Kein Blog-Bild

New Yorker Televisionen

Wer schaut bei Oprah und Jon Stewart vorbei? Was wird in „Meet the Press“ und „Face the Nation“ verhandelt? Wen haben sich Jay Leno und David

Nächste Station für David Letterman: Heulen bei Oprah

| 3 Lesermeinungen

  Also doch. Auch ohne Sehergabe war es ja vorauszusehen. David Letterman, der angekündigt hatte, nichts mehr über seine Fehltritten zu sagen, begann die...

 

Also doch. Auch ohne Sehergabe war es ja vorauszusehen. David Letterman, der angekündigt hatte, nichts mehr über seine Fehltritten zu sagen, begann die erste „Late Show“ der neuen Woche mit einer Reihe ausführlicher Entschuldigungen. Nach dem demonstrativen Applaus und Jubel seiner Zuschauer im Ed Sullivan Theater beurteilt, hat er genau das Richtige getan. Aber angesprochen war das Publikum allenfalls indirekt.

Er entschuldigte sich bei seiner Frau Regina Lasko. „Schrecklich verletzt“ sei sie durch sein Verhalten. Er habe nun eine Menge Arbeit vor sich, die Beziehung zu reparieren.

Er entschuldigte sich auch bei den Angestellten seiner Produktionsfirma Worldwide Pants. „Ich habe einfach nicht vorausgedacht“, bekannte er und dankte umso mehr all jenen, die weiter zu ihm halten, trotz der Dummheit, in die er hineingerutscht sei.

Total zerknirscht wirkte er aber wahrlich nicht in seinem Auftrittsmonolog, der weniger von Reue als unerschütterlicher Professionalität geprägt war. Heute morgen in seinem Auto, erzählte er, habe noch nicht mal die Frau im Navigationsgerät mit ihm reden wollen.

Applaus!

Draußen sei es kalt gewesen, drinnen in seinem Haus aber auch.

Applaus!

Die zweite Phase des Skandals komme erst noch für ihn: Heulen bei Oprah.

Applaus!

Ab und zu aber war dann doch ein Talkshowstar in echter Verlegenheit zu besichtigen und vernehmen. Ein Mann, von seiner Beredsamkeit im Stich gelassen wie andere vor ihm in ähnlichen Kalamitäten: „Wenn so etwas passiert, wenn du einen Menschen verletzt und du dafür verantwortlich bist, dann versuchst du, es zu reparieren, und an diesem Punkt können nur zwei Sachen passieren: entweder machst du Fortschritte und reparierst es, oder du schaffst es nicht und kannst es vielleicht nicht reparieren.“

Wer wollte da kein Mitleid haben? Oder war die betrübte Miene nur Maske? Bei Letterman, dem miesepetrigen Komiker, verwischen sich die Grenzen. In seiner mitternächtlichen Fernsehstunde ist von jeher der ernste, strenge Blick nur das Sprungbrett für den nächsten Lacher. So war es auch diesmal.

Fürs business as usual, so weit es ging, war Lettermans Gast Steve Martin zuständig, der Banjo spielte und als Überraschungsgast seinen Komikerkollegen Martin Short mitgebracht hatte. Ein paar Minuten blieben schließlich auch fürs Geplauder mit Lea Michele, der surreal gutgelaunten Schauspielerin, und auch da ergriff Letterman listig die Gelegenheit, den Skandal kurz zu streifen. Tadellos gemacht, superprofessionell eben.

Das war die „Late Show“. Aber die „Letterman Show“ läuft jetzt vierundzwanzig Stunden am Tag auf allen Kanälen. Auch Gerald Shargel, der Anwalt des Mannes, der von Letterman zwei Millionen Dollar Schweigegeld haben wollte, schürt das Feuer kräftig weiter. Er macht die Runden durch die Fernsehstudios, nur um zu wiederholen und noch etwas zuzuspitzen, was er schon gleich nach Lettermans Geständnis gesagt hatte: „Die Öffentlichkeit hat von David Letterman noch nicht die ganze Geschichte gehört.“ Letterman sei ein Meister der Manipulation, und das nutze er auch jetzt aus. Es gebe jedoch Belege, dass er Angestellte sexuell belästigt habe. Belege, die Shargel haben will und im kommenden Prozess auch vorzulegen gedenkt.

Die forsche Gangart, die der Anwalt im Namen seines mutmaßlich erpresserischen Klienten Robert Joel Halderman anschlägt, habe, wie Amerika nun nicht gerade überrascht von allen nur möglichen Fachleuten vernimmt, ein einziges Ziel: Letterman zum plea bargain, zum Vergleich zu bewegen und es gar nicht erst zur Gerichtsverhandlung kommen zu lassen. Es sei denn, er lege wert darauf, dass seine schmutzige Wäsche vor unser aller Augen gewaschen werde.

Ein Horrorszenario. Und ein garantierter Publikumshit.


3 Lesermeinungen

  1. Mit dem Überleben vor der...
    Mit dem Überleben vor der TV-Kamera ist es wie mit der Fechtkunst. Man muss jeden Schlag auf der Stelle parieren können. Für Obama kam der Nobelpreis als höchst unpassende Überraschung. Doch er stellte sich sofort den TV-Reportern. „Stellt Euch vor“, sagte er, „heute früh kamen doch meine Kinder zu mir ins Schlafzimmer und verkündeten: Vati, unser Hund Bo hat heute Geburtstag und Du hast den Nobelpreis gewonnen.“ Dann dankte er der Nobelkommission und teilte mit, er werde das Geld wohltätigen Zwecken spenden.“ — Das nenne ich cool.

  2. Der Charme eines Obama fehlt...
    Der Charme eines Obama fehlt Herrn Letterman eindeutig. Seinen weiblichen Mitareiterinnen hat er in intimer Zweisamkeit sicher wirksamere Geschichten (von sich als einsamer Kaempfer, der gelitten hat) erzaehlt seinen verehrten Zusehern on air.

  3. Der Charme eines Obama fehlt...
    Der Charme eines Obama fehlt Herrn Letterman eindeutig. Seinen weiblichen Mitareiterinnen hat er in intimer Zweisamkeit sicher wirksamere Geschichten (von sich als einsamer Kaempfer, der gelitten hat) erzaehlt seinen verehrten Zusehern on air.

Hinterlasse eine Lesermeinung