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Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Wir sehen uns zunehmend einer neuen, unbekannten und durchaus rätselhaften Arbeitswelt gegenüber.

Mehr Klinsmänner in die Politik? (Karlheinz Feldkamp)

Bei seiner Reise durch die Arbeitswelt trifft der Berichterstatter den ehemaligen Fußballtrainer Karlheinz Feldkamp (u.a. Deutscher Meister und...

Bei seiner Reise durch die Arbeitswelt trifft der Berichterstatter den ehemaligen Fußballtrainer Karlheinz Feldkamp (u.a. Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger). Auf einer Diskussionsveranstaltung in der imposanten Autostadt in Wolfsburg diskutieren wir gemeinsam mit Olaf Ansorge (Vertreter des FK Betrieb der Autostadt), Roy Präger (Teammanager des VFL Wolfsburg) und Klaus Fuchs (Geschäftsführer VFL Wolfsburg) über die aktuelle Arbeitswelt, über Darwiportunismus und vor allem über Jürgen Klinsmann. Es war ein sehr interessantes Gespräch. Kontrovers, konstruktiv … einfach gut. Deshalb an dieser Stelle der Dank für den schönen Abend, der auch zu einem Eintrag in den Reiseführer durch die Arbeitswelt führt.

Bild zu: Mehr Klinsmänner in die Politik? (Karlheinz Feldkamp)

Jeder kennt unser Sommermärchen von 2006. Jeder kennt den Erfolg der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM und jeder den aktuellen leichten wirtschaftlichen Aufschwung.

Ja, von Jürgen Klinsmann kann man – und darauf hat der Berichterstatter schon Mitte 2005 in der Süddeutsche Zeitung und diversen Vorträgen trotz massiver Kritik hingewiesen – viel lernen. Deshalb findet man im Reiseführer durch die Arbeitswelt folgenden Eintrag: „Ohne greifbare Visionen bewegt sich nichts! Deshalb muss jeder für sich selbst, für sein Team und für sein Unternehmen – so vorhanden – eine klare Vision davon haben, wo man zumindest in 2-3 Jahren sein möchte. Und diese Vision muss machbar erscheinen und positiv aufgeladen sein“.

Nur: Was will man eigentlich von Klinsmann lernen? Eine wissenschaftliche Studie belegt, dass man gerne Führungskräfte akzeptiert, die klare Ziele verkörpern, die auf eine Aufbruchstimmung einstimmen, die gut kommunizieren, die authentisch sind. Was aber will man nicht von Klinsmann übernehmen und akzeptieren? Eher nicht gewollt sind Postulate nach uneingeschränkter Eigenverantwortung und nach einem „Spielen ohne Stammplatzgarantie“ (Man denke nur an die Diskussion um Oliver Kahn).

Aber in der Diskussion kamen wir noch zu einem ganz anderen Punkt: Wo ist „Klinsmann“ in unserer Gesellschaft? Eine erste Antwort war: Berlin – also in der Politik?

Hierzu die klare Aussage aus dem Reiseführer durch die Arbeitswelt: Nein, wir brauchen keine Klinsmänner in der Politik und auch keine Klinsfrauen. Politiker sollten sich zurückhalten und sich nicht zum scheinbaren Mittelpunkt der Welt zählen. Wenn man den ersten Teil jeder beliebigen Tageszeitung betrachtet, so ist er geprägt von Politikern. Das gleiche gilt für Nachrichtensendungen. Nur: Politiker bringen keine Wertschöpfung. Sie backen keine Brote, bauen keine Autos, unterrichten keine Schüler. Sie schaffen lediglich geldaufbrauchende Systeme, in denen sie sich („selbstreferenziell“) mit sich selbst beschäftigen. Sicherlich kann man gut über Politiker diskutieren, die im Regelfall den multimedialen Doppelpass mit beherrschen. Nur das bringt niemanden weiter. Würde man die Dominanz der Politik auf den Fußball übertragen, würden am Anfang des Spieles nicht die Fußballer auf dem Feld stehen und die Nationalhymne singen, sondern die Funktionäre. Und nur diese würden die Interviews geben. Sie hätten schicke Trikots mit Name und Nummer, über sie würde man berichten – alles nur kurz unterbrochen von einem kurzem Fußballspiel der Namenlosen. Ein Trainer ja. Funktionäre und Politiker nein. Der Reiseführer durch die Arbeitswelt rät deshalb: „Medien und Stammtische sollten die Präsenz von Politiker auf ein Drittel reduzieren! Denn: Wir brauchen weder Klinsmänner noch Klinsfrauen in der Politik.“

Eine zweite Antwort war schon interessanter – aber irgendwie dann doch schwerer: Jeder muss für sich selbst sein eigener Klinsmann sein. Und als dann in der letzten Reihe ein Zuhörer aufstand und die klare Aussage machte „also ich bin mein eigener Klinsmann“, war das Sommermärchen auch in der Arbeitswelt angekommen.

Bild zu: Mehr Klinsmänner in die Politik? (Karlheinz Feldkamp)
(Foto: cts)

P.S.: Der ursprüngliche und inzwischen veraltete Reiseführer durch die Galaxis von Douglas Adams kennt noch keinen Fußball und keinen Klinsmann. Aber immerhin kennt er die absolut nicht verwandte Sportart Kricket und schreibt dazu: „Das Spiel, das du als Kricket kennst, ist bloß eine dieser seltsamen Grippen des kollektiven Unbewussten, das Bilder nach Ewigkeiten, nachdem ihre wahre Bedeutung in den Nebeln der Zeit verloren ging, in der Erinnerung lebendig erhalten kann“.

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