Kein Blog-Bild

New Yorker Televisionen

Wer schaut bei Oprah und Jon Stewart vorbei? Was wird in „Meet the Press“ und „Face the Nation“ verhandelt? Wen haben sich Jay Leno und David

Pay to Play

| 0 Lesermeinungen

Kein Witz, auch wenn es so klingt. Und auch wenn Jon Stewart, der Mann, der in seiner „Daily Show" die Nachrichten des Tages im Witzformat präsentiert,...

Kein Witz, auch wenn es so klingt. Und auch wenn Jon Stewart, der Mann, der in seiner „Daily Show“ die Nachrichten des Tages im Witzformat präsentiert, dafür verantwortlich ist. Stewart also bringt die folgende amerikanische Merkwürdigkeit ans Fernsehlicht: Bald dürfte es soweit sein, dass 50 Prozent der letzten acht Gouverneure des Bundesstaats Illinois einen Gefängnisaufenthalt vorweisen können. Dagegen ereilt das gleiche Schicksal nur 48 Prozent aller Mörder. Als Gouverneur von Illinois, so leitet messerscharf Nachrichtenkomiker Stewart ab, haben Sie demnach größere Chancen, im Knast zu enden, als wenn Sie jemanden ermorden.

Kein Witz, wie gesagt, aber gleichwohl gibt es eine neue nationale Witzfigur namens Rod R. Blagojevich. Was für eine wunderbare Woche schenkte er Amerikas Komikern, die schon fürchteten, in der Ära Obama nicht genug zum Lachenmachen zu haben. Blagojevich ist der als Gouverneur von Illinois bekannte Politclown, der versucht hat, zu seinem finanziellen oder karrieristischen Vorteil Barack Obamas freiwerdenden Senatssitz zu versteigern. Auch dass gegen ihn Untersuchungen wegen Korruption im Gange waren, störte ihn nicht in seinem Bemühen, einen Kabinettsposten, eine guten Job für seine Frau oder ein paar Millionen für eine von ihm zu verwaltende Stiftung zu ergattern. Dass er eine Frisur bevorzugt, um die ihn, wie Kolumnist George Will schrieb, selbst Elvis beneidet hätte, war der ganzen Geschichte auch nicht gerade abträglich.

Stewarts Kollege Stephen Colbert, der den pseudorechtslastigen „Colbert Report“ moderiert, freute sich denn auch über die Verhaftung des Gouverneurs, die er märchenhaft nannte, und erklärte weiter: Er war auf die Medienattacke vorbereitet, denn er trug einen Helm.

(Stewarts Witzeschreiber waren diesmal besser.)

Jay Leno wiederum verband geschmeidig den Korruptionsskandal mit dem bevorstehenden Weihnachtsfest. Blagojevich, so Leno, war bei der Einweihung einer Weihnachtskrippe zugegen und versäumte es nicht, die Hälfte der von den drei Königen aus Morgenland dargereichten Gaben zu verlangen.

Ein etwas müder Witz, auch das, aber an Erkenntniswert nicht unbedingt geringer als die manchmal seriösen Politiker- und Reporterrunden vom Sonntag. Immerhin gaben einige der versammelten Talkfachkräfte zu, dass Pay to Play mittlerweile ein Grundprinzip Washingtoner Politik sei und die Farce um Blagojevich gewiss nicht an die zahllosen Hauptstadtskandale der vergangenen Jahre und schon gar nicht an die katastrophale Trickserei der Wall Street heranreiche.

Natürlich durfte auch Arianna Huffington nicht im Kommentatorenchor fehlen. Sie verließ kurz das Internet und ihre dort erscheinende Huffington Post, um aus gegebenem Anlass Larry King mit Heraklit bekannt zu machen. Dieser, ein Landsmann der aus Griechenland stammenden amerikanischen Mediendiva, hatte ehedem ja herausgefunden: Der Charakter eines Menschen ist sein Schicksal. Jeder, schimpfte die Huffington, hätte seit Jahren bemerken müssen, dass Blagojevich ein Gauner, ein Verrückter, ein amoralischer Politiker sei.

Mag durchaus sein. Aber an den Kragen scheint es ihm erst jetzt als Witzfigur zu gehen.


Hinterlasse eine Lesermeinung