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Internetunternehmer Fabian Heilemann: Alles auf Neustart

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Die Heilemann-Brüder Fabian und Ferry haben haben mit dem Gutscheinportal Dailydeal viel Geld verdient. Weil der Markt für Online-Rabatte stagniert, fangen sie nun noch einmal von vorne an.

Eineinhalb Jahre lang lebten Fabian und Ferry Heilemann das, wovon andere Internetunternehmer nur träumen. Im Herbst 2009 gründeten die beiden Brüder ihr Gutscheinportal Dailydeal. Das Geschäft wuchs rasant, und nur zwei Jahre später erreichte der Traum einen ersten Höhepunkt: Für geschätzte 150 bis 200 Millionen Dollar kaufte der amerikanische Internetkonzern Google das deutsche Unternehmen, das sein Geld nach dem Vorbild des Schnäppchenanbieters Groupon verdient. Händler oder Dienstleister bieten dort Rabattaktionen für ihre Waren und Dienstleistungen an, um damit neue Kunden in die Geschäfte zu locken. Die Heilemann-Brüder leiteten die Geschäfte der hundertprozentigen Google-Tochtergesellschaft, bis im Januar der Traum vorerst endete: Für eine nicht genannte Summe kauften die Brüder ihr Unternehmen von Google zurück.

Ein gutes halbes Jahr später sitzt Fabian Heilemann in seinen Berliner Geschäftsräumen und erklärt, warum Google sich von Dailydeal abwendete und sein Bruder und er sich zum Rückkauf entschlossen. „Die Gutscheinbranche ist ungesund schnell gewachsen und teilweise über Gebühr hochgelobt worden“, sagt er. Dadurch habe sich eine Fallhöhe aufgebaut, die sich irgendwann realisiert habe. „Es ist aber nach wie vor so, dass wir ein substantielles Problem von Offline-Unternehmen lösen: die Neukundengewinnung und Bestandskundenbindung im Internet. Und das hat nach wie vor seine Existenzberechtigung.“ Die Aufgabe bestehe nun darin, „die Prozesse so anzupassen, dass das Unternehmen nachhaltig profitabel ist und es dieser Existenzberechtigung auch wirtschaftlich entspricht“.

Heilemann spricht vom „right sizing“, dem Finden der richtigen Unternehmensgröße. Das soll aber nicht das Ende des Gutscheingeschäfts bedeuten. Im vergangenen Jahr verkaufte Dailydeal in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach eigenen Angaben 1,93 Millionen Gutscheine, die einen Gesamtwert von 125,7 Millionen Euro hatten. Zu momentanen Umsatz- oder Gewinnzahlen will Heilemann sich nicht äußern. Der letzte veröffentlichte Jahresabschluss weist laut Bundesanzeiger für die Geschäftsjahre 2010 und 2011 Fehlbeträge von 8,1 Millionen beziehungsweise 15,1 Millionen Euro aus. In Zukunft soll Dailydeal nachhaltig eine schwarze Null schreiben, sagt der Geschäftsführer.

Nicht nur aus solchen Aussagen lässt sich ableiten, dass Fabian und Ferry Heilemann ihre Fühler inzwischen in andere Richtungen ausstrecken. Schon nach dem Verkauf von Dailydeal an Google setzten sie mit Heilemann Ventures ein Unternehmen auf, das andere Internetgründer mit Wagniskapital unterstützt. Seit April existiert mit der Heilemann & Company GmbH nun ein weiteres Vehikel, mit dem die Brüder im deutschen Internetgeschäft mitmischen wollen. Laut Eigenwerbung handelt es sich dabei um eine Agentur für digitale Unternehmen, die „praxisbewährte Lösungen von Unternehmern für Unternehmer“ bieten will.

Für den Mitgründer ist Heilemann & Company ein Neustart. „Es ist eine Aufbauleistung von null, die wir hier gerade erbringen, wobei wir dankbare Voraussetzungen haben“, sagt Fabian Heilemann. Zum einen zählt er auf das Dailydeal-Netzwerk und die Kundenbeziehungen, die über das Gutscheinportal gewachsen sind. Freiwerdende Kapazitäten beim Schrumpfen von Dailydeal sollen ebenfalls in die neue Gesellschaft einfließen. Das heißt vor allem, dass nach und nach Dailydeal-Mitarbeiter für das neue Agenturgeschäft tätig werden.
Ein wenig werden die Heilemann-Brüder damit zu etwas, was zumindest der jüngere Bruder Ferry einmal in einem Interview ausgeschlossen hatte: zu Unternehmensberatern. „Das Agenturgeschäft hat sicher unternehmensberaterische Elemente und Agenturelemente“, sagt der 30 Jahre alte Fabian Heilemann. „Wir beraten einerseits konzeptionell und strategisch. Wir liefern aber auch Produkte ab, von der Gestaltung von Logos für andere Unternehmen bis hin zum Schreiben von Programmcodes für deren Internetseiten.“

Wo das neue Geschäft einmal hinführen soll, weiß Heilemann noch nicht. „In einem Jahr kann es sein, dass das Agenturgeschäft für sich steht. Es ist aber auch möglich, dass die Agentur vor allem für unsere eigene Wagniskapitalgesellschaft und deren Portfoliounternehmen arbeitet“, sagt er. „Momentan ist vieles im Fluss, und wir testen die Nachfrage im Markt für verschiedene Produkte.“ Diese Ungewissheit wirkt sich auch unmittelbar auf die beiden Brüder aus. Seitdem sie die Bande mit Google gelöst haben, stehen die beiden Internetunternehmer arbeitszeitmäßig wieder da, wo sie am Anfang mit Dailydeal standen: „Wir fangen morgens um neun Uhr an und sind abends oft die Letzten, die gehen.“

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