Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Video-Streamingdienst Watchever produziert selbst

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Anfang des Jahres gestartet verzeichnet die Plattform für Filme und Fernsehserien eine erhöhte Zahl an Neukunden. Nun will sie selbst in die Produktion von eigenen Inhalten einsteigen.

Wer derzeit in großen deutschen Städten mit der S-Bahn unterwegs ist, kann Til Schweiger kaum entkommen. Auf zahlreichen Plakaten wirbt der Schauspieler mit dem typischen Schweiger-Blick für die Film- und Serieninternetplattform Watchever. Das deutsche Tochterunternehmen des französischen Medienkonzerns Vivendi versucht seit Anfang des Jahres, die Menschen davon zu überzeugen, für eine monatliche Gebühr von 8,99 Euro ihren Dienst zu abonnieren, um auf Computern, internetfähigen Fernsehern, Tablets oder Smartphones neue und alte Kinofilme oder Fernsehserien anzuschauen.

Der Einsatz von Schweiger hat sich für den im Januar gestarteten Dienst offenbar gelohnt. Wie Watchever-Geschäftsführer Stefan Schulz dieser Zeitung sagte, ist die Zahl der neuen Kunden zuletzt deutlich gestiegen. „Wir gewinnen derzeit um die 5000 Neukunden am Tag“, sagt Schulz. „Und wir sind auf einem guten Weg, unsere Nutzerzahlen massiv auszubauen.“ Im Juni lag die Zahl der Neuzuschauer noch zwischen 2000 und 4000 am Tag (F.A.Z. vom 27.Juni).

Ähnlich wie die Musikindustrie versucht auch die Branche für Film- und Fernsehunterhaltung mit internetgestützten Plattformen neue zahlende Zuschauer zu erreichen. Neben Watchever mischt unter anderem die Plattform Maxdome des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat1 im sogenannten Video-On-Demand-Geschäft mit. Auch andere TV-Sender bieten in ihren Mediatheken Serienepisoden zur kostenpflichtigen Ausleihe an. Hinzu kommt die Filmmiete bei Unternehmen wie Apple mit seinem iTunes-Store. Dabei unterteilen sich die Ausleiharten grob in einzelne Transaktionen und Flatrate- oder Paket-Modelle. Mit dem transaktionsbasierten Ausleihgeschäft wurden in Deutschland nach Angaben des Bundesverbands Audiovisuelle Medien im vergangenen Jahr 55 Millionen Euro erwirtschaftet. Flatrate-Modelle brachten 22 Millionen Euro ein. Inzwischen kommen die beiden internetgestützten Leihmethoden auf einen Anteil von rund 26 Prozent am Ausleihgeschäft.

Weitere Umsätze und Zuschauer soll Watchever nun der „Netflix“-Weg bringen. Der amerikanische Streamingabo-Anbieter hatte in der jüngeren Vergangenheit mit exklusiven Erstausstrahlungen von Serien wie „House of Cards“ auf sich aufmerksam gemacht. Die Watchever GmbH kann bei dieser Strategie auf ihre Muttergesellschaft zurückgreifen. Vom 15. November an strahlt das Unternehmen im Internet die Vivendi-Produktion „Les Revenants“ erstmals auf Deutsch aus, im Januar soll dann die französische Krimiserie „Braquo“ folgen. „Mit den Vivendi-Eigenproduktionen wollen wir unser Angebot authentischer machen und besser auf die Kunden zuschneiden“, sagt Schulz. Der nächste Schritt sei dann eine eigene Watchever-Produktion für den deutschen Markt, die schon in Auftrag gegeben sei. Zusammen mit einem „führenden deutschen Produktionsstudio“, wie Schulz sagt, werde eine hochkarätig besetzte mehrteilige Dramaserie aufgelegt. Ob Til Schweiger darin auch eine Rolle spielt, ist bisher nicht bekannt.