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Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Wir sehen uns zunehmend einer neuen, unbekannten und durchaus rätselhaften Arbeitswelt gegenüber.

Lernen für die Wirtschaftskrise: Heiner Brands kleiner Handballfehler

| 2 Lesermeinungen

Eigentlich sollte an dieser Stelle der Hinweis auf die erfolgreiche Verteidigung des WM-Titels aus 2007 durch die deutsche Handball-Nationalmannschaft stehen. Das hat (ganz knapp) nicht geklappt und deshalb Gratulation an Frankreich. Allerdings gibt es eine kleine Kleinigkeit, aus der man etwas für eine noch bessere Navigation in der aktuellen Wirtschaftskrise lernen kann.

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Da jede noch so kleine Kritik an Idolen – vor allem, wenn sie diesen Ehrenplatz zu Recht einnehmen – immer in den richtigen Rahmen zu stellen ist, drei Anmerkungen vorab:

(1) Der Berichterstatter ist bekennender Fan der deutschen Handball-Nationalmannschaft und ihres Trainers. Dies hat er sowohl im direkten Gespräch mit Heiner Brand (DGFP-Kongress) als auch in Printmedien (Wirtschaftspsychologie) und natürlich auch im Reiseführer “Per Anhalter durch die Arbeitswelt” (siehe Eintrag aus dem Jahre 2007 mit dem Titel “Ein Wintermärchen zum Feiern und Lernen“) mehrfach unter Beweis gestellt.

(2) Der Berichterstatter hat ein mehr als kritisches Verhältnis zu manchen Personen, die als Schiedsrichter manchmal einen mehr als nur unglücklichen Einfluss auf den Ausgang eines Spieles haben (siehe dazu die Erläuterungen zur “Vinckenliste als Karrierefalle” in einer älteren Ausgabe dieses Reiseführers).

(3) Der Berichterstatter weiß, dass eine gewisse “Beeinflussung” von Schiedsrichtern durch Spieler und Offizielle im Handball fast schon genauso dazu gehört wie im Fußball.

Aber jetzt konkret zu dem kleinen Punkt, um den es hier und heute gehen soll. Für alle, die nicht zu den 10 Millionen Zuschauern des (leider) entscheidenden Spiels gegen Dänemark gehörten, noch einmal zur Erinnerung: In den letzten Minuten gab es – wie auch in den Spielen zuvor – einige Entscheidungen von Schiedsrichtern, über die man durchaus diskutieren kann.

Allerdings diskutierten Spieler und Trainer bereits seit dem vorangehenden Spiel (gegen Norwegen) etwas zu viel über die Schiedsrichter. Genau hier setzt der Merkposten an: Wenn ein Trainer quasi via Bildzeitung über eine Schiri-Verschwörung gegen Deutschland spekuliert und eine Videodokumentation ankündigt, dann führt dies dazu, dass Spieler viel zu sehr dieses Thema in den Kopf bekommen – und weniger die Antwort auf die Frage, wie man vielleicht doch einen Siebenmeter verwandelt. Wenn die Kritik an den Schiedsrichtern dann noch dazu führt, dass wegen von der Bank kommenden “Anmerkungen an den Schiedsrichter”  eine Zeitstrafe gegen die Mannschaft verhängt wird (die dann erst einmal mit einem Spieler weniger spielen muss), wird es problematisch. Dies gilt auch für die Schlussminuten, als wegen Ärger über die (skandalös agierenden) Schiedsrichter jede Konzentration und damit das Spiel verloren gingen.

Der Reiseführer durch die Arbeitswelt definiert deshalb: “Emotionaler Verfolgungsgefühlabschirmer ist eine (1) durch die Führungskraft vorzunehmende Funktion, bei der (2) die Aufmerksamkeit des Teams auf die eigene Leistung konzentriert und (3) von den durchaus ungerechten Aktionen der Umwelt abgeschirmt wird.”

Genau das gilt auch für die aktuelle Wirtschaftskrise. Sie ist natürlich ein Problem und natürlich ist es ein Skandal, dass beispielsweise ganz bestimmte Berufsgruppen und Branchen gegenwärtig geschützt, andere dagegen zum Ertrinken in den Regen gestellt werden.

Es hilft aber nichts, wenn Unternehmen, Handballmannschaften, Privatpersonen ohne Zugang zu den Rettungsmilliarden, aber auch Institute an Hochschulen (die sich zurzeit mindestens genauso und genauso zu Recht verfolgt fühlen wie die Deutsche Handball-Nationalmannschaft ) diese Probleme (noch dazu in einer meistens rein internen) Diskussion forcieren und zum zentralen Gegenstand ihrer Gedanken beziehungsweise ihres Handelns machen. Dies alles beschleunigt nur noch das Ertrinken.

Deshalb müssen alle Führungskräfte zu „Emotionalen Verfolgungsgefühlabschirmern” werden. Das ist leicht gesagt, schwer getan, trotzdem aber nötig.

Gut in diesem Zusammenhang das Beispiel des dänischen Schilderherstellers Nonbye: Er hat seinen Mitarbeitern einfach untersagt, das WortKrise” in den Mund zu nehmen. Ob das hilft, ist noch nicht bekannt. Es wird aber sicher nicht schaden.

Gut dann natürlich auch das Beispiel der französischen Handball-Nationalmannschaft, die ebenfalls unter einigen (vielen) merkwürdigen Entscheidungen zu leiden hatte, diese aber – nicht zuletzt durch ihren Trainer – von ihrem Spiel abschirmte, was mit der Weltmeisterschaft belohnt wurde. Gratulation!

Bild zu: Lernen für die Wirtschaftskrise: Heiner Brands kleiner Handballfehler
(Foto: cts)

P.S. Douglas Adams beschäftigt sich in seinem Buch “Per Anhalter durch die Galaxis” auch mit diesem Thema, wenn er Zaphod Folgendes erzählen lässt: “Ich wollte mir nicht einreden lassen, es würde sich nur um einen Anfall von Verfolgungswahn handeln. Doch dann sah ich es: Irgendein Mistkerl hatte alle Synapsen im Gehirn weggeätzt und die beiden Kleinhirnteile elektronisch traumatisiert.” Was uns Adams verschweigt, ist die Fähigkeit des in diesem Reiseführer vorgestellten „Emotionalen Verfolgungsgefühlabschirmers”, genau diesen Effekt auszuschalten.

P.P.S. Im Jahr 2011 ist Deutschland wieder Handball-Weltmeister! Egal mit welchen Schiedsrichtern!

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2 Lesermeinungen

  1. @ A. Vikan:
    Auf diesem Wege...

    @ A. Vikan:
    Auf diesem Wege ein etwas später Dank für Ihr Feedback. Ich vermute, dass mit zunehmender Wirtschaftskrise dieses Thema und damit die damit verbundenen Fähigkeiten von Führungskräften wichtiger werden.

  2. Der Eintrag von Ihnen lässt...
    Der Eintrag von Ihnen lässt mich wieder über viele Dinge die Sie ansprechen grübeln. Ob sowas ernsthaft in einer so stark geprägten medialen Welt überhaupt möglich ist,einen so derartigen Schirm zu errichten im Bezug auf die Wirtschaft wage ich zu bezweifeln. Unternehmen und insbesondere Trainer bzw Führungskräfte die so etwas umsetzen haben einen entscheidenen Wettbewerbsvorteil sei es jetzt im Sport oder in der Wirtschaft. Dennoch muss man Ihnen vollkommen zustimmen wenn Sie sagen,dass oftmals Emotionalität die Sache nicht besser macht,sondern oftmals viel schlimmer. Aber genau an dieser Stelle sollte man das Wortfeld “Emotion(en)” genauer konkretisieren. Es gibt sicherlich Emotionen die besonders im Bezug auf den Teamgeist von Vorteil sind ganz zu schweigen davon,dass Emotionen Menschen auch zu Höchstleistungen auflaufen lassen. Im Gegenzug gibt es auch die von Ihnen angesprochenen negativen Emotionen, die eine Auseinandersetzung soweit treiben,dass man oftmals das wesentliche vergisst. Eine gute motivierende Führungskraft zu sein.
    Der Bezug zum Sport und der Wirtschaft finde ich ein sehr gelungener und schöner Ansatz. Dennoch finde ich es wie oben schon angesprochen für einen Handball Nationaltrainer leichter sich dem medialen Druck und den Folgen einer (Wirtschafts)- Krise zu entziehen als ein Unternehmen das Tag für Tag, rauf und runter, durch die Medien kursiert. Ich würde mir es auch wünschen,wie Sie es schon ansprechen, dass Führungskräfte sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren um ihr Unternehmen zu führen. Das diese Diskussionen zum zentralen Gegenstand des Handels werden,finde ich wie Sie schon sagten,schlichtweg auch falsch. Ich bedanke mich für den netten Blog Eintrag und es bereitet mir immer wieder Freude ihren Blog zu lesen.
    A. Vikan

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