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Solar macht doch glücklich

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Es ist entbunden: Obama krempelt gerade die Klimapolitik seines Landes um (da kommt noch viel mehr, wenn man seinen Ankündigungen glauben darf) und der Club...

Es ist entbunden: Obama krempelt gerade die Klimapolitik seines Landes um (da kommt noch viel mehr, wenn man seinen Ankündigungen glauben darf) und der Club der etablierten Schon-und-Möchtegern-Ökostaaten hat etwas ganz Neues:  

Es wiegt stattliche fünfundziebzig Pfunde und ist von einem so reinem grünen Teint, dass es alles an grünen Geburten der letzten Jahre zu überstrahlen verspricht. Die „Internationale Agentur für erneuerbare Energien“ (IRENA) ist im „Alten Wasserwerk“ zu Bonn, dem Plenarsaal (heute „World Conference Center“),  feierlich gegründet worden.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und Entwicklungsministerin Heidemarie Wiczorek-Zeul haben die vor ein paar Jahren wesentlich von deutschen Regenerative-Pionieren geborene Idee, eine solche Institution am besten auf allerhöchster Ebene zu gründen, stolz vertreten. Bis auf UN-Ebene hat es letztlich dann aber doch nicht gereicht, zu groß die Zahl derer noch in den Vereinten Nationen, die entweder grundsätzlich wenig von regenerativen Energien halten oder kein Geld für eine neue omnipolitische PR-Agentur ausgeben wolle. Das sind gar nicht so wenige offensichtlich. 75 Staaten haben unterzeichnet (von Afghanistan bis Uganda), wer fehlte von den „Großen“ waren zum Beispiel Großbritannien, Kanada und – Obama-Fieber hin oder her – die Vereinigten Staaten. Schwach auch Asien und Südafrika. Manche sehen übrigens auch keinen Grund, der etablierten Internationalen Energieagentur (IEA)  ein wichtiges Tätigkeitsfeld abzunehmen. Die hatten ihre Chance und haben sie nicht genutzt, sagt man hier.

Man will mehr, vieeeel mehr, ließ Gabriel wissen. Mehr an Erneuerbaren und schneller will man sie. 150 Milliarden sind 2008 in den dem Sektor investiert worden, das soll besser werden, auch in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise. Die ist hier übrigens wirklich komplett außen vor, so selbstgewiss feiert man Sonne, Wind, Biomasse. Und man feiert mit viel Emotion und Poesie. Eine multimediales Spektakel im Plenarsaal mit Dia-Show von Windrädern und Solapanels im Sonnenuntergang und Flötenmusik, Applaus bei jedem Unterzeichner (am lautestesten die Delegationen Frankreichs und Spaniens, bescheiden bei Germany).

Gabriel gab den Rhythmus gerne vor: Bis 2020 den Anteil an Erneuerbaren bei der Stromerzeugung auf 30 Prozent verdoppeln. Bei allen wird es wohl nicht so schnell gehen. Über die Kosten des PR-Projekts, das jetzt in den nächsten Monaten installiert wird und seine eigentliche Überzeugungsarbeit aufnehmen wird, wird quasi erst gar nicht gesprochen. Gabriel ist jedenfalls überzeugt, dass am Ende durch Bündelung der PR- und Techniktransferaktivitäten bei einer Agentur Geld gespart wird. Wieviel, kann er nicht sagen. Jedenfalls gibt es bei allen Vorbehalten anderer bei denen, die hier in Bonn sind, große Euphorie. Abu Dhabi will sich, wie man auf den Fluren hört, ernsthaft um den Sitz der neuen Agentur bemühen. Wo, wenn nicht in der Sahara, in die große Solarzukunft starten? Auch die Vereinigten Arabischen Emirate, die sonst eher als Klimaschutzkritiker zitiert werden, sollen sich hier besonders stolz und optimistisch über die Solarzukunft der künftig neuneinhalb Milliarden Menschen geäußert haben.

Selten hat man auf den großen Ökokonferenzen neben den üblichen Floskeln (Wiczorek-Zeul: „Erneuerbare, das größte Geschenk der Erde an uns“) soviel Euphorie und Zukunftsglaube erlebt – eine glückliche technophile Ökogesellschaft.  Kein böses Wort, nicht mal über die Spritschlucker deutscher Provinienz, die da vor dem Konferenzhaus im schönsten blankpolierten Schwarz Schlange stehen. Und die Wintersonne über Bonn strahlt den lieben langen Tag. 

 

 

 

  

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1 Lesermeinung

  1. Die Euphorie fuer die...
    Die Euphorie fuer die Solarenergie wird sich abkuehlen sobald die Herren einen Taschenrechner in die Hand nehmen. Je laenger sie rechnen desto groesser wird das Grauen. Ich habe auf meiner Seite das hochgelobte Solarkraftwerk in Almeria Suedspanien kritisch nachgerechnet. Die fehlenden Daten wie den Eigenverbrauch der Anlage und die Betriebskosten nach den sonst ueblichen Masstaeben geschaetzt. S. homepage… Oekoenergie .. Solarkraftwerk
    Die Energiedichte der Sonne auf diesem Planeten reicht einfach nicht aus um sinnvoll genutzt zu werden. Das Kraftwerk benoetigt mehr Energie als es je erzeugt!!!
    Vandale

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