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Sofort feuern! Oder was man von Lothar und Jupp lernen sollte!

17.04.2011, 16:39 Uhr  ·  In Unternehmenstrainings propagiert man „fairen Umgang“ mit Mitarbeitern, die das Unternehmen verlassen wollen. Gleichzeitig werden Unternehmen kritisiert, die hier eine ganz harte Linie fahren und auf Kündigung mit sofortiger Freistellung reagieren. Spätestens seit der „Niederlage“ von Jupp Heynckes bei Bayern München sollte man den Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ zu Rate ziehen – sonst wird es für das Unternehmen wirklich teuer.

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In Unternehmenstrainings propagiert man „fairen Umgang“ mit Mitarbeitern, die das Unternehmen verlassen wollen. Gleichzeitig werden Unternehmen kritisiert, die hier eine ganz harte Linie fahren und auf Kündigung mit sofortiger Freistellung reagieren. Spätestens seit der „Niederlage“ von Jupp Heynckes  bei Bayern München sollte man den Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ zu Rate ziehen – sonst wird es für das Unternehmen wirklich teuer.

Bild zu: Sofort feuern! Oder was man von Lothar und Jupp lernen sollte!

Rapid Wien hat es vor kurzem konsequent vorgemacht: Als der Trainer Peter Pacult begann, mit dem RB Leipzig zu liebäugeln, wurde er rausgeschmissen –  nicht wegen seiner Leistung, sondern weil man darin einen derartig „massiven Vertrauensbruch“ und keine Chance zur weiteren Zusammenarbeit sah.

Bayer Leverkusen machte es anders: Man zeigte großmütig Verständnis dafür, dass Jupp Heynckes  lieber zu Bayern München wechseln wollte. Man sah auch kein Problem darin, Jupp Heynckes  im entscheidenden Spiel gegen Bayern München auf der Trainerbank sitzen zu lassen. Dabei hätte die Vereinsführung das Problem erkennen müssen. Denn für Bayern München (und damit auch für Jupp Heynckes  als ihren neuen Trainer) ging es um die Teilnahme in der Champions League und damit um Millionen Euro. Und allenfalls naive Fußball-Idealisten konnten darüber überrascht sein, dass Leverkusen mit 5:1 in München haushoch unterging.

Rückblende: Einige Leser dieses Reiseführers werden sich an Lothar Matthäus erinnern und auch daran, dass man sich vor allem an ein Tor von ihm erinnert: 1984 spielte er für Mönchengladbach, hatte bereits kurz vor Saisonende seinen Wechsel zu Bayern München publik gemacht und verschoss im DFB-Pokalfinale im Elfmeterschiessen  „gegen“ seinen zukünftigen Arbeitgeber Bayern München ziemlich eindeutig. Dadurch gewann Bayern München den Pokal 6:7. Übrigens: Damals war Jupp Heynckes  der Trainer von Mönchengladbach und der damalige Leidtragende. Jetzt ist er der Nutznießer der eigenen Niederlage.

Etwas nostalgisch definiert damit der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ folgenden Begriff: „Ein Lothajupp ist eine Situation, in der eine wechselbereite Führungskraft durch eigenes Versagen seinem aktuellen Arbeitgeber schaden, aber im Umkehrschluss dem zukünftigen Arbeitgeber extrem nutzen kann.“

Niemand kann und wird Jupp Heynckes unterstellen, bewusst seine Mannschaft bei Bayern München derartig miserabel eingestellt zu haben, dass sie derartig desolat gespielt hat. Genauso wie man Lothar Mathäus damals bei seinem verschossenen Elfmeter keine Absicht unterstellen darf. Sicherlich werden damals weder Jupp Heynckes  noch Lothar Matthäus Prämien von Uli Hoeneß für „entsprechendes“  Verhalten  versprochen worden sein. Demnach ist sicher nichts Unrechtes im Spiel.

Doch es gibt so etwas wie ein Unterbewusstsein: Wenn Jupp Heynckes  bei Bayern München verliert – was er ja bekanntlich geschafft hat – dann stellt er den mächtigen  Uli Hoeneß als seinen zukünftigen Chef zufrieden. Das alleine ist ein wichtiges Motiv, denn bei einem Sieg in München hätte er eigentlich nicht mehr als Trainer antreten brauchen. Es geht aber noch weiter im Unterbewusstsein: Verliert Jupp Heynckes  gegen Bayern München, spielt er im nächsten Jahr in der Champions League – ansonsten nicht.

Spätestens jetzt ist klar, dass das Management von Bayer Leverkusen stümperhaft und naiv gehandelt hat: Würde ein Manager seinem Entwicklungsleiter, der erklärt hat, zur Konkurrenz abzuwandern, noch die Gelegenheit geben, sich einmal gründlich im eigenen Computersystem umzusehen? Oder ihm erlauben, bei der entscheidenden Strategiesitzung dabei zu sein? Oder die alles entscheidende Wettbewerbspräsentation für den alles entscheidenden Pitch vorzubereiten? Alles definitiv nicht: Hier dürfte Werner Wenning (jetzt Vorsitzender des Bayer-Gesellschafterausschusses) in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Bayer AG ganz anders agiert haben.

Tipp für Unternehmen: „Vermeiden Sie konsequent, in ein Lothajupp zu kommen. Tief im Unterbewusstsein sind Führungskräfte (wie Trainer und Fußballspieler) opportunistisch. Wenn Sie in einem Lothajupp sind, muss die betreffende Person „isoliert“ werden: Das ist kein Misstrauen, kein Missmanagement, sondern lediglich Vorsicht vor dem Unterbewusstsein.“

Danach hätte Jupp Heynckes  nie (!) bei diesem Spiel auf der Bank sitzen dürfen.

Gleichzeitig fällt auf, dass gerade Bayern München recht häufig in eine solche Situation kommt: Hatte nicht auch einmal Klose (damals Werder Bremen) kurz vor einem wichtigen Spiel „Geheimverhandlungen“ mit Bayern München gehabt? Und gab es da nicht auch noch andere Fälle? Auch wenn – und das sei ganz klar betont – nie keine Absicht auf der Seite von Bayern München unterstellt wird, bietet sich doch ein kleiner Ratschlag an, der in eine ganz andere Richtung geht …

Tipp für Unternehmen: „Versuchen Sie möglichst bei Ihren Konkurrenten Lothajupps zu produzieren. Vielleicht nützt es nichts – aber es wird auch nichts schaden. Und im Zweifelsfall bei UH nachfragen.“

Mit Blick auf die Fußballgeschichte bleibt festzuhalten: Genauso wie Wikipedia als eine zentrale „Leistung“ von Lothar Matthäus seinen verschossen Elfmeter gegen Bayern München nennt, wird Jupp Heynckes  dieses „5:1 für Bayern München“ als entscheidenden Punkt in seiner Karriere  akzeptieren müssen.

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P.S. Liest man den Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams ausführlich – was man mehrfach am Tage tun sollte – so kommt noch ein weiterer Ratschlag ins Spiel. Vielleicht hätte Jupp Heynckes  selbst auf seine Trainerrolle in diesem Spiel verzichten und den klugen Zaphod mit folgenden Worten zitieren sollen: „Ich würde mir selber nicht weiter trauen als eine Ratte spucken kann.“

 

 

 
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Lesermeinungen zu diesem Artikel (4)
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0 Raoul 19.04.2011, 06:38 Uhr

@Chr. Scholz Zunächst einmal...

@Chr. Scholz Zunächst einmal herzlichen Dank für die Wünsche in Sachen good news. Ich denke, dass das Grundproblem diese Saison die Vielzahl der Trainerwechsel ist, welche in erkläglicher Anzahl angekündigt sind und erst später vollzogen werden. Das halte ich für eine falsche Entwicklung und so gesehen ist auch der Wechsel von Heynckes und sein Verweilen auf der Trainerbank ein weiteres Indiz für die abtruse Entwicklung. Ein "sauberer" Schnitt wäre für alle Beteiligten wahrscheinlich der bessere Weg gewesen.

0 Chr. Scholz 18.04.2011, 15:53 Uhr

@Raoul: thx für den...

@Raoul: thx für den Kommentar. Richtig, die Statistik spricht für Bayern München - und zwar mehr als eindeutig. Gerade aber weil Jupp Heynckes ein Trainer ist, der eine emotional-positive Bindung zu seinen Spielern hat(te), dürfte sein Weg-Gang nicht ohne belastenden Effekt bei seinen Spielern gewesen sein. Dass es durchaus auch anders gehen kann, hat Bayern München nach der Erstankündigung seines Abgangs beim HSV mit dem 6:0 Sieg über den HSV gezeigt. So gesehen kamen gestern zwei Dingen zusammen: Bayerns Freude über den finalen Abgang von van Gaal und Bayers Frust über den Abgang von Jupp Heynckes. Vielleicht sollten wir jetzt tatsächlich mal abwarten, auf welchem Platz Bayer Leverkusen landet: Denn der 3. Platz ist angesichts der Tordifferenz nur noch 5 Punkte weit weg. Aber - und diese Weisheit steht noch nicht im Reiseführer - "der Ball ist rund". Bis dann .... und noch viele gute News today.

0 Duanrijun 18.04.2011, 10:17 Uhr

Soll sich ein erfolgreicher...

Soll sich ein erfolgreicher Ausgangspunkt ist Persistence Ende

0 Raoul 18.04.2011, 07:52 Uhr

Zunächst möchte ich Ihnen...

Zunächst möchte ich Ihnen beipflichten, dass "Per Anhalter durch die Galaxis" mehrmals täglich und für alle Lebenslagen ein vorzügliches Nachschlagewerk ist. Beim Thema Heynckes gebe ich zu bedenken, dass Bayer zuletzt 1989 mit 1:0 in München gewann und seitdem diese Paarung zumeist für die Münchner ausging. Das nun gestern ein 1:5 dabei heraus kam, so what. Bayern hat sich schliesslich von Herrn van Gaal getrennt und damit der Mannschaft scheinbar neues Leben eungehaucht. Platz 2 wird für Bayer immer noch drin sein und am Ende des Tages stehen ja immer noch Spileer auf dem Platz und nicht der Trainer ( 5 Euro für Phrasenschwein).

geboren 1952, in Deutschland lebender Österreicher, von Beruf Professor für Organisation, Personal- und Medienmanagement. Vor- und Querdenker im Personalmanagement.