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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Mehr Handyverträge als Menschen

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In vielen Weltregionen gibt es heute schon mehr Mobilfunkverträge als Einwohner. Eine Studie zeigt, dass sich diese Entwicklung in den nächsten fünf Jahren fortsetzen wird. Gleichzeitig soll sich der Datenverbrauch je Smartphone vervierfachen.

Wer heutzutage mit einem Linienbus über den Balkan fährt, erlebt an manchen Grenzen, wie Mitreisende plötzlich beginnen, in ihren Taschen zu wühlen. Meistens suchen sie dabei nicht nach Pässen oder Ausweisen, sondern nach ihren Zweit- oder Dritt-SIM-Karten, um den günstigsten Tarif für das Land zu bekommen, in das der Bus gerade einfährt.

Dass es angesichts dieser Kartenspielereien in Zentral- und Osteuropa mehr Mobilfunkverträge als Menschen geben muss, hat nun auch eine neue Studie des Netzwerkausrüsters Ericsson ergeben. Was die sogenannte Marktdurchdringung betrifft, liegt diese Region vor allen anderen in der Welt. Nach dem „Mobility Report“ des schwedischen Unternehmens haben in dieser Weltgegend 100 Menschen rund 132 Mobilfunkverträge. In Westeuropa sind es dagegen 128 Verträge (siehe Grafik).

Die globale Marktdurchdringung mit Mobiltelefonen hat im ersten Quartal 2013 global gesehen die Marke von 90 Prozent erreicht: Rund um den Globus existieren damit derzeit etwa 6,4 Milliarden Mobilfunkverträge. Die tatsächliche Zahl der Vertragsnehmer liegt jedoch bei 4,5 Milliarden Menschen, weil nach Angaben von Ericsson viele Menschen eben mehrere Verträge gleichzeitig laufen haben.

Nach der Studie wird sich die Zahl der Verträge in Zukunft weiter erhöhen, auch weil gerade in Asien und Indien immer mehr Menschen einen Mobilfunkvertrag abschließen. Bei neu abgeschlossenen Verträgen führte China im ersten Quartal mit 30 Millionen neuen Verträgen vor Indien und Indonesien mit jeweils 10 Millionen neuen Vertragsschlüssen. Danach folgen Brasilien und Nigeria, deren Einwohner jeweils fünf Millionen neue Verträge abgeschlossen haben. Zum Vergleich: In Westeuropa hat die Zahl der neuen Verträge dagegen im ersten Quartal dieses Jahres um lediglich zwei Millionen zugenommen.

Insgesamt ist die Zahl der Mobilfunkverträge im ersten Quartal um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Die Zahl der Verträge mit mobilen Breitbandverbindungen ist dagegen im Jahresvergleich um 45 Prozent auf 1,7 Milliarden gewachsen.

Derzeit verbreitet sich auch der neue und schnellere Mobilfunkstandard LTE immer stärker. Im vergangenen Quartal beinhalteten 20 Millionen der neu geschlossenen Verträge eine LTE-Verbindung im Vergleich zu rund 30 Millionen, die noch die langsame GSM/EDGE-Verbindung vorsahen, und rund 60 Millionen die sich über den etwas schnelleren Standard WCDMA/HSPA mit dem Internet verbinden.

Dementsprechend haben die Analysten des Netzwerkausrüsters auch ihre Prognose für die Zukunft angepasst. Bis 2018 werden nach ihren Angaben rund 2 Milliarden Mobilfunkverträge den LTE-Standard umfassen. Insgesamt wird in den nächsten fünf Jahren das mobile Internet mit Breitbandqualität demnach sprunghaft an Marktdurchdringung zunehmen. Heute gibt es der Studie zufolge 1,7 Milliarden Verträge mit mobilem Breitband. 2018 sollen es demnach etwa sieben Milliarden sein. Insgesamt soll es dann auf der Welt 9,1 Milliarden Mobilfunkverträge geben. Bei einer prognostizierten Weltbevölkerung von 7,5 Milliarden Menschen kämen dann also auf 100 Menschen 120 Mobilfunkverträge

In der Folge wird auch der mobile Datenverkehr ansteigen. Nach den Messungen von Ericsson verbrauchte ein durchschnittlicher Smartphone-Nutzer Ende des vergangenen Jahres ein Datenvolumen von 450 Megabyte pro Monat. Diese Menge soll sich bis 2018 auf 2 Gigabyte vergrößern, also mehr als vervierfachen.

Der größte Datentreiber werden dabei bewegte Bilder sein. Der Videoabruf mit dem internetfähigen Mobiltelefon soll nach den Analysen dann mit einem Anteil von 46 Prozent fast die Hälfte des gesamten Datenverkehrs eines Smartphonenutzers ausmachen.

 

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