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„Twitter muss einfacher für Neueinsteiger werden“

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Dick Costolo, Vorstandsvorsitzender von Twitter, über Nutzerwachstum, das Potential eines Fußballertweets und den Frauenmangel im Silicon Valley.

© TwitterDick Costolo

Herr Costolo, Sie haben für Twitter das Ziel ausgegeben, das größte Publikum in der Welt zu erreichen. Sie trauen sich also zu, größer als Facebook zu werden?

Wir wollen jede Person auf dem Planeten erreichen. Aber ich will uns mit niemandem vergleichen. Wir sind ein öffentliches Echtzeit-Informationsnetzwerk und daher ein ganz anderes Angebot.

Sie haben im jüngsten Quartal das Nutzerwachstum etwas beschleunigt. Aber hätte es angesichts eines Großereignisses wie der Fußball-WM nicht noch stärker ausfallen müssen?

Wir hatten auf Twitter spezielle Inhalte für die Fußball-WM, die sich aber vor allem an unsere bestehenden Nutzer gerichtet haben und nicht so sehr darauf, neue Nutzer zu gewinnen. Aber die WM war ein riesiger Erfolg für uns. Denken Sie nur an die ganzen Fotos von der deutschen Mannschaft auf Twitter, die sich überall verbreitet haben.

Aber hätte nicht allein der Umstand, dass diese Fotos überall und nicht nur auf Twitter zu sehen waren, mehr neue Nutzer bringen müssen?

Wir haben einen anderen Blick auf unser Publikum. Es gibt einerseits die aktiven Nutzer, aber dann auch solche, die unsere Inhalte auf Twitter oder anderswo sehen, ohne sich anzumelden. Alle diese Gruppen sollen uns bei dem Ziel helfen, das größte Publikum in der Welt zu erreichen.

Aber was hat Twitter jenseits von Gratiswerbung davon, wenn Tweets von Fußballspielern oder von Justin Bieber im Fernsehen auftauchen?

Ich sehe das als riesiges Potential. Wie sich damit Geld verdienen lässt, darüber denke ich später nach. Aber ich denke, langfristig können wir auch aus Internetnutzern Kapital schlagen, die auf Twitter unterwegs sind, ohne eingeloggt zu sein.

Viele sagen, Twitter ist nur für Prominente und Leute aus der Medien- oder Technologieszene interessant…

Keineswegs. Twitter ist der beste Weg, um auf dem Laufenden zu bleiben, was in der Welt passiert. Weil wir eine öffentliche Plattform sind und Informationen in Echtzeit liefern. Ich habe gerade erst mit einer Frau gesprochen, die im Nahen Osten war und sich über das Geschehen dort per Twitter informiert hat.

Viele Menschen melden sich bei Twitter an, aber nutzen den Dienst schon nach kurzer Zeit kaum noch. Warum?

Weil wir es oft nicht schaffen, ihnen den unmittelbaren Wert von Twitter zu zeigen. Es muss leichter werden, bei Twitter einzusteigen. Zu viele Nutzer finden es zu schwierig, selbst manuell zusammenzustellen, welche Inhalte sie in der Nachrichtenleiste zu sehen bekommen. Wir haben hier viel Arbeit vor uns.

Das heißt, Sie könnten sich eine Abkehr vom bisherigen System für die Twitter-Nachrichtenleiste vorstellen?

Ich würde nichts ausschließen.

Zum ersten Mal seit dem Twitter-Börsengang war die Wall Street mit einem Quartalsbericht des Unternehmens zufrieden. Fühlen Sie sich endlich von den Finanzmärkten verstanden?

Offensichtlich entwickelt sich unser Geschäft gut. Wir haben unser Umsatzwachstum noch einmal beschleunigt, und das dürfte Menschen wahrscheinlich dabei helfen, den langfristigen Wert unseres Unternehmens zu sehen.

Ist Twitter auf dem Weg, profitabel zu werden?

Wir haben unser Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen deutlich gesteigert, und ich sehe keinen strukturellen Grund, warum wir nicht genauso profitabel sein sollten wie Wettbewerber. Unter dem Strich machen sich bisher natürlich noch Aufwendungen für Mitarbeiteraktien bemerkbar, aber das wird sich im Laufe der Zeit ändern.

In den vergangenen Monaten gab es eine ganze Serie von Veränderungen im Top-Management von Twitter. Ist das nicht ein schlechtes Zeichen?

Das sehe ich nicht so. Wenn Unternehmen wachsen und sich ihre Ziele verändern, dann wird es Veränderungen im Team geben. Wir hatten mehrere davon in kurzen Abständen, und sie alle hatten sehr, sehr verschiedene Gründe. Ich bin zufrieden mit dem Team, das wir jetzt haben, und alle arbeiten gut zusammen. Unser neuer Finanzvorstand Anthony Noto zum Beispiel ist eine fantastische Ergänzung.

Wie andere Internetunternehmen hat auch Twitter kürzlich einen Bericht über die Zusammensetzung seiner Belegschaft vorgelegt, und wie bei Wettbewerbern sind auch bei Ihnen Frauen stark unterrepräsentiert. Warum ist das Silicon Valley ein Männerclub?

In vielen amerikanischen Universitäten sind die Informatik-Fakultäten überwiegend mit Männern besetzt, und es wäre aus unserer Sicht gut, wenn sich das verändert. Wir wollen aber auch selbst dabei helfen, dass Frauen alle Chancen auf eine Karriere in der Technologieindustrie haben. Wir unterstützen zum Beispiel „Girls who code“, eine Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, dass mehr Mädchen Computerkenntnisse vermittelt bekommen. Wir haben in diesem Sommer zwanzig Schülerinnen bei uns im Haus, die Programmieren lernen. Wir sind offensichtlich mit unseren Quoten noch nicht da, wo wir sein wollen, aber wir arbeiten daran.

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5 Lesermeinungen

  1. Twitter muß nicht einfacher werden
    Twitter ist einfach überflüssig, mehr gibts nicht dazu zu sagen.
    Es ist einfach nur eine überbewertete Bündelung von Nicht-Informationen.

  2. Twitter muß nicht einfacher werden
    Twitter ist, solange seine deterministische Timeline beibehalten wird, ein großartiges Informations(austausch)medium. Dies gilt besonders dann, wenn in einem Tweet durch eine eingebettete URL ein Verweis auf externe Medien mitgegeben wird.

    Seine Nützlichkeit steht und fällt aber mit der persönlichen Komposition der Liste derjenigen „Tweeps“, denen man folgt und deren Tweets sodann die eigene Timeline konstituieren. Wer darin kein Talent hat, für den wird der Nutzen von Twitter auf ewig ein Rätsel bleiben.

    Wenn der Twitter-CEO nun meint, „er könne nichts ausschließen“ und dabei offenbar auch auf Erwägungen zur Zwangseinführung eines Algorithmus abzielt, der die möglicherweise Twitter-Timeline weg vom bisherigen deterministischen Konzept hin zu einer intransparenten Aneinanderreihung von fremdbestimmt herausgepickten Nachrichten à la Facebook ummodelt, so wird er im „Ernstfall“ damit sehr viele seiner gegenwärtigen Teilnehmer vergrätzen, ohne nennenswert diejenigen dazuzugewinnen, die mangels Medienkompetenz mit Diensten wie Twitter nicht umzugehen wissen.

    Für mich wären jedenfalls meine Tage bei Twitter gezählt, falls die derzeitige deterministisch generierte Timeline zugunsten einer „Facebook“-artigen intransparenten und von Twitter fremdbestimmten Selektion aufgegeben werden sollte.

  3. Einfach
    Am Anfang war Twitter einfach.
    Zwischendrin hatte ich eine Idee für Neueinsteiger: Nach dem Anlegen eines Account folgt man automatisch einer sehr großen Zahl und entfolgt aktiv. … Stopp, nicht gleich kommentieren, 10km radfahren, schlafen, Kaffee trinken, Idee durch den Kopf gehen lassen. Die ist gut.

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