Weitersagen Kommentieren
 

Sehnsucht nach W

02.02.2009, 06:05 Uhr

Von

„This Week“ ist eigentlich keine Lachsendung. Moderator George Stephanopoulos versammelt da Washingtons Powerelite, um auf die aktuelle Lage wenn schon kein Licht, dann zumindest ein paar Worte zu werfen. Und am Ernst der Lage zweifelt derzeit ja niemand.

Seltsam, dass jetzt doch soviel Heiterkeit herrschte. Wenn Barney Frank, der mächtige Vorsitzende des House Financial Services Committee, dabei ist, kommt zwar immer Leben in die Runde. Aber sogar Jim DeMint, republikanischer Senator aus South Carolina, hatte einen Witz vorbereitet, auf Kosten von Tom Daschle, den Obama gern als Gesundheitsminister hätte. Vorerst ist Daschle aber in einer Steueraffäre verstrickt. Was den konservativen DeMint zu folgender Betrachtung anregte: Linksliberale braucht es nicht zu kümmern, ob Steuern erhöht werden oder nicht. Sie zahlen sie doch nicht.

Kein besonders guter Witz, zugegeben, aber selbst die Witzprogramme bieten keine besseren. Das hängt vor allem an Barack Obama. Die seit langem gehegte Furcht, ein Präsident Obama könnte auf absehbare Zukunft die Witzeproduktion lahmlegen, scheint sich peinvoll zu bestätigen.

So begann „Saturday Night Live“, die nicht totzukriegende mitternächtliche Satiresendung, mit einer Ansprache des ohnehin nicht wirklich lustigen Obama-Doubles Fred Armisen.

Bild zu: Sehnsucht nach W

Wie erwartet, ging es um die brenzlige Wirtschaftslage. Wie erwartet, übte sich auch der falsche Obama in allertiefstem Ernst, um der Nation ins Gewissen zu reden.

Der humoristische Dreh bestand nun darin, die Gardinenpredigt immer wieder mit nostalgisch verklärten Rückblicken auf die herzerwärmenden Stationen seines Siegszugs ins Weiße Haus zu unterbrechen: Denver und die offizielle Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten, Chicago und die Mitternachtsparty nach der Wahl, Washington und die traumhaft inszenierte Amtseinführung. Ach, was war das alles doch schön! Und jetzt? Nur noch Katastrophen, die zu beheben sind.

Mehr war den Witzeschreibern nicht eingefallen.

Letzte Hoffnung: Steve Martin. Er führte durch die Sendung. Was hatte er in Sachen Obama beizusteuern? Dies: Wenn ihr mir vor acht Jahren gesagt hättet, dass einmal ein kompetenter, gebildeter Mann zum Präsidenten gewählt würde…

Jubel im Studio! Aber ein guter Witz? Ganz davon abgesehen, dass er nicht auf Obama, sondern dessen Vorgänger abzielte. Schmerzlich wird der inzwischen vermisst. Zumindest in der Witzeabteilung.

 
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

Nach oben