Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Wir sehen uns zunehmend einer neuen, unbekannten und durchaus rätselhaften Arbeitswelt gegenüber.

Was Frauen wollen

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"Der Aufschwung ist angekommen!" Dieser Satz ist typisch für den Wirtschaftsoptimismus im Frühjahr 2007: Zunächst kam der Aufschwung bei Vorständen an, dann...

„Der Aufschwung ist angekommen!“ Dieser Satz ist typisch für den Wirtschaftsoptimismus im Frühjahr 2007: Zunächst kam der Aufschwung bei Vorständen an, dann bei Facharbeitern. Was noch fehlt ist der Satz „Der Aufschwung ist bei den Frauen angekommen“.

 

Bild zu: Was Frauen wollen

 

Nein, jetzt wird nicht das Klischee aus Serien wie „Sex and the City“ bedient, wo sich Frauen insbesondere durch den Kauf von Schuhen definieren: Auf dieses argumentative Glatteis will sich der Autor des Reiseführers „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ nicht wagen. Er begibt sich aber freiwillig auf ein noch dünneres Eis – aber das aus gutem Grund.

 

Unternehmen sehen sich gegenwärtig einer extremen Personalknappheit gegenüber. Und diese Situation wird sich in nächster Zeit auch noch verstärken. Sehr bald werden wir wieder das obligate Personalmarketing bekommen, das auf „Frauen als Mitarbeiter“ zielt. Wir bekommen noch häufiger den „Girls Day“, „Führung für Frauen“ und diverse weitere Angebote. Allein im Internet findet man aktuell unter „Kurse für Frauen“ insgesamt rund 40.000 Einträge, aber nur einen einzigen unter „Kurse für Männer“.

 

Und bald werden wir wieder Anzeigen lesen, in denen Unternehmen sich explizit (aber erstaunlicherweise erst jetzt bei Personalknappheit) zur Einstellung von Frauen und Frauen überhaupt bekennen.

 

Extrem formuliert: Die gleichen Unternehmen, die in den letzten Jahren hochnäsig und arrogant gerade mit weiblichen Bewerbern umgesprungen sind („nein, ich frage Sie nicht nach einer geplanten Schwangerschaft“) erkennen genau jetzt ihr Herz für Frauen.

 

Daher der klare Rat: „Stellenangebote und Förderangebote explizit für Frauen sind insbesondere dann von Jobsuchenden mit Vorsicht zu genießen, wenn diese Angebote erst bei anstehender Personalknappheit formuliert werden“.

 

Folgt man der Informatio Diametrales, so wird dieser Rat noch deutlicher: Hinter einer scheinbaren Offenheit könnte genau das Gegenteil stecken. Gerade die Firmen, die explizit auf Frauen setzen, könnten diejenigen sein, die in Wirklichkeit Frauen allenfalls als notwendiges Übel einstufen und ihnen ihre Einstellung früher oder später auch mehr oder weniger deutlich vermitteln. Also: „Treffen Sie auf explizite Stellenangebote und Förderangebote von Unternehmen für Frauen, so seien Sie gewarnt. Diese Angebote könnten ein Indikator für latente Frauenfeindlichkeit sein!“

 

Es gibt aber noch einen weiteren mindestens genauso wichtigen Punkt: Wollen Frauen überhaupt eine derartige „Fürsorge“? Hier sind erhebliche Zweifel angebracht. Abgesehen von „sehr emanzipierten“ Frauen, die derartiges fast schon reflexartig für andere Frauen reklamieren (kaum aber für sich selber), scheint dieses Bedürfnis bei Frauen nicht besonders stark ausgeprägt zu sein. Daher sprechen sich gerade Studentinnen, die in die Rubrik „High Potentials“ einzustufen sind, durchaus gegen derartige Sonderbehandlungen aus. Denn diese (potenziellen) Mitarbeiterinnen wollen ihre Leistung unter Beweis stellen und sich (auch) in der „Männerwelt“ durchsetzen.

 

Deshalb ist Umdenken angesagt: In der aktuellen Arbeitswelt werden, im Sinne einer generellen Chancengleichheit und einer generellen Gleichbehandlung, Frauen immer stärker überall „wie alle anderen“ behandelt, und zwar weil sie es zum einen so wollen, aber auch weil es zum anderen für Sonderbehandlungen keinen Grund gibt.

 

Daher der Rat für Unternehmen: „Unternehmen tun gut daran, bei Bewerberinnen und Mitarbeiterinnen keine Sonderbehandlungen vom Typ <FrauenBemutterungsAktivität> vorzusehen, wenn sie wirklich verstärkt Frauen einstellen beziehungsweise motivieren und halten wollen.“

 

Übrigens: In Österreich bezeichnet man eine „unselbständige, bemitleidenswerte Person“ als Hascherl. Falls es deshalb einmal eine österreichische Fassung dieses „Reiseführers durch die Arbeitswelt“ geben wird, so wird man obige Überlegungen unter der Rubrik „Die Anti-Hascherl-These“ einsortieren.

 

Bild zu: Was Frauen wollen
(Foto: cts)

 

P.S. Die Originalfassung des Reiseführers „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams kennt eine Tricia McMillan, die resignierend feststellte: „Was sollte ich mit’m Doktor in Mathe und einem in Astrophysik anders tun? Jeden Montag Anstellen für Arbeitslosenunterstützung?“ Ansonsten beschreibt die Encyclopedia Galactica eine Welt, in der sich eine Frage überhaupt nicht stellt: „Was wollen Frauen?“ Denn es gibt nahezu keine Frauen und damit weder eine Pro- noch Anti-Hascherl-These.

 

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2 Lesermeinungen

  1. Gibt es eigentlich auch...
    Gibt es eigentlich auch Gender-Mainstreaming-Artikel, die keine Frauen-sind-bessere-Menschen-These vertreten? Leider befindet sich der Feminismus (und damit auch die feministisch indoktrinierten Massenmedien) in dieser Endlosschleife.

  2. Wichtige Klarstellung
    Wichtige Klarstellung

    Der Blog „Was Frauen wollen“ entstand NICHT als Reaktion auf das gleichzeitig erschienene mehrseitige Special der FTD zur Frauenförderung. Geschrieben wurde der Blog am Donnerstagvormittag. Die FTD erreicht den Berichterstatter allerdings nicht zum Frühstück, sondern erst per Briefträger am Nachmittag.

    Damit hat der Reiseführer durch die Arbeitswelt bewiesen, dass er Trends zutreffend erkennt und einiges zutreffend prognostiziert: in diesem Fall die „plötzliche“ Erkenntnis, dass man zum Ausgleich demografischer Probleme auf Frauen setzen sollte, also entsprechende „Fördermaßnahmen“ einzuleiten sind – egal ob Frauen das so wollen!

    P.S. Vom Initiator der FTD-Aktion, dem Headhunter Heiner Thorborg stammt übrigens der schöne Hinweis an Führungskräfte zur praktizierten Frauenförderung: „Die Chefs müssen ihre Leute mehr in die Pflicht nehmen: Wenn du das nächste Mal keine Frau herzeigst, kriegst du ein Problem – und zwar finanziell“.

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