Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Wir sehen uns zunehmend einer neuen, unbekannten und durchaus rätselhaften Arbeitswelt gegenüber.

Ein Restaurant am vietnamesischen Ende des Universums

| 2 Lesermeinungen

Manchmal ist es auch für die Verfasser von Reiseführern durch die Arbeitswelt sinnvoll, sich auf die Reise in andere Länder zu begeben. Dort kann man, wie...

Manchmal ist es auch für die Verfasser von Reiseführern durch die Arbeitswelt sinnvoll, sich auf die Reise in andere Länder zu begeben. Dort kann man, wie mit einer Zeitmaschine, vor- und zurückreisen – im Regelfall mit durchaus interessanten Erkenntnissen. Der Reiseführer durch die Arbeitswelt hat sich auf die Reise nach Vietnam begeben.

Bild zu: Ein Restaurant am vietnamesischen Ende des Universums

Übrigens: Für diejenigen, die sich nicht mehr so ganz an die Arbeit von Douglas Adams erinnern können: „Das Restaurant am Ende des Universums“ ist der 2. Band.

Was nicht jeder weiß: Vietnam hat 82 Millionen (überwiegend extrem freundliche) Einwohner und alleine Saigon, das ja jetzt Ho Chi Minh City heißt, hat ungefähr soviel Einwohner wie Österreich. Auch hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass Vietnam ein wunderschönes und abwechslungsreiches Land ist: Von der Ha Long Bucht im Norden bis zum Mekongdelta im Süden. Es gibt Reis, Kaffee und eine – teilweise in Heimarbeit stattfindende – Kleidungsfabrikation. Seit 1986 wird das Land von einer zentralen Planwirtschaft zu einer sozialistischen Marktwirtschaft umgebaut, wobei man diesen Umbau als „doi moi“ bezeichnet. Eines der zentralen Ergebnisse: Fast jeder fährt Moped und ein Moped bekommt man schon für 250 Dollar. Was auch nicht jeder weiß: In Vietnam gibt es rund 100.000 Menschen, die Deutsch sprechen – Spötter würden sagen „und das ist mehr als in mancher deutschen Großstadt“.

Und da sitzt man nun in einem Cafe in Hanoi und kommt ins Grübeln …

Ist das die Arbeitswelt in der wir bald leben? Mein Tischnachbar erklärt mir: „Das hier ist Turbokapitalismus! Unternehmen bilden nicht aus. Mitarbeiter sind für ihre Qualifikation selbst verantwortlich“. Der Vertreter einer australischen Schule ergänzt: „Manchmal muss die ganze Familie mitfinanzieren, damit ein Familienmitglied an eine gute Universität gehen kann“. Im Prinzip ist jeder für sich selbst verantwortlich. Es gibt keine soziale Sicherung durch den Staat. Soziale Sicherung erfolgt durch die Familie. Unternehmen kommen und gehen, Mitarbeiter werden eingestellt und schlagartig wieder entlassen. Jedes Jahr drängen 1 Million neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt.

Unternehmen zielen auf ungebremsten Wachstum. Intel hat bekannt gegeben, hier ein Werk zu errichten. Die dafür notwendigen 300 Millionen Dollar sind mehr als das, was Deutschland in seiner Exzellenzinitiative zur Förderung der Hochschulen, ausgibt. Ähnliches gilt für die Metro (Group), die (zumindest wurde das so erzählt) jeden Morgen frische Waren aus dem Süden mit einem eigenen Flugzeug nach Hanoi bringt.

Der Reiseführer durch den Arbeitsmarkt rät: „Die Beschäftigung mit Vietnam kann für alle Interessierten eine bedeutsame Marktnische darstellen. Egal ob man während des Studiums dorthin fährt, Vietnamesisch lernt oder mit einem deutschen Unternehmen versucht, dorthin zu gehen. Vietnam tickt anders als andere asiatische Länder. Gegenwärtig noch langsamer, aber es wird immer schneller. Vietnam ist ganz anders als China und ganz anders als Thailand. Es ist mehr deutsch und mehr französisch – was nicht nur daran liegt, dass in Vietnam die gleiche Schrift verwendet wird wie in Europa.“

Und der Reiseführer fügt hinzu: „Besuche das touristische Vietnam, bevor es zu spät ist!“ Denn in den letzten 12 Monaten wurde bereits ein großer Teil der historischen Altstadt von Saigon abgerissen und man beginnt eine Kopie von Singapur zu errichten.

Bild zu: Ein Restaurant am vietnamesischen Ende des Universums
(Foto: cts)

P.S.: Douglas Adams schreibt: „Das Restaurant am Ende des Universums ist eine der außergewöhnlichsten Unternehmungen in der gesamten Geschichte des Gaststättengewerbes. Es wurde erbaut auf den zertrümmerten Überresten eines … Es wird erbaut werden auf den zertrümmerten … das heißt, mittlerweile wird es erbaut worden sein und ist eigentlich …“

P.P.S.: Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein, dass dieser Eintrag endlich wieder ein Foto enthält. Der simple und erfreuliche Grund: Der Berichterstatter hat eine neue Digitalkamera (…nein, nicht die auf dem Lufthansaflug LH 711 verschwundene Sony-N1. Die ist nicht mehr aufgetaucht). Und daher gibt es heute noch weitere Bilder:

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2 Lesermeinungen

  1. Zum Kommentar von...
    Zum Kommentar von mcduff:
    Zunächst: Der Anhalter referiert über seine Reise durch die Arbeitswelt, ohne dass er Beobachtungen grundsätzlich für wünschenswert erachtet.
    Unabhängig vom „Turbokapitalismus“ spricht aber einiges für moderate Marktlösungen im Vergleich zu staatlicher etatistischer Regelungswut. Aber bitte im Rahmen gemeinsamer und für alle geltender Spielregeln.

  2. Turbokapitalismus? Wohl eher...
    Turbokapitalismus? Wohl eher Manchesterkapitalismus in seiner übelsten Ausprägung. Sicher hätten das unsere Bonzen gerne auch in Deutschland. Einen anarchischen Staat in dem nur das Eigentum der Reichen geschützt wird. Bevor das soweit kommt, sollte man es besser richtig krachen lassen.

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