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Obamas Diener

08.04.2009, 04:30 Uhr

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War Obamas Ausflug in die doch sehr freundliche Fremde nun ein Erfolg oder nicht? Das hängt ganz vom Blickwinkel des Beobachters ab. Und heißt der Bill O’Reilly,

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kann die Reise nur zum Reinfall geworden sein.

Umfragen mögen ergeben, dass der Überseetrip als rauschender Erfolg von einer Mehrheit der Amerikaner verbucht wird, ja dass sensationelle 79 Prozent von ihnen glauben, ihr Präsident habe das Ansehen des Landes in der Welt gesteigert.

Bei O’Reilly, dem Talkstar des rabiat konservativen Nachrichtensenders Fox News, hört sich das ganz anders an. Da werden keine unpassenden Umfragen wahrgenommen und wird die Wirklichkeit überhaupt nach ideologischem Gutdünken zurechtgebogen. So lässt O’Reilly die Getreuen gleich von Anfang an wissen: Obama hat Kritik an seinem eigenen Land geübt und sich gegenüber der muslimischen Welt unterwürfig verhalten. Was er dafür bekommen hat? Weder ökonomische noch politische Unterstützung.

Gut, so ein bisschen Erfolg hat er schon gehabt. Aber! Die Bilanz, wie O’Reilly sie zieht, lautet: Kein bedeutender Sieg.

Um seine Meinung bestätigen zu lassen, holt er sich den Kollegen Brit Hume ins Studio.

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Für die einfachen Sachen oder, wie Hume es nennt, das leichte Zeug, das auf Obamas Terminkalender stand, bekommt der Präsident eine Eins. Fürs schwierige Zeug aber nur eine Drei. Mehr kann Hume ihm beim besten Willen nicht zubilligen.

Unappetitlicher als Obama ist den beiden Herren lediglich noch Europa. Hume bemerkt schlau, einige Leute hielten Europa ohnehin für dekadent. Trotz aller koketten Vorsicht kann er nicht verbergen, dass er zu diesen Leuten gehört

O’Reilly setzt noch eins drauf: Obamas Demutsbezeugungen seien eben nicht dazu angetan, ihm Glaubwürdigkeit auf der Weltbühne zu verleihen.

Aber Hume will sich nicht lumpen lassen. Für ihn ist Obama nur einer, der die Zweifel, die er an seinem Vaterland hegt, mit den dekadenten Europäern teilt.

Es kommt noch dicker. Neues Thema. Die Verbeugung. Der Diener, den Obama vor dem saudiarabischen König Abdullah gemacht hat. Doch ein Skandal, oder?

Dazu befragt O’Reilly zwei Spezialistinnen im Dienermachen. Die eine ist entsetzt, die andere auch nicht gerade begeistert. O’Reilly beendet die Debatte mit der Feststellung, dass Obama wie ein Weichling wirkte. Und fast unterwürfig.

Er, O’Reilly, hätte sich nicht verbeugt, sondern zu diesem Abdullah gesagt: Hey, König! Wie schaut’s denn aus? Was ist denn so die Lage dort drüben bei euch?

Schön und gut. Aber nicht einmal Bush war so keck. Als Abdullah ihn in Texas besuchte, küsste er ihn und ging mit ihm händchenhaltend über die Ranch. O’Reilly und seine Seelenverwandten erinnern sich mit unvermindertem Grausen an den Tag in Crawford. Schlimmer noch: Jetzt können sie gerade deswegen nicht so richtig auf Obama eindreschen. Denn was ist ein höflicher Diener schon gegen einen dicken Kuss?

 

Veröffentlicht unter: Obama, Bill O'Reilly, Brit Hume

 

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Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

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