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Matrix Orga Fatalis

22.12.2006, 15:28 Uhr

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René Obermann tut es mit der Telekom, wie viele andere mit ihren Unternehmen: Sie vertrauen auf die Kraft der Matrix! Immer mehr Führungskräfte großer Konzerne und kleiner Abteilungen verlassen sich auf die Matrixorganisation. Nur: Kann man sich wirklich auf sie verlassen? Oder ist man nicht vielleicht sogar von allen guten Geistern verlassen, wenn man sich auf die Matrixorganisation verlässt?

Bild zu: Matrix Orga Fatalis

Ein wichtiges Merkmal jedes Unternehmens ist ihre Organisationsform. Sie zu verstehen, ist zentral für das Verstehen der jeweiligen Arbeitswelt. Keine Angst: Der Reiseführer wird an dieser Stelle nicht zu einem Organisationslehrbuch mutieren, auf Unterschiede zwischen Grob- und Feinstruktur eingehen oder Aufbau- und Ablauforganisation thematisieren. Vielmehr geht es um das Produkt Matrixorganisation als aktuelles Lieblingskind von Unternehmensberatern und Unternehmenslenkern.

Das einfach klingende Wort „Matrixorganisation“ ist damit in Wirklichkeit ein kompliziertes und vielschichtiges Gebilde, das im Kosmos der Arbeitswelt herumschwirrt und nur schwer zu fassen ist. Für manche erweist sich die Matrix Orga Fatalis als ein intergalaktisches Wurmloch mit fataler Sogwirkung, für andere als Rettungsanker und wieder für andere ist sie ein brillantes Klebeetikett, das wirklich für vieles passt.

Im „Reiseführer durch die Arbeitswelt“ findet man deshalb unter Matrixorganisation folgenden Eintrag: „Unter einer Matrixorganisation (nach neuer deutscher Rechtschreibung Matrix Orga Fatalis) versteht man (1) ein Organisationsprinzip, das zwei Leitungssysteme kombiniert, das also beispielsweise gleichzeitig nach Funktionen (zum Beispiel Beschaffung, Produktion oder Absatz) und Objekten (zum Beispiel Produkte, Länder oder Projekte) gliedert, wodurch Mitarbeiter jeweils zwei Vorgesetzten unterstellt sind; (2) eine Organisationsform, bei der im Erfolgsfall jeder verantwortlich ist, schlechte Ergebnisse aber grundsätzlich niemandem zugeordnet werden können; (3) einen organisatorischen Komplexitätsgenerator; (4) eine Lizenz zum Gelddrucken; (5) eine Umschreibung für die Wahl der passenden Organisationsform, die man nicht entscheiden will.“

Die Matrixorganisation ist nicht neu. Bereits 1977 haben Davis und Lawrence eine abschließende Würdigung dieser Idee geliefert, der kaum noch etwas hinzuzufügen ist. So hofft man einerseits auf mehr Synergien, bessere Abstimmung, höhere Flexibilität und letztlich besseren Ertrag. Andererseits bedeutet die Tatsache, dass zwei Führungskräfte auf einen Mitarbeiter oder eine Organisationseinheit zugreifen, IMMER Konflikte, die umso größer werden, je mehr es internen Wettbewerb und externen Druck gibt. Will René Obermann die Telekom also wirklich zum Erfolg führen, muss er gerade jetzt und gerade deshalb vollkommen und explizit auf die Matrix Orga Fatalis verzichten. Da aber René Obermann sicherlich nicht zu den Lesern des „Reiseführers durch die Arbeitswelt“ zählt und deshalb anders entscheidet, ein kurzer Ratschlag für die Betroffenen:

Als Betroffener von der Matrix Orga Fatalis ist darauf zu achten, welche der beiden Dimensionen in der Matrix wirklich stärker ist. Nur diese zählt. Denn: Eine wirklich gleichgewichtige Matrix gibt es in der Arbeitswelt nicht, und die Dimensionen werden so lange kämpfen, bis eine aufgibt und die andere gewinnt. Im Ergebnis gibt es somit entweder dauerhaften Kampf, durch den Abstimmungsprobleme entstehen, oder aber de-facto-Abschaffung einer Dimension. Für neue Mitarbeiter im Unternehmen ist die Matrix Orga Fatalis zudem gleichzusetzen mit Karrierekiller! Also: Bereits die Nennung des harmlosen Wortes „Matrixorganisation“ sollte von allen im Unternehmen als klares Warnsignal aufgefasst werden!

Nur für externe Berater ist der intergalaktische Raumwirbler Matrix Orga Fatalis genial, da er automatisch immer neue und vielfältige Aufträge generiert …….

Bild zu: Matrix Orga Fatalis
(Foto: cts)

PS: Bei Douglas Adams findet sich folgendes zutreffende Zitat: „Ursa Minor Beta ist, so sagen einige, eine der schrecklichsten Örtlichkeiten im bekannten Universum. Deshalb kann es wohl kaum bedeutungslos sein, dass neulich das Magazin Playpeople einen Artikel mit der Überschrift ‚Wenn Du Ursa Minor Beta satt hast, hast du das Leben satt’ brachte“.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
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0 fiorella 14.02.2009, 15:28 Uhr

scheint ein sehr interessanter...

scheint ein sehr interessanter Film, wie ich hoffe, um zu sehen, bald, werde ich versuchen, um zu sehen, sie mit meinen Freunden, vielen Dank für Ihren Blog, es wäre gut, zu veröffentlichen, mehr als eine gute Gesundheit hiphop klamotten

0 puenchon 09.01.2007, 13:18 Uhr

Was aber ist die Alternative...

Was aber ist die Alternative zur Matrix (mit all ihren Nachteilen), wenn ein Unternehmen gleichzeitig auf mehreren Produkt- und Ländermärkten tätig ist? Ich sehe keine, aber vielleicht steht dazu ja etwas im Reiseführer. Schönen Gruß!

geboren 1952, in Deutschland lebender Österreicher, von Beruf Professor für Organisation, Personal- und Medienmanagement. Vor- und Querdenker im Personalmanagement.