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#Nilsläuft

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Mit mir erlebst du Höhenflüge und Alltagsläufe. Ich gebe dir Trainingstipps und Wettkampftricks.

Ein Marathon ist nicht genug – Warum?

Wie es ist, einem Ball hinterherzurennen und sich mit einem Gegenspieler zu messen, bis man nicht mehr kann, das weiß jeder. Wie es aussieht, zeigt die Fußball-Europameisterschaft jeden Tag. Wie aber fühlt es sich an, sportlich ganz für sich allein zu kämpfen – macht das Spaß, macht es glücklich?

Marathon ist eine solche Sportart, ihn zu laufen für viele Menschen eine verrückte Sache: zweiundvierzig Kilometer am Stück, unvorstellbar! Dabei gibt es sogar Sportler, die fünf, sechs oder acht Marathons laufen – hintereinander. Das sei doch nur was für Ausnahmeathleten, denkt man schnell: „So etwas kann nicht jeder.“ Aber ist so ein Ultramarathon wirklich unmöglich?

Wir alle haben schon einmal ein Ziel erreicht, das in scheinbar unerreichbarer Ferne lag: vielleicht das Sparen auf eine besondere Sache, wenn zuerst nur wenige Münzen im Sparschwein klimperten, oder der 400-Meter-Lauf im Sportunterricht, der beim Start noch irrsinnig lang wirkt und mit jedem Schritt weniger wird. So ähnlich ist ein Ultramarathon. Klar, man braucht viel Training, bis man so weit laufen kann, manchmal sind es Jahre, aber schaffen kann das eigentlich jeder. Es ist kein Wunder, dass viele Ultraläufer über dreißig Jahre alt sind, denn der Körper braucht Zeit, sich anzupassen. Zumal wir selbst sogar in unserer Schulzeit viel zu wenig und danach fast gar keinen Sport mehr machen. Bewegung hat keinen Stammplatz im Alltag. Wir nehmen den Aufzug, statt Treppen zu steigen, fahren mit dem Auto zur Arbeit und sitzen oft den ganzen Tag. Könnten wir nicht hin und wieder mal die Stufen nehmen?

Es sind wirklich die kleinen Schritte, die einen voranbringen – das ist die Erkenntnis, die Ultraläufer über die Jahre gewinnen: Es geht immer noch ein Stückchen mehr, Schritt für Schritt. Natürlich fangen Ultraläufer klein an, so war das auch bei mir: die ersten fünf Kilometer bei der Bundeswehr, der erste Marathon im Studium und dann der erste Ultra. So steigerte sich mein Laufpensum, ohne dass ich ein Hochleistungssportler war, ganz allmählich.

Aber das Körperliche ist nicht alles. Eine starker Kopf spielt beim Laufen eine große Rolle. Nur wer gelernt hat, sich und seinen Körper zu verstehen, ist zu großen Leistungen fähig. Manchmal schafft es die Psyche, den Körper über die eigenen Grenzen hinaus zu bringen – noch ein kleines Stückchen weiter. Und es geht genau um dieses Stückchen. Laufen ist einfach, also kann man schnell Erfolge feiern. Das macht glücklich. So glücklich, dass Ultraläufer lange laufen und immer weiter wollen. Manche bezeichnen das als Sucht, ich bezeichne das als Treibstoff.

Aber warum quält sich einer länger als über die Marathondistanz, die vielen schon zu anstrengend ist? Ich habe Spaß daran, immer ein Stück weiter zu gehen. Es kann ein Schritt sein oder ein Kilometer: Wenn ich mir die Frage stelle, ob ich das noch schaffen kann, dann will ich es auch wissen. Irgendwann will man dann wissen, ob auch ein Lauf wie „Tortour de Ruhr“ mit seinen 230 Kilometern zu schaffen ist. Und wenn ich es schaffe, ist es das pure Glück.

Es braucht beharrliches Training, den Willen, immer ein kleines Stück weiter zu gehen, und Spaß. Denn das darf man nicht vergessen: Egal, wie sehr sich Ultraläufer auch schinden – am Ende sind wir alle glücklich beim Laufen. So glücklich, dass es immer weitergehen kann. Auch ohne Ball und Gegenspieler.

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