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Klimatrend 2008: Kalte Dusche

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 Mit der aktuellen Klimabilanz des Jahres 2008, die von der Weltmeteorologie-Organisation  WMO gestern veröffentlicht worden ist, steigt offenbar...

 Mit der aktuellen Klimabilanz des Jahres 2008, die von der Weltmeteorologie-Organisation  WMO gestern veröffentlicht worden ist, steigt offenbar wieder die Sorge bei den Klimatologen, die Journaille könnte das Ergbnis (wieder einmal) fehlinterpretieren. Zum Beispiel Gavin Schmidt vom Nasa Goddard Institute for Space Studies in „Realclimate.org„, der jedem neuen Hype präventiv begegnen will: Richtig sei, dass das Jahr 2008 wärmer sei als jedes Jahr des zwanzigsten Jahrhunderts. Allerdings auch, dass es das kühlste Jahr seit Beginn 2001 sei, und richtig sei ferner, dass sieben oder acht der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen nach 2000 verzeichnet wurden. Was uns Schmidt allerdings definitiv übel nehmen würde,weil es nämlich falsch sei,  ist die von ihm offenbar arg gefürchtete Behauptung, dass 2008 das bisher kühlste Jahr in diesem Jahrzehnt sei, womöglich gar in diesem  Jahrhundert oder Jahrtausend. Eine unzulässige Übertreibung?

Für Schmidt jedenfalls  beginnt das Jahrzehnt offenbar schon 2000. Was nach allen regulären Berechnungen der Historiker definitiv falsch ist – zumal das meteorologische Jahr, wie uns Stefan Rahmstorf in seiner „KlimaLounge“ bei Scilogs dankenswerter Weise erläutert, schon am 1. Dezember des Vorjahres beginnt.

Das aktuelle Jahrzehnt/Jahrhundert/Jahrtausend hat also anerkanntermaßen am 1.1.2001 begonnen.Und da nun sämtliche Kalenderjahre (und meteorologischen Jahre) nach diesem Jahrtausendbeginn klar über dem aktuellen Wert von durchschnittlich 14,31 Grad für das Jahr 2008 liegen,  darf man wohl auch guten Gewissens vom kühlsten Jahr in dieser Dekade,  respektive diesem Jahrhundert oder diesem Jahrtausend sprechen.

Das ändert natürlich trotzdem nichts daran, dass der Durchschnittswert auch in diesem Jahr deutlich über dem langjährigen Mittel liegt, in WMO-Zahlen: 0,31 Grad über dem globalen Mittelwert der Jahre 1961bis 1990. Rahmstorf darf man also Recht geben, wenn er sagt, dass „die neuen Messdaten keinen Grund zur Entwarnung … geben“. Und dass der Weltklimarat damit natürlich im Hinblick auf den beschleunigten Klimawandel nicht zu widerlegen sei. Allerdings muss sich der Potsdamer Klimadeuter auch den Hinweis gefallen lassen, dass die – bei aller Variation – erkennbare  Stagnation in  den vergangenen acht Jahren dem in langen statistischen Reihen vomIPCC ermittelten Erwärmungstrend von 0,2 Grad pro Jahrzehnt nicht mehr folgt.

Könnte es also sein, dass da die Kollegen von Geomar in Kiel mit ihrer in Nature publizierten „Dekaden-Klimavorhersage“ vom April dieses Jahres Recht behalten? Dass nämlich wegen einer ausgeprägten natürlichen Kaltphase im Pazifik und Veränderungen der Meeresströme (vor allem auch gegenüber den Zirkulationsverläufen in anderen Klimamodellen) in den nächsten bald zehn Jahren mit einer „Atempause“ der globalen Erwärmung zu rechnen sei?

Rahmstorf sagt dazu erstmal besser nichts. Aus gutem Grund: 2010 nämlich könnte er, wenn bis dahin die „statistische“ Temperaturstagnation anhält, seine in der „KlimaLounge“ annoncierte Klimawette gegen die Kieler Kollegen verlieren. Es geht um 2500 Euro und weitere 2500 Euro für eine Vorhersage bis 2015. Entschieden ist da noch gar nichts. Aber die Luft wird erkennbar dünner, oder?

 

  

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