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Zuckerfasten – Sechs Wochen vorbei

40 Tage Zuckerfasten liegen hinter mir. Es war anstrengend und auch schön. Wer es richtig macht, findet zwar keine Erleuchtung im Verzicht, bricht aber mit alten Gewohnheiten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Möglichst auf industriell verarbeitete Lebensmitteln verzichten
  • Selbst machen ist oft günstiger und interessanter
  • Wer fastet, hinterfragt Gewohnheiten
  • Wer einmal schwach wird, ist nicht gleich rückfällig
  • Der Körper braucht keinen Industriezucker, auch nicht zum Sport treiben
  • Kuchen ist ohne Zucker anders

Das Wichtigste zuerst: es geht mir immer noch gut. 40 Tage Zuckerfasten sind vorbei. Einige konnten es kaum glauben. Kollegen waren interessiert, Bekannte machten sich Sorgen.

Es ist ein interessantes Thema, zu dem viele selbst Erfahrungen haben und jeder seinen Weg finden muss. Ich kann sagen: es hat sich gelohnt. Das erste Fasten meines Lebens war anfangs nicht leicht. Auf die abendliche Schokolade oder auf Kuchen zu verzichten, fiel mir schwer. Auch die Prüfung der Inhaltsstoffe war neu für mich. Plötzlich merkt man, wieviel Unbekanntes in verarbeiteten Lebensmittel steckt. Zucker ist ein erkennbarer Stoff, im Gegenteil zu Glukosesirup oder den E-Nummern. Auch beim Kantinenessen stelle ich mir die Frage, ob Zucker enthalten ist.

Selbst machen funktioniert hingegen bestens. Schon früher war ich Wochenmarkt-Fan und diese Freundschaft ist weiter gewachsen. Obst und Gemüse zu verarbeiten ist leicht. Es kostet weniger Zeit als Fertigware zuzubereiten, ist aber um ein Vielfaches erfüllender. Mein selbstgemachtes Granola-Müsli oder meine selbstgemachte Erdnussbutter haben ich ja bereits beschrieben. Einen lockeren Bananenkuchen habe ich allerdings noch nicht zustande bekommen – Kuchen sieht ohne Zucker anders aus, oder? Preiswerter und gesünder ist selbst machen auf jeden Fall.

Ich merkte es auch körperlich. Zuerst hatte ich ein besseres Mundgefühl – irgendwie sauberer. Dass ich mich mit der Zeit fitter fühlte, hat wahrscheinlich weniger mit dem Zuckerfasten zu tun, als mit den nun länger werdenden Tagen und meinem zunehmenden Training. Aber seinen Anteil am Wohlbefinden hat das Zuckerfasten mit Sicherheit. Sportlich gesehen, ist Zucker verzichtbar – auch wenn Kuchen bisher mein Treibstoff zum laufen war.

Der große Knall blieb aus – es gab keinen besonderen Moment, in dem ich mich gereinigt fühlte. Erst mit der Zeit wurde mir klar, das ich aufmerksamer geworden bin. Meine Gewohnheiten wandeln sich langsam.

Das ist der größte Vorteil am Fasten. Mit den Verzicht nahm ich mich besser war, hinterfragte Gewohnheiten und achtete mehr aufs Essen. Ob mein Geschmack ein anderer wurde, wie es oft zu lesen ist, kann ich noch nicht sagen. Ich weiß noch nicht, wie es ist, Zucker zu essen, weil es Kuchen erst nach diesem Blogpost gibt.

Einmal wurde ich schwach bei Nachbars Nachtisch. Nein, einen Zuckerschock bekam ich nicht, aber ein schlechtes Gewissen. Sonntagspausen habe ich übrigens nicht gemacht.

Jetzt wieder alles nachholen werde ich auch nicht (hoffe ich). Zwar ist die Versuchung, besonders am Anfang, groß gewesen, aber ich habe keinen Heißhunger mehr. Dass das ein Anzeichen für eine ausklingende körperliche Sucht ist, bezweifle ich – eher die beabsichtigte Änderung der Gewohnheiten.

Deswegen lohnt es sich, 40 Tage zu fasten, auch wenn viele Kommentatoren das bezweifelten. Die Fastenzeit bringe nichts, nur komplettes Umstellen helfe, heißt es oft. Aber wer eine Zündung braucht oder eine Zeit, in der andere das gleiche Schicksal teilen (in welcher Form des Fastens auch immer), der wird die Fastenzeit gut finden. Überall trifft man Leute, die Fleisch, Alkohol oder Zucker fasten. Dass wir an Karfreitag aufhören, sagt ja auch niemand.

Also mache ich weiter? Ja und nein. Kuchen und Schokolade werden wieder ins Programm aufgenommen. Aber der Verzicht auf zuckerversetzte Produkte bleibt. Ich habe keine Angst, dass uns die Industrie „abhängig“ machen will. Es ist nur logisch, den süßen Stoff so reichhaltig in alle Produkte zu mischen, denn er „verbessert“ die Eigenschaften der Lebensmittel. Aber deswegen braucht mein  Körper dennoch keinen Industriezucker. Ich werde in Zukunft auch auf Salz weitgehend verzichten – aus den gleichen Gründen.

Mein Plädoyer: Wer fasten will, sollte es tun. Wer es nicht will, verpasst neue Eindrücke.

Warum ich Industriezucker fastete, siehst du hier. Hast du Fragen zum Zuckerfasten? Oder Tipps? Dann schreib mir über die Kommentarfunktion oder an n.thies@faz.de. Auf Twitter (@nils_thies), Facebook oder Instagram (NilsLaeuft) bin ich auch zu finden.

 

 

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