Home
Netzwirtschaft

Netzwirtschaft

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

03. Aug. 2015
von Martin Gropp
1 Lesermeinung

1
242
     

„43 Hügel und 1 Tal“: Das Netzwirtschaft-Blog berichtet aus San Francisco

Als Leser dieses Blogs wissen Sie, dass mein Kollege Roland Lindner und ich normaler Weise aus New York beziehungsweise Frankfurt berichten. Zumindest der zweite Ort ändert sich nun vorübergehend. Unter der Überschrift „43 Hügel und 1 Tal“ werden sich hier in den nächsten zwei Monaten immer wieder auch Beiträge aus San Francisco und dem angrenzenden Silicon Valley finden. Der Grund: Ich werde den August und September über von San Francisco aus für die Frankfurter Allgemeine Zeitung arbeiten.

Möglich ist das, weil ich in diesem Jahr einer der elf deutschen Stipendiaten des „Arthur F. Burns Fellowships“ bin. Dieses Programm ermöglicht es amerikanischen, kanadischen und deutschen Journalistinnen und Journalisten acht Wochen lang aus einem anderen Land zu berichten und gleichzeitig bei einem Gastmedium zu arbeiten. In meinem Falle ist das Online-Medium Cnet.com mein Gastgeber. Mehr Informationen zum Stipendium finden Sie hier.

Ich freue mich, Ihnen sowohl in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als auch in diesem Blog Einblicke in das Leben im Zentrum der amerikanischen Internetwirtschaft zu geben. Für Fragen und Anregungen erreichen Sie mich über die Kommentarfunktion unter diesem Blogbeitrag oder über mein Profil im Kurznachrichtendienst Twitter.

Transparenzhinweis:

Das „Arthur F. Burns Fellowship“ umfasst eine einmalige Stipendienzahlung in Höhe von 4000 Euro und wird finanziert von mehreren Unternehmen und Institutionen. Dazu zählen die Allianz, die Deutsche Bank, Siemens oder das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland. Eine vollständige Liste der Programmpartner finden Sie hier. Die Partner haben keinerlei Einfluss auf die Auswahl der Stipendiaten oder deren Berichterstattung.

03. Aug. 2015
von Martin Gropp
1 Lesermeinung

1
242

     

08. Jul. 2015
von Martin Gropp
0 Lesermeinungen

0
826
     

Millionen fürs Sprachen lernen

Markus Witte macht es sich nicht leicht. Einfach wäre es für Witte zum Beispiel, sich mit der von ihm mitgegründeten Sprachlernanwendung Babbel auf professionelle Kunden zu konzentrieren, auf Unternehmen etwa oder auf Universitäten. Ihnen könnte er wohl relativ unkompliziert, schnell und in großer Zahl seine App verkaufen, mit denen Menschen inzwischen 14 Sprachen per Smartphone oder Tablet erlernen können. Doch Babbel fokussiert seit seiner Gründung auf den Verbraucher – und das kostet nach Wittes Angaben. „Wir müssen unser Produkt ständig weiterentwickeln. Denn nur so lange der Nutzer dran bleibt, verdienen wir damit Geld.“

Die nächsten Weiterentwicklungen kann die hinter Babbel stehende Lesson Nine GmbH aus Berlin nun relativ entspannt angehen. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, hat es sich über eine Finanzierungsrunde neue Mittel erschlossen. Umgerechnet rund 20 Millionen Euro werden verschiedene Investoren dem Unternehmen zur Verfügung stellen. Zu den Finanziers gehören bisher schon an Babbel beteiligte Wagniskapitalgeber wie Reed Elsevier Ventures oder Nokia Growth Partners. Neu dabei ist die Beteiligungsgesellschaft Scottish Equity Partners (SEP), die unter anderem bei dem Berliner Online-Brillenhändler Mister Spex investiert ist. Einer der SEP-Partner, Stuart Paterson, wird mit der Finanzierung in den Aufsichtsrat der Lesson Nine GmbH einziehen.

Es handele sich bei der Runde um eine sogenannte Serie-C-Finanzierung, teilte Lesson Nine mit. Solche Runden sichern sich Unternehmen aus der Internetbranche, wenn sie schon profitabel wirtschaften, um dann weiter und vor allem schneller wachsen zu können. Das trifft auch auf Babbel zu, das nach eigenen Angaben seit 2011 Geld verdient. Welchen Anteil die Investoren sich mit der Finanzierung an Babbel nun sichern, wollte Lesson-Nine-Geschäftsführer Witte im Gespräch mit dieser Zeitung nicht äußern. Ihm sei es aber wichtig gewesen, dass die Investoren sich langfristig engagieren wollen. „Wir wollen ein großes und profitables Unternehmen aufsetzen, und es nicht so bald verkaufen.“ Mit den gefundenen Partnern sei das möglich.
Das neu aufgenommene Geld wollen Witte und seine Mitgründer Thomas Holl und Lorenz Heine nun in das weitere Wachstum stecken. Erst im Januar hatte Babbel in New York ein eigenes Büro eröffnet, um den amerikanischen Markt zu erobern. „Das erste Ziel ist die weitere Expansion mit Fokus Nordamerika“, sagt Witte nun und gesteht ein, dass das ein „relativ dickes Brett“ sei. Zudem soll das Geld aber direkt in die Anwendung fließen. „Wir können nicht bei dem stehen bleiben, was wir heute haben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass wir an unserem eigenen Erfolg ersticken.“

Weil sich die Technik weiterentwickele, müsse auch Babbel in neue Plattformen und neue Ansätze investieren, sagt Witte und nennt als Beispiel aus der Vergangenheit die ans Internet angeschlossene Uhr „Watch“ des amerikanischen Technikkonzerns Apple. Für sie hatte sein Unternehmen schon eine der ersten Anwendungen überhaupt programmiert. Dadurch dass sich unter dem Stichwort Internet der Dinge immer mehr Geräte mit dem Netz verbinden, ergäben sich künftig allerdings auch Nutzungssituationen, von denen man heute womöglich noch nichts weiß. „Diese Ansätze wollen wir schnell erkennen und dann auch schnell vorantreiben“, sagt Witte.

08. Jul. 2015
von Martin Gropp
0 Lesermeinungen

0
826

     

07. Jul. 2015
von Roland Lindner
0 Lesermeinungen

2
700
     

Periscope: „Wir hätten es auch ohne Twitter geschafft“

Kayvon Beykpour© TwitterKayvon Beykpour

Es ist eine gute Zeit für Gründer in Amerika. Wer eine vielversprechende Idee hat, kann darauf hoffen, bald von Investoren umworben zu werden. Und vielleicht sogar davon träumen, es Start-Up-Unternehmen wie Uber, Airbnb oder Snapchat gleichzutun, die mit zweistelligen Milliardenbeträgen bewertet werden. Aber nicht jeder hofft auf einen solchen ganz großen Wurf. Viele Gründer entscheiden sich dagegen, es im Alleingang zu versuchen, und verkaufen ihre Unternehmen an etabliertere Adressen. Besonders schnell ging das im Fall von Periscope, einer Smartphone-Anwendung („App“) zur Übertragung von Live-Videos. Die beiden Gründer Kayvon Beykpour und Joe Bernstein verkauften Periscope nicht einmal ein Jahr nach dem Start an den Kurznachrichtendienst Twitter. Zu diesem Zeitpunkt war die App noch nicht einmal veröffentlicht. Twitter soll Schätzungen zufolge einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag bezahlt haben. Wie Beykpour im Gespräch mit dieser Zeitung sagt, sollte der Verkauf in einem so frühen Stadium die Erfolgschancen der App erhöhen. Dies sei den Gründern wichtiger gewesen als ihre Unabhängigkeit.

Seit dem Verkauf an Twitter im Januar hat Periscope ereignisreiche Monate erlebt. Die App wurde im März veröffentlicht, sah sich aber beim Start unverhofft starker Konkurrenz gegenüber. Denn kurz zuvor fuhr die rivalisierende Video-App Meerkat Periscope in die Parade und wurde zum Liebling des trendbewussten Publikums auf der Digitalkonferenz South by Southwest in Austin, wo einst auch schon Twitter den Durchbruch geschafft hat. Aber mit Twitter im Rücken konnte Periscope den Rückstand aufholen. In den Listen der populärsten Smartphone-Apps, die von der Marktforschungsgruppe App Annie veröffentlicht werden, liegt Periscope heute weit vor Meerkat. Dabei dürfte geholfen haben, dass Twitter seinem hauseigenen Dienst Periscope einen Vorteil verschaffte, indem Meerkat der Zugang zu seinen Nutzerdaten versperrt wurde.

Beykpour gibt zu, dass es in den ersten Monaten hilfreich für Periscope war, Twitter im Rücken zu haben. Er sagt aber auch, dass nach seiner Meinung der Erfolg letztlich vom Produkt abhänge, und dieses Produkt habe sich seit dem Verkauf an Twitter nicht wesentlich verändert. „Wir sind verrückt genug, zu glauben, dass wir so oder so Erfolg gehabt hätten.“ Beykpour will indessen weder Meerkat noch andere Wettbewerber abschreiben. „Jemand in einer Garage kann an etwas arbeiten, das die Welt verändert.“ Er hält es außerdem für möglich, dass sich mehrere Live-Videodienste nebeneinander behaupten können, zumal wenn sie verschiedenen Schwerpunkte haben: „Manche richten sich eher an Unternehmen, manche an Verbraucher, manche speziell an Nutzer von Videospielen.“

Periscope und ähnliche Dienste erlauben es ihren Nutzern, live zu übertragen, was sie gerade tun oder was um sie herum passiert. Beykpour beschreibt das Konzept als eine Art „Teleportation“, die das Publikum miterleben lässt, was überall in der Welt vor sich geht. Die Idee dafür kam ihm, als er vor zwei Jahren in die Türkei reisen wollte und es dort Proteste gab. Er fand, dass ihm weder Twitter noch Fernsehnachrichten ein Gefühl dafür geben konnten, wie sicher das Land für ihn wäre. Er dachte sich, dass Live-Aufnahmen, die jemand vor Ort mit seinem Smartphone macht, dafür besser geeignet sein könnten. Auf Periscope kommen solche Echtzeit-Übertragungen heute nach Angaben von Beykpour von einem breiten Spektrum von Nutzern: Prominente wie Oprah Winfrey oder Channing Tatum, Journalisten, Eltern, die die ersten Schritte ihrer Tochter für die Außenwelt aufzeichnen, oder auch ein Astronom, der seinem Publikum die Sternbilder erklärt. Amerikaner und Briten gehörten derzeit zu den eifrigsten Nutzern, wohingegen Deutschland noch nicht unter den größten Märkten für Periscope sei.

Beykpour ist klar, dass Periscope im „Selfie“-Zeitalter ein weiteres Instrument zur Selbstdarstellung liefert. Daher sei als Standardeinstellung in der App bewusst die nach außen gerichtete Kamera gewählt worden. Nutzer müssen also zumindest noch einen kleinen zusätzlichen Schritt gehen und ihre Smartphone-Kamera auf die entgegengesetzte Richtung umstellen, um sich selbst zu filmen. „Uns geht es schließlich in erster Linie darum, dass man mit Periscope die Welt erkunden kann.“

Live-Videodienste wie Periscope und Meerkat haben auch potentielle Schattenseiten. Sie können genutzt werden, um urheberrechtlich geschütztes Material zu verbreiten, zum Beispiel sonst nur im Bezahlfernsehen zugängliche Sportveranstaltungen oder Fernsehserien. Auch für Pornographie bieten sich solche Dienste an. Beykpour sagt, Periscope sei sich dessen bewusst, aber dies betreffe nur einen „extrem kleinen Prozentsatz“ der Inhalte auf der Plattform. Periscope beschäftige außerdem eine Gruppe von Moderatoren, die Beschwerden von Inhabern von Urheberrechten prüfen und gegebenenfalls Videos entfernen. Wie groß dieses Team ist, will Beykpour nicht verraten. Insgesamt habe Periscope derzeit 19 Mitarbeiter und baue sein Personal „aggressiv“ aus.

Die Periscope-Muttergesellschaft Twitter hat gerade einen Führungswechsel hinter sich. Mitgründer Jack Dorsey hat den Vorstandsvorsitz Anfang Juli übergangsweise von Dick Costolo übernommen. Eine permanente Besetzung wird gesucht, und auch Dorsey gilt als einer der Kandidaten. Beykpour sagt, ihm sei es wichtig, auf wen die Wahl am Ende falle. Er will sich aber nicht festlegen lassen, ob er Dorsey gerne auf Dauer an der Spitze sähe. Beykpour selbst jedenfalls beteuert, er habe keine Absichten, Twitter bald wieder zu verlassen, so wie manche andere Gründer es tun, nachdem sie ihr Unternehmen verkaufen. „Wir sind kaum mehr als ein Jahr alt und kommen gerade erst in die Gänge.“ Unter dem Dach von Twitter zu arbeiten, habe noch einen anderen Vorteil: Der Mutterkonzern mache ihm bisher keinen Druck, mit seinem kostenlosen Dienst Geld zu verdienen.

Folgen Sie mir auf Twitter

 

07. Jul. 2015
von Roland Lindner
0 Lesermeinungen

2
700

     

10. Mai. 2015
von Roland Lindner
0 Lesermeinungen

3
1957
     

Tinder: Es gibt keine Formel für die Liebe

Sean Rad© DLDSean Rad

Sean Rad kann sich vorstellen, dass er eines Tages selbst zu einem Beispiel für eine Tinder-Hochzeit wird. Er hat seine Freundin Alexa Dell, die Tochter des Computerunternehmers Michael Dell, über den von ihm mitgegründeten Online-Partnervermittler kennengelernt. Wenn es dazu kommt, wäre der 28 Jahre alte Rad bei weitem nicht der erste, wie er in einem Gespräch mit dieser Zeitung am Rande der Digitalkonferenz DLD in New York sagte. Tinder habe „Tausende von E-Mails“ von Nutzern bekommen, die auf der Dating-Plattform jemanden gefunden hätten, den sie später geheiratet haben. Allein in seinem Bekanntenkreis gebe es vier Fälle. Selbst seine 56 Jahre alte Großtante nutze Tinder in der Hoffnung, einen festen Partner zu finden.

Freilich eilt Tinder ein etwas anderer Ruf voraus. Der 2012 entstandenen Smartphone-Anwendung („App“) wird nachgesagt, die Partnersuche oberflächlicher und unverbindlicher zu machen und für viele Nutzer ein Vehikel für schnellen Sex zu sein. Tinder ist simpler als viele andere Dating-Portale. Die App verzichtet auf langwierige Nutzerprofile und beschränkt sich weitgehend auf Äußerlichkeiten. Nutzer bekommen Fotos potentieller Partner präsentiert und können mit einer einfachen Wischgeste nach rechts oder links entscheiden, ob sie Kontakt aufnehmen wollen. Nur wenn beide Seiten per Wisch nach rechts Interesse signalisieren, wird es möglich, miteinander zu kommunizieren und ein Treffen zu vereinbaren. Die App ist mit der Standortfunktion des Handys verbunden, was es erlaubt, sich auf Personen in der näheren Umgebung zu beschränken. Das erleichtert spontane Dates.

Das Konzept hat eingeschlagen. In amerikanischen Metropolen wie New York trifft man kaum noch auf Singles, die Tinder nicht nutzen. Rad will keine genauen Nutzerzahlen nennen und sagt lediglich, global seien es „weit mehr als 30 Millionen“ und in Deutschland mehrere Millionen. Deutschland sei erst der siebtgrößte Markt für Tinder, wachse aber „unglaublich schnell“.

Rad will nicht behaupten, dass Tinder seinen Nutzern höhere Chancen als andere Dating-Dienste bietet, einen Partner zu finden. „Aber wir können unsere Nutzer mit mehr Leuten bekannt machen. Und dann ist es an ihnen, herauszufinden, wer in Frage kommt und wer nicht.“ Versprechen anderer Portale, über spezielle Algorithmen kompatible Partner liefern zu können, sollte man nach seinen Worten nicht glauben. „Ich halte die Vorstellung für dumm, dass es eine Formel gibt.“

Den Vorwurf der Oberflächlichkeit will Rad nicht auf sich sitzen lassen: „Leute zu treffen, ist nun einmal eine oberflächliche Sache. Wenn ich in eine Kneipe oder ein Restaurant gehe und mich dort jemand interessiert, dann doch auch wegen der äußeren Erscheinung.“ Tinder sei nichts anderes und insofern besser als die reale Welt, weil man hier nicht fürchten müsse, sich einen peinlichen Korb einzuholen. Rad findet es auch unfair, Tinder als bloße „Sex-App“ abzukanzeln. Tinder werde aus unterschiedlichen Motiven genutzt. Manche seien auf Beziehungen aus, manchen gehe es ums Vergnügen, aber das sei nicht nur bei Tinder so. „Wenn Leute nur Sex wollen, dann haben sie dazu viele Mittel zur Verfügung. Ich habe Freunde, die nutzen den Fotodienst Instagram, um Frauen aufzureißen.“

Für seinen Mutterkonzern, das New Yorker Internetkonglomerat IAC Interactive Corp., wird Tinder immer wichtiger. IAC hat neben Tinder noch etliche andere Dating-Angebote wie Match.com unter seinem Dach. Tinder ist in der Basisversion gratis, bietet aber seit kurzem Zusatzfunktionen im gebührenpflichtigen Abonnement. Zahlenden Nutzern wird es zum Beispiel möglich, einen versehentlichen Wisch nach links rückgängig zu machen und damit eine Person auf den Bildschirm zurückzuholen. Das Gebührenmodell hat bei seiner Einführung für einige Aufregung gesorgt, weil Tinder von älteren Nutzern mehr Geld verlangt als von jüngeren. Rad sagt, Tinder habe jüngeren Nutzern einen „Nachlass“ geben wollen, um den Dienst für möglichst viele Menschen erschwinglich zu machen.

IAC zeigte sich gerade bei der Vorlage des Quartalsberichts zufrieden mit den bisherigen Abonnentenzahlen, ohne Details zu nennen. Seit kurzem werden auf Tinder auch Anzeigen geschaltet, als Kunden nennt Rad die Biermarke Budweiser und das Reiseportal Orbitz. Bislang stehen die Gebühren für den größten Teil der Tinder-Umsätze, aber Rad kann sich vorstellen, dass auf längere Sicht Werbung das größere Standbein wird. Der für das Dating-Geschäft von IAC verantwortliche Greg Blatt sagte jedenfalls, er sei „sehr, sehr optimistisch“, dass aus Tinder ein einträgliches Geschäft wird.

Freilich sieht sich Tinder auch verstärktem Wettbewerb gegenüber. Andere Smartphone-Apps versprechen eine gezieltere Auswahl von möglichen Partnern, der Konkurrent „Hinge“ zum Beispiel schlägt nur Kandidaten mit gemeinsamen Facebook-Freunden vor. Rad zeigt sich unbeeindruckt: „Wir sind aggressiv und hungrig, und wer uns ablösen will, muss etwas tun, das zehn Mal so gut ist. Bisher habe ich höchstens marginal andere Sachen gesehen.“

Rad hat kürzlich den Posten als Vorstandsvorsitzender an Chris Payne abgegeben, der vom Online-Händler Ebay geholt wurde. Er ist jetzt als Präsident unter anderem für Produktentwicklung zuständig. Sein Rückzug wurde eingeläutet, nachdem ihm und einem anderen Mitgründer in einer Klage von einer früheren Managerin sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde. Die Klage wurde mit einem Vergleich beigelegt. Rad will sich zu der Klage nicht näher äußern und sagt lediglich, der Vergleich sei ohne jegliches Schuldeingeständnis geschlossen worden. Und dem Vorstandsvorsitz trauere er nicht hinterher: „Ich bin viel glücklicher. Ich kann mich jetzt auf die Sachen beschränken, die ich wirklich gerne tue.“

Folgen Sie mir auf Twitter

10. Mai. 2015
von Roland Lindner
0 Lesermeinungen

3
1957

     

08. Mai. 2015
von Roland Lindner
0 Lesermeinungen

3
1063
     

Teure Car2Go-Fahrt: Mobilitäts-Apps mit Tücken

Nicht "regelkonform": Der verhängnisvolle Parkplatz in Brooklyn© Roland LindnerNicht „regelkonform“: Der verhängnisvolle Parkplatz in Brooklyn

Neulich in Brooklyn: Ein Geschäftstermin macht es nötig, von einem Viertel des New Yorker Stadtteils zu einem anderen zu kommen. Wie gut, dass es Car2Go gibt, das Carsharing-Angebot, mit dem der Stuttgarter Daimler-Konzern in mittlerweile mehr als 30 Städten der Welt vertreten ist. Denn die U-Bahnen in New York sind auf den zentralen Stadtteil Manhattan ausgerichtet, der Transport innerhalb von Brooklyn ist oft umständlich. Seit Car2Go im vergangenen Herbst mit seiner Flotte von blau-weißen Smart-Zweisitzern in Brooklyn gestartet ist, gibt es eine praktische Alternative. Man kann einfach in den nächstgelegenen Car2Go-Wagen einsteigen, den man auf der Straße sieht oder über seine Smartphone-App findet, und fährt dann zu seinem Ziel. Abgerechnet wird minutenweise. Verglichen mit anderen Carsharing-Diensten wie Zipcar ist Car2Go deshalb attraktiv, weil die Autos nicht zu ihrem Ausgangsort zurückgebracht werden müssen. Man kann sie einfach an seinem Ziel stehen lassen, jedenfalls sofern man einen legitimen Parkplatz findet. Und so ist Car2Go an diesem Abend eigentlich auch die perfekte Lösung für den Trip ins aufstrebende Trendviertel Bushwick. Aber diesmal offenbaren sich einige Tücken, die am Ende dafür sorgen, dass fast 90 Dollar in Rechnung gestellt werden. Ein Taxi hätte hin und zurück höchstens 30 Dollar gekostet.

Angebote wie Car2Go oder auch der Fahrdienst Uber gelten als Paradebeispiele für die Mobilität der Zukunft. Um von A nach B zu kommen, ist man gerade auf kürzeren Distanzen immer weniger auf ein eigenes Auto, auf Taxis oder sogar auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Im Smartphone-Zeitalter haben Menschen Zugriff auf immer mehr Apps, die ihnen Transportlösungen anbieten. Sie können sich dabei chauffieren lassen wie mit Uber oder selbst fahren wie mit Car2Go. Diese Angebote sind eine Herausforderung für die etablierten Kräfte im Markt, ob Autohersteller oder auch Taxiunternehmen.

Aber bei aller Bequemlichkeit können auch diese jungen Mobilitätskonzepte ihre Nutzer bisweilen frustrieren. So passiert es bei Uber schon einmal, dass man deutlich länger als auf dem Smartphone angezeigt auf ein Auto warten muss. Das kann an einem orientierungslosen Fahrer liegen oder auch am unzuverlässigen Kartensystem der App. Im Falle von Car2Go kommen an dem Abend in Brooklyn mehrere Dinge zusammen: Bedienungsunfreundliche Technik paart sich mit schlechtem Kundendienst und allzu vollmundiger Werbung.

Car2Go lockt seine Kundschaft mit knackigen Versprechen: „Einfach. Immer. Überall“ – so wird der Dienst in Brooklyn auf der Internetseite beworben. Wer das wörtlich nimmt und sich von dem Wort „überall“ einlullen lässt, dem entgeht womöglich die Tatsache, dass das Geschäftsgebiet („Home Area“) von Car2Go keineswegs ganz Brooklyn umfasst, sondern nur einen sehr begrenzten Teil davon. Außerhalb dieser Zone kann die Fahrt nicht beendet werden. Man kann den Smart zwar parken, aber dann läuft die gebührenpflichtige Zeit weiter. Dummerweise liegt das Ziel der Fahrt an diesem Abend just außerhalb der „Home Area“. In Unkenntnis dieser Einschränkung schlägt also der Versuch fehl, das Auto zu parken. Der Grund dafür wird aber nicht deutlich erklärt. Vielmehr erscheint auf dem Bildschirm im Auto die Nachricht, die Fahrt könne nicht beendet werden, weil man in einer „Restricted Area“ sei, also einer gesperrten Zone. Was damit wohl gemeint ist? Auf einer Gebrauchsanweisung im Auto werden als Beispiele für solche gesperrten Gebiete Ladezonen und Behindertenparkplätze genannt. Die Vermutung liegt nahe, dass Car2Go den Wagen irrtümlicherweise auf einem solchen unzulässigen Platz wähnt, schließlich hatte der Carsharing-Dienst schon öfters mit Softwareproblemen zu kämpfen. Also wird verzweifelt ein neuer Parkplatz gesucht, und dann noch einer und noch einer, aber jedes Mal kommt die gleiche Botschaft. Erst später wird sich als Grund für die Verwirrung herausstellen, dass Car2Go die Begriffe „Home Area“ und „Restricted Area“ durcheinanderbringt. Das bleibt aber zunächst einmal im Unklaren, denn der Kundendienst erweist sich als nicht erreichbar. Ein Anruf bei der Hotline führt in eine lange Warteschleife und schließlich zu einem Anrufbeantworter. Man fragt sich, wie man sich fühlen würde, wenn man eine Panne oder einen Unfall hätte und an niemanden von Car2Go herankäme. Fast zehn Minuten vergehen am Telefon bis zur entnervten Kapitulation. Der Wagen wird stehen gelassen, um den Termin zumindest mit Verspätung noch wahrnehmen zu können. Der Gebührenzähler läuft freilich weiter, bis er am Ende des Abends bei fast 90 Dollar stehen wird. Dabei ist der Smart nur eine halbe Straße von der „Home Area“ entfernt.

Eine Beschwerde bei Car2Go führt zu nichts. Eine Mitarbeiterin namens Madolyn meldet sich per E-Mail, weist unterkühlt auf die „Vertragsbedingungen“ hin und lehnt eine Rückerstattung ab. Auf einen Versuch, sie umzustimmen, reagiert Madolyn nicht mehr.

Einige Tage später zeigt sich Thomas McNeil, der das Brooklyner Büro von Car2Go führt, deutlich zerknirschter. Er sagt, in dem Fall sei einiges auf seiner Seite schief gelaufen, und er beteuert, dass Car2Go eigentlich sogar sehr großzügige Kulanzregeln habe. So könnten Mitglieder üblicherweise bei solchen Geschehnissen zumindest einmal auf Entgegenkommen zählen. Car2Go zahle sogar Strafzettel für Falschparken, sofern dies einem Nutzer zum ersten Mal passiere. McNeil gibt auch zu, dass die Regeln von Car2Go „ein bisschen verwirrend“ sein können.

Eine Sprecherin von Car2Go gesteht weitere Defizite ein: Die Kommunikation auf den Bildschirmen mit Begriffen wie „Home Area“ und „Restricted Area“ könne missverstanden werden. Sie sagte, Car2Go sei dabei, die Software für die Autos entsprechend zu überarbeiten. Auch sieht sie nach eigenen Worten Bedarf, Werbebotschaften wie „überall“ klarzustellen. Car2Go arbeite gerade an Veränderungen der Internetseite.

Auf der Bewertungsseite Yelp finden sich auch einige andere Nutzer, die über schlechte Erfahrungen mit Car2Go berichten. Dabei wird zum Beispiel eine langsame Navigation oder schlechte Kundenbetreuung bemängelt. Aber Car2Go-Manager McNeil beteuert, dass Beschwerden die Ausnahme seien. Er weist darauf hin, dass Brooklyn der am schnellsten wachsende Markt für Car2Go in Amerika sei und es hier mittlerweile mehr als 26000 Mitglieder gebe. Außerdem stehen die Zeichen auf Expansion: Denn vor wenigen Tagen wurde das Geschäftsgebiet deutlich ausgeweitet, unter anderem auch auf Bushwick, den Ort des teuren Ausflugs. Die Chance, sich mit seinem Smart außerhalb der „Home Area“ wiederzufinden, wird künftig also geringer sein.

Folgen Sie mir auf Twitter

08. Mai. 2015
von Roland Lindner
0 Lesermeinungen

3
1063

     

05. Mai. 2015
von Martin Gropp
1 Lesermeinung

1
3871
     

Bestellplattform Delivery Hero schluckt nächsten Konkurrenten

Mit Blick auf die geographische Ausdehnung ist das Kalkül von Essensbestellplattformen im Internet klar. Wer auf seiner Internetseite die meisten Restaurants versammelt, über die Kunden dann gegen Provision ihr Essen online bestellen, der hat höhere Chancen, auch die meisten Besteller zu gewinnen. Vielfalt ist Pflicht, und in den Anfangstagen der Branche entstand sie meist durch Überzeugungskraft (und manchmal auch durch Abschreiben bei der Konkurrenz). Die Plattformen schickten Mitarbeiter zu Restaurantbetreibern oder Essenslieferdiensten, um sie zum Mitmachen auf ihren Internetseiten zu bewegen. Inzwischen sind manche Marktteilnehmer aber so gut mit Investorengeld ausgestattet, dass sie auf Einkaufstour gehen können. Entsprechend kommt es immer häufiger zu Zusammenschlüssen.

Eine der wohl größten Fusionen der Branche hat nun die Berliner Bestellplattform Delivery Hero verkündet, die in Deutschland unter der Marke Lieferheld firmiert. Für umgerechnet rund 529 Millionen Euro kauft das in Berlin ansässige Unternehmen den türkischen Konkurrenten Yemeksepeti. Weiterlesen →

05. Mai. 2015
von Martin Gropp
1 Lesermeinung

1
3871

     

21. Mrz. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Google X: Scheitern gehört zum System

9
18919
     

Google X: Scheitern gehört zum System

Astro Teller auf der SXSW© APAstro Teller auf der SXSW

Eigentlich wäre es ein Anlass zum Jubel gewesen: Astro Teller und seine Mitarbeiter testeten zum ersten Mal einen Prototypen für eine fliegende Windturbine, und alles lief wie geschmiert. Dies ist eines von vielen Projekten bei Google X, der von Teller geführten Forschungseinheit des amerikanischen Internetkonzerns. Anders als bei einer konventionellen Windanlage mit Turm lässt Google eine mit Rotoren ausgestattete flugzeugähnliche Konstruktion durch die Luft kreisen, die über ein Seil mit dem Boden verbunden ist. Auf diese Weise könnte nach Hoffnung von Google Windenergie viel billiger gewonnen werden, und das wiederum könnte erneuerbaren Energien allgemein einen Schub geben. Teller erinnert sich, was ihm Google-Vorstandschef Larry Page auf den Weg gegeben hat, als die Zeit für einen Test unter realen Bedingungen gekommen war: „Sorg‘ dafür, dass fünf von den Dingern abstürzen.“ Hinter der Aufforderung steckte keine Zerstörungswut, sondern die Überzeugung, dass auf dem Weg zu wirklich großen Taten Dinge schiefgehen müssen, denn andernfalls mache man wahrscheinlich nur kleine Fortschritte. Teller suchte sich also für den ersten Test eine der windigsten Gegenden in Kalifornien aus. Aber das Gerät stürzte nicht ab, sondern funktionierte einwandfrei. Anstatt sich darüber zu freuen, hatte Teller gemischte Gefühle. Und fragte sich, ob das Projekt vielleicht nicht ambitioniert genug ist.

Diese Episode hat Teller gerade auf der Digitalkonferenz South by Southwest in Austin erzählt. Er lieferte Einblicke in die geheimnisumwitterte Forschungsabteilung, der Heimat von zukunftsweisenden Vorhaben wie dem selbstfahrenden Auto, Drohnen oder „Project Loon“, womit Google entlegene Regionen der Welt von hoch über der Erde schwebenden Ballons ans Internet anbinden will. Wie Teller sagte, gehört Scheitern bei Google X zum Alltag, ja es ist sogar erwünscht. Das lässt freilich auch an die hier entstandene und höchst umstrittene Computerbrille Google Glass denken, deren Verkauf an Endverbraucher das Unternehmen kürzlich vorerst gestoppt hat.

Google X ist vor fünf Jahren ins Leben gerufen worden. Teller erinnert sich, wie er damals mit Larry Page über die Mission der Abteilung diskutierte. Ein sollte nicht einfach eine weitere Geschäftseinheit von Google sein und auch kein gewöhnliches Forschungszentrum. Stattdessen wurde das einst vom amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy vorgegebene Ziel, einen Menschen auf den Mond zu bringen, zur Inspiration. Google X sollte ein Ort für „Moonshots“ werden, womit nicht buchstäblich Flüge zum Mond gemeint sind, sondern im übertragenen Sinne besonders ambitionierte Projekte. Für Google heißt das: Dinge nicht nur um 10 Prozent verbessern, sondern um den Faktor 10. Und weil Google X sich vom Rest des Konzerns abheben will, hat Teller nicht einen gewöhnlichen Titel wie etwa „Senior Vice President“, sondern er nennt sich „Captain of Moonshots“.

Was an dem 44 Jahre alten Astro Teller sofort auffällt, sind sein Name und seine Frisur. Er hat langes, krauses Haar, das meist zu einem Pferdeschwanz gebunden ist. Geboren ist er als Eric Teller, das „Astro“ ist also ein Spitzname, allerdings gibt es dafür keinen wissenschaftlichen Zusammenhang, wie man vermuten könnte. Vielmehr gaben Schulfreunde ihm den Namen, weil seine damalige Frisur sie an den Kunstrasen „Astro Turf“ erinnerte.

Teller wurde im britischen Cambridge geboren und wuchs in der Nähe von Chicago auf. Er stammt aus einer Familie mit mehreren berühmten Akademikern. Einer seiner Großväter war der Physiker Edward Teller, der als „Vater der Wasserstoffbombe“ gilt, der andere war Gérard Debreu, der einst den Wirtschaftsnobelpreis gewann. Teller kann selbst einige akademische Titel vorweisen: Er hat zwei Informatik-Abschlüsse der kalifornischen Stanford-Universität und einen Doktortitel in künstlicher Intelligenz von der Carnegie Mellon University. Er schlug danach bald eine Unternehmerkarriere ein, auch wenn er zwischenzeitlich noch in Stanford lehrte. Ende der neunziger Jahre gründete er zum Beispiel Body Media, einen Anbieter von am Körper tragbaren Geräten, die Gesundheitsdaten messen. Teller wagte sich damit schon früh in das sogenannte „Wearable“-Geschäft, das heute als Wachstumsmarkt gilt. Er verkaufte Body Media später an den Wettbewerber Jawbone. Auch einen Hedgefonds hat Teller schon gegründet.

2010 hat er sich von Google für die Forschungseinheit rekrutieren lassen. Die von ihm hier vertretene Philosophie des Scheiterns hat mit seiner Überzeugung zu tun, dass Projekte möglichst schnell das Labor verlassen und in der realen Welt getestet werden sollten, auch wenn sie noch nicht ausgereift sind: „Man wird nie die richtigen Antworten bekommen, wenn man nur in einem Konferenzzimmer sitzt“. In Austin nahm Teller das selbstfahrende Auto als Beispiel. So habe sich eines der Google-Autos vor einigen Monaten in einer höchst ungewöhnlichen Situation wiedergefunden. Mitten auf der Straße sei eine Frau in einem Rollstuhl gewesen, die versucht habe, mit einem Besen eine Ente zu verscheuchen. Auf ein solches Szenario wäre Google selbst nie gekommen, sagte Teller. Das Auto habe das Richtige getan und gewartet, bis die Frau samt Ente die Straße verlassen habe. Genau um solchen kniffligen Situationen zu begegnen, legten die Google-Autos jeden Tag Tausende von Meilen zurück. Denn das helfe, die Software zu verbessern.

Auch die Brille Google Glass ist ein Beispiel für ein Produkt, das in frühem Stadium auf die Menschheit losgelassen wurde. Hier aber ging die Strategie nach hinten los, denn dem Produkt schlug eine Welle der Feindseligkeit entgegen. Viele Menschen empfanden den auf der Nase sitzenden Minicomputer nicht nur als scheußlich, sondern auch als Angriff auf die Privatsphäre, weil er unauffälligeres Fotografieren erlaubt als ein Smartphone. In vielen Kneipen wurde das Tragen der Brille verboten. Teller sagte, er halte es bis heute für die richtige Entscheidung, die Brille schon früh in der Öffentlichkeit getestet zu haben. Aber er gab zu, dass Google einen gewichtigen Fehler begangen hat. Das Unternehmen habe es zugelassen und sogar selbst dazu beitragen, dass das Produkt „zu viel Aufmerksamkeit“ bekommen habe. Google habe dazu ermuntert, die Brille als fertiges Produkt zu sehen, obwohl sie nur ein Prototyp war. Dies habe zu überzogenen Erwartungen an das Produkt geführt.

Teller wollte freilich nicht so weit gehen, Kritikern der Brille recht zu geben. Die Sorgen um den Datenschutz etwa hält er für überzogen: „Es verblüfft mich, wie sensibel die Leute reagiert haben.“ Wenn man etwa in die Kneipe gehe, sei man ohnehin von Kameras umringt, ob sie nun in Smartphones sind oder von der Decke hängen. Neben all diesen anderen Kameras sei Google Glass kaum ins Gewicht gefallen und nicht mehr als ein „Rundungsfehler“ gewesen. Damit nahm Teller freilich eine im Silicon Valley verbreitete Haltung ein: Er fühlt sich vom Rest der Welt unverstanden und ungewürdigt.

Folgen Sie mir auf Twitter

21. Mrz. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Google X: Scheitern gehört zum System

9
18919

     

05. Mrz. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Tinder: Online-Dating im Turbogang

2
2766
     

Tinder: Online-Dating im Turbogang

Gefunden© TinderGefunden

 

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Brian Bittner kaum die Finger von seinem Smartphone lassen konnte. Fast jede freie Minute ging dafür drauf, das schier endlose Angebot an Frauen zu durchforsten, das dem 31 Jahre alten New Yorker Banker von der Dating-Anwendung Tinder serviert wurde. Keine Mittagspause verging mehr ohne Suche, Toilettenbesuche dauerten auf einmal doppelt so lange. Und wenn es in den New Yorker U-Bahnen durchgängigen Handy-Empfang gäbe, dann hätte er auch das tägliche Pendeln mit „Tindern“ verbracht. Denn man weiß nie, der nächste Blick auf die App könnte eine Traumpartnerin liefern. Ob nun für eine Nacht oder auch fürs Leben. Auch Frauen sind in den Bann gezogen. Die 26 Jahre alte Diana Tracy ertappte sich immer wieder dabei wie sie das Programm aufrief, wenn sie auf der Straße unterwegs war. Oder nachts im Bett. „Das ist wie Unterhaltungsprogramm im Fernsehen.“

Willkommen im Zeitalter von Tinder, der App zum Anbandeln, die das milliardenschwere Geschäft mit der Partnersuche aufmischt. Tinder ist Online-Dating im Turbogang. Herkömmliche Partnerbörsen mit ihren ausführlichen Profilen sehen daneben geradezu spießig aus. Es reduziert die Informationen auf die Äußerlichkeiten und pfeift auf langatmige Personenbeschreibungen. Die App ist so schlicht gestrickt, dass sie ihre Nutzer ermutigt, in Sekundenbruchteilen Urteile zu fällen. Schnell sollen sie aussortieren, welcher Kandidat nicht in Frage kommt.

Das passt perfekt in eine hektische Stadt wie New York. Aber die App, die es inzwischen seit mehr als zwei Jahren gibt, hat sich von Amerika aus mittlerweile auf der ganzen Welt verbreitet. Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte, und hierzulande gibt es auch einheimische Konkurrenzdienste wie Lovoo, die nach einem ähnlichen Muster funktionieren.

Dieser neuen Generation von Dating-Apps eilt der Ruf voraus, dass es bei ihnen vor allem um Sex geht, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Aber auf Tinder kommen auch ernsthafte Beziehungen zustande, so wie im Fall von Brian und Diana aus New York. Die beiden sind seit fast einem Jahr ein Paar.

Smartphone-Apps wie Tinder bringen Partnersuche noch einen Schritt weiter in die digitale Welt. Das Internet hat schon viele Bereiche des Lebens dramatisch verändert, und die Liebe ist keine Ausnahme. Für viele Menschen ist es heute selbstverständlich, sich nicht mehr nur auf traditionelle Wege zu verlassen und darauf zu hoffen, jemanden in der Kneipe oder auf einer Party zu treffen. Ebenso wie sie auf Amazon einkaufen, nutzen sie das Internet auch, um einen Partner zu finden. Das unterstreicht eine Studie, die vor zwei Jahren in einem amerikanischen Wissenschaftsmagazin veröffentlicht wurde. Von den dafür befragten verheirateten Paaren haben sich fast 35 Prozent online kennengelernt.

Die steigende Bereitschaft, das Internet zur Partnersuche zu nutzen, hat eine ganze Industrie von Dating-Portalen entstehen lassen. Das Marktforschungsinstitut IBIS World schätzt den jährlichen Umsatz von Partnervermittlungsdiensten allein in den Vereinigten Staaten auf 2,2 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro). Die Online-Portale versprechen ihren Mitgliedern üblicherweise, mittels Algorithmen kompatible Partner zu finden. Das geschieht auf Basis all der Informationen, mit denen die Nutzer ihre Profile füllen: Körpermaße, Hobbys oder Weltanschauungen. Viele dieser Dienste richten sich an ein breites Publikum, daneben gibt es etliche Nischenportale, die auf einen sehr spezifischen Nutzerkreis abzielen, von Singles mit Lebensmittelallergien über Fans von Vampiren bis hin zu Clowns.

Tinder tickt völlig anders. Allzu viele Informationen würden hier nur stören. Das Profil der Mitglieder besteht im Wesentlichen aus Vornamen, Alter und Fotos. Sie wählen aus, in welcher Altersgruppe sich ein etwaiger Partner bewegen soll, und die App setzt ihnen eine Flut von Kandidaten vor. Wer nicht gefällt, wird durch einen Wisch nach links auf dem Handy-Bildschirm ins digitale Nirvana befördert, ein Wisch nach rechts signalisiert Interesse. Allerdings: Nur wenn der Auserwählte ebenfalls nach rechts wischt, kommt eine Verbindung zustande, die es dann erlaubt, miteinander zu kommunizieren und ein persönliches Treffen zu vereinbaren.

Der besondere Pfiff liegt darin, dass die App mit der Standortfunktion auf dem Handy verbunden ist. Damit können sich die Nutzer auf Personen in der näheren Umgebung beschränken. Wer also auf ein spontanes Date aus ist, kann den logistischen Aufwand minimieren. Mit dem Ortungsdienst spielt Tinder den Vorteil von Smartphones gegenüber Computern aus. Nicht zuletzt das hat Tinder den Ruf einer Sex-App eingebracht.

Diese schnörkellose Vorgehensweise gefällt nicht nur den Nutzern, sondern findet auch unter Forschern Anhänger. Harry Reis, ein Professor an der University of Rochester, war an wissenschaftlichen Studien über Online-Dating beteiligt, und er hält das Versprechen vieler traditioneller Portale, mittels eines wundersamen Algorithmus einen passenden Partner zu liefern, schlicht für „Nonsens“. Reis will zwar nicht sagen, dass er Tinder eher als anderen Diensten zutraut, „Mr. Right“ oder „Mrs. Right“ zu finden. Aber er schätzt, wie „simpel und unprätentiös“ die App daherkommt. „Der Wert von Tinder liegt gerade darin, weniger Informationen zu liefern.“

Der New Yorker Banker Brian hat schon eine ganze Reihe von Dating-Diensten ausprobiert. Er verfasste lange Profile für „Match.com“ und „OK Cupid“. Aber er fand Tinder so „berauschend“, dass er die anderen Portale völlig links liegen ließ. „Tinder ist sexy“, sagt er. „Es dreht sich alles um die einfache Frage: Macht die Frau mich an oder nicht?“ Dass innere Werte hinten anstehen, hat ihn nicht gestört. Er kam gerade aus einer langjährigen Beziehung, als er bei bei dem Dienst einstieg, und war nicht unbedingt auf eine feste Beziehung aus – bis ihm dann nach drei Monaten doch seine heutige Freundin Diana über den Weg lief.

Die wiederum schätzt sich glücklich, dass sie eine ernsthafte Beziehung gefunden hat. Doch das gelingt nicht vielen. „Ich habe so viele Freundinnen, die Tinder frustriert gelöscht haben,“ sagt sie. Das „geistlose und endlose Wischen“ habe zwar seinen Reiz, sei aber irgendwie auch deprimierend. Gina Stewart, die ein Beratungsunternehmen für die virtuelle Partnersuche mit dem Namen „Expert Online Dating“ betreibt, sieht in dem Überfluss an Optionen einen der großen Nachteile. „Es lockt immer die Aussicht auf etwas Besseres beim nächsten Wisch. Warum also sollte man sich auf jemanden einlassen?“ Die App habe etwas von einem einarmigen Banditen im Kasino. Dessen Reiz liege schließlich auch in der Hoffnung, dass der nächste Versuch einen Volltreffer bringt.

Diana hat auf Tinder eine Mentalität der Austauschbarkeit erlebt, die dazu animiert, möglichst viele Eisen im Feuer zu halten. „Wenn ich mich mit jemandem auf Tinder verabrede, kann ich davon ausgehen, dass ich nicht die einzige bin, die er trifft.“

Ihre eigene Geschichte sieht sie als Sonderfall. Denn ohne es vorher zu wissen, hatten die beiden eine gemeinsame Facebook-Freundin. Und darauf wurden sie aufmerksam gemacht, als sie einander auf Tinder begegneten, weil die App mit Facebook verknüpft ist. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, nicht gleich zur nächsten Person weiterzuspringen. Vielleicht ist es die Hoffnung auf einen ähnlichen Glücksfall, die einige von Dianas Freundinnen dazu bewogen hat, die aus Enttäuschung gelöschte App wieder neu zu installieren. Manche halten an ihren romantischen Vorstellungen fast schon verzweifelt fest: „Eine Freundin von mir hat fast jeden Abend ein Tinder-Date und sie hofft jedes Mal, dass das ihr nächster Freund wird.“

Die 27 Jahre alte New Yorkerin Kirra Cheers ist gerade dabei, ein ganzes Buch über ihre Erfahrungen bei Tinder zu schreiben. Cheers sagt, sie habe Freunde gefunden ebenso wie One-Night-Stands, und im Moment stecke sie sogar in den Anfängen einer über die App zustande gekommenen Beziehung. Trotzdem ist ihr Fazit nach mehreren Dutzend Dates gespalten: Es sei oft anstrengend, unromantisch und wie Fast Food. Dabei verfolgt Cheers eine „feministische Dating-Philosophie“, wie sie es formuliert. Das bedeutet: Optimal sei es, wenn eine feste Beziehung entstünde, sonst aber gerne auch nur Sex. Sie spielt mit traditionellen Rollenverständnissen. Für ein Kunstprojekt mit dem Namen „Tinderella“ habe sie die getroffenen Männer zu Objekten reduziert und am Ende eines Dates fotografiert, erzählt Cheers. Auch allzu plumpe Anmachversuche in Tinder-Chats hat sie dokumentiert: Einer bescheinigte ihr „hübsche Titten“, ein anderer sagte ganz unverblümt: „Du bist scharf! Lass‘ uns Sex haben“

Partnersuche über den Aufenthaltsort ist keine Erfindung von Tinder. Homosexuelle Männer können schon seit 2009 die Dating-App „Grindr“ nutzen, neben der selbst Tinder noch harmlos daherkommt. Denn Grindr dreht sich noch viel mehr um schnellen Sex mit jemandem in der unmittelbaren Umgebung. „Grindr ist sehr seicht, und das mit voller Absicht,“ sagt Jaime Woo, der die App selbst benutzt und ein Buch über sie geschrieben hat. Grindr habe Schwulen ein simples Instrument gegeben, einen Partner zu finden, ohne dafür in spezielle Clubs oder Kneipen zu müssen. Tatsächlich beklagen viele Schwulenkneipen in Amerika, dass ihnen wegen Grindr die Kundschaft ausbleibt. Woo sagt, Tinder habe bei der Grundidee von Grindr angesetzt, aber dann einige Mechanismen für die heterosexuelle Welt eingebaut, gerade um dem weiblichen Publikum ein gewisses Gefühl der Sicherheit zu geben. Die Verknüpfung mit Facebook zum Beispiel macht die App weniger anonym.

Tinder ist ohne Zweifel ein Produkt der Smartphone-Ära, aber gleichzeitig ist die App auch ein Sprung in die Vergangenheit, in die Zeit vor dem Internet, als man sich in der realen Welt kennenlernen musste. Denn ein Flirt auf einer Party oder in einer Bar kommt in der Regel vor allem deshalb zustande, weil sich zwei Menschen äußerlich attraktiv finden und nicht, weil sie viel voneinander wissen. Erst die Dating-Portale mit ihren ausführlichen Profilen liefern den Nutzern schon beim virtuellen Erstkontakt einen großen Informationsschatz. Der entfällt nun wieder auf Tinder.

„Menschen waren schon immer oberflächlich und sprangen auf äußere Reize an,“ sagt Michael Norton, Professor an der Universität Harvard, der sich in Studien mit Online-Dating beschäftigt hat. Ebenso wenig habe Tinder etwas daran geändert, dass die meisten Menschen letztlich doch eine langfristige Partnerschaft anstreben, auch wenn sie Dating-Apps zwischenzeitlich nutzen, um sich auszutoben.

Tinder verfolgt ein anderes Geschäftsmodell als viele traditionelle Dating-Portale, die von ihren Nutzern Mitgliedsgebühren verlangen. Die App ist zumindest in seiner Basisversion gratis. Der New Yorker Internetkonzern IAC Interactive Corp., dem die App mehrheitlich gehört, fängt jetzt erst an, für bestimmte Zusatzfunktionen Geld zu verlangen. Tinder setzt also auf ein sogenanntes Freemium-Modell, das viele andere Internetdienste ebenfalls nutzen. Auch Werbung soll künftig eine Einnahmequelle sein.

Derzeit ist Tinder aus Sicht von IAC ein zweischneidiges Schwert. Zwar wächst die App „wie Unkraut“, wie der für das Dating-Geschäft von IAC zuständige Greg Blatt vor einigen Monaten sagte. Andererseits kannibalisiert Tinder das Geschäft von IAC mit gebührenpflichtigen Partnervermittlungsdiensten, ohne bislang selbst nennenswerte Umsätze zu bringen. IAC hat mehrere Dutzend Portale unter seinem Dach, darunter Match.com. Im jüngsten Quartalsbericht wurde der Tinder-Effekt deutlich, denn erstmals seit mehreren Jahren meldete das Unternehmen einen Rückgang bei den zahlenden Abonnenten für seine Dating-Dienste. Für IAC steht viel auf dem Spiel: Das Dating-Geschäft brachte dem Konzern im vergangenen Jahr einen Umsatz von fast 900 Millionen Dollar ein.

Auch der Wettbewerb wird härter: Eine neue Generation von Dating-Apps positioniert sich als Anti-Tinder, zum Beispiel indem sie eine gezieltere Auswahl von möglichen Partnern versprechen. „Hinge“ zum Beispiel schlägt nur Kandidaten mit gemeinsamen Facebook-Freunden vor. Dating-Expertin Stewart sagt: „Tinder sollte auf der Hut sein. Viele Nutzer sind frustriert. Der Reiz des Neuen ist vorbei.“

Harvard-Professor Norton sieht derweil einen Zukunftsmarkt in Diensten, in denen es nicht um die Anbahnung, sondern um die Pflege von Beziehungen geht. Er denkt an Apps mit ähnlich spielerischen Elementen, die Paaren dabei helfen, an ihrer Beziehung zu arbeiten. Wer es schafft, mit einem solchen Dienst erfolgreich zu sein, könnte auch darauf hoffen, dass seine Nutzer ihm längerfristig erhalten bleiben. Denn das Paradoxe am Geschäft der gewöhnlichen Partnervermittlungen: Nichts wirkt sich so miserabel auf das Geschäft aus, wie der Erfolg: Mit jeder gelungenen Kuppelei gehen Kunden verloren. So war es jedenfalls im Fall des New Yorker Tinder-Paares Brian und Diana. Die beiden haben sich längst abgemeldet.

Folgen Sie mir auf Twitter

 

05. Mrz. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Tinder: Online-Dating im Turbogang

2
2766

     

18. Feb. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Wenn das Handy in der Toilette oder im Bierglas landet

3
3771
     

Wenn das Handy in der Toilette oder im Bierglas landet

Smartphones sind für viele Menschen heute ein unverzichtbarer Begleiter. Wenn ein Gerät also einmal aus der Hand fällt, kann einen schnell ein Gefühl der Panik überkommen: Ist der Bildschirm kaputt? Ist das Handy womöglich sogar in eine Flüssigkeit gefallen und funktioniert nicht mehr? Letzteres kommt ziemlich oft vor. 2,4 Milliarden Handys in der Welt sind schon einem Wasserschaden zum Opfer gefallen. Die größte Gefahrenquelle sind Toiletten: Geräte, die dort gelandet sind, stehen für 49 Prozent aller Wasserdefekte. In zwölf Prozent der Fälle war ein unfreiwilliges Bad in Bier die Ursache. Und in drei Prozent hatten sich Geräte in die Waschmaschine verirrt. Diese Zahlen kommen von HZO, einem amerikanischen Unternehmen, das solchen Schrecksekunden für die Besitzer von Elektronikprodukten ein Ende bereiten will. Denn HZO ist darauf spezialisiert, Smartphones und andere Geräte wasserdicht zu machen.

HZO wappnet die Geräte damit für die Fälle, in denen sich Menschen bislang in ihrer Verzweiflung oft mit diversen Hausmitteln behelfen. Etwa indem sie ihr Smartphone in einen mit Reis gefüllten Behälter eintauchen. Oder indem sie es in einen Backofen legen, der auf niedriger Temperatur läuft. Solche Erste-Hilfe-Aktionen können durchaus erfolgreich sein, wie auch Michael Bartholomeusz zugibt, der Vorstandsvorsitzende von HZO. Aber die Freude über ein wieder zum Leben erwachtes Gerät kann sich nach seinen Worten bisweilen als verfrüht herausstellen. „Es kann sein, dass es zwei Monate lang funktioniert, aber dann doch noch den Geist aufgibt.“ Die Lösung von HZO ist technisch um einiges aufwendiger. Das Unternehmen setzt Nanotechnologie ein und beschichtet Geräte an den sensiblen Stellen im Inneren mit einem dünnen Film. Das soll sie nicht nur für kleinere Missgeschicke wie Wasserspritzer oder einen kurzen Plumps ins Schwimmbad rüsten. Sie sollen selbst „Hunderte von Stunden“ untergetaucht bleiben können, ohne Schaden zu nehmen. Bartholomeusz sagt, er mache sich bei öffentlichen Auftritten oft einen Spaß daraus, sein Handy in sein Wasserglas fallen zu lassen und seelenruhig weiterzureden, ohne das Gerät wieder ins Trockene zu bringen. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas im Januar hatte HZO auf seinem Stand als Hingucker einen Fernseher, der in einem mit Wasser gefüllten Behälter versenkt war und einwandfrei funktionierte.

HZO verkauft seine Technologie nicht direkt an Endverbraucher, sondern lizenziert sie an die Hersteller von elektronischen Geräten, die dann eine entsprechende Beschichtungsmaschine in ihren Produktionsprozessen einsetzen. Nach den Worten von Bartholomeusz erhöht das die Kosten jedes Geräts um ein bis zwei Dollar. Die HZO-Beschichtung steckt zum Beispiel in einem Modell des Lesegeräts Tolino, das die Deutsche Telekom zusammen mit Partnern aus dem Buchhandel vertreibt. Zu den Kunden gehören auch der Schweizer Uhrenhersteller Tag Heuer und der amerikanische Sportartikelkonzern Nike, der mit seinem Fitnessband Fuelband im Elektronikgeschäft vertreten ist. Insgesamt hat HZO nach den Worten von Bartholomeusz mehr als 50 Kunden. Darunter seien einige der bekanntesten Adressen der Elektronikbranche, wobei der HZO-Chef sagt, er dürfe manche von ihnen auf deren Wunsch nicht benennen. Er bestreitet aber nicht, dass die HZO-Beschichtung in den bekanntesten Smartphones wie dem iPhone von Apple oder der Galaxy-Reihe von Samsung bislang nicht zu finden ist.

Samsung hat für sein jüngstes Galaxy-Modell S5 eine eigene Lösung entwickelt, um das Gerät vor Wasser zu schützen. So hat die USB-Buchse einen wasserabweisenden Verschluss, und im Inneren des Smartphones werden elektronische Komponenten von einer Dichtung geschützt. Auch Sony wirbt damit, bestimmte Handys seiner Xperia-Reihe seien wasserdicht. Sowohl bei Samsung als auch bei Sony hat die Unempfindlichkeit aber Grenzen, und die Geräte sollen weder zu lange noch zu tief in Wasser eingetaucht sein.

Es gibt noch eine Reihe anderer Wege, um elektronische Geräte widerstandsfähiger gegen Flüssigkeiten zu machen. Einige davon zielen auf Endverbraucher ab. Das amerikanische Unternehmen Liquipel zum Beispiel bietet einen Beschichtungsdienst an, der für Smartphones 60 Dollar und für Tabletcomputer 90 Dollar kostet. Es gibt auch Sprays zu kaufen, die Geräte gegen Wasser schützen sollen. Daneben hat HZO auch direkte Wettbewerber wie das britische Unternehmen P2i, deren Lösungen an die Hersteller von Geräten vermarktet werden.

Bartholomeusz sagt, die Technologie von HZO sei von 200 Patenten geschützt. Das im Bundesstaat Utah beheimatete Unternehmen hat derzeit rund 100 Mitarbeiter. Angaben zu Geschäftsergebnissen werden nicht gemacht, aber Bartholomeusz sagt voraus, dass HZO bis zum Jahr 2017, gemessen am Umsatz, mindestens zehnmal so groß sein werde wie heute. Wachstumspotential verspricht er sich zum Beispiel von am Körper tragbaren Geräten („Wearables“). Dies gilt in der Elektronikindustrie als zukunftsträchtiges Segment, zumal auch Apple es entdeckt hat und in wenigen Monaten eine Computeruhr auf den Markt bringen will. Wer sich eine Uhr mit HZO-Beschichtung kauft, muss das Gerät zum Schwimmen nicht mehr abnehmen. Oder kann sich unbesorgt einen Spaß daraus machen, es ins Wasserglas fallen zu lassen.

Folgen Sie mir auf Twitter

18. Feb. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Wenn das Handy in der Toilette oder im Bierglas landet

3
3771

     

14. Feb. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Google-Gründer machen Kasse

0
877
     

Google-Gründer machen Kasse

Larry Page und Sergey Brin, die beiden Gründer des Internetkonzerns Google, wollen Aktien an ihrem Unternehmen im derzeitigen Wert von 4,4 Milliarden Dollar verkaufen. Wie das Unternehmen in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC mitteilte, wollen sich Brin und Page von jeweils vier Millionen Google-Aktien trennen. Damit ersetzen die Google-Gründer ihr 2009 aufgelegtes und Ende Januar ausgelaufenes Verkaufsprogramm, in dessen Rahmen sie jeweils fünf Millionen Aktien abgeben wollten. Mit den Verkäufen reduzieren Brin und Page zwar ihre Anteile, behalten aber die Stimmrechtsmehrheit am Unternehmen. Dies wird möglich durch eine Inhaberstruktur mit mehreren Aktienklassen. Brin und Page halten einen großen Teil der B-Aktien von Google, die nicht an der Börse gehandelt werden und jeweils zehn Stimmrechte verbriefen. Börsennotiert sind die Aktien der Klasse A, die mit jeweils einem Stimmrecht verbunden sind, sowie seit vergangenem Jahr eine neue Klasse von C-Aktien, die keine Stimmrechte haben. Brin und Page, beide 41 Jahre alt, wollen nun jeweils zwei Millionen C-Aktien und zwei Millionen B-Aktien verkaufen, letztere werden beim Verkauf automatisch in A-Aktien umgewandelt. Beide börsennotierten Google-Aktien werden derzeit für rund 550 Dollar gehandelt, und bei diesem Preis würden die Google-Gründer rund 4,4 Milliarden Dollar einnehmen. Nach dem Verkauf würden sie noch immer 40,6 Millionen B-Aktien und ebenso viele C-Aktien halten. Der Anteil der Gründer am Gesamtkapital wird durch die Transaktionen von zusammen 13,1 auf 11,9 Prozent sinken, der Anteil an den Stimmrechten von 54,6 auf 52,0 Prozent.

Wie es in der Mitteilung heißt, wollen Brin und Page mit dem Verkauf von Google-Aktien „ihre Investment-Portfolios diversifizieren“. Wie schon beim letzten Plan sollen die Verkäufe „über einen längeren Zeitraum“ abgewickelt werden, wobei Google keine konkreten Angaben machte. Page und Brin haben Google im Jahr 1998 gegründet. Page ist heute Vorstandsvorsitzender, Brin sitzt im Verwaltungsrat und ist eng in die Forschungseinheit „Google X“ involviert, in der Projekte wie das selbstfahrende Auto untergebracht sind.

Folgen Sie mir auf Twitter

14. Feb. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Google-Gründer machen Kasse

0
877

     

06. Feb. 2015
von Martin Gropp
5 Lesermeinungen

0
1490
     

Google und das „Recht auf Vergessen werden“: Experten-Beirat legt Bericht vor

Konzernlogo© AFPKonzernlogo

Seit dem 29. Mai 2014 können Einzelpersonen beim Suchmaschinenkonzern Google beantragen, unter bestimmten Bedingungen Ergebnisse zu Namenssuchen entfernen zu lassen. Hintergrund ist eine im Mai gefällte Entscheidung des Europäischen Gerichtshof zu einem konkreten Fall aus Spanien: Ein Bürger klagte dort gegen Google, weil noch nach Jahren Hinweise auf seine finanziellen Problemen in den neunziger Jahren im Internet auffindbar waren. In den gut acht Monaten, nachdem Google sowie auch andere Suchmaschinen Verfahren zur Annahme von Löschersuchen eingeführt haben, sind laut dem amerikanischen Unternehmen rund 212.100 einzelne Ersuchen von Antragstellern bei ihm eingegangen. Sie beziehen sich auf mehr als 767.800 Verweise in den Google-Suchlisten. Kürzer als der Löschmechanismus arbeitet indes der Experten-Beirat, den das Unternehmen eigens zusammengestellt hat, um von ihm unter Anhörung von insgesamt 55 europäischen Experten die Folgen des Urteils diskutieren zu lassen. Laut Selbstbeschreibung sollte der Beirat helfen, Ratschläge für die Auslegung der Entscheidung der Richter zu finden. Nach Sitzungen in sieben europäischen Hauptstädten, darunter in Paris, Berlin, London und Brüssel, hat der Beirat nun die zusammengefassten Ergebnisse seiner Beratungen vorgestellt. In der Nacht zum Freitag stellte Google den 37 Seiten langen Bericht ins Internet.

Weiterlesen →

06. Feb. 2015
von Martin Gropp
5 Lesermeinungen

0
1490

     

04. Feb. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Was Varoufakis mit Videospielen zu tun hat

4
839
     

Was Varoufakis mit Videospielen zu tun hat

Giannis Varoufakis© APGiannis Varoufakis

Wer meint, Macher von Videospielen sind nur auf geistloses Herumballern aus, der kennt Gabe Newell nicht. Denn der 52 Jahre alte Mitgründer des amerikanischen Videospieleherstellers Valve macht sich Gedanken um die Welt. Das brachte ihn mit Giannis Varoufakis zusammen, dem Ökonomieprofessor und schillernden neuen griechischen Finanzminister. Vor etwas mehr als drei Jahren schickte Newell eine E-Mail an Varoufakis und gab sich als eifriger Leser von dessen Blog zu erkennen. Varoufakis hatte sich dort als wortgewaltiger Kommentator der Euro-Krise einen Namen gemacht. Newell schrieb, der Blog habe ihm die Augen geöffnet, und er habe im konfliktreichen Zusammenspiel der Euro-Länder Parallelen zu seinem Unternehmen erkannt. Denn die virtuellen Welten in den Spielen von Valve würden auch volkswirtschaftliche Fragen aufwerfen, etwa nach einer gemeinsamen Währung. Inspiriert von Varoufakis, sie ihm dann irgendwann beim Nachdenken über die Spiele seines Unternehmens ein Geistesblitz gekommen: „Das ist wie Deutschland und Griechenland.“

Weiterlesen →

04. Feb. 2015
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Was Varoufakis mit Videospielen zu tun hat

4
839

     

28. Jan. 2015
von Martin Gropp
1 Lesermeinung

1
736
     

Berliner Sprachlern-App Babbel: Nächste Station New York

Die Anwendung in Aktion© BabbelDie Anwendung in Aktion

 

Eine der Gründungsanekdoten der Berliner Sprachlernanwendung Babbel geht so: Als Markus Witte, Thomas Holl und Lorenz Heine 2007 ihr neues Unternehmen für Online-Sprachkurse im Handelsregister eintragen lassen wollten, konnten sie es nicht wie geplant Babbel GmbH taufen. Das Amtsgericht sah Verwechselungsgefahr mit dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Markus Babbel. Also heißt das Unternehmen hinter den gleichnamigen Spracherwerbs-Anwendungen für Smartphones oder Tablets heute Lesson Nine GmbH. In diesen Tagen erfahren Witte, Holl und Heine immerhin eine kleine Genugtuung gegenüber den deutschen Registerbehörden. Schon Mitte Dezember haben sie im amerikanischen Bundesstaat Delaware die Babbel Incorporated eintragen lassen. Seit diesem Mittwoch ist die amerikanische Tochtergesellschaft der Berliner nun auch offiziell auf dem amerikanischen Markt aktiv, um dort Sprachlernanwendungen per Abonnement zu vertreiben. Weiterlesen →

28. Jan. 2015
von Martin Gropp
1 Lesermeinung

1
736

     

24. Jan. 2015
von Martin Gropp
Kommentare deaktiviert für Shazam: Vom Musikerklärer zum Alleserkenner

1
500
     

Shazam: Vom Musikerklärer zum Alleserkenner

###© dpaShazam-Anwendung auf einem Smartphone

Der Musikerkennungsdienst Shazam war schon ein Unternehmen für das mobile Internet, lange bevor sich der überall verfügbare Netzzugang durchsetzte. Seit 13 Jahren bietet das in London ansässige Unternehmen Nutzern an, mehr über unbekannte Musikstücke zu erfahren. Doch als Shazam damit begann, gab es zum Beispiel noch keine Smartphones mit Netzanbindung. Daher fand der Erkennungsprozess über SMS-Austausch statt. Wer in einer Bar wissen wollte, was gerade aus den Boxen dröhnt, musste das Telefonmikrofon in Richtung der Musik drehen und eine Kurznachricht an das Unternehmen schicken. Über den gleichen Kommunikationsweg erfuhr er dann, wie Lied und Künstler heißen.

Die Zeit der SMS-Tipperei ist längst vorbei. Heute bietet die Shazam Entertainment Limited eine Smartphone-Anwendung, die den Erkennungsdienst dann automatisch und oft in Sekunden vollzieht. Gleichzeitig hat sich aber auch das Unternehmen weiterentwickelt. Längst geht es nicht mehr ausschließlich darum, Musik zu erkennen. Vor vier Jahren führte der Dienst eine Funktion ein, mit der es möglich ist, zu bestimmten Fernsehsendungen aber auch zu TV-Werbung Zusatzinformationen zu erhalten. Damit sowie mit der Weiterleitung an Musikdownloadportale oder Echtzeitabrufdienste wie Spotify versucht das Unternehmen inzwischen, Geld zu verdienen. Außerdem ist Shazam gewachsen. Zuletzt verzeichnete das Unternehmen rund um die Welt mehr als 100 Millionen Nutzer, die mindestens einmal im Monat aktiv sind, in Deutschland sind es 5 Millionen.

Trotz des Wachstums hat Shazam zuletzt nur Verluste geschrieben. Investoren scheint das aber nicht abzuschrecken. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte, hat es sich eine Finanzierung in Höhe von 30 Millionen Dollar von bestehenden und neuen Investoren gesichert. Damit übersteigt der Wert von Shazam erstmals die Grenze von einer Milliarde Dollar. Im Gespräch mit dem Netzwirtschaft-Blog wollte der Vorstandsvorsitzende Andrew Fisher nicht mitteilen, wer die neu hinzugekommenen Finanziers konkret sind. Es handele sich dabei aber um Privatpersonen aus den Vereinigten Staaten und Europa, die sich individuell oder über sogenannte Family Offices an Unternehmen beteiligen. Weiterlesen →

24. Jan. 2015
von Martin Gropp
Kommentare deaktiviert für Shazam: Vom Musikerklärer zum Alleserkenner

1
500

     

22. Jan. 2015
von Martin Gropp
1 Lesermeinung

1
1218
     

Einer der größten Online-Händler für die Kleinsten

Wenn es vor gut vier Jahren nach manchen Ratgebern von Alexander Brand und Konstantin Urban gegangen wäre, dann würde ihr Unternehmen heute vielleicht gar nicht existieren. Als Brand und Urban im Herbst 2010 mit anderen über die Idee sprachen, Windeln, Babybrei oder Kinderwagen über das Internet zu verkaufen, ernteten sie oft Skepsis. „Am Anfang haben uns viele Leute gefragt, ob wir verrückt seien“, erinnert sich Brand heute. „Zu ihren Argumenten gehörten die niedrige Geburtenrate in Deutschland, die niedrigen Margen der Produkte und 20 weitere Gründe.“

Die beiden Gründer hörten damals nicht auf diese Argumente, und heute ist ihr Unternehmen Windeln.de einer der Marktführer für Baby- und Kleinkindausstattung im Internet, wie das Institut für Handelsforschung in Köln im vergangenen Jahr festgestellt hat. Nach eigenen Angaben machte die Windeln.de GmbH 7 Millionen Euro Umsatz 2011, im ersten vollen Jahr der Geschäftstätigkeit. Im gerade abgelaufenen Jahr waren es dann laut Brand 130 Millionen Euro. Dazu komme, dass Windeln.de drei Jahre nach der Gründung die Gewinnschwelle erreicht hatte. Diese Fakten haben auch Investoren überzeugt. Zu den bisherigen Finanziers – Acton Capital Partners, Deutsche Bank und DN Capital – kommt nun ein weiterer Investor hinzu: die Investmentbank Goldman Sachs. Weiterlesen →

22. Jan. 2015
von Martin Gropp
1 Lesermeinung

1
1218

     

15. Jan. 2015
von Roland Lindner

2
377
     

Golden Globes und Woody Allen: Amazon goes Hollywood

Für Jeff Bezos war es ein perfekter Abend: Nicht nur tummelte sich der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Online-Händlers am Sonntag bei der Verleihung der „Golden Globes“ inmitten von Hollywood-Superstars wie George Clooney und Meryl Streep. Bezos gehörte auch zu den großen Gewinnern. Die auf Amazons Online-Videodienst ausgestrahlte Serie „Transparent“ über einen transsexuellen Familienvater holte sich sensationell den Preis für die beste Fernsehkomödie des Jahres. Damit schlug Amazon den sonst regelmäßig mit Auszeichnungen überhäuften Bezahlsender HBO und seine Serien „Girls“ und „Silicon Valley“. Vielleicht noch bemerkenswerter: Auch die Online-Videothek Netflix, die wie Amazon den traditionellen Fernsehsendern das Leben schwer machen will, hatte mit ihrer Serie „Orange is the new black“ gegenüber „Transparent“ das Nachsehen. Dabei galt bislang in der Branche Netflix als heißester Kandidat unter den aufstrebenden Online-Diensten, einmal einen Preis für die beste Fernsehshow zu gewinnen. „Transparent“-Produzentin Jill Soloway erwähnte Bezos in ihrer Dankesrede, als sie sich den „Golden Globe“ abholte. Und Hauptdarsteller Jeffrey Tambor, der ebenfalls einen Preis gewann, nannte Amazon „meinen neuen besten Freund“. Für Amazon war der Abend wie ein Ritterschlag. Auf einmal ist das Unternehmen mit seiner Online-Plattform „Prime Instant Video“ eine Hollywood-Größe und wird in der Unterhaltungsindustrie ernst genommen.

Jetzt legt Amazon mit einem weiteren Coup nach: Das Unternehmen kündigte an, den Starregisseur Woody Allen für eine neue Fernsehserie rekrutiert zu haben. Amazon hat eine ganze Staffel von jeweils halbstündigen Shows bestellt, für die Allen das Drehbuch schreiben und Regie führen soll. Es ist die erste Fernsehserie für den 79 Jahre alten Allen, der vor allem als Regisseur von Kinofilmen wie „Der Stadtneurotiker“ oder „Midnight in Paris“ bekannt ist. Die Show soll im kommenden Jahr auf „Prime Instant Video“ in Amerika, Deutschland und Großbritannien zu sehen sein.

Der Doppelschlag von Amazon mit den „Golden Globes“ und dem Woody-Allen-Projekt unterstreicht, wie rasant sich die Fernsehlandschaft verändert. Neben den traditionellen Fernsehkanälen etablieren sich sogenannte Streaming-Dienste wie von Netflix oder Amazon, deren Kunden die Inhalte über das Internet abspielen, ob auf Fernsehern, Computern oder Smartphones. Diese Dienste bieten ihren Nutzern jederzeit und ohne das von Fernsehsendern gewohnte starre Programmkorsett Zugriff auf ihre Serien und Filme. Und sie haben zunehmend Ambitionen, eigene und exklusive Inhalte anzubieten, so wie Netflix es mit „House of Cards“ oder „Orange is the new black“ tut, oder eben Amazon mit „Transparent“. Die Shows muten wie traditionelle Fernsehserien an und werden bei Preisverleihungen auch so kategorisiert, sind aber teilweise nur online zu sehen.

Amazon verfolgt mit seinem Unterhaltungsangebot ein sehr eigenwilliges Geschäftsmodell. Der Videodienst wird mit dem Versandangebot „Prime“ verknüpft. Gegen eine jährliche Gebühr von 49 Euro (99 Dollar in Amerika) bekommen Prime-Kunden zum einen schnellen und kostenfreien Versand und zum anderen Zugang zur Film- und Fernsehbibliothek. Prime-Abonnenten sind für Amazon besonders wertvoll, denn sie geben im Schnitt mehr Geld auf der Seite aus als andere Kunden. Hinter den selbst produzierten Shows steckt das Kalkül, mehr Prime-Mitglieder zu gewinnen und somit diese bestellfreudige Klientel zu vergrößern. Die eigenen Fernsehshows sollen also dem gesamten Geschäft von Amazon zugute kommen.

Der Online-Händler hat seine Filmsparte Amazon Studios im Jahr 2010 ins Leben gerufen. Traditionell hat Amazon die Auswahl seiner Serien den Kunden überlassen. Einzelne Pilotfolgen wurden online gestellt, und Amazon entschied auf Basis der Reaktionen von Zuschauern, aus welchen Stoffen eine ganze Serie gemacht wird. Mit dem Woody-Allen-Projekt weicht Amazon zum ersten Mal von dieser Strategie ab und bestellt eine ganze Serie ohne Mitsprache seiner Kunden. Amazon lässt sich seine Shows mittlerweile viel Geld kosten. Im vergangenen Jahr sagte das Unternehmen, in einem einzigen Quartal 100 Millionen Dollar für eigene Inhalte ausgeben zu wollen. Amazon ist allgemein dafür bekannt, in der Hoffnung auf künftiges Wachstum viel Geld zu investieren und dafür auch Verluste in Kauf zu nehmen.

Folgen Sie mir auf Twitter.

15. Jan. 2015
von Roland Lindner

2
377

     

20. Nov. 2014
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Das Leben nach Blackberry – Gespräch mit Thorsten Heins

0
1734
     

Das Leben nach Blackberry – Gespräch mit Thorsten Heins

Nach dem ruhmlosen Abschied beim kanadischen Smartphone-Hersteller hat Heins eine neue Aufgabe. Seine Blackberry-Zeit hat er als „extrem anstrengend“ erlebt. Aber er hält sich nicht für gescheitert. Weiterlesen →

20. Nov. 2014
von Roland Lindner
Kommentare deaktiviert für Das Leben nach Blackberry – Gespräch mit Thorsten Heins

0
1734