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Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

24. Jan. 2015
von Martin Gropp
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Shazam: Vom Musikerklärer zum Alleserkenner

###© dpaShazam-Anwendung auf einem Smartphone

Der Musikerkennungsdienst Shazam war schon ein Unternehmen für das mobile Internet, lange bevor sich der überall verfügbare Netzzugang durchsetzte. Seit 13 Jahren bietet das in London ansässige Unternehmen Nutzern an, mehr über unbekannte Musikstücke zu erfahren. Doch als Shazam damit begann, gab es zum Beispiel noch keine Smartphones mit Netzanbindung. Daher fand der Erkennungsprozess über SMS-Austausch statt. Wer in einer Bar wissen wollte, was gerade aus den Boxen dröhnt, musste das Telefonmikrofon in Richtung der Musik drehen und eine Kurznachricht an das Unternehmen schicken. Über den gleichen Kommunikationsweg erfuhr er dann, wie Lied und Künstler heißen.

Die Zeit der SMS-Tipperei ist längst vorbei. Heute bietet die Shazam Entertainment Limited eine Smartphone-Anwendung, die den Erkennungsdienst dann automatisch und oft in Sekunden vollzieht. Gleichzeitig hat sich aber auch das Unternehmen weiterentwickelt. Längst geht es nicht mehr ausschließlich darum, Musik zu erkennen. Vor vier Jahren führte der Dienst eine Funktion ein, mit der es möglich ist, zu bestimmten Fernsehsendungen aber auch zu TV-Werbung Zusatzinformationen zu erhalten. Damit sowie mit der Weiterleitung an Musikdownloadportale oder Echtzeitabrufdienste wie Spotify versucht das Unternehmen inzwischen, Geld zu verdienen. Außerdem ist Shazam gewachsen. Zuletzt verzeichnete das Unternehmen rund um die Welt mehr als 100 Millionen Nutzer, die mindestens einmal im Monat aktiv sind, in Deutschland sind es 5 Millionen.

Trotz des Wachstums hat Shazam zuletzt nur Verluste geschrieben. Investoren scheint das aber nicht abzuschrecken. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte, hat es sich eine Finanzierung in Höhe von 30 Millionen Dollar von bestehenden und neuen Investoren gesichert. Damit übersteigt der Wert von Shazam erstmals die Grenze von einer Milliarde Dollar. Im Gespräch mit dem Netzwirtschaft-Blog wollte der Vorstandsvorsitzende Andrew Fisher nicht mitteilen, wer die neu hinzugekommenen Finanziers konkret sind. Es handele sich dabei aber um Privatpersonen aus den Vereinigten Staaten und Europa, die sich individuell oder über sogenannte Family Offices an Unternehmen beteiligen.

Mit dem Geld will Fisher nun neue Funktionen vorantreiben. So soll es mit der App bald auch möglich sein, per Smartphone Barcodes oder zweidimensionale QR-Codes zu fotografieren, um mehr über Produkte zu erfahren. Außerdem will Shazam auch die sogenannte Beacon-Technik integrieren. Beacons sind Sender, die über Funkverbindungen wie etwa dem Bluetooth-Standard mit anderen Geräten kommunizieren. Ein Anwendungsfall könnte sein, dass zum Beispiel ein stationärer Händler solche Beacons einsetzt, um mit Kunden zu kommunizieren, die sein Geschäft betreten. Im Falle von Shazam würden dann Nutzer über die hauseigene Anwendung Angebote eines Händlers empfangen, sagt Fisher. Das Unternehmen sei sich aber dabei bewusst, mit solchen Funktionen und Partnerschaften mit Unternehmen bisherige Nutzer vielleicht abzuschrecken. “Deshalb sagen wir unserem Vertrieb auch, dass er zuallererst an die Nutzer denken soll.” Es gehe nicht darum, lediglich ein weiterer Anbieter von Rabattgutscheinen zu werden. Hinter Werbeaktionen oder Partnerschaften mit Unternehmen müsse ein besonderer Gedanke stehen. Als Beispiel nennt Fisher eine Anzeige für ein Haarpflegeprodukt: Wer sich die Anzeige über Shazam erschließt, erfährt, wie er sich die Frisur des abgebildeten Models selbst gestalten kann. “Als erstes dienen wir unseren Nutzern”, sagt Fisher. Das bedeute im Zweifel auch, weniger aber dafür bessere Partnerschaften einzugehen oder Werbekampagnen zu betreiben.

Die neue Finanzierung lässt indes auch wieder Gerüchte um einen möglichen Börsengang von Shazam aufleben. Das Unternehmen war in den vergangenen zwei Jahren des Öfteren mit einer baldigen Börsennotierung in Verbindung gebracht worden. “Wir denken, wir würden auch als börsennotiertes Unternehmen attraktiv sein”, sagte Fisher. “Aber wir werden nicht nur um der Sache willen an die Börse gehen.” Die durch die nun erfolgte Finanzierungsrunde gestärkte Bilanz gebe dem Unternehmen aber mehr Wahlmöglichkeiten, was die Zukunft betreffe.

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24. Jan. 2015
von Martin Gropp
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22. Jan. 2015
von Martin Gropp
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Einer der größten Online-Händler für die Kleinsten

Wenn es vor gut vier Jahren nach manchen Ratgebern von Alexander Brand und Konstantin Urban gegangen wäre, dann würde ihr Unternehmen heute vielleicht gar nicht existieren. Als Brand und Urban im Herbst 2010 mit anderen über die Idee sprachen, Windeln, Babybrei oder Kinderwagen über das Internet zu verkaufen, ernteten sie oft Skepsis. „Am Anfang haben uns viele Leute gefragt, ob wir verrückt seien“, erinnert sich Brand heute. „Zu ihren Argumenten gehörten die niedrige Geburtenrate in Deutschland, die niedrigen Margen der Produkte und 20 weitere Gründe.“

Die beiden Gründer hörten damals nicht auf diese Argumente, und heute ist ihr Unternehmen Windeln.de einer der Marktführer für Baby- und Kleinkindausstattung im Internet, wie das Institut für Handelsforschung in Köln im vergangenen Jahr festgestellt hat. Nach eigenen Angaben machte die Windeln.de GmbH 7 Millionen Euro Umsatz 2011, im ersten vollen Jahr der Geschäftstätigkeit. Im gerade abgelaufenen Jahr waren es dann laut Brand 130 Millionen Euro. Dazu komme, dass Windeln.de drei Jahre nach der Gründung die Gewinnschwelle erreicht hatte. Diese Fakten haben auch Investoren überzeugt. Zu den bisherigen Finanziers – Acton Capital Partners, Deutsche Bank und DN Capital – kommt nun ein weiterer Investor hinzu: die Investmentbank Goldman Sachs.

Wie diese Zeitung vorab erfuhr, wird unter der Führung von Goldman Sachs und Deutscher Bank ein Konsortium weitere 45 Millionen Euro in das Unternehmen investieren. Mit dem Geld will Windeln.de in einem wachsenden Markt selbst weiter wachsen. Zuvorderst seien es die reinen Online-Händler, die weitere Marktanteile hinzugewinnen, heißt es auch beim Institut für Handelsforschung. Dass der Markt Potential hat, zeigte Anfang Dezember auch eine Initiative aus Amerika. Amazon, der größte Online-Händler der Welt, kündigte dort an, eine eigene Marke für Windelhöschen und Feuchttücher etablieren zu wollen. Ob und, wenn ja, wann die Produkte unter dem Namen „Elements“ auch in Deutschland angeboten werden, ist unklar.

Doch ähnlich wie bei anderen Warengattungen bestehen aus Sicht der Online-Händler vor allem Wachstumsmöglichkeiten, weil Angebote wie Baby-markt.de, Babyartikel.de oder eben Windeln.de versuchen, stationären Anbietern das Geschäft abzunehmen, zum Beispiel Drogeriemärkten. Zwischen 2008 und 2013 schwankte der Markt für Baby- und Kinderausstattung hierzulande stets zwischen rund 6 und 6,5 Milliarden Euro, hat das Institut für Handelsforschung errechnet. Doch wurden zum Beispiel 2013 lediglich 21 Prozent des gesamten Volumens von 6,5 Milliarden Euro über den Vertriebskanal Internet erlöst.

Entsprechend optimistisch für das angebrochene Jahr ist auch Windeln.de-Geschäftsführer Brand. „In diesem Jahr geht es für uns darum, den Umsatz deutlich zu steigern“, sagt er. „Außerdem wollen wir unser Produktportfolio erweitern und internationalisieren. Dabei soll uns die Finanzierungsrunde helfen. Für ein ,Weiter-wie-bisher‘ wäre sie nicht nötig gewesen.“

Bisher ist Brands Unternehmen vor allem in Deutschland aktiv, einerseits mit dem Angebot windeln.de, andererseits mit dem Einkaufsklub Windelbar, dessen Mitgliedern das Unternehmen in Sonderaktionen Produkte mit Rabatt verkauft. Dazu kommen eigene Shops in der Schweiz und Österreich.

Was neue Märkte betrifft, gibt sich Brand noch bedeckt. „In welche Länder wir demnächst gehen wollen, ist noch nicht spruchreif. Aber sie werden nicht in Südamerika oder Afrika liegen, sondern in Europa“, sagt er. Wo genau, zeigt allerdings eine Suche im Internet: Es könnte sich um Italien handeln. Unter der Adresse www.pannolini.it ist schon jetzt eine Internetseite im Netz zu finden, auf der auf Italienisch noch um etwas Geduld gebeten wird. Das Angebot werde in Kürze verfügbar sein, heißt es dort. Wer so lange nicht warten will, wird an den Betreiber der Internetseite verwiesen: Es ist Windeln.de

Einen Teil der 45 Millionen Euro wollen Brand und sein Mitgründer Urban aber auch in weitere Produktkategorien investieren. Gestartet waren sie mit Windeln und Babynahrung, später kamen Flaschen, Schnuller und Babypflegeprodukte hinzu. Seit neuestem verkaufen sie auch Spielzeug. Insgesamt soll das Angebot auch auf ältere Kinder als Zielgruppe ausgeweitet werden, bis kurz vor das Teenageralter. „Als wir das Unternehmen 2010 gründeten, hat niemand in Deutschland Verbrauchsprodukte und Gebrauchsgüter für Babys und Kleinkinder gleichzeitig online angeboten“, sagt Brand. „Weil aber Babynahrung und Windeln geringe Margen haben, entschlossen wir uns, die Kunden über diese Produkte zu uns zu holen und zu binden, um ihnen dann auch höhermargige Produkte zu verkaufen, etwa Spielzeug, Kinderwagen oder Babykleidung.“ Nach seinen Angaben funktioniert diese Bindung gut. Mehr als 70 Prozent der neuen Bestellungen kommen von Kunden, die in der Vergangenheit schon bei dem Unternehmen gekauft haben.

Diese Wiederkehrrate macht es für Windeln.de auch möglich, viel über die Kunden und deren Einkaufsverhalten zu lernen. Das gilt zwar auch für andere Online-Händler, die aus den bisherigen Einkäufen Empfehlungen für weitere Besuche ableiten – und so zusätzlichen Umsatz generieren. Doch hat Windeln.de einen strategischen Vorteil: Kauft bei ihnen eine der mehrheitlich weiblichen Kundinnen Windeln für ein Neugeborenes, kann das Unternehmen mit relativ großer Wahrscheinlichkeit daraus schließen, wann es sich lohnen könnte, dieser Kundin bestimmte andere Produkte anzubieten. Big Data für die Babys – per Analyse großer Datenmengen vermisst Windeln.de seine Zielgruppe.

„Je genauer wir unsere Kunden kennen, desto genauer wissen wir, was sie wollen und brauchen“, sagt Alexander Brand dazu. „So stellen wir zum Beispiel Analysen an, um anhand des Warenkorbs das Alter eines Kindes zu bestimmen.“ Dabei kommt es mitunter auch zu überraschenden Einsichten. „Etwa 18 Monate nach der Geburt eines Kindes, verkaufen wir auch häufiger Schwangerschaftstests“, sagt Brand. Dann stehe nämlich oft das zweite Kind an.

22. Jan. 2015
von Martin Gropp
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15. Jan. 2015
von Roland Lindner
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Golden Globes und Woody Allen: Amazon goes Hollywood

Für Jeff Bezos war es ein perfekter Abend: Nicht nur tummelte sich der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Online-Händlers am Sonntag bei der Verleihung der „Golden Globes“ inmitten von Hollywood-Superstars wie George Clooney und Meryl Streep. Bezos gehörte auch zu den großen Gewinnern. Die auf Amazons Online-Videodienst ausgestrahlte Serie „Transparent“ über einen transsexuellen Familienvater holte sich sensationell den Preis für die beste Fernsehkomödie des Jahres. Damit schlug Amazon den sonst regelmäßig mit Auszeichnungen überhäuften Bezahlsender HBO und seine Serien „Girls“ und „Silicon Valley“. Vielleicht noch bemerkenswerter: Auch die Online-Videothek Netflix, die wie Amazon den traditionellen Fernsehsendern das Leben schwer machen will, hatte mit ihrer Serie „Orange is the new black“ gegenüber „Transparent“ das Nachsehen. Dabei galt bislang in der Branche Netflix als heißester Kandidat unter den aufstrebenden Online-Diensten, einmal einen Preis für die beste Fernsehshow zu gewinnen. „Transparent“-Produzentin Jill Soloway erwähnte Bezos in ihrer Dankesrede, als sie sich den „Golden Globe“ abholte. Und Hauptdarsteller Jeffrey Tambor, der ebenfalls einen Preis gewann, nannte Amazon „meinen neuen besten Freund“. Für Amazon war der Abend wie ein Ritterschlag. Auf einmal ist das Unternehmen mit seiner Online-Plattform „Prime Instant Video“ eine Hollywood-Größe und wird in der Unterhaltungsindustrie ernst genommen.

Jetzt legt Amazon mit einem weiteren Coup nach: Das Unternehmen kündigte an, den Starregisseur Woody Allen für eine neue Fernsehserie rekrutiert zu haben. Amazon hat eine ganze Staffel von jeweils halbstündigen Shows bestellt, für die Allen das Drehbuch schreiben und Regie führen soll. Es ist die erste Fernsehserie für den 79 Jahre alten Allen, der vor allem als Regisseur von Kinofilmen wie „Der Stadtneurotiker“ oder „Midnight in Paris“ bekannt ist. Die Show soll im kommenden Jahr auf „Prime Instant Video“ in Amerika, Deutschland und Großbritannien zu sehen sein.

Der Doppelschlag von Amazon mit den „Golden Globes“ und dem Woody-Allen-Projekt unterstreicht, wie rasant sich die Fernsehlandschaft verändert. Neben den traditionellen Fernsehkanälen etablieren sich sogenannte Streaming-Dienste wie von Netflix oder Amazon, deren Kunden die Inhalte über das Internet abspielen, ob auf Fernsehern, Computern oder Smartphones. Diese Dienste bieten ihren Nutzern jederzeit und ohne das von Fernsehsendern gewohnte starre Programmkorsett Zugriff auf ihre Serien und Filme. Und sie haben zunehmend Ambitionen, eigene und exklusive Inhalte anzubieten, so wie Netflix es mit „House of Cards“ oder „Orange is the new black“ tut, oder eben Amazon mit „Transparent“. Die Shows muten wie traditionelle Fernsehserien an und werden bei Preisverleihungen auch so kategorisiert, sind aber teilweise nur online zu sehen.

Amazon verfolgt mit seinem Unterhaltungsangebot ein sehr eigenwilliges Geschäftsmodell. Der Videodienst wird mit dem Versandangebot „Prime“ verknüpft. Gegen eine jährliche Gebühr von 49 Euro (99 Dollar in Amerika) bekommen Prime-Kunden zum einen schnellen und kostenfreien Versand und zum anderen Zugang zur Film- und Fernsehbibliothek. Prime-Abonnenten sind für Amazon besonders wertvoll, denn sie geben im Schnitt mehr Geld auf der Seite aus als andere Kunden. Hinter den selbst produzierten Shows steckt das Kalkül, mehr Prime-Mitglieder zu gewinnen und somit diese bestellfreudige Klientel zu vergrößern. Die eigenen Fernsehshows sollen also dem gesamten Geschäft von Amazon zugute kommen.

Der Online-Händler hat seine Filmsparte Amazon Studios im Jahr 2010 ins Leben gerufen. Traditionell hat Amazon die Auswahl seiner Serien den Kunden überlassen. Einzelne Pilotfolgen wurden online gestellt, und Amazon entschied auf Basis der Reaktionen von Zuschauern, aus welchen Stoffen eine ganze Serie gemacht wird. Mit dem Woody-Allen-Projekt weicht Amazon zum ersten Mal von dieser Strategie ab und bestellt eine ganze Serie ohne Mitsprache seiner Kunden. Amazon lässt sich seine Shows mittlerweile viel Geld kosten. Im vergangenen Jahr sagte das Unternehmen, in einem einzigen Quartal 100 Millionen Dollar für eigene Inhalte ausgeben zu wollen. Amazon ist allgemein dafür bekannt, in der Hoffnung auf künftiges Wachstum viel Geld zu investieren und dafür auch Verluste in Kauf zu nehmen.

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15. Jan. 2015
von Roland Lindner
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