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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Shazam: Vom Musikerklärer zum Alleserkenner

###© dpaShazam-Anwendung auf einem Smartphone

Der Musikerkennungsdienst Shazam war schon ein Unternehmen für das mobile Internet, lange bevor sich der überall verfügbare Netzzugang durchsetzte. Seit 13 Jahren bietet das in London ansässige Unternehmen Nutzern an, mehr über unbekannte Musikstücke zu erfahren. Doch als Shazam damit begann, gab es zum Beispiel noch keine Smartphones mit Netzanbindung. Daher fand der Erkennungsprozess über SMS-Austausch statt. Wer in einer Bar wissen wollte, was gerade aus den Boxen dröhnt, musste das Telefonmikrofon in Richtung der Musik drehen und eine Kurznachricht an das Unternehmen schicken. Über den gleichen Kommunikationsweg erfuhr er dann, wie Lied und Künstler heißen.

Die Zeit der SMS-Tipperei ist längst vorbei. Heute bietet die Shazam Entertainment Limited eine Smartphone-Anwendung, die den Erkennungsdienst dann automatisch und oft in Sekunden vollzieht. Gleichzeitig hat sich aber auch das Unternehmen weiterentwickelt. Längst geht es nicht mehr ausschließlich darum, Musik zu erkennen. Vor vier Jahren führte der Dienst eine Funktion ein, mit der es möglich ist, zu bestimmten Fernsehsendungen aber auch zu TV-Werbung Zusatzinformationen zu erhalten. Damit sowie mit der Weiterleitung an Musikdownloadportale oder Echtzeitabrufdienste wie Spotify versucht das Unternehmen inzwischen, Geld zu verdienen. Außerdem ist Shazam gewachsen. Zuletzt verzeichnete das Unternehmen rund um die Welt mehr als 100 Millionen Nutzer, die mindestens einmal im Monat aktiv sind, in Deutschland sind es 5 Millionen.

Trotz des Wachstums hat Shazam zuletzt nur Verluste geschrieben. Investoren scheint das aber nicht abzuschrecken. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte, hat es sich eine Finanzierung in Höhe von 30 Millionen Dollar von bestehenden und neuen Investoren gesichert. Damit übersteigt der Wert von Shazam erstmals die Grenze von einer Milliarde Dollar. Im Gespräch mit dem Netzwirtschaft-Blog wollte der Vorstandsvorsitzende Andrew Fisher nicht mitteilen, wer die neu hinzugekommenen Finanziers konkret sind. Es handele sich dabei aber um Privatpersonen aus den Vereinigten Staaten und Europa, die sich individuell oder über sogenannte Family Offices an Unternehmen beteiligen.

Mit dem Geld will Fisher nun neue Funktionen vorantreiben. So soll es mit der App bald auch möglich sein, per Smartphone Barcodes oder zweidimensionale QR-Codes zu fotografieren, um mehr über Produkte zu erfahren. Außerdem will Shazam auch die sogenannte Beacon-Technik integrieren. Beacons sind Sender, die über Funkverbindungen wie etwa dem Bluetooth-Standard mit anderen Geräten kommunizieren. Ein Anwendungsfall könnte sein, dass zum Beispiel ein stationärer Händler solche Beacons einsetzt, um mit Kunden zu kommunizieren, die sein Geschäft betreten. Im Falle von Shazam würden dann Nutzer über die hauseigene Anwendung Angebote eines Händlers empfangen, sagt Fisher. Das Unternehmen sei sich aber dabei bewusst, mit solchen Funktionen und Partnerschaften mit Unternehmen bisherige Nutzer vielleicht abzuschrecken. „Deshalb sagen wir unserem Vertrieb auch, dass er zuallererst an die Nutzer denken soll.“ Es gehe nicht darum, lediglich ein weiterer Anbieter von Rabattgutscheinen zu werden. Hinter Werbeaktionen oder Partnerschaften mit Unternehmen müsse ein besonderer Gedanke stehen. Als Beispiel nennt Fisher eine Anzeige für ein Haarpflegeprodukt: Wer sich die Anzeige über Shazam erschließt, erfährt, wie er sich die Frisur des abgebildeten Models selbst gestalten kann. „Als erstes dienen wir unseren Nutzern“, sagt Fisher. Das bedeute im Zweifel auch, weniger aber dafür bessere Partnerschaften einzugehen oder Werbekampagnen zu betreiben.

Die neue Finanzierung lässt indes auch wieder Gerüchte um einen möglichen Börsengang von Shazam aufleben. Das Unternehmen war in den vergangenen zwei Jahren des Öfteren mit einer baldigen Börsennotierung in Verbindung gebracht worden. „Wir denken, wir würden auch als börsennotiertes Unternehmen attraktiv sein“, sagte Fisher. „Aber wir werden nicht nur um der Sache willen an die Börse gehen.“ Die durch die nun erfolgte Finanzierungsrunde gestärkte Bilanz gebe dem Unternehmen aber mehr Wahlmöglichkeiten, was die Zukunft betreffe.

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