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Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Wir sehen uns zunehmend einer neuen, unbekannten und durchaus rätselhaften Arbeitswelt gegenüber.

Die Finanzkrise: Ein Toaster geht in Flammen auf

| 3 Lesermeinungen

Der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt" beschreibt neben wirklich großen Themen auch viele kleine Kleinigkeiten. Deshalb wäre es kaum zu vermitteln, wenn er das Thema „Finanzkrise" aussparen und nicht zumindest eine kleine epochal-merkwürdige Merkwürdigkeit lokalisieren würde.

Bild zu: Die Finanzkrise: Ein Toaster geht in Flammen auf

Im September 2008 merkten auch die letzten Optimisten, dass wir in der Weltwirtschaft eine richtige Krise haben. Gleichzeitig mit dem Erkennen der Probleme begannen die kollektiven Verdrängungsrituale: Schuld sind eigentlich nur die Banken, aber auch nur einige wenige, und auch dort ist eigentlich nicht richtig jemand schuld. Es war eben ein unglücklicher Zufall, es war der Markt, es war wie eine unberechenbare Naturkatastrophe. Alle anderen – und das sind rund 100% der Weltbevölkerung – haben offenbar einfach nur Pech gehabt: Anlagen weg, schlaflose Nächte, Verzicht auf Lohnerhöhungen (die Gewerkschaften haben schon vorsorglich nachgegeben) und vieles andere mehr: Gerade diese Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden uns sicher noch beschäftigen.

Zunächst aber die übliche Ausgangsdefinition: Finanzmarktkrise ist nach weit verbreiteter Ansicht entweder (a) eine unvorhersehbare und unverschuldete Naturkatastrophe oder (b) ein Symptom für generelle und branchenübergreifende Defizite im oberen Management.

Jetzt kann man natürlich mit spitzen Fingern auf Aufsichtsräte, Politiker und viele andere Schuldigen zeigen. Doch der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ geht auch noch ein oder zwei Schritte weiter. Wir reden von der Arbeitswelt, wir reden von der Personalarbeit und wir reden von den Zeitschriften, die sich mit Unternehmen und vor allem mit deren Personalarbeit befassen.

Schaut man sich diese – teilweise auf Hochglanzpapier – gedruckten Publikationen an, so findet man kaum ein kritisches Wort über Auswahlkriterien, Entlohnungssysteme oder Entwicklungskonzepte für Top-Manager. Dabei kann und muss man gerade hier diskutieren, ob man in diesen drei Bereichen wirklich gut aufgestellt ist. Nur: Es gibt kein kritisches Wort – stattdessen fast schon demutsvolle Hofberichterstattung.

Es wird aber noch grotesker: Eine bekannte personalwirtschaftliche Fachzeitschrift erhielt im Juli ein Manuskript über eine (schon vor einiger Zeit abgeschlossene) Studie über das Humankapital der DAX-30-Unternehmen. Ganz am Ende – und zwar auf dem 30. Platz von 30 Plätzen – stand die Hypo Real Estate Holding mit dem niedrigsten Humankapital pro Kopf – im Regelfall ein rot leuchtendes Alarmsignal.

Doch was macht diese personalwirtschaftliche Fachzeitschrift? Zwar wurde der Artikel (verkürzt) gedruckt, aber man eröffnete lediglich die Diskussion darüber, ob und wie man denn überhaupt Humankapital berechnen soll. Die viel wichtigere Frage: Was läuft vielleicht personalwirtschaftlich falsch bei Unternehmen wie Hypo Real Estate Holding (und bei anderen schlecht positionierten Unternehmen) wurde überhaupt nicht gestellt. Selbst im aktuellen Oktoberheft findet sich nichts über die Personalarbeit der „Verlierer“, wohl aber erneut wieder eine „Kritik an der Berechnung“.

Wenn personalwirtschaftliche Praktikerzeitschriften selbst bei Vorliegen klarer Warnsignale nicht einmal bereit sind, ansatzweise und schüchtern die Personalarbeit von Unternehmen zu hinterfragen, dann haben wir nicht nur eine Bankenkrise, dann haben wir auch eine Medienkrise.

Was wäre denn, wenn (Achtung: fiktiver Fall) die Stiftung Warentest herausfinden würde, dass eine bestimmte Sorte Toaster plötzlich in Flammen aufgeht und diese Geräte damit lebensgefährlich werden. Sollte man dann – analog zum obigen Beispiel – lediglich darüber diskutieren, dass die Stiftung Warentest ihre Versuche um 13 Uhr auf einer Stahlplatte durchgeführt hat, während in der Realität auch vor 8 Uhr auf einem Holztisch mit Tischdecke getoastet wird? Wir also lediglich ein Problem mit einem Testdesign haben? Und sollten wir deshalb überhaupt nicht über die Fehlfunktionen des Toasters sprechen?

Bild zu: Die Finanzkrise: Ein Toaster geht in Flammen auf
(Foto: cts)

P.S.: Für die Bankenkrise gibt es bei Douglas Adams in seinem Buch ein wunderbares Beispiel: Im ersten Kapitel des ersten Romans erfährt Arthur Dent, dass ein großer gelber Bulldozer im Auftrag der lokalen Behörden sein Haus abreißen möchte, was angeblich schon lange in irgendwelchen Plänen versteckt bekannt war. Kurz darauf kam dann eine ganz andere, noch viel gravierendere Durchsage: „Hier spricht Prostetnik Vogan Jeltz vom Galaktischen Planungsrat. Wie Ihnen zweifellos bekannt sein wird, sehen die aktuellen Pläne den Bau einer Hyperraum-Expressroute durch Ihr Sternensystem vor, und bedauerlicherweise ist ihr Planet einer von denen, die gesprengt werden müssen. Danke.“

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3 Lesermeinungen

  1. <p>Im Jahr 1986 erlebte ich...
    Im Jahr 1986 erlebte ich meinen ‚Matrix Moment‘: durch ein einziges Geschehen verstand ich was gemeint war wenn jemand von einem ‚Mindset Shift‘ sprach. Damals ging es um Apartheid. Apartheid war das „Matrix“ in dem ich mich befand und während eines Aufenthaltes in Deutschland gab ein junger Afrikaner aus meinem Heimatland Südafrika mir – wie im Film ‚The Matrix‘ meine ‚Blaue Pille‘ zu schlucken. Und plötzlich sah‘ ich alles anders.
    Meines Erachtens leben wir alle zur Zeit in einem wirtschaftlichen Matrix dass dabei ist zu verbröckeln. Wir haben die Wahl: entweder klammern wir uns an die schwindenden Matrixwände, oder wir schlucken die ‚Blaue Pille‘ und finden uns mit der neuen wirtschaftlichen und sozialen Realität zurecht.
    Im Anhang ist mein eBook (leider nur auf Englisch) in dem ich eine Zusammenfassung der Trends bringe, die die globale Arbeitswelt heute beeinflussen – aber auch Riesenchancen für eine bessere Zukunft bieten!
    Liebe Grüsse aus Südafrika,
    Reinhild Niebuhr

  2. <p>@ tramos:</p>
    <p>iMuchas...

    @ tramos:
    iMuchas gracias por las ideas!
    desafortunadamente no hablamos Espanol muy bien.
    ¡¡¡¡¡¡FELIZ NAVIDAD
    y PRÓSPERO AÑO NUEVO!!!!!!!

  3. Ueber die Kriese von Heute im...
    Ueber die Kriese von Heute im Jahr 1998 geschrieben, leider im spanisch,
    *Los Amos del Mundo / Arturo Pérez-Reverte
    *_LOS AMOS DEL MUNDO_*
    Arturo Pérez-Reverte
    *(Artículo del escritor español Arturo Pérez-Reverte, publicado en ‚El
    Semanal‘ el 15 de noviembre de 1998, y que ahora, diez años después,
    parece una visión de Nostradamus)*.
    Usted no lo sabe, pero depende de ellos. Usted no los conoce ni se los
    cruzará en su vida, pero esos hijos de la gran puta tienen en las manos,
    en la agenda electrónica, en la tecla intro del computador, su futuro y
    el de sus hijos.
    Usted no sabe qué cara tienen, pero son ellos quienes lo van a mandar al
    paro en nombre de un tres punto siete, o un índice de probabilidad del
    cero coma cero cuatro.
    Usted no tiene nada que ver con esos fulanos porque es empleado de una
    ferretería o cajera de Pryca, y ellos estudiaron en Harvard e hicieron
    un máster en Tokio, o al revés, van por las mañanas a la Bolsa de Madrid
    o a la de Wall Street, y dicen en inglés cosas como /long-term capital
    management/, y hablan de fondos de alto riesgo, de acuerdos
    multilaterales de inversión y de neoliberalismo económico salvaje, como
    quien comenta el partido del domingo.
    Usted no los conoce ni en pintura, pero esos conductores suicidas que
    circulan a doscientos por hora en un furgón cargado de dinero van a
    atropellarlo el día menos pensado, y ni siquiera le quedará el consuelo
    de ir en la silla de ruedas con una recortada a volarles los huevos,
    porque no tienen rostro público, pese a ser reputados analistas,
    tiburones de las finanzas, prestigiosos expertos en el dinero de otros.
    Tan expertos que siempre terminan por hacerlo suyo. Porque siempre ganan
    ellos, cuando ganan; y nunca pierden ellos, cuando pierden.
    No crean riqueza, sino que especulan. Lanzan al mundo combinaciones
    fastuosas de economía financiera que nada tienen que ver con la economía
    productiva. Alzan castillos de naipes y los garantizan con espejismos y
    con humo, y los poderosos de la Tierra pierden el culo por darles coba y
    subirse al carro.
    Esto no puede fallar, dicen. Aquí nadie va a perder. El riesgo es
    mínimo. Los avalan premios Nóbel de Economía, periodistas financieros de
    prestigio, grupos internacionales con siglas de reconocida solvencia.
    Y entonces el presidente del banco transeuropeo tal, y el presidente de
    la unión de bancos helvéticos, y el capitoste del banco latinoamericano,
    y el consorcio euroasiático, y la madre que los parió a todos, se
    embarcan con alegría en la aventura, meten viruta por un tubo, y luego
    se sientan a esperar ese pelotazo que los va a forrar aún más a todos
    ellos y a sus representados.
    Y en cuanto sale bien la primera operación ya están arriesgando más en
    la segunda, que el chollo es el chollo, e intereses de un tropecientos
    por ciento no se encuentran todos los días. Y aunque ese espejismo
    especulador nada tiene que ver con la economía real, con la vida de cada
    día de la gente en la calle, todo es euforia, y palmaditas en la
    espalda, y hasta entidades bancarias oficiales comprometen sus reservas
    de divisas. Y esto, señores, es Jauja.
    Y de pronto resulta que no. De pronto resulta que el invento tenía sus
    fallos, y que lo de alto riesgo no era una frase sino exactamente eso:
    alto riesgo de verdad.
    Y entonces todo el tinglado se va a tomar por el saco. Y esos fondos
    especiales, peligrosos, que cada vez tienen más peso en la economía
    mundial, muestran su lado negro. Y entonces, ¡oh, prodigio!, mientras
    que los beneficios eran para los tiburones que controlaban el cotarro y
    para los que especulaban con dinero de otros, resulta que las pérdidas, no.
    Las pérdidas, el mordisco financiero, el pago de los errores de esos
    pijolandios que juegan con la economía internacional como si jugaran al
    Monopoly, recaen directamente sobre las espaldas de todos nosotros.
    Entonces resulta que *mientras el beneficio era privado*, *los errores
    son colectivos*, *y las pérdidas hay que socializarlas*, acudiendo con
    medidas de emergencia y con fondos de salvación para evitar efectos
    dominó y chichis de la Bernarda. Y esa solidaridad, imprescindible para
    salvar la estabilidad mundial, la paga con su pellejo, con sus ahorros,
    y a veces con su puesto de trabajo, Mariano Pérez Sánchez, de profesión
    empleado de comercio, y los millones de infelices Marianos que a lo
    largo y ancho del mundo se levantan cada día a las seis de la mañana
    para ganarse la vida.
    Eso es lo que viene, me temo. Nadie perdonará un duro de la deuda
    externa de países pobres, pero nunca faltarán fondos para tapar agujeros
    de especuladores y canallas que juegan a la ruleta rusa en cabeza ajena.
    Así que podemos ir amarrándonos los machos. Ése es el panorama que los
    amos de la economía mundial nos deparan, con el cuento de tanto
    neoliberalismo económico y tanta mierda, de tanta especulación y de
    tanta poca vergüenza.

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