Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Wir sehen uns zunehmend einer neuen, unbekannten und durchaus rätselhaften Arbeitswelt gegenüber.

Bewerber aufgepasst: USP oder USB?

Nein, heute geht es nicht um eine neue PC-Schnittstelle. Es geht um einige wichtige Fragen im Bewerbungsgespräch. Anders als sonst, geht es dabei um die Gretchenfrage, die ein Bewerber dem Unternehmen seiner Wahl stellen sollte, bevor er diesem sein „Ja-Wort“ gibt.

Nein, heute geht es nicht um eine neue PC-Schnittstelle. Es geht um einige wichtige Fragen im Bewerbungsgespräch. Anders als sonst, geht es dabei um die Gretchenfrage, die ein Bewerber dem Unternehmen seiner Wahl stellen sollte, bevor er diesem sein „Ja-Wort“ gibt.

„Was sind Ihre Stärken und Schwächen? Warum sollten wir uns gerade für Sie entscheiden“. Diese und ähnliche Fragen von Seiten des Unternehmensvertreters kennt jeder Bewerber, der sich auch nur einigermaßen gründlich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet hat. Dementsprechend eindeutig sind im Regelfall auch die bereits vorüberlegten Antworten.

Was aber sind die Fragen, die ein Bewerber stellen sollte – sieht man von Gehalt und anderen netten Notwendigkeiten ab? Hier bietet sich zunächst eine ganz harmlose Frage an, auf die eigentlich (!) jedes Unternehmen sofort eine Antwort parat haben sollte:

„Was ist eigentlich das Besondere an Ihrem Unternehmen?“. Die Frage ist legitim, denn schließlich wollen Sie in diesem Unternehmen arbeiten. Sie können natürlich auch ganz einfach fragen: „Was ist Ihre USP?“.

Wichtig hierfür ist es, dass Sie sich mit der Definition vertraut machen. Dazu definiert der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ wie folgt: „Unter USP versteht man (1) in der Unternehmenskommunikation die Unique Selling Proposition (USP) als das zentrale Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens, das man (2) als Bewerber gezielt abfragen sollte, das aber (3) im Bewerbungsgespräch oft durch eine USB ersetzt wird.“

Interessant und eine wichtige Erfahrung für Sie ist es, die Antworten verschiedener Unternehmen zu vergleichen. So erklären – und dies war ein realer Test, den der Berichterstatter durchgeführt hat – Beratungsunternehmen gerne, dass ihr USP darin besteht, (a) nicht nur Konzepte zu entwickeln bzw. Strategien zu formulieren, sondern diese auch zu implementieren, (b) im Team zu arbeiten, (c) frühzeitig Verantwortung zu übergeben und (d) in diesen Punkten anders zu sein als alle anderen. Wenn das aber wortidentisch mehrere Beratungsfirmen erklären, wird es schwierig und ist definitionsgemäß keine USP und damit für Sie wertlos. Daher tritt Fall (3) ein, nämlich die Positionierung über USB.

Dazu die Definition: „Unter USB versteht man (1) den Universial Serial Bus (USB) als Computerschnittstelle sowie – und dies ist eine spezielle Definition dieses Reiseführers – (2) das Universal Standard Branding (USB), bei dem das Unternehmen auf die Frage nach der USP mit genau den Standardfloskeln antwortet, die man als Unternehmen aus den Wunschlisten von Absolventenbefragungen kennt.“ Dazu zählen Verantwortung und Karriere ebenso wie Teamarbeit und Work-Life-Balance.

Es ist eine bemerkenswerte Erkenntnis unserer aktuellen Arbeitswelt, wie viele Unternehmen zur USP keine aussagefähige Antwort geben. Verstärkt wird das Absinken in ein USB dann, wenn das Bewerbergespräch von Unternehmensseite nicht durch einen Unternehmensvertreter, sondern durch einen Berater, Zeitarbeiter, Interimsmanager oder einen externen Dienstleister geführt wird.

Deshalb der Rat des Reiseführers durch die Arbeitswelt: Bewerber sollten unbedingt nach der Unique Selling Proposition (USP) des Unternehmens fragen, sich diese an Beispielen erklären lassen und sich nicht mit einem Universellen Standard Branding (USB) abspeisen lassen.

Hieraus ergibt sich der Rat an Unternehmen, über die USP nachzudenken, sie in eine kommunizierbare Form zu bringen und auf den USB-Fehler zu achten.

Für heute schließt der Reiseführer durch die Arbeitswelt mit dem Tipp, wirklich der USP des Unternehmens auf den Grund zu gehen. Der Arbeitsmarkt lässt in vielen Fällen für den Bewerber Wahloptionen zu: Warum nicht zu dem Unternehmen gehen, das eine für Sie plausible und überzeugende USP hat und warum nicht das Unternehmen meiden, das allenfalls eine USB anbietet?

Bild zu: Bewerber aufgepasst: USP oder USB?
(Foto: cts)

PS: Die Frage nach der USP kann zu einer universellen Kommunikationsmethodik werden, wie sie Douglas Adams in seinem Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ mit seinem Babelfisch beschreibt. Dieser lebt von Gehirnströmen und liefert eine telepathische Matrix, die sich aus Denkfrequenzen und Nervensignalen des Gehirns zusammensetzt. Dadurch versteht man augenblicklich alles, was einem in irgendeiner Sprache gesagt wird. Sicherlich am leichtesten zu verstehen, ist die vermutlich etwas unbefriedigende Antwort einer USB. Aber: Keine Antwort ist auch eine Antwort und diese als keine Antwort zu interpretieren ein Schritt in die richtige Karriererichtung.

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