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Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Wir sehen uns zunehmend einer neuen, unbekannten und durchaus rätselhaften Arbeitswelt gegenüber.

HR Next Generation: Planet der Frauen?

| 2 Lesermeinungen

Gesucht wird zur Zeit nicht nur Germany’s Next Topmodel, sondern auch Deutschlands nächster HR-Star. Und wie bei Heidi Klum dürfte die Wahl wieder auf eine Frau fallen. Der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ diagnostiziert den Wahlvorgang und ruft zum Handeln auf.

Auf seinen langwierigen Reisen durch die alles andere als langweilige Arbeitswelt stößt der Autor dieses Reiseführers „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ immer wieder auf alle möglichen und unmöglichen Besonderheiten. Dazu zählen  große Marmorplatten, auf denen Helden gefeiert werden. Eine Marmorplatte trägt den wunderschön-poetischen Namen „HR Next Generation Award“. Auf dieser Marmorplatte stehen die Finalisten und der Sieger: Sie werden gebührend gefeiert und ins mediale Scheinwerferlicht gestellt, denn sie personifizieren schließlich das „neue Personalmanagement“, das nicht nur aus gestandenen Personalvorständen, sondern eben auch aus Nachwuchsmanagern besteht.

Doch was fällt sofort auf: Meist besteht die Finalrunde nur aus Frauen, weshalb – wen überrascht es – Frauen eine recht hohe Gewinnchance haben. Natürlich haben diese Frauen alle den Sieg verdient und sollen auf diese Weise auch eine nachträgliche Gratulation durch Erwähnung in diesem Reiseführer erhalten.

Trotzdem sei die vielleicht politisch nicht ganz korrekte Frage erlaubt <und bitte dem Autor dieser Zeilen nicht gleich wieder Frauenfeindlichkeit unterstellen>: Haben wir als HR-Nachwuchs wirklich ausschließlich Frauen? Was passierte mit den Männern? Gibt es die in HR nicht mehr? Wollen oder dürfen sie nicht mehr in den HR-Bereich? Werden sie nicht nominiert oder – noch schlimmer – diskriminierend nicht ausgewählt? Oder sendet die Aktion vielleicht unbewusst ganz falsche Signale aus und lockt daher ausschließlich Frauen an?

Spätestens jetzt wird es klar: Dieser Reiseführer darf nicht nur Fragen stellen. Er muss – wie auch sonst – Empfehlungen und Ratschläge geben. Sie gelten sowohl für die laufende Aktion (denn die Suche nach der nächsten Generation von HR-Managern läuft noch drei Monate), wie auch für die Aktionen der nächsten Jahrzehnte.

Also, fangen wir mit dem Titelbild der Aktion „HR Next Generation Award“ an. Bereits dieses Bild ist mehr als verräterisch und würde eine saftige Diskriminierungsklage gegen die Veranstalter rechtfertigen: Eine strahlende Frau im Vordergrund, unscharf dahinter drei Männer, offenbar zwei krawattentragende Führungskräfte und ein resignierender Jungmanager, der es – anders als die süffisant lächelnde Frau im Vordergrund – nicht nach vorne geschafft hat.

Dieses Bild darf in keiner Personalvorlesung über geschlechtsspezifische Diskriminierung fehlen und müsste eigentlich auch in Personallehrbücher aufgenommen werden.

Daher ein erster Rat und zwar an diejenigen, die für die Werbung verantwortlich sind.

Appell an die PR-Verantwortlichen der Aktion: Erhöhen Sie bereits in diesem Jahr die Chancengleichheit durch ein faires Plakat und einen überarbeiteten Internetauftritt!

Jetzt zur Vorauswahl. Wenn in die Endauswahl nur Frauen kommen, ist relativ klar, dass eine Frau gewinnen muss.

Genau das umgekehrte Problem haben wir in manchen Unternehmen, wo es Frauen schwer haben, in die Endauswahl zu kommen. Deshalb versucht man dort gegenwärtig die Chancengerechtigkeit zu erhöhen, indem man verpflichtend in die Endrunde Frauen aufnimmt.

Warum wendet man dieses Prinzip des Minderheitenschutzes nicht auch hier an und nimmt zwingend diesmal Männer in die Endrunde auf? Damit könnten die Verantwortlichen ein Zeichen setzen. Nicht nur, dass sie den Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ gelesen haben, sondern auch, dass sie Männern eine Chance geben.

Appell an die Vorauswählenden: Machen Sie es wie in Unternehmen und rekrutieren unabhängig von der Qualifikation  40% der Teilnehmer an der Endrunde aus der Gruppe der Minderheit (hier also der Männer)!

Doch eine Kernfrage bleibt: Warum wählt man offenbar eher Frauen? Auf diese Frage sollten wir eigentlich eine Antwort bekommen.

Appell an die Jury: Analysieren Sie sich und finden Sie heraus, warum bei Ihnen eigentlich nur Frauen eine Chance haben!

Noch einmal: Ein derartiger Wettbewerb ist – wenn er wirklich fair über die Bühne ginge – eine wirklich gute Idee. Denn wir brauchen mehr Sichtbarkeit für die HR-Funktion. Deshalb sollten ihn auch Personalabteilungen unterstützen und sich vom impliziten „Contra-Männer in HR“-Slogan distanzieren.

Führungskräfte aus der Praxis haben es in der Hand, wen sie nominieren. Wäre es nicht gut, zumindest 2014 einmal konsequent genauso viele Männer wie Frauen in den Wettbewerb zu schicken?

Appell an HR-Führungskräfte: Dieser Wettbewerb setzt gegenwärtig ein trauriges, aber realistisches Zeichen. Geben Sie diesmal auch Ihrem männlichen HR-Nachwuchs eine Chance!

Aber ist es nicht auch im Interesse der Frauen, wenn Männer in Personalabteilungen zumindest eine Außenseiter-Chance haben? Wollen wir wirklich Personalabteilungen, die ausschließlich aus Frauen bestehen? Und wollen wir HR-Preise, von denen wir wissen, dass sie eigentlich nur für Frauen sind?

Appell an alle HR-Frauen: Bitte ziehen Sie diesmal Ihre Bewerbung für diesen Preis zurück!

Vielleicht sind Männer auch nur zu schüchtern und trauen sich eine derartige Bewerbung, das Auswahlgespräch, den Medienrummel und das Herumlaufen auf dem roten Teppich nur nicht zu. Aber man könnte es doch zumindest einmal versuchen.

Appell an alle HR-Männer: Seien Sie mutig und bewerben Sie sich um diesen Preis!

Wenn es diesmal wieder kein Mann in die Endrunde schafft, ist dieser Preis für Männer gestorben. Denn offenbar ist dann die Wahrscheinlichkeit für einen Mann größer, bei Heidi Klum zum „Next Topmodel“ gewählt zu werden, als den „HR Next Generation Award“ zu gewinnen.

Zum Abschluss und in die Zukunft gerichtet, liefert der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ in seiner bekannt innovativen Art noch einen ganz andersartigen Vorschlag, auf dessen Umsetzung er gespannt warten wird.

Appell an die Organisatoren 2015: Machen Sie den nächsten Wettbewerb explizit geschlechtsneutral ohne Foto und ohne Namen!

Das wäre wirklich ein Zeichen und wirklich eine Innovation.

P.S. Was hier in diesem Reiseführer so harmlos nett und neutral angeregt wird, könnte aber – um mit Douglas Adams und seinem Bestseller „Hitchhiker’s guide through the galaxy“ zu sprechen – vielleicht doch mehr sein: „Diese Idee wäre eine sehr, sehr kleine Bombe, die schlicht und einfach eine Verteilerdose im Hyperraum war, die, wenn scharf gemacht, den Kern jeder größeren Sonne gleichzeitig mit dem Kern jeder anderen größeren Sonne fusionierte und so das gesamte Universum in eine gigantische Supernova verwandelte. Und damit war die ganze Idee mit Entsetzen erfüllt.”

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2 Lesermeinungen

  1. dilettanitische Politiker und ihre Frauenquote
    Sehr geehrter Herr Scholz,

    es wir schwierig für mich auf nur 6000 Zeichen meine Meinung zu dem oberen Thema kundzutun.
    Sie proklamieren hier die Missstände eines Awards, der sicherlich auch nicht unwichtig für die Branche ist, dennoch liegt der krankmachende Keim wohl ganz woanders. Es wird sich in einem Land, dass sicherlich erst in den letzten zwanzig Jahren große Schritte in die richtige Richtung der Gleichberechtigung gemacht hat, immer mehr über eine regelrechte Überemanzipation und Überegulierung unterhalten. Und wie ich finde auch: zu Recht!

    Ich finde es schon außerordentlich bedauerlich, dass eine Person die Ihre Meinung öffentlich kundtut, zu der ich sie auch zähle, zuerst darauf hinweisen muss, dass Man(n) nicht frauenfeindlich ist. Das ist so untollerant und absurd wie die Einwanderungsdebatten und die damit verbundende Nazikeule. Ebenso wie der Erwerb von Schusswaffen mit der Anleitung sich bitte damit nicht in den Fuß zu schießen, da es zu schweren Verletzungen führen könnte (s. USA). Solche Überregulierungen die den rein rationalen Verstand auszuschalten fördern, fördern nur Missstände zu Tage. Ich finde, es sollte völlig in Ordnung sein, sich über die Frauenquote u.Ä zu unterhalten, ohne in eine frauenfeindliche Ecke gedrängt zu werden. Alles andere wäre zynisch gesagt nicht sexy, langweilig und dumm. Falls sich diese Einstellung nicht ändern wird, kann man das Diskutieren in diesem Bereich einstellen.

    Die heutigen Personalabteilungen sind überwiegend von Frauen „regiert“. Was ich bis heute als sozialuntypisches und zugleich interessante Bewegung halte. In einer Personalabteilung zählt zuerst das äußere Erscheinungsbild eines Bewerbers bevor es zu den fachlichen Kenntnissen geht. In einem Bewerbungsgespräch sind die fachlichen Kenntnisse eines Bewerbers in der Personalabteilung m.E. schwer zu überprüfen. Man setzt dort eher auf das äußere Auftreten des zukünftigen Mitarbeiters, auf sein Ausdruck und auf seine Gabe Menschen von sich überzeugen zu können. Anstatt ihn zu Fragen ob er den Blog „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ kennt. Womit ich jetzt keinem Personaler seine Qualifikation in Frage stellen möchte. Wobei ich wirklich eine große Kritik an den heutigen Personaler habe, sie beschäftigen sich viel zu viel mit sich selber und versuchen anderen Menschen ihren Ansprüchen zu genügen anstatt sich mal mit dem Wesentlichen auseinanderzusetzen und zwar mit den Menschen die in dem Unternehmen arbeiten. Die heutigen Personaler wirken immer „überfordert“ und „gestresst“. Ich glaube genau der gegenteilige Eindruck sollte eigentlich entstehen. Um auf das sozialuntypische Verhalten zu kommen: Frauen mögen „neben“ ihrem Beruf keine Frauen die für sie zur Gefahr werden können, dass liegt schon in Ihren Instinkten. Gerade in Personalabteilungen in denen sich oft rausgeputzt wird. Umso interessanter finde ich es, dass es in Personalabteilungen viele Frauen gibt. Aus diesem Grund sind Männer, in so einer etwas nach außenwirkende Frauen Domäne, für den Erfolg von Personalabteilungen von wichtigem Interesse für den Erfolg eines Unternehmens.

    Aber auch an der Universität beobachtet man dieses Phänomen des Frauenüberhangs. Machen Sie sich doch in Ihren Vorlesungen nochmal stark für die von Ihnen als erachtete Minderheit. Ich bin davon überzeugt, dass sich darunter ein Heiner Brand, ein Jürgen Klopp oder ein Albrecht finden wird. Sie müssen nur richtig hinschauen, das Querdenken erlauben und „Start“ Möglichkeiten schaffen. In unserer Gesellschaft ist es immer schwieriger geworden etwas voranzubringen insbesondere wenn man satt ist und das ist auch der Grund, warum Personaler immer mehr nur Dienstleister sind. Keine Querdenker, keine wahre Liebe ist zu sehen. Es ist nur noch die Pflicht und keine Kür mehr heute in Unternehmen zu arbeiten. Die Angst vor dem Jobverlust und den sozialen Status verhindert glaube ich grandiose Ideen. Aber in welcher Gesellschaft wir leben müssen, sehen wir ja an der Argumentationsreihenfolge von Diskussionen. Zuerst entschuldigt man sich dafür, was man danach zu sagen wagt. „Ich bin kein Nazi aber eine geregelte Einwanderungspoltik ist aus …“. „Ich bin nicht frauenfeindlich weil ..“. Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft sich auch unangenehmen Diskussionen öffnet ohne jemanden dafür in eine Schublade zu stecken.

    Leider bin ich nicht in der Lage über den German Top HR Award *** mit Ihnen sachlich zu diskutieren, da ich mich auch nicht damit auseinandergesetzt habe. Aber ich wollte Ihnen meinen Unmut mitteilen. Manchmal wären Schlösser für Tastaturen auch ganz sinnvoll.

    Ich schätze Ihren Blog und ich bitte Sie, geben Sie den Kampf gegen Windmühlen nicht auf. Aber wenn ich betrachte, dass Sie bald die 30 Jahre voll machen, mach ich mir darüber keine Gedanken mehr. Weiterhin alles Gute und das Sie viele mit dem Blog erreichen.

    Grüße

  2. Was mit Menschen
    Dazu mein Kommentar vom 02.04.:
    Die durchschnittliche Personaldame – Personalern begegnet man kaum- forscht bei der Kandidateninquisition in küchenpsychologischer Manier nach persönlichen Defiziten. Da die Kommunikation aus ihrer Sicht hauptsächlich durch Körpersprache, Augenbewegungen, Sprachmelodie und Auftreten geprägt ist, verzichtet sie meist auf inhaltliche Kenntnisse, da das Gesagte sie wenig interessiert. Wichtig ist, wie es klingt. Untersucht werden nicht Fachkenntnisse, sondern Beziehungsaspekte. Für die Personalerin gibt es nur schlechte Kandidaten. Eingestellt wird der am wenigsten schlechte. Soweit meine Interpretation. In diesem Beruf wird man offenbar nicht alt. Man begegnet fast ausschliesslich jungen Personaldamen. Das mag am Ruf im Unternehmen liegen. Beliebt sind die HR-Leute meist nicht. Man lagert sie gerne aus.

    Ergänzungen 24.04.:
    Erfahrung aus vielen teils schmerzvollen Gesprächen: Ein Personaler lenkt behutsam das Gespräch zwischen Fachabteilung und Kandidat. Eine Personalerin will das Gespräch dominieren und Gelerntes anwenden.
    Gemäss Fredmund Malik krankt das Personalwesen an der klinischen Psychologie, die Schwächen statt Stärken ermittelt.
    Interessant wäre der volkswirtschaftliche Gesamtschaden, der durch dilettantische Personalarbeit entsteht. Etliche Bewerber bleiben arbeitslos, weil sie im „strukturierten Vorstellungsgespräch“ nicht die erwarteten Antworten herunterleiern (Stärken? Schwächen? Was sagen andere über Sie? etc.) oder auf das Vorturnen harmonischer Körpersprache verzichten.
    Der betriebswirtschaftliche Schaden ist erheblich – wie bei allen Suborganisationen, die für die Selbstbeschäftigung grosszügig Dritte heranziehen.
    Für Jack Welch („Winning“) ist die Personalabteilung der wichtigste Unternehmensbereich. Nach Gesprächen mit Jennifer, Melanie und Doreen würde er dieses Urteil wahrscheinlich überarbeiten.

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