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Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Wir sehen uns zunehmend einer neuen, unbekannten und durchaus rätselhaften Arbeitswelt gegenüber.

Politiker als Vorbild: Die Opposition der Unwilligen

| 3 Lesermeinungen

Ein trauriges Thema: Was wäre eigentlich, wenn man sich in einem Unternehmen so verhalten würde, wie es gegenwärtig unsere Politiker tun? Dürfen gewählte Volksvertreter wirklich die Arbeit verweigern?

Den Anfang machte Peer Steinbrück: Ich will meinem Land dienen – aber nur als Bundeskanzler; ansonsten halte ich weiterhin für viel Geld Vorträge. Dann kam Kristina Schröder: Mein Amt als Familienministerin ist nicht mit meiner Familie vereinbar – aber ansonsten ist meine Familienpolitik super. Und Claudia Roth wollte gleich nur noch als Bundestagsvize auf alle anderen herunterschauen. Dann kam eine ganze Partei daher: Die Brücken, die von der Union zu uns Grünen gebaut wurden, sind nicht groß genug – also verweigern wir die Mitarbeit, denn schließlich haben „nur“ 6% der Wahlberechtigten uns gewählt. Und es geht munter weiter….

Der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ fordert: Wir brauchen eine Casting-Show, bei der – geführt und geschult durch gute „Coaches“ (und hier steht der Autor des Reiseführers gerne bereit) – quer über und auch neben den existierenden Parteien eine Regierung der Willigen und Kompetenten gesucht wird.

Vielleicht bekommen wir dann eine Bundesregierung bestehend aus Angela Merkel (Vorsitz), Ilse Aigner (Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), Katrin Göring-Eckardt (Werte, Kirche und Kultur), Ursula von der Leyen (Innen), Peter Ramsauer (Verkehr), Wolfgang Schäuble (Finanzen), Manuela Schwesig (Familie), Sahra Wagenknecht (Wirtschaft), Guido Westerwelle (Außen), sowie als Nicht-Politiker Brigitta Wolf (Bildung) und diverse andere.

Wenn man dann nur noch fordert, dass nicht mehr alle zu allem zustimmen müssen, dann könnte eine derartige Regierung endlich anfangen, Probleme zu lösen.

Denn Probleme haben wir genug – vor allem in der Arbeitswelt: Immer mehr Beschäftigungsverhältnisse rutschen in die Marginalisierung. Mindestlohn ist wichtig, aber keine Allzweckwaffe. Kommt ein gesetzlicher Mindestlohn, dann ist dies eine Entmündigung der Gewerkschaften (Herrn Müntefering sei Dank) und ohne starke Gewerkschaften wird es vor allem arbeitnehmerseitig schwierig. Ein Verbot von Fleischessen, Leiharbeit und Werkvertrag macht auch keinen Sinn. Das Modell „Aufstocker“ gehört ebenso abgeschafft, wie alle Derivate davon, auch wenn Daimler und andere davon profitieren. Dann muss auf europäischer Ebene nachgedacht werden: Steuerminimierungsmodelle wie von Amazon und anderen darf es nicht geben, wo in Deutschland allenfalls die Kunden sitzen, Logistikzentren aber in Polen und Gewinnverwender hingegen in Luxemburg. Was passiert überhaupt mit der „Vision Europa“? Was passiert mit unserer Umwelt und mit einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung? Und wollen wir wirklich weiterhin Big-Data-Kontrollen und die Aufgabe der bürgerlichen Grundrechte? Die Arbeitswelt wird immer radikaler (Massenentlassungen), gesundheitsschädigender (Burnout), demotivierender (Leistungsdruck) und unpersönlicher (Identitätskrise). Und dann gibt es noch die verunglückte Bildungsreform („Bologna“), bei der der Scherbenhaufen so groß ist, dass man vor lauter Scherben das Problem nicht mehr sieht und Hochschulen zur feudalistisch zentralgesteuerten Massenfertigung degenerieren. Gefährlich: Hier geht es nicht nur um die Zufriedenheit verwöhnt wirkender Studenten, sondern um ein generelles Herumdoktern am „Wissensstandort Deutschland“.

Wenn man sich diese Liste anschaut, dann versteht man, warum Politiker sich lieber verweigern. Trotzdem ist das  keine Lösung.

Der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ fürchtet: Wir bekommen zwei Jahre eine große Stillstandskoalition, dann zwei Jahre das „Gabrielsche Rot-Rot-Grün-Kombinat“, dann Neuwahlen und das Spiel wird von vorne beginnen.

Daher zum Abschluss ein wieder wirklich praktischer Vorschlag: Unsere Bundeskanzlerin soll die oben genannten Personen in ihr Kabinett berufen und sich vielleicht auf diese Weise die Stimmenmehrheit im Bundestag sichern.

Und noch ein zweiter Vorschlag: Wir Bürger sollten alle Verweigerungspolitiker auf eine schwarze Liste setzen, ihre Talk-Shows boykottieren (wo genau diese immer gleichen Personen immer wieder auftauchen), Artikel von und über sie nicht mehr lesen, ihre Webseiten links liegen lassen und in vier Jahren diese Personen einfach nicht mehr wählen. Und wenn ganze Parteien blockieren, dann sollten wir uns auch von ihnen verabschieden. Die FDP hat den Anfang gemacht. Vielleicht sind die Grünen die nächsten.

P.S. Schaut man in den ursprünglichen Reiseführer, den Douglas Adams als Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ geschrieben hat, so kommen dort Politiker vermutlich aus gutem Grund nicht mehr vor. Es gibt lediglich eine kurze Referenz zur Steuerpolitik und eine nicht näher beschriebene Absatzpolitikerin, die als die Hochrufe auf ihre Person verebbt waren, stolz erklärt: „Wir haben eine Kultur begründet. Einer unserer Filmproduzenten stellt bereits einen faszinierenden Kulturfilm über Höhlenmenschen her.“ Vermutlich meint sie mit „Höhlenmensch“ uns Wähler.

 

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3 Lesermeinungen

  1. Die Vorstellung, es könne von Zielen und Wertordnungen unabhängige Politik geben,
    die sich „sachorientiert“ nur um die Umsetzung von bekannten Problemlösungen bemühen müsste, ist im Kern naiv und undemokratisch. Darüberhinaus einfach falsch.

    Der Vergleich mit Arbeitnehmern in einem Unternehmen passt wie die Faust aufs Auge. Es wäre mir neu, dass Arbeitnehmer 24/7 von den Medien beobachtet werden, sich zu jedem beliebigen Thema in 90 Sekunden positionieren müssen, ihr Arbeitsplatz von einer im wesentlichen emotionsgeleiteten Wahl ihrer Kollegen alle 4 Jahre abhängt und jeder im Unternehmen öffetlich am schwarzen Brett zu jeder Tages- und Nachtzeit Spott und Häme über sie ausgiessen darf.

    Und selbstverständlich werden in allen kleineren oder grösseren Unternehmen täglich Entscheidungen getroffen, die man je nach Perspektive des Betrachters auch für vollständig unsachlich, idiotisch, leistungsbehindernd oder gehirnamputiert halten kann, wobei die Einschätzung häufig genug davon abhängt, ob und inwieweit man selbst betroffen ist. Selbst in Organisationen mit einem klaren Ziel (Gewinn) gibt es zu jeder Tages- und Nachtzeit für jedes Problem mindestens 5 sichtbare Lösungen und 10 passende Organisationsformen, nicht nur eine.

    Mit freundlichem Verlaub, Herr Professor – aber ich dachte eigentlich, die Zeiten, in denen das sich für gebildet haltende Bürgertum Politik auf diese Weise deligitimiert, seien lange vorbei. Dazu passt dann auch der vollständig gedankenlose Vorschlag, eine Regierung aus Fachleuten von in- und ausserhalb aller deutschen Parteien zu bilden. Auch das funktioniert ja nicht einmal in Unternehmen, wo Managemetteams ganz selbstverständlich auch danach gebildet werden, ob die Beteiligten halbwegs reibungsfrei zusammenarbeiten können. In der Politik kommt erschwerend hinzu, dass Sie für jedes Anliegen eine Mehrheit brauchen, erst innerhalb der Regierung und dann innerhalb des Parlamentes, von der Rückendeckung durch eigene Bataillone in der Abgeordnetenfraktion gar nicht erst zu reden (das mit den notwendigen Netzwerken in Unternehmen vergleichbar). Das sollte ein Personalthemenexperte eigentlich wissen, immerhin gehört es zum Handwerkszeug von Personalvermittlern, für Vakanzen nicht unbedingt den fachlich „besten“, sondern den am besten zur Umgebung und zur Firmenstrategie passenden zu suchen.

    Last but not least behaupten (! alle halbwegs intelligenten Wähler ständig und wiederholt, ihrer Wahentscheidung lägen inhaltliche Präferenzen zugrunde. Die aber liegen bei Einzelthemen gegebenenfalls sehr, sehr weit auseinander. Und dann ist die Erwartung, jeder müsse mit jedem können, einfach kindisch.

    Gruss,
    Thosten Haupts

  2. Kurz resümiert
    Danke für diesen schönen kurzen Text. Mit ein paar deutlichen Aussage inmitten von soviel Geblubber. Erstaunlich, dass so was überhaupt noch erlaubt ist.

  3. Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom. Albert Einstein
    Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.
    Jean-Jacques Rousseau

    …das Dilemma ist die fehlende Massen(er)kenntnis und somit unterliegt diese
    fundamentale Erkenntnis einer Gebrauchsinflation derjenigen, die sie kennen.

    Es gibt Politiker, die Angst haben, ihr Gesicht zu verlieren. Dabei könnte ihnen gar nichts besseres passieren.
    Robert Lembke

    Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt’s nicht.
    Konrad Adenauer

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