Home
Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Wir sehen uns zunehmend einer neuen, unbekannten und durchaus rätselhaften Arbeitswelt gegenüber.

Was die Buchmesse zeigt, aber nicht sagt

Bei der Frankfurter Buchmesse geht es nicht nur darum, welche Bücher man dort auf den Bestseller-Listen zeigt. Für das Verstehen der Arbeitswelt ist es viel...

Bei der Frankfurter Buchmesse geht es nicht nur darum, welche Bücher man dort auf den Bestseller-Listen zeigt. Für das Verstehen der Arbeitswelt ist es viel aufschlussreicher zu erfahren, wie man darüber diskutiert, was schlussendlich als Bestseller-Listen herauskommt. Was also ist die versteckte Tagesordnung, auf die wir uns einstellen müssen?

Der Autor dieser Zeilen hat vor Jahren ein kleines Büchlein geschrieben, um auf anstehende Veränderungen der Arbeitswelt hinzuweisen. Diese Trendstudie, deren Titel und Inhalt hier keine Rolle spielen, wurde gnadenlos verrissen. So titelte die Financial Times Deutschland (FTD): „Nur glückliche Arbeit ist gute Arbeit“. Nein, wir wollen keine Selbstversklavung. Wir wollen Lebensqualität. Nieder mit den Machiavialisten und der ganzen bösen Arbeitswelt. Autor dieses Verrisses war damals übrigens Till Briegleb, der mit dieser Devise kurz zuvor für die sehr anspruchsvolle Zeitung „Die Woche“ arbeitete. Ergebnis: Glückliche Redakteure und eine (bald eingestellt) Zeitung.

Ob die FTD mit diesem damaligen Hinweis, nur glückliche Arbeit zu akzeptieren, einen sinnvollen Ratschlag produzierte, der in den Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ aufzunehmen ist, muss bezweifelt werde. Diese Skepsis gilt/galt auch für diverse andere Publikationen (auf die in den nächsten Monaten noch näher eingegangen wird). Denn im Ergebnis kommen die Jobsuchenden in eine Position, wo sie sich eigentlich auf die Ratschläge der Zeitungen verlassen wollen, dann aber doch im Regen stehen (und immer noch auf die glückliche Arbeit warten).

Was aber hat sich auf dem Buchmarkt verändert? Anlässlich der Frankfurter Buchmesse veröffentlicht die FTD eine Hitliste der TOP TEN Wirtschaftsbücher:

Platz 1 belegt „Verbotene Rhetorik“ („In einer Welt ausgefahrener Ellbogen ..“). Es folgt die „Peperoni-Strategie“ und man lernt, dass man ohne Biss nicht weiter kommt. Weitere Bestseller betreffen das Assessment Center und das Guerilla Marketing. Wohl gemerkt, dies ist die Verkaufshitparade und sie spiegelt die harte Realität der aktuellen Arbeitswelt wider.

Den Wirtschaftsbuchpreis der FTD ging aber woanders hin: Ihn bekam ein Buch, das mit „galliger Boshaftigkeit“ Konzerne kritisiert. Auch die anderen der Preisträgerbücher folgen dieser Logik. Um nicht falsch verstanden zu werden: Was manche Unternehmen praktizieren, ist mehr als nur diskutierbar. Nur fällt es auf, dass alle prämierte Arbeiten wieder die Logik „Nur glückliche Arbeit ist gute Arbeit“ verkörpern und sich einen damit in der Welt von Rosamunde Pilcher willkommen heißen.

Der Reiseführer durch die Arbeitswelt rät daher: Willst Du in der Arbeitswelt Deinen Weg finden, unterscheide zwischen Reiseführer und anderen Büchern.

Bild zu: Was die Buchmesse zeigt, aber nicht sagt
(Foto: cts)

PS: Im Original von Douglas Adams findet sich folgende Textstelle: „Er befand sich in genau der Art Klemme, in der er sich normalerweise darauf verlassen konnte, daß ihm der Reiseführer irgendwelche Ratschläge erteilte, ganz egal, wie ägerlich oder schwammig sie auch sein mochten – aber dies war nicht der geeignete Augenblick, um sich in die Tasche zu greifen. Außerdem schien der Reiseführer nicht länger ein Freund und Verbündeter zu sein, sondern selbst eine Gefahrenquelle darzustellen.“

ALLE BLOGEINTRÄGE AUF EINEN BLICK

0