beiden Gründer Niklas Zennström und Janus Friis die Internetadresse skype.com. Im August 2003 stellten sie auf der Seite dann die erste Version der Quasselsoftware zur Verfügung. Bis zum Ende des selben Jahres hatten sich 3,8 Millionen Nutzer beim Dienst registriert, dessen Name eine Abkürzung für „Sky Peer To Peer“ ist, was in der Verbindungstechnik des Dienstes begründet liegt: Sprach- oder Videotelefonate kommen dezentral zwischen zwei Teilnehmern zustande, deren Computer, die „Peers“, sich anfangs nur verbinden konnten, wenn auf ihnen die Software installiert war. Erst später kam die Möglichkeit hinzu, dass Skype-Nutzer auch Nummern in herkömmlichen Fest- oder Mobilfunknetzen anrufen können, wenn sie sich vorher ein Guthaben erkauft haben.

Skype war zwar nicht der Beginn der Internettelefonie, die ihre erst Welle schon Ende der neunziger Jahre erlebt hatte. Aber der Dienst war einfach zu bedienen und die Qualität auch schon für damalige Internetverbindungsgeschwindigkeiten gut. Entsprechend selbstbewusst traten die Skype-Gründer auf, die zuvor mit der ebenfalls auf dem Peer-To-Peer-Prinzip beruhenden Musiktauschplattform Kazaa die Musikindustrie geschockt hatten. „Unsere Konkurrenten sind nicht die Internettelefonieanbieter, sondern große Telekom-Konzerne wie die Deutsche Telekom, British Telecom und AT&T“, sagte Zennström kurz nach dem Start in einem Interview. Und wie es sich für einen jungen Internetunternehmen gehörte, hatte er damals gleich auch die nächste Entwicklungsstufe vor Augen: „Ein WLAN-Telefon ist der nächste natürliche Schritt.“

Heute sind Handys, die über drahtlose Netzwerke (WLAN) oder das mobile Internet alle möglichen Daten übertragen eine absolute Selbstverständlichkeit, genauso wie die Tätigkeit „skypen“, deren Definition es selbst in die Online-Ausgabe des Duden-Wörterbuchs geschafft hat: „(mithilfe der Software Skype) über das Internet telefonieren“. Und auch die Prophezeiung von Michael Powell ist eingetreten. „Als ich Skype herunterlud, wusste ich, dass es vorbei war“, sagte der damalige Leiter der amerikanischen Telekommunikationsbehörde FCC ein gutes Jahr nach dem Start der Software. Da das Programm kostenlos sei und die Übertragung eine gute Qualität habe, sei es eben aus mit der herkömmlichen Telefonie. „Die Welt wird sich nun unvermeidlich verändern.“

Diese Veränderung lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Telegeography dauern die internationalen Ferngespräche gemessen in Minuten seit gut 20 Jahren immer länger, was auch an stark gesunkenen Preisen für internationale Verbindungen liegt. Allerdings: In den Jahren, nachdem Skype auf dem Markt gekommen ist, lag die Wachstumsrate des Dienstes stets über den Raten aller Telefongesellschaften. Im vergangenen Jahr wuchs die international über Skype übertragenen Video- und Sprachdaten um 44 Prozent auf 167 Milliarden Minuten, hat Teleography errechnet. Das war mehr als das Doppelte von dem, was alle Telefongesellschaften zusammen im selben Zeitraum erreicht hatten.

Dieses Wachstumspotential weckte schon früh Begehrlichkeiten, und so entwickelte sich Skype schon bald zu einem attraktiven Übernahmeziel für Investoren. Schon zwei Jahre nach der Gründung interessierten sich angeblich mehrere große Internetunternehmen für den Dienst, darunter Yahoo, Google und Microsoft. Den Zuschlag erhielt aber die Verkaufsplattform Ebay, die sich Skype damals für 2,6 Milliarden Dollar in bar einverleibte, zusätzlich vereinbarten die beiden Unternehmen damals leistungsbezogene Zahlungen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar.

Jedoch brachte der Internettelefondienst Ebay kein richtiges Glück: Zwei Jahre nach der Übernahme musste der Onlinehändler schon wieder 1,4 Milliarden Dollar auf die Akquisition abschreiben – was deutlich macht, dass die Hoffnungen wohl überzogen waren: Amerikanische Bilanzierungsregeln fordern eine Abschreibung, wenn eine Wertminderung eintritt. 2009 verkaufte Ebay schließlich die Mehrheit an Skype an die Investmentgesellschaft Silver Lake.

Aber nur zwei Jahre danach entsponn sich das nächste Bietergefecht um Skype, an dem wiederum Google, Facebook sowie der Netzwerkausrüster Cisco teilgenommen haben sollen. Diesmal landete das Unternehmen für sage und schreibe 8,5 Milliarden Dollar beim Softwarekonzern Microsoft, obwohl es in den meisten Jahren seiner Existenz Verluste eingefahren hatte. Seitdem ist Skype eine eigenständige Tochtergesellschaft des Unternehmens aus Redmond, das sich mit diesem Kauf auch im Wettbewerb gegen den Suchmaschinenkonzern Google oder das soziale Netzwerk Facebook wappnete, wie manche Branchenbeobachter meinten.

Genau mit diesen Unternehmen konkurriert Skype heute: Beide bieten inzwischen ihren Mitgliedern ebenfalls Videoanrufe an. Und dennoch erfährt Skype auch zehn Jahre nach dem Start noch großen Zuspruch. Im Monat telefonieren inzwischen 280 Millionen Menschen über den Dienst. Und gerade hat das Unternehmen mitgeteilt, dass seine Nutzer täglich mehr als zwei Milliarden Minuten verplappern, was ungefähr der Länge von 6.6 Millionen Marathonläufen entspricht

 
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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft der F.A.Z.