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#Nilsläuft

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Die Hose, die beim Laufen stützt

| 3 Lesermeinungen

Kompressionskleidung beim Laufen ist populär. Eine Hose stützt jetzt zusätzlich die Muskeln mit einem flexiblen Korsett, das uns in Form zieht. Ich habe getestet, was die Hose taugt.

Für meine Vorbereitung zum 230-Kilometer-Spendenlauf habe ich natürlich einiges an Klamotten durchgelaufen und war ständig auf der Suche nach neuen Ernährungsarten, Laufschuhen und Ausrüstung, die fürs Laufen sinnvoll sind. Dabei fiel mir eine Hose auf, die durch Kompression und zusätzliche Stützstreifen die kinetische Kette aktivieren soll, die Opedix Dual-Tec 2.0. Also Kleidung wie ein kinetisches Klebeband für den ganzen Körper?

Die kinetische Kette ist die energetische Beeinflussung von Körpern, die durch Gelenke verbunden sind. In der Mechanik wird sie auch als kinematische Kette bezeichnet. Das ist also der Energiefluss von Fuß bis Kopf, der über Muskeln, Gelenke, Bindegewebe und Nerven abläuft. Die Hose soll die Ermüdung der Muskeln verringern und die Regeneration schon während des Laufens fördern.

Die Wissenschaftler, mit denen Opedix in den Vereinigten Staaten zusammenarbeitet und das Prinzip der Kleidung als Torque Reform Technology bezeichnen, sehen große Chancen in der Korrektur der kinetischen Kette. Die Hose drückt und zieht uns in Form. Als „Wunderding“ bezeichnet Opedix die Kompressions-Wäsche, die ursprünglich für den Skisport entwickelt wurde, aber nicht.

Aber jetzt los mit dem Praxistest – das Motto: Wenn es hilft, hilft es. Demnach müsste ich doch etwas spüren von der Energie, wenn ich nicht schon alles richtig mache.

Versuch eins

Die Hose fühlt sich beim Anziehen eng an – klar, es ist eine Kompressionshose. Aber die hier ist noch enger. Wie ein anschmiegsames Korsett. Die Nähte knacken, aber das ist laut Beipackzettel normal. Meine Standardunterhose passt aber nicht darunter, ohne zu stören, also genieße ich die Hose pur. Die Dualtec selbst drückt angenehm an Stellen, an denen feste Materialstreifen wie eine Band am Körper liegen. So wie ein Kinesiotape am ganzen Bein.

Ab auf die Piste. Kurzstrecke. Acht Kilometer. Gutes, kühles Wetter. Für meine Verhältnisse ein schneller Lauf. Hose neu, alles andere wie sonst. Fühlt sich gut und trocken an, die kinetische Kette. Schweiß kann gut verdunsten, aber ab und zu zieht der Wind durch. Schneller als sonst bin ich nicht. Schmerzen habe ich aber auch keine. Das Laufgefühl bezeichne ich mal als „gestützt“.

Versuch zwei

Der zweite Versuch, wenige Tage später. 30 Kilometer. Wechselhaftes Wetter mit schwerem Regen. Die Hose sitzt super und ich habe mich schnell an sie gewöhnt. Abermals laufe ich nicht schneller, aber auf der Langstrecke bemerke ich einen leichten Kompressionsvorteil: Die Muskeln ermüden langsamer, ich fühle mich auf den letzten Kilometern nicht so schlapp wie bei vergleichbaren Läufen.

Nach dem Lauf bemerke ich allerdings rote Stellen auf beiden Oberschenkeln, mit dem Muster der Hose. Dort unterbrochen, wo die Stützstreifen sitzen. Nässe scheint sie nicht zu mögen. Tatsächlich, Reibung war Schuld – der gleiche Effekt wie beim Marathon, bei nicht abgeklebten Brustwarzen. Das ist unangenehm, verschwindet aber wieder. Mit einer dünnen Kompressionshose vermeidet man diesen Effekt, wie ich später herausgefunden habe. In wie weit die darunter gezogene Hose die Wirkung der Dual-Tec aufhebt, kann ich nicht sagen. Bei mir hat alles gut geklappt.

Versuch drei

Zum Schluss mache ich noch einen Neben-Test: Ich will wissen, wie es um die Regenerationsförderung der Hose bestellt ist. Was beim Laufen gut ist, kann beim Sitzen nicht schlecht sein. Das ist wichtig für alle, die viel und oft laufen. Wer schnell wieder fit ist, kann schneller wieder trainieren. Und jetzt spielen Kompression und „Energieleitung“ ihre Stärken aus. Unter der Jeans oder Anzughose im Büro fällt die Dual-Tec nicht auf (denke ich zumindest), verstärkt aber die Durchblutung. Die Beine sind warm und beim Aufstehen aus dem Bürostuhl unterstützt das Korsett die Bewegung. Die Regenerationszeit scheint mit Kompressionshose kürzer als ohne.

Wer eine Hose braucht, die den Bewegungsapparat unterstützt und die Muskeln weniger schnell ermüden lässt, ist bei der Dual-Tec richtig. Ob sich die Anschaffung für Läufer lohnt, ist vom Geldbeutel und der erhofften Wirkung abhängig. Leistungssportlern und ambitionierten Läufern hilft sie sicherlich, bei nicht allzu schlechtem Wetter, ein Stück weiter zu kommen. Hobbyläufer wird der Preis von 229 Euro abschrecken.

Wer mehr über die Opedix Produkte wissen möchte, kann hier klicken.

Hast du Fragen zu Kompression, Regeneration oder Laufen? Dann schreib mir über die Kommentarfunktion oder an n.thies@faz.de. Auf Twitter (@nils_thies), Facebook oder Instagram (NilsLaeuft) bin ich auch zu finden.

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Der F.A.Z.-Spendenlauf am 14./15. Mai ab 08.00 Uhr live bei FAZ.NET

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3 Lesermeinungen

  1. Kompressionshosen sind genial
    Ich habe mir vor einigen Jahren meinen Femur gebrochen. Während langwieriger (und langweiliger) Rehabilitation bin auf CW-X Kompression/Support Hosen gestossen. Wann immer ich etwas „neues“ in meinem Program aufgenommen habe, wurden diese angezogen, was alles einfach besser in Form gehalten hat (von Krücken zu Yoga). Ich bin seither ein absoluter Anhänger dieser Funktionskleidung, auch zur Regeneration. Man sollte Sie aber nicht immer anlegen, wo bleibt denn sonst der Trainingseffekt.

  2. Korsage
    Auch wenn es hülfe, alles was einengt mag ich nicht.
    Wie ist es denn wenn man unterwegs in die Büsche muss?

  3. Wenn es nur um Kompression geht kann ich Under Armour empfehlen
    Also wenn es nur um Kompression geht, dann kann ich Under Armour empfehlen. Die Hosen bzw. insgesamt die Bekleidung im Bereich Kompression ist super und nicht ansatzweise so teuer wie die hier genannte Hose. Allerdings ist Under Armour auch nicht billiger, hat aber meines Erachtens ein super Preis-Leistungs-Verhältnis.
    Wer noch keine Bekleidung des Herstellers hat sollte keine Experimente machen und ein Sportgeschäft suchen, wo er die unterschiedlichen Kleidungsstücke anprobieren kann. Die Firma gibt zwar Hinweise welche Größe wie passt (Brustumfang etc.), allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass bei Hosen eine Anprobe doch besser ist um die richtige Größe zu finden. Bei Bekleidung für den Oberkörper passt bei mir die Richtlinie des Brustumfanges. Gerade für den Oberkörper ziehe ich mittlerweile recht häufig diese Bekleidung an auch im Berufsleben. Aufgrund eines Lendenwirbelsyndroms habe ich Probleme mit dem Rücken, hier unterstützt Kompressionskleidung ungemein.

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