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Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

05. Mai. 2015
von Martin Gropp
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Bestellplattform Delivery Hero schluckt nächsten Konkurrenten

Mit Blick auf die geographische Ausdehnung ist das Kalkül von Essensbestellplattformen im Internet klar. Wer auf seiner Internetseite die meisten Restaurants versammelt, über die Kunden dann gegen Provision ihr Essen online bestellen, der hat höhere Chancen, auch die meisten Besteller zu gewinnen. Vielfalt ist Pflicht, und in den Anfangstagen der Branche entstand sie meist durch Überzeugungskraft (und manchmal auch durch Abschreiben bei der Konkurrenz). Die Plattformen schickten Mitarbeiter zu Restaurantbetreibern oder Essenslieferdiensten, um sie zum Mitmachen auf ihren Internetseiten zu bewegen. Inzwischen sind manche Marktteilnehmer aber so gut mit Investorengeld ausgestattet, dass sie auf Einkaufstour gehen können. Entsprechend kommt es immer häufiger zu Zusammenschlüssen.

Eine der wohl größten Fusionen der Branche hat nun die Berliner Bestellplattform Delivery Hero verkündet, die in Deutschland unter der Marke Lieferheld firmiert. Für umgerechnet rund 529 Millionen Euro kauft das in Berlin ansässige Unternehmen den türkischen Konkurrenten Yemeksepeti. Weiterlesen →

05. Mai. 2015
von Martin Gropp
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21. Mrz. 2015
von Roland Lindner
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Google X: Scheitern gehört zum System

Astro Teller auf der SXSW© APAstro Teller auf der SXSW

Eigentlich wäre es ein Anlass zum Jubel gewesen: Astro Teller und seine Mitarbeiter testeten zum ersten Mal einen Prototypen für eine fliegende Windturbine, und alles lief wie geschmiert. Dies ist eines von vielen Projekten bei Google X, der von Teller geführten Forschungseinheit des amerikanischen Internetkonzerns. Anders als bei einer konventionellen Windanlage mit Turm lässt Google eine mit Rotoren ausgestattete flugzeugähnliche Konstruktion durch die Luft kreisen, die über ein Seil mit dem Boden verbunden ist. Auf diese Weise könnte nach Hoffnung von Google Windenergie viel billiger gewonnen werden, und das wiederum könnte erneuerbaren Energien allgemein einen Schub geben. Teller erinnert sich, was ihm Google-Vorstandschef Larry Page auf den Weg gegeben hat, als die Zeit für einen Test unter realen Bedingungen gekommen war: „Sorg‘ dafür, dass fünf von den Dingern abstürzen.“ Hinter der Aufforderung steckte keine Zerstörungswut, sondern die Überzeugung, dass auf dem Weg zu wirklich großen Taten Dinge schiefgehen müssen, denn andernfalls mache man wahrscheinlich nur kleine Fortschritte. Teller suchte sich also für den ersten Test eine der windigsten Gegenden in Kalifornien aus. Aber das Gerät stürzte nicht ab, sondern funktionierte einwandfrei. Anstatt sich darüber zu freuen, hatte Teller gemischte Gefühle. Und fragte sich, ob das Projekt vielleicht nicht ambitioniert genug ist.

Diese Episode hat Teller gerade auf der Digitalkonferenz South by Southwest in Austin erzählt. Er lieferte Einblicke in die geheimnisumwitterte Forschungsabteilung, der Heimat von zukunftsweisenden Vorhaben wie dem selbstfahrenden Auto, Drohnen oder „Project Loon“, womit Google entlegene Regionen der Welt von hoch über der Erde schwebenden Ballons ans Internet anbinden will. Wie Teller sagte, gehört Scheitern bei Google X zum Alltag, ja es ist sogar erwünscht. Das lässt freilich auch an die hier entstandene und höchst umstrittene Computerbrille Google Glass denken, deren Verkauf an Endverbraucher das Unternehmen kürzlich vorerst gestoppt hat.

Google X ist vor fünf Jahren ins Leben gerufen worden. Teller erinnert sich, wie er damals mit Larry Page über die Mission der Abteilung diskutierte. Ein sollte nicht einfach eine weitere Geschäftseinheit von Google sein und auch kein gewöhnliches Forschungszentrum. Stattdessen wurde das einst vom amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy vorgegebene Ziel, einen Menschen auf den Mond zu bringen, zur Inspiration. Google X sollte ein Ort für „Moonshots“ werden, womit nicht buchstäblich Flüge zum Mond gemeint sind, sondern im übertragenen Sinne besonders ambitionierte Projekte. Für Google heißt das: Dinge nicht nur um 10 Prozent verbessern, sondern um den Faktor 10. Und weil Google X sich vom Rest des Konzerns abheben will, hat Teller nicht einen gewöhnlichen Titel wie etwa „Senior Vice President“, sondern er nennt sich „Captain of Moonshots“.

Was an dem 44 Jahre alten Astro Teller sofort auffällt, sind sein Name und seine Frisur. Er hat langes, krauses Haar, das meist zu einem Pferdeschwanz gebunden ist. Geboren ist er als Eric Teller, das „Astro“ ist also ein Spitzname, allerdings gibt es dafür keinen wissenschaftlichen Zusammenhang, wie man vermuten könnte. Vielmehr gaben Schulfreunde ihm den Namen, weil seine damalige Frisur sie an den Kunstrasen „Astro Turf“ erinnerte.

Teller wurde im britischen Cambridge geboren und wuchs in der Nähe von Chicago auf. Er stammt aus einer Familie mit mehreren berühmten Akademikern. Einer seiner Großväter war der Physiker Edward Teller, der als „Vater der Wasserstoffbombe“ gilt, der andere war Gérard Debreu, der einst den Wirtschaftsnobelpreis gewann. Teller kann selbst einige akademische Titel vorweisen: Er hat zwei Informatik-Abschlüsse der kalifornischen Stanford-Universität und einen Doktortitel in künstlicher Intelligenz von der Carnegie Mellon University. Er schlug danach bald eine Unternehmerkarriere ein, auch wenn er zwischenzeitlich noch in Stanford lehrte. Ende der neunziger Jahre gründete er zum Beispiel Body Media, einen Anbieter von am Körper tragbaren Geräten, die Gesundheitsdaten messen. Teller wagte sich damit schon früh in das sogenannte „Wearable“-Geschäft, das heute als Wachstumsmarkt gilt. Er verkaufte Body Media später an den Wettbewerber Jawbone. Auch einen Hedgefonds hat Teller schon gegründet.

2010 hat er sich von Google für die Forschungseinheit rekrutieren lassen. Die von ihm hier vertretene Philosophie des Scheiterns hat mit seiner Überzeugung zu tun, dass Projekte möglichst schnell das Labor verlassen und in der realen Welt getestet werden sollten, auch wenn sie noch nicht ausgereift sind: „Man wird nie die richtigen Antworten bekommen, wenn man nur in einem Konferenzzimmer sitzt“. In Austin nahm Teller das selbstfahrende Auto als Beispiel. So habe sich eines der Google-Autos vor einigen Monaten in einer höchst ungewöhnlichen Situation wiedergefunden. Mitten auf der Straße sei eine Frau in einem Rollstuhl gewesen, die versucht habe, mit einem Besen eine Ente zu verscheuchen. Auf ein solches Szenario wäre Google selbst nie gekommen, sagte Teller. Das Auto habe das Richtige getan und gewartet, bis die Frau samt Ente die Straße verlassen habe. Genau um solchen kniffligen Situationen zu begegnen, legten die Google-Autos jeden Tag Tausende von Meilen zurück. Denn das helfe, die Software zu verbessern.

Auch die Brille Google Glass ist ein Beispiel für ein Produkt, das in frühem Stadium auf die Menschheit losgelassen wurde. Hier aber ging die Strategie nach hinten los, denn dem Produkt schlug eine Welle der Feindseligkeit entgegen. Viele Menschen empfanden den auf der Nase sitzenden Minicomputer nicht nur als scheußlich, sondern auch als Angriff auf die Privatsphäre, weil er unauffälligeres Fotografieren erlaubt als ein Smartphone. In vielen Kneipen wurde das Tragen der Brille verboten. Teller sagte, er halte es bis heute für die richtige Entscheidung, die Brille schon früh in der Öffentlichkeit getestet zu haben. Aber er gab zu, dass Google einen gewichtigen Fehler begangen hat. Das Unternehmen habe es zugelassen und sogar selbst dazu beitragen, dass das Produkt „zu viel Aufmerksamkeit“ bekommen habe. Google habe dazu ermuntert, die Brille als fertiges Produkt zu sehen, obwohl sie nur ein Prototyp war. Dies habe zu überzogenen Erwartungen an das Produkt geführt.

Teller wollte freilich nicht so weit gehen, Kritikern der Brille recht zu geben. Die Sorgen um den Datenschutz etwa hält er für überzogen: „Es verblüfft mich, wie sensibel die Leute reagiert haben.“ Wenn man etwa in die Kneipe gehe, sei man ohnehin von Kameras umringt, ob sie nun in Smartphones sind oder von der Decke hängen. Neben all diesen anderen Kameras sei Google Glass kaum ins Gewicht gefallen und nicht mehr als ein „Rundungsfehler“ gewesen. Damit nahm Teller freilich eine im Silicon Valley verbreitete Haltung ein: Er fühlt sich vom Rest der Welt unverstanden und ungewürdigt.

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21. Mrz. 2015
von Roland Lindner
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05. Mrz. 2015
von Roland Lindner
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Tinder: Online-Dating im Turbogang

Gefunden© TinderGefunden

 

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Brian Bittner kaum die Finger von seinem Smartphone lassen konnte. Fast jede freie Minute ging dafür drauf, das schier endlose Angebot an Frauen zu durchforsten, das dem 31 Jahre alten New Yorker Banker von der Dating-Anwendung Tinder serviert wurde. Keine Mittagspause verging mehr ohne Suche, Toilettenbesuche dauerten auf einmal doppelt so lange. Und wenn es in den New Yorker U-Bahnen durchgängigen Handy-Empfang gäbe, dann hätte er auch das tägliche Pendeln mit „Tindern“ verbracht. Denn man weiß nie, der nächste Blick auf die App könnte eine Traumpartnerin liefern. Ob nun für eine Nacht oder auch fürs Leben. Auch Frauen sind in den Bann gezogen. Die 26 Jahre alte Diana Tracy ertappte sich immer wieder dabei wie sie das Programm aufrief, wenn sie auf der Straße unterwegs war. Oder nachts im Bett. „Das ist wie Unterhaltungsprogramm im Fernsehen.“

Willkommen im Zeitalter von Tinder, der App zum Anbandeln, die das milliardenschwere Geschäft mit der Partnersuche aufmischt. Tinder ist Online-Dating im Turbogang. Herkömmliche Partnerbörsen mit ihren ausführlichen Profilen sehen daneben geradezu spießig aus. Es reduziert die Informationen auf die Äußerlichkeiten und pfeift auf langatmige Personenbeschreibungen. Die App ist so schlicht gestrickt, dass sie ihre Nutzer ermutigt, in Sekundenbruchteilen Urteile zu fällen. Schnell sollen sie aussortieren, welcher Kandidat nicht in Frage kommt.

Das passt perfekt in eine hektische Stadt wie New York. Aber die App, die es inzwischen seit mehr als zwei Jahren gibt, hat sich von Amerika aus mittlerweile auf der ganzen Welt verbreitet. Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte, und hierzulande gibt es auch einheimische Konkurrenzdienste wie Lovoo, die nach einem ähnlichen Muster funktionieren.

Dieser neuen Generation von Dating-Apps eilt der Ruf voraus, dass es bei ihnen vor allem um Sex geht, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Aber auf Tinder kommen auch ernsthafte Beziehungen zustande, so wie im Fall von Brian und Diana aus New York. Die beiden sind seit fast einem Jahr ein Paar.

Smartphone-Apps wie Tinder bringen Partnersuche noch einen Schritt weiter in die digitale Welt. Das Internet hat schon viele Bereiche des Lebens dramatisch verändert, und die Liebe ist keine Ausnahme. Für viele Menschen ist es heute selbstverständlich, sich nicht mehr nur auf traditionelle Wege zu verlassen und darauf zu hoffen, jemanden in der Kneipe oder auf einer Party zu treffen. Ebenso wie sie auf Amazon einkaufen, nutzen sie das Internet auch, um einen Partner zu finden. Das unterstreicht eine Studie, die vor zwei Jahren in einem amerikanischen Wissenschaftsmagazin veröffentlicht wurde. Von den dafür befragten verheirateten Paaren haben sich fast 35 Prozent online kennengelernt.

Die steigende Bereitschaft, das Internet zur Partnersuche zu nutzen, hat eine ganze Industrie von Dating-Portalen entstehen lassen. Das Marktforschungsinstitut IBIS World schätzt den jährlichen Umsatz von Partnervermittlungsdiensten allein in den Vereinigten Staaten auf 2,2 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro). Die Online-Portale versprechen ihren Mitgliedern üblicherweise, mittels Algorithmen kompatible Partner zu finden. Das geschieht auf Basis all der Informationen, mit denen die Nutzer ihre Profile füllen: Körpermaße, Hobbys oder Weltanschauungen. Viele dieser Dienste richten sich an ein breites Publikum, daneben gibt es etliche Nischenportale, die auf einen sehr spezifischen Nutzerkreis abzielen, von Singles mit Lebensmittelallergien über Fans von Vampiren bis hin zu Clowns.

Tinder tickt völlig anders. Allzu viele Informationen würden hier nur stören. Das Profil der Mitglieder besteht im Wesentlichen aus Vornamen, Alter und Fotos. Sie wählen aus, in welcher Altersgruppe sich ein etwaiger Partner bewegen soll, und die App setzt ihnen eine Flut von Kandidaten vor. Wer nicht gefällt, wird durch einen Wisch nach links auf dem Handy-Bildschirm ins digitale Nirvana befördert, ein Wisch nach rechts signalisiert Interesse. Allerdings: Nur wenn der Auserwählte ebenfalls nach rechts wischt, kommt eine Verbindung zustande, die es dann erlaubt, miteinander zu kommunizieren und ein persönliches Treffen zu vereinbaren.

Der besondere Pfiff liegt darin, dass die App mit der Standortfunktion auf dem Handy verbunden ist. Damit können sich die Nutzer auf Personen in der näheren Umgebung beschränken. Wer also auf ein spontanes Date aus ist, kann den logistischen Aufwand minimieren. Mit dem Ortungsdienst spielt Tinder den Vorteil von Smartphones gegenüber Computern aus. Nicht zuletzt das hat Tinder den Ruf einer Sex-App eingebracht.

Diese schnörkellose Vorgehensweise gefällt nicht nur den Nutzern, sondern findet auch unter Forschern Anhänger. Harry Reis, ein Professor an der University of Rochester, war an wissenschaftlichen Studien über Online-Dating beteiligt, und er hält das Versprechen vieler traditioneller Portale, mittels eines wundersamen Algorithmus einen passenden Partner zu liefern, schlicht für „Nonsens“. Reis will zwar nicht sagen, dass er Tinder eher als anderen Diensten zutraut, „Mr. Right“ oder „Mrs. Right“ zu finden. Aber er schätzt, wie „simpel und unprätentiös“ die App daherkommt. „Der Wert von Tinder liegt gerade darin, weniger Informationen zu liefern.“

Der New Yorker Banker Brian hat schon eine ganze Reihe von Dating-Diensten ausprobiert. Er verfasste lange Profile für „Match.com“ und „OK Cupid“. Aber er fand Tinder so „berauschend“, dass er die anderen Portale völlig links liegen ließ. „Tinder ist sexy“, sagt er. „Es dreht sich alles um die einfache Frage: Macht die Frau mich an oder nicht?“ Dass innere Werte hinten anstehen, hat ihn nicht gestört. Er kam gerade aus einer langjährigen Beziehung, als er bei bei dem Dienst einstieg, und war nicht unbedingt auf eine feste Beziehung aus – bis ihm dann nach drei Monaten doch seine heutige Freundin Diana über den Weg lief.

Die wiederum schätzt sich glücklich, dass sie eine ernsthafte Beziehung gefunden hat. Doch das gelingt nicht vielen. „Ich habe so viele Freundinnen, die Tinder frustriert gelöscht haben,“ sagt sie. Das „geistlose und endlose Wischen“ habe zwar seinen Reiz, sei aber irgendwie auch deprimierend. Gina Stewart, die ein Beratungsunternehmen für die virtuelle Partnersuche mit dem Namen „Expert Online Dating“ betreibt, sieht in dem Überfluss an Optionen einen der großen Nachteile. „Es lockt immer die Aussicht auf etwas Besseres beim nächsten Wisch. Warum also sollte man sich auf jemanden einlassen?“ Die App habe etwas von einem einarmigen Banditen im Kasino. Dessen Reiz liege schließlich auch in der Hoffnung, dass der nächste Versuch einen Volltreffer bringt.

Diana hat auf Tinder eine Mentalität der Austauschbarkeit erlebt, die dazu animiert, möglichst viele Eisen im Feuer zu halten. „Wenn ich mich mit jemandem auf Tinder verabrede, kann ich davon ausgehen, dass ich nicht die einzige bin, die er trifft.“

Ihre eigene Geschichte sieht sie als Sonderfall. Denn ohne es vorher zu wissen, hatten die beiden eine gemeinsame Facebook-Freundin. Und darauf wurden sie aufmerksam gemacht, als sie einander auf Tinder begegneten, weil die App mit Facebook verknüpft ist. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, nicht gleich zur nächsten Person weiterzuspringen. Vielleicht ist es die Hoffnung auf einen ähnlichen Glücksfall, die einige von Dianas Freundinnen dazu bewogen hat, die aus Enttäuschung gelöschte App wieder neu zu installieren. Manche halten an ihren romantischen Vorstellungen fast schon verzweifelt fest: „Eine Freundin von mir hat fast jeden Abend ein Tinder-Date und sie hofft jedes Mal, dass das ihr nächster Freund wird.“

Die 27 Jahre alte New Yorkerin Kirra Cheers ist gerade dabei, ein ganzes Buch über ihre Erfahrungen bei Tinder zu schreiben. Cheers sagt, sie habe Freunde gefunden ebenso wie One-Night-Stands, und im Moment stecke sie sogar in den Anfängen einer über die App zustande gekommenen Beziehung. Trotzdem ist ihr Fazit nach mehreren Dutzend Dates gespalten: Es sei oft anstrengend, unromantisch und wie Fast Food. Dabei verfolgt Cheers eine „feministische Dating-Philosophie“, wie sie es formuliert. Das bedeutet: Optimal sei es, wenn eine feste Beziehung entstünde, sonst aber gerne auch nur Sex. Sie spielt mit traditionellen Rollenverständnissen. Für ein Kunstprojekt mit dem Namen „Tinderella“ habe sie die getroffenen Männer zu Objekten reduziert und am Ende eines Dates fotografiert, erzählt Cheers. Auch allzu plumpe Anmachversuche in Tinder-Chats hat sie dokumentiert: Einer bescheinigte ihr „hübsche Titten“, ein anderer sagte ganz unverblümt: „Du bist scharf! Lass‘ uns Sex haben“

Partnersuche über den Aufenthaltsort ist keine Erfindung von Tinder. Homosexuelle Männer können schon seit 2009 die Dating-App „Grindr“ nutzen, neben der selbst Tinder noch harmlos daherkommt. Denn Grindr dreht sich noch viel mehr um schnellen Sex mit jemandem in der unmittelbaren Umgebung. „Grindr ist sehr seicht, und das mit voller Absicht,“ sagt Jaime Woo, der die App selbst benutzt und ein Buch über sie geschrieben hat. Grindr habe Schwulen ein simples Instrument gegeben, einen Partner zu finden, ohne dafür in spezielle Clubs oder Kneipen zu müssen. Tatsächlich beklagen viele Schwulenkneipen in Amerika, dass ihnen wegen Grindr die Kundschaft ausbleibt. Woo sagt, Tinder habe bei der Grundidee von Grindr angesetzt, aber dann einige Mechanismen für die heterosexuelle Welt eingebaut, gerade um dem weiblichen Publikum ein gewisses Gefühl der Sicherheit zu geben. Die Verknüpfung mit Facebook zum Beispiel macht die App weniger anonym.

Tinder ist ohne Zweifel ein Produkt der Smartphone-Ära, aber gleichzeitig ist die App auch ein Sprung in die Vergangenheit, in die Zeit vor dem Internet, als man sich in der realen Welt kennenlernen musste. Denn ein Flirt auf einer Party oder in einer Bar kommt in der Regel vor allem deshalb zustande, weil sich zwei Menschen äußerlich attraktiv finden und nicht, weil sie viel voneinander wissen. Erst die Dating-Portale mit ihren ausführlichen Profilen liefern den Nutzern schon beim virtuellen Erstkontakt einen großen Informationsschatz. Der entfällt nun wieder auf Tinder.

„Menschen waren schon immer oberflächlich und sprangen auf äußere Reize an,“ sagt Michael Norton, Professor an der Universität Harvard, der sich in Studien mit Online-Dating beschäftigt hat. Ebenso wenig habe Tinder etwas daran geändert, dass die meisten Menschen letztlich doch eine langfristige Partnerschaft anstreben, auch wenn sie Dating-Apps zwischenzeitlich nutzen, um sich auszutoben.

Tinder verfolgt ein anderes Geschäftsmodell als viele traditionelle Dating-Portale, die von ihren Nutzern Mitgliedsgebühren verlangen. Die App ist zumindest in seiner Basisversion gratis. Der New Yorker Internetkonzern IAC Interactive Corp., dem die App mehrheitlich gehört, fängt jetzt erst an, für bestimmte Zusatzfunktionen Geld zu verlangen. Tinder setzt also auf ein sogenanntes Freemium-Modell, das viele andere Internetdienste ebenfalls nutzen. Auch Werbung soll künftig eine Einnahmequelle sein.

Derzeit ist Tinder aus Sicht von IAC ein zweischneidiges Schwert. Zwar wächst die App „wie Unkraut“, wie der für das Dating-Geschäft von IAC zuständige Greg Blatt vor einigen Monaten sagte. Andererseits kannibalisiert Tinder das Geschäft von IAC mit gebührenpflichtigen Partnervermittlungsdiensten, ohne bislang selbst nennenswerte Umsätze zu bringen. IAC hat mehrere Dutzend Portale unter seinem Dach, darunter Match.com. Im jüngsten Quartalsbericht wurde der Tinder-Effekt deutlich, denn erstmals seit mehreren Jahren meldete das Unternehmen einen Rückgang bei den zahlenden Abonnenten für seine Dating-Dienste. Für IAC steht viel auf dem Spiel: Das Dating-Geschäft brachte dem Konzern im vergangenen Jahr einen Umsatz von fast 900 Millionen Dollar ein.

Auch der Wettbewerb wird härter: Eine neue Generation von Dating-Apps positioniert sich als Anti-Tinder, zum Beispiel indem sie eine gezieltere Auswahl von möglichen Partnern versprechen. „Hinge“ zum Beispiel schlägt nur Kandidaten mit gemeinsamen Facebook-Freunden vor. Dating-Expertin Stewart sagt: „Tinder sollte auf der Hut sein. Viele Nutzer sind frustriert. Der Reiz des Neuen ist vorbei.“

Harvard-Professor Norton sieht derweil einen Zukunftsmarkt in Diensten, in denen es nicht um die Anbahnung, sondern um die Pflege von Beziehungen geht. Er denkt an Apps mit ähnlich spielerischen Elementen, die Paaren dabei helfen, an ihrer Beziehung zu arbeiten. Wer es schafft, mit einem solchen Dienst erfolgreich zu sein, könnte auch darauf hoffen, dass seine Nutzer ihm längerfristig erhalten bleiben. Denn das Paradoxe am Geschäft der gewöhnlichen Partnervermittlungen: Nichts wirkt sich so miserabel auf das Geschäft aus, wie der Erfolg: Mit jeder gelungenen Kuppelei gehen Kunden verloren. So war es jedenfalls im Fall des New Yorker Tinder-Paares Brian und Diana. Die beiden haben sich längst abgemeldet.

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05. Mrz. 2015
von Roland Lindner
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18. Feb. 2015
von Roland Lindner
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Wenn das Handy in der Toilette oder im Bierglas landet

Smartphones sind für viele Menschen heute ein unverzichtbarer Begleiter. Wenn ein Gerät also einmal aus der Hand fällt, kann einen schnell ein Gefühl der Panik überkommen: Ist der Bildschirm kaputt? Ist das Handy womöglich sogar in eine Flüssigkeit gefallen und funktioniert nicht mehr? Letzteres kommt ziemlich oft vor. 2,4 Milliarden Handys in der Welt sind schon einem Wasserschaden zum Opfer gefallen. Die größte Gefahrenquelle sind Toiletten: Geräte, die dort gelandet sind, stehen für 49 Prozent aller Wasserdefekte. In zwölf Prozent der Fälle war ein unfreiwilliges Bad in Bier die Ursache. Und in drei Prozent hatten sich Geräte in die Waschmaschine verirrt. Diese Zahlen kommen von HZO, einem amerikanischen Unternehmen, das solchen Schrecksekunden für die Besitzer von Elektronikprodukten ein Ende bereiten will. Denn HZO ist darauf spezialisiert, Smartphones und andere Geräte wasserdicht zu machen.

HZO wappnet die Geräte damit für die Fälle, in denen sich Menschen bislang in ihrer Verzweiflung oft mit diversen Hausmitteln behelfen. Etwa indem sie ihr Smartphone in einen mit Reis gefüllten Behälter eintauchen. Oder indem sie es in einen Backofen legen, der auf niedriger Temperatur läuft. Solche Erste-Hilfe-Aktionen können durchaus erfolgreich sein, wie auch Michael Bartholomeusz zugibt, der Vorstandsvorsitzende von HZO. Aber die Freude über ein wieder zum Leben erwachtes Gerät kann sich nach seinen Worten bisweilen als verfrüht herausstellen. „Es kann sein, dass es zwei Monate lang funktioniert, aber dann doch noch den Geist aufgibt.“ Die Lösung von HZO ist technisch um einiges aufwendiger. Das Unternehmen setzt Nanotechnologie ein und beschichtet Geräte an den sensiblen Stellen im Inneren mit einem dünnen Film. Das soll sie nicht nur für kleinere Missgeschicke wie Wasserspritzer oder einen kurzen Plumps ins Schwimmbad rüsten. Sie sollen selbst „Hunderte von Stunden“ untergetaucht bleiben können, ohne Schaden zu nehmen. Bartholomeusz sagt, er mache sich bei öffentlichen Auftritten oft einen Spaß daraus, sein Handy in sein Wasserglas fallen zu lassen und seelenruhig weiterzureden, ohne das Gerät wieder ins Trockene zu bringen. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas im Januar hatte HZO auf seinem Stand als Hingucker einen Fernseher, der in einem mit Wasser gefüllten Behälter versenkt war und einwandfrei funktionierte.

HZO verkauft seine Technologie nicht direkt an Endverbraucher, sondern lizenziert sie an die Hersteller von elektronischen Geräten, die dann eine entsprechende Beschichtungsmaschine in ihren Produktionsprozessen einsetzen. Nach den Worten von Bartholomeusz erhöht das die Kosten jedes Geräts um ein bis zwei Dollar. Die HZO-Beschichtung steckt zum Beispiel in einem Modell des Lesegeräts Tolino, das die Deutsche Telekom zusammen mit Partnern aus dem Buchhandel vertreibt. Zu den Kunden gehören auch der Schweizer Uhrenhersteller Tag Heuer und der amerikanische Sportartikelkonzern Nike, der mit seinem Fitnessband Fuelband im Elektronikgeschäft vertreten ist. Insgesamt hat HZO nach den Worten von Bartholomeusz mehr als 50 Kunden. Darunter seien einige der bekanntesten Adressen der Elektronikbranche, wobei der HZO-Chef sagt, er dürfe manche von ihnen auf deren Wunsch nicht benennen. Er bestreitet aber nicht, dass die HZO-Beschichtung in den bekanntesten Smartphones wie dem iPhone von Apple oder der Galaxy-Reihe von Samsung bislang nicht zu finden ist.

Samsung hat für sein jüngstes Galaxy-Modell S5 eine eigene Lösung entwickelt, um das Gerät vor Wasser zu schützen. So hat die USB-Buchse einen wasserabweisenden Verschluss, und im Inneren des Smartphones werden elektronische Komponenten von einer Dichtung geschützt. Auch Sony wirbt damit, bestimmte Handys seiner Xperia-Reihe seien wasserdicht. Sowohl bei Samsung als auch bei Sony hat die Unempfindlichkeit aber Grenzen, und die Geräte sollen weder zu lange noch zu tief in Wasser eingetaucht sein.

Es gibt noch eine Reihe anderer Wege, um elektronische Geräte widerstandsfähiger gegen Flüssigkeiten zu machen. Einige davon zielen auf Endverbraucher ab. Das amerikanische Unternehmen Liquipel zum Beispiel bietet einen Beschichtungsdienst an, der für Smartphones 60 Dollar und für Tabletcomputer 90 Dollar kostet. Es gibt auch Sprays zu kaufen, die Geräte gegen Wasser schützen sollen. Daneben hat HZO auch direkte Wettbewerber wie das britische Unternehmen P2i, deren Lösungen an die Hersteller von Geräten vermarktet werden.

Bartholomeusz sagt, die Technologie von HZO sei von 200 Patenten geschützt. Das im Bundesstaat Utah beheimatete Unternehmen hat derzeit rund 100 Mitarbeiter. Angaben zu Geschäftsergebnissen werden nicht gemacht, aber Bartholomeusz sagt voraus, dass HZO bis zum Jahr 2017, gemessen am Umsatz, mindestens zehnmal so groß sein werde wie heute. Wachstumspotential verspricht er sich zum Beispiel von am Körper tragbaren Geräten („Wearables“). Dies gilt in der Elektronikindustrie als zukunftsträchtiges Segment, zumal auch Apple es entdeckt hat und in wenigen Monaten eine Computeruhr auf den Markt bringen will. Wer sich eine Uhr mit HZO-Beschichtung kauft, muss das Gerät zum Schwimmen nicht mehr abnehmen. Oder kann sich unbesorgt einen Spaß daraus machen, es ins Wasserglas fallen zu lassen.

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18. Feb. 2015
von Roland Lindner
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14. Feb. 2015
von Roland Lindner
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Google-Gründer machen Kasse

Larry Page und Sergey Brin, die beiden Gründer des Internetkonzerns Google, wollen Aktien an ihrem Unternehmen im derzeitigen Wert von 4,4 Milliarden Dollar verkaufen. Wie das Unternehmen in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC mitteilte, wollen sich Brin und Page von jeweils vier Millionen Google-Aktien trennen. Damit ersetzen die Google-Gründer ihr 2009 aufgelegtes und Ende Januar ausgelaufenes Verkaufsprogramm, in dessen Rahmen sie jeweils fünf Millionen Aktien abgeben wollten. Mit den Verkäufen reduzieren Brin und Page zwar ihre Anteile, behalten aber die Stimmrechtsmehrheit am Unternehmen. Dies wird möglich durch eine Inhaberstruktur mit mehreren Aktienklassen. Brin und Page halten einen großen Teil der B-Aktien von Google, die nicht an der Börse gehandelt werden und jeweils zehn Stimmrechte verbriefen. Börsennotiert sind die Aktien der Klasse A, die mit jeweils einem Stimmrecht verbunden sind, sowie seit vergangenem Jahr eine neue Klasse von C-Aktien, die keine Stimmrechte haben. Brin und Page, beide 41 Jahre alt, wollen nun jeweils zwei Millionen C-Aktien und zwei Millionen B-Aktien verkaufen, letztere werden beim Verkauf automatisch in A-Aktien umgewandelt. Beide börsennotierten Google-Aktien werden derzeit für rund 550 Dollar gehandelt, und bei diesem Preis würden die Google-Gründer rund 4,4 Milliarden Dollar einnehmen. Nach dem Verkauf würden sie noch immer 40,6 Millionen B-Aktien und ebenso viele C-Aktien halten. Der Anteil der Gründer am Gesamtkapital wird durch die Transaktionen von zusammen 13,1 auf 11,9 Prozent sinken, der Anteil an den Stimmrechten von 54,6 auf 52,0 Prozent.

Wie es in der Mitteilung heißt, wollen Brin und Page mit dem Verkauf von Google-Aktien „ihre Investment-Portfolios diversifizieren“. Wie schon beim letzten Plan sollen die Verkäufe „über einen längeren Zeitraum“ abgewickelt werden, wobei Google keine konkreten Angaben machte. Page und Brin haben Google im Jahr 1998 gegründet. Page ist heute Vorstandsvorsitzender, Brin sitzt im Verwaltungsrat und ist eng in die Forschungseinheit „Google X“ involviert, in der Projekte wie das selbstfahrende Auto untergebracht sind.

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14. Feb. 2015
von Roland Lindner
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06. Feb. 2015
von Martin Gropp
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Google und das “Recht auf Vergessen werden”: Experten-Beirat legt Bericht vor

Konzernlogo© AFPKonzernlogo

Seit dem 29. Mai 2014 können Einzelpersonen beim Suchmaschinenkonzern Google beantragen, unter bestimmten Bedingungen Ergebnisse zu Namenssuchen entfernen zu lassen. Hintergrund ist eine im Mai gefällte Entscheidung des Europäischen Gerichtshof zu einem konkreten Fall aus Spanien: Ein Bürger klagte dort gegen Google, weil noch nach Jahren Hinweise auf seine finanziellen Problemen in den neunziger Jahren im Internet auffindbar waren. In den gut acht Monaten, nachdem Google sowie auch andere Suchmaschinen Verfahren zur Annahme von Löschersuchen eingeführt haben, sind laut dem amerikanischen Unternehmen rund 212.100 einzelne Ersuchen von Antragstellern bei ihm eingegangen. Sie beziehen sich auf mehr als 767.800 Verweise in den Google-Suchlisten. Kürzer als der Löschmechanismus arbeitet indes der Experten-Beirat, den das Unternehmen eigens zusammengestellt hat, um von ihm unter Anhörung von insgesamt 55 europäischen Experten die Folgen des Urteils diskutieren zu lassen. Laut Selbstbeschreibung sollte der Beirat helfen, Ratschläge für die Auslegung der Entscheidung der Richter zu finden. Nach Sitzungen in sieben europäischen Hauptstädten, darunter in Paris, Berlin, London und Brüssel, hat der Beirat nun die zusammengefassten Ergebnisse seiner Beratungen vorgestellt. In der Nacht zum Freitag stellte Google den 37 Seiten langen Bericht ins Internet.

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06. Feb. 2015
von Martin Gropp
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04. Feb. 2015
von Roland Lindner
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Was Varoufakis mit Videospielen zu tun hat

Giannis Varoufakis© APGiannis Varoufakis

Wer meint, Macher von Videospielen sind nur auf geistloses Herumballern aus, der kennt Gabe Newell nicht. Denn der 52 Jahre alte Mitgründer des amerikanischen Videospieleherstellers Valve macht sich Gedanken um die Welt. Das brachte ihn mit Giannis Varoufakis zusammen, dem Ökonomieprofessor und schillernden neuen griechischen Finanzminister. Vor etwas mehr als drei Jahren schickte Newell eine E-Mail an Varoufakis und gab sich als eifriger Leser von dessen Blog zu erkennen. Varoufakis hatte sich dort als wortgewaltiger Kommentator der Euro-Krise einen Namen gemacht. Newell schrieb, der Blog habe ihm die Augen geöffnet, und er habe im konfliktreichen Zusammenspiel der Euro-Länder Parallelen zu seinem Unternehmen erkannt. Denn die virtuellen Welten in den Spielen von Valve würden auch volkswirtschaftliche Fragen aufwerfen, etwa nach einer gemeinsamen Währung. Inspiriert von Varoufakis, sie ihm dann irgendwann beim Nachdenken über die Spiele seines Unternehmens ein Geistesblitz gekommen: „Das ist wie Deutschland und Griechenland.“

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04. Feb. 2015
von Roland Lindner
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28. Jan. 2015
von Martin Gropp
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Berliner Sprachlern-App Babbel: Nächste Station New York

Die Anwendung in Aktion© BabbelDie Anwendung in Aktion

 

Eine der Gründungsanekdoten der Berliner Sprachlernanwendung Babbel geht so: Als Markus Witte, Thomas Holl und Lorenz Heine 2007 ihr neues Unternehmen für Online-Sprachkurse im Handelsregister eintragen lassen wollten, konnten sie es nicht wie geplant Babbel GmbH taufen. Das Amtsgericht sah Verwechselungsgefahr mit dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Markus Babbel. Also heißt das Unternehmen hinter den gleichnamigen Spracherwerbs-Anwendungen für Smartphones oder Tablets heute Lesson Nine GmbH. In diesen Tagen erfahren Witte, Holl und Heine immerhin eine kleine Genugtuung gegenüber den deutschen Registerbehörden. Schon Mitte Dezember haben sie im amerikanischen Bundesstaat Delaware die Babbel Incorporated eintragen lassen. Seit diesem Mittwoch ist die amerikanische Tochtergesellschaft der Berliner nun auch offiziell auf dem amerikanischen Markt aktiv, um dort Sprachlernanwendungen per Abonnement zu vertreiben. Weiterlesen →

28. Jan. 2015
von Martin Gropp
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24. Jan. 2015
von Martin Gropp
Kommentare deaktiviert für Shazam: Vom Musikerklärer zum Alleserkenner

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Shazam: Vom Musikerklärer zum Alleserkenner

###© dpaShazam-Anwendung auf einem Smartphone

Der Musikerkennungsdienst Shazam war schon ein Unternehmen für das mobile Internet, lange bevor sich der überall verfügbare Netzzugang durchsetzte. Seit 13 Jahren bietet das in London ansässige Unternehmen Nutzern an, mehr über unbekannte Musikstücke zu erfahren. Doch als Shazam damit begann, gab es zum Beispiel noch keine Smartphones mit Netzanbindung. Daher fand der Erkennungsprozess über SMS-Austausch statt. Wer in einer Bar wissen wollte, was gerade aus den Boxen dröhnt, musste das Telefonmikrofon in Richtung der Musik drehen und eine Kurznachricht an das Unternehmen schicken. Über den gleichen Kommunikationsweg erfuhr er dann, wie Lied und Künstler heißen.

Die Zeit der SMS-Tipperei ist längst vorbei. Heute bietet die Shazam Entertainment Limited eine Smartphone-Anwendung, die den Erkennungsdienst dann automatisch und oft in Sekunden vollzieht. Gleichzeitig hat sich aber auch das Unternehmen weiterentwickelt. Längst geht es nicht mehr ausschließlich darum, Musik zu erkennen. Vor vier Jahren führte der Dienst eine Funktion ein, mit der es möglich ist, zu bestimmten Fernsehsendungen aber auch zu TV-Werbung Zusatzinformationen zu erhalten. Damit sowie mit der Weiterleitung an Musikdownloadportale oder Echtzeitabrufdienste wie Spotify versucht das Unternehmen inzwischen, Geld zu verdienen. Außerdem ist Shazam gewachsen. Zuletzt verzeichnete das Unternehmen rund um die Welt mehr als 100 Millionen Nutzer, die mindestens einmal im Monat aktiv sind, in Deutschland sind es 5 Millionen.

Trotz des Wachstums hat Shazam zuletzt nur Verluste geschrieben. Investoren scheint das aber nicht abzuschrecken. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte, hat es sich eine Finanzierung in Höhe von 30 Millionen Dollar von bestehenden und neuen Investoren gesichert. Damit übersteigt der Wert von Shazam erstmals die Grenze von einer Milliarde Dollar. Im Gespräch mit dem Netzwirtschaft-Blog wollte der Vorstandsvorsitzende Andrew Fisher nicht mitteilen, wer die neu hinzugekommenen Finanziers konkret sind. Es handele sich dabei aber um Privatpersonen aus den Vereinigten Staaten und Europa, die sich individuell oder über sogenannte Family Offices an Unternehmen beteiligen. Weiterlesen →

24. Jan. 2015
von Martin Gropp
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22. Jan. 2015
von Martin Gropp
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Einer der größten Online-Händler für die Kleinsten

Wenn es vor gut vier Jahren nach manchen Ratgebern von Alexander Brand und Konstantin Urban gegangen wäre, dann würde ihr Unternehmen heute vielleicht gar nicht existieren. Als Brand und Urban im Herbst 2010 mit anderen über die Idee sprachen, Windeln, Babybrei oder Kinderwagen über das Internet zu verkaufen, ernteten sie oft Skepsis. „Am Anfang haben uns viele Leute gefragt, ob wir verrückt seien“, erinnert sich Brand heute. „Zu ihren Argumenten gehörten die niedrige Geburtenrate in Deutschland, die niedrigen Margen der Produkte und 20 weitere Gründe.“

Die beiden Gründer hörten damals nicht auf diese Argumente, und heute ist ihr Unternehmen Windeln.de einer der Marktführer für Baby- und Kleinkindausstattung im Internet, wie das Institut für Handelsforschung in Köln im vergangenen Jahr festgestellt hat. Nach eigenen Angaben machte die Windeln.de GmbH 7 Millionen Euro Umsatz 2011, im ersten vollen Jahr der Geschäftstätigkeit. Im gerade abgelaufenen Jahr waren es dann laut Brand 130 Millionen Euro. Dazu komme, dass Windeln.de drei Jahre nach der Gründung die Gewinnschwelle erreicht hatte. Diese Fakten haben auch Investoren überzeugt. Zu den bisherigen Finanziers – Acton Capital Partners, Deutsche Bank und DN Capital – kommt nun ein weiterer Investor hinzu: die Investmentbank Goldman Sachs. Weiterlesen →

22. Jan. 2015
von Martin Gropp
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15. Jan. 2015
von Roland Lindner

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Golden Globes und Woody Allen: Amazon goes Hollywood

Für Jeff Bezos war es ein perfekter Abend: Nicht nur tummelte sich der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Online-Händlers am Sonntag bei der Verleihung der „Golden Globes“ inmitten von Hollywood-Superstars wie George Clooney und Meryl Streep. Bezos gehörte auch zu den großen Gewinnern. Die auf Amazons Online-Videodienst ausgestrahlte Serie „Transparent“ über einen transsexuellen Familienvater holte sich sensationell den Preis für die beste Fernsehkomödie des Jahres. Damit schlug Amazon den sonst regelmäßig mit Auszeichnungen überhäuften Bezahlsender HBO und seine Serien „Girls“ und „Silicon Valley“. Vielleicht noch bemerkenswerter: Auch die Online-Videothek Netflix, die wie Amazon den traditionellen Fernsehsendern das Leben schwer machen will, hatte mit ihrer Serie „Orange is the new black“ gegenüber „Transparent“ das Nachsehen. Dabei galt bislang in der Branche Netflix als heißester Kandidat unter den aufstrebenden Online-Diensten, einmal einen Preis für die beste Fernsehshow zu gewinnen. „Transparent“-Produzentin Jill Soloway erwähnte Bezos in ihrer Dankesrede, als sie sich den „Golden Globe“ abholte. Und Hauptdarsteller Jeffrey Tambor, der ebenfalls einen Preis gewann, nannte Amazon „meinen neuen besten Freund“. Für Amazon war der Abend wie ein Ritterschlag. Auf einmal ist das Unternehmen mit seiner Online-Plattform „Prime Instant Video“ eine Hollywood-Größe und wird in der Unterhaltungsindustrie ernst genommen.

Jetzt legt Amazon mit einem weiteren Coup nach: Das Unternehmen kündigte an, den Starregisseur Woody Allen für eine neue Fernsehserie rekrutiert zu haben. Amazon hat eine ganze Staffel von jeweils halbstündigen Shows bestellt, für die Allen das Drehbuch schreiben und Regie führen soll. Es ist die erste Fernsehserie für den 79 Jahre alten Allen, der vor allem als Regisseur von Kinofilmen wie „Der Stadtneurotiker“ oder „Midnight in Paris“ bekannt ist. Die Show soll im kommenden Jahr auf „Prime Instant Video“ in Amerika, Deutschland und Großbritannien zu sehen sein.

Der Doppelschlag von Amazon mit den „Golden Globes“ und dem Woody-Allen-Projekt unterstreicht, wie rasant sich die Fernsehlandschaft verändert. Neben den traditionellen Fernsehkanälen etablieren sich sogenannte Streaming-Dienste wie von Netflix oder Amazon, deren Kunden die Inhalte über das Internet abspielen, ob auf Fernsehern, Computern oder Smartphones. Diese Dienste bieten ihren Nutzern jederzeit und ohne das von Fernsehsendern gewohnte starre Programmkorsett Zugriff auf ihre Serien und Filme. Und sie haben zunehmend Ambitionen, eigene und exklusive Inhalte anzubieten, so wie Netflix es mit „House of Cards“ oder „Orange is the new black“ tut, oder eben Amazon mit „Transparent“. Die Shows muten wie traditionelle Fernsehserien an und werden bei Preisverleihungen auch so kategorisiert, sind aber teilweise nur online zu sehen.

Amazon verfolgt mit seinem Unterhaltungsangebot ein sehr eigenwilliges Geschäftsmodell. Der Videodienst wird mit dem Versandangebot „Prime“ verknüpft. Gegen eine jährliche Gebühr von 49 Euro (99 Dollar in Amerika) bekommen Prime-Kunden zum einen schnellen und kostenfreien Versand und zum anderen Zugang zur Film- und Fernsehbibliothek. Prime-Abonnenten sind für Amazon besonders wertvoll, denn sie geben im Schnitt mehr Geld auf der Seite aus als andere Kunden. Hinter den selbst produzierten Shows steckt das Kalkül, mehr Prime-Mitglieder zu gewinnen und somit diese bestellfreudige Klientel zu vergrößern. Die eigenen Fernsehshows sollen also dem gesamten Geschäft von Amazon zugute kommen.

Der Online-Händler hat seine Filmsparte Amazon Studios im Jahr 2010 ins Leben gerufen. Traditionell hat Amazon die Auswahl seiner Serien den Kunden überlassen. Einzelne Pilotfolgen wurden online gestellt, und Amazon entschied auf Basis der Reaktionen von Zuschauern, aus welchen Stoffen eine ganze Serie gemacht wird. Mit dem Woody-Allen-Projekt weicht Amazon zum ersten Mal von dieser Strategie ab und bestellt eine ganze Serie ohne Mitsprache seiner Kunden. Amazon lässt sich seine Shows mittlerweile viel Geld kosten. Im vergangenen Jahr sagte das Unternehmen, in einem einzigen Quartal 100 Millionen Dollar für eigene Inhalte ausgeben zu wollen. Amazon ist allgemein dafür bekannt, in der Hoffnung auf künftiges Wachstum viel Geld zu investieren und dafür auch Verluste in Kauf zu nehmen.

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15. Jan. 2015
von Roland Lindner

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20. Nov. 2014
von Roland Lindner
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Das Leben nach Blackberry – Gespräch mit Thorsten Heins

Nach dem ruhmlosen Abschied beim kanadischen Smartphone-Hersteller hat Heins eine neue Aufgabe. Seine Blackberry-Zeit hat er als „extrem anstrengend“ erlebt. Aber er hält sich nicht für gescheitert. Weiterlesen →

20. Nov. 2014
von Roland Lindner
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06. Aug. 2014
von Roland Lindner
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Deutsches Fräuleinwunder in Boston: Start-Up im Internet der Dinge

Drei Unternehmerinnen funktionieren Parkbänke zu Ladestationen für Smartphones um. Davon ist sogar Präsident Obama angetan. Die Frauen sagen, in Deutschland wären sie nicht so weit gekommen. Weiterlesen →

06. Aug. 2014
von Roland Lindner
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