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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Kollabieren die Meere? Die „Monaco-Deklaration"

| 16 Lesermeinungen

Dieser Text läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig, er hat eindeutige Adressaten -  die Mächtigsten der Mächtigen -  und er endet mit einem...

Dieser Text läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig, er hat eindeutige Adressaten –  die Mächtigsten der Mächtigen –  und er endet mit einem ganz fetten Ausrufezeichen! Und wären wir alle nicht schon längst an die Lektüre höchst alarmistischer Klimamanifeste gewöhnt, könnten wir sicher sein, dass morgen der zweite Teil des Weltuntergangs in den größten Lettern angekündigt würde. Zum Beispiel mit: Die Weltmeere kippen um! Oder: Poseidons Reich vor dem Untergang!

Was ist passiert?

Bild zu: Kollabieren die Meere? Die „Monaco-Deklaration"

 Knapp drei Monate nach einem großen Meereskunde-Symposium, das in Monaco stattgefunden und die Versauerung der Meere durch den Kohlendioxid-Eintrag zum Thema hatte, werden die Ergebnisse als „Monaco-Deklaration“ mit PR-Unterstützung des Fürsten von Monaco, Prinz Albert II., unters Volk gebracht. Vor allem aber soll der Text ein weltumspannendes politisches Beben erzeugen. Die mehr als 155 Unterzeichner aus 26 Nationen sind  nämlich davon überzeugt, wie man hier und in diversen anderen englischsprachigen Pressemitteilungen der beteilgten Organisationen (darunter Unseco , das Internationale Biosphären-Geosphären-Programm und die amerikanische National Science Foundation) nachlesen kann, dass die Versauerung der Meere „mittlerweile ebenso gefährlich ist wie die Klimaerwärmung“. Weiter im Originalton der Mitteilung: „Steigt der Säuregrad weiter, droht das weltweite Zusammenbrechen ganzer Ökosysteme. Fischerei und Tourismus wären bedroht, Küstenschutz durch Korallenriffe wäre nicht mehr gegeben, mögliche biologische Rohstoffe für Medizin und Ernährung könnten verloren gehen.“ 

 

Das ist schon starker Tobak, den hier die Kieler Forscher um Ulf Riebesell vom IFM-Geomar stellvertretend für ihre Wissenschaftsgemeinde zur Meeresrettung aufbieten. Doch immerhin gibt es auch ein paar Fakten: Seit Beginn der Industriealisierung sei der Säuregrad (pH-Wert) des Oberflächenwassers um ein Drittel gestiegen, sagen die Kieler Meeresbiologen. Er habe Werte erreicht, wie sie sie zuletzt vor mehreren Millionen Jahren erreicht wurden. Und wenn es mit der beschleunigten Versauerung so weiter gehe, wird in der Deklaration ein Säuregrad prognostiziert, könne Ende des Jahrhunderts ein Niveau erreicht werden, das dreimal so hoch liegt wie der vorindustrielle Wert. Schon viel früher, nämlich in vierzig Jahren, könne ein Kohlendioxidkonzentraion in der Luft – rund 560 ppm – und erreicht werden, bei der sich schon ein Drittel der Korallenskelette buchstäblich aufgelöst hätten. In Polnähe würden die Schalen der Kalkbildner  schon bei 450 ppm chemisch angegriffen werden.   Das alles muß sicher zu denken geben!

 

Bild zu: Kollabieren die Meere? Die „Monaco-Deklaration"   Quelle: NOAA

 

Hier übrigens Versuchsergebnisse mit Kalkalgen in Kieler Labors:

Bild zu: Kollabieren die Meere? Die „Monaco-Deklaration"  

Zwei Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen der Kalkalge Calcidiscus leptoporus. Gezeigt sind jeweils sechs Zellen, die im Labor unter verschiedenen CO2-Bedingungen gehalten wurden. Die linke Aufnahme zeigt die Kalkalge unter CO2-Bedingungen, wie sie heute im Ozean vorherrschen. Die rechte Aufnahme zeigt die Kalkalge unter den CO2-Bedingungen, wie sie bei unverminderten CO2-Emissionen für das Jahr 2100 erwartet werden. Kalkalgen Calcidiscus leptoporus leben als Einzeller. Die Experimente und Aufnahmen wurden am IFM-GEOMAR gemacht. Quelle: IFM-GEOMAR

 

Sicher, das sind sicher artifizielle Bedingungen, die da in Versauerungsexperimenten  erzeugt wurden. Und  was häufig noch fehlt bei diesen Versuchen, ist die am besten mehrfache, glasklare Bestätigung durch andere Gruppen. Aber zur Entspannung laden die Ergebnisse sicher nicht ein.

Die Unterzeichner der Monaco-Deklaration jedenfalls scheinen das Vierteljahr seit Ende des Symposiums für intensive PR-Übungen genutzt zu haben. Sie gehen die Politik frontal an: „CO2-Ausstoß reduzieren – Jetzt!“ Keine Zeit also mehr zu verlieren. Das ist plakativ und unterscheidet sich nicht fundamental von den Forderungen der Klimapolitik, die bis zur COP15-Klimakonferenz in Kopenhagen Ende des Jahres sicher noch öfter zu hören sein werden. Aber sie kommt in dieser Unumstößlichkeit diesmal halt  von einer anderen Seite.

Und das ist der politischen Wahrnehmung des Klimaschutzes in diesen krisengeschüttelten Zeiten sicher nicht abträglich. 

  

 

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16 Lesermeinungen

  1. @MarineBiologist
    Ich glaube...

    @MarineBiologist
    Ich glaube mich an die Vorlesungen in Ingenieurgeologie zu erinnern, dass die zur Bildung und ungleichmäßigen Ablagerung von Calcit (Kalk) erforderliche Kohlensäure im Meerwasser aus der Verwesung der abgestorbenen Organismen stammt.
    Habe ich Sie richtig verstanden, dass die Masse der verwesenden Organismen einen kleineren Einfluss gegenüber der Änderung der Zusammensetzung der Luft im Bereich von 0,0001 Volumenanteilen hat?

  2. Neuer Tag, neue...
    Neuer Tag, neue Rechnung:
    oncidium: „Dazu sind dem System OH-Ionen zuzuführen – z.B. in Form von CaO, Ca(OH)2, KOH, NaOH. In allen Fällen handelt es sich um chemische Verbindungen, deren Elemente für das System Ozean keineswegs fremde Substanzen sind.
    Übrigens ist die Regulierung der pH-Werte von landwirtschaftlich genutzten Böden ein seit langem bewährtes Verfahren. Erich Grantzau“
    Das wir da nicht gleich drauf gekommen sind. Genau, einfach neutralisieren.
    Mal eben überschlagen was wir da so brauchen.
    Fläche der Ozeane: etwa 3,61E8 km² (Das E steht immer für *10hoch)
    Für einen km Tiefe wären das dann 3,61 E 8 km³
    in Liter wäre das dann 3,61 E 20
    jetzt wird es ein bisschen komplizierter. Wir nehmen mal an, dass wir die bisherigen Auswirkungen der Ozeanversauerung korrigieren wollen. Soll heißen: Seit der Industrialisierung hat sich der pH von 8,2 auf 8,1 Einheiten reduziert.
    Sprich von 10 E -8,2 Mol Protonen auf 10 E -8,1 Mol Protonen.
    Macht in der Differenz in etwa:
    1,6 E -9 Mol Protonen pro Liter Wasser
    Für den gesamten Ozean hätten wir also 5,9 E 11 Mol Protonen
    Möchten wir das nun mit Natronlauge neutralisieren, brauchen wir genau so viele Mol NaOH
    Ein Mol NaOH wiegt 40g
    5,9 E 11 Mol mal 40g/mol = 2,36 E 13 g
    in Tonnen wären das dann 2,36 E 7, also
    23.600.000 Tonnen
    War ne super Idee, ich werd mal eben Merk anrufen, ob die das demnächst liefern können ;-)

  3. uiuiui hier geht es ja richtig...
    uiuiui hier geht es ja richtig zur Sache. Ich habe Ihre Komentare, sagen wir mal, mit amüsierten Interesse verfolgt, muss jetzt aber doch einen Komentar abgeben. Als einer der Unterzeichner der Monaco Declaration sollte ich doch einige Fehler klarstellen.
    friedrich_leipzig: „Wenn infolge Erderwärmung die Polkappen schmölzen und sich gigantische Wasservolumina in die Ozeane ergössen, müßten diese nicht durch Verdünnung der Versauerung entgegenwirken?“
    Die Frage lässt sich sehr leicht beantworten. Die Versauerung wird durch das Abschmlezen der Polkappen verschlimmert. Das ist ganz einfach zu erklärern. Was alle Komentatoren in diesem Blog leider nicht richtig verstanden haben, ist dass es sich bei der Veränderung im pH-Wert nicht einfach um die Zugabe von Säure handelt. Das System ist schon ein bisschen komplexer. So muss man sich bei einer Beurteilung der Daten mit dem Begriff „Alkalinität“ vertraut machen. Ganz einfach erklärt, handelt es sich bei der Alkalinität um die Pufferkapazität der Ozeane. Da das Schmelzwasser der Polkappen in etwa einen pH-Wert von 7 hat und keinerlei Alkalinität, verdünnt es einerseits die Pufferkapazität und andereseits erhöht es auch die Protonenkonzentration.
    MO1234: „Die Kurven sind selbst in den Bereichen, welche die Vergangenheit darstellen, schön glatt, haben keinerlei Hinweise auf Genauigkeiten, und ähneln verdächtig den standart Kurven für exponentielle und lineare änderungen, ohne Pufferwirkungen und Grenzwerte.“
    Ich gebe zu das die Graphik nicht besonders schön ist, aber das sollte hier nicht zur debatte stehen. Dennoch ist sie als Modell vollkommen korrekt. Der „Vorteil“ der Versauerung gegenüber der Klimaveränderung für die Wissenschaftler ist, dass die chemischen Veränderungen sehr einfach zu errechnen sind. Wärend also die klimatischen Veränderungen sehr komplexen Modelle erfordert, können die chemischen (anorganischen) Auswirkungen des CO2 in den Ozeanen mit einem Taschenrechner errechnet werden. Kennt man also für eine Bestimmte Region und/oder Zeit die Pufferwirkung (Alkalinität) und den atmosphärischen CO2-Wert kann ohne jeden Fehler der pH-Wert ausgerechnet werden.
    „Der pH-Wert soll sich verdreifachen? der Maximale Wert ist 14 und dieser Wert steht für „basisch“. Oder meinte der Herr Wissenschaftler hier mit dem Säuregrad doch den SH-Wert? Bei diesem geht es aber um die Pufferkapazität, welche wenig darüber aussagt, wie stark sich Kalk lösen wird.“
    Wenn ich das mal eben vorrechnen darf:
    pH 8,2 entspricht 10^-8,2 Mol Protonen
    nehmen wir für die nahe Zukunft einen pH von 7,8 an. Also 10^-7,8. Teilt man nun den zweiten durch den ersten, erhält man, tatatat: 2,5
    „So nun gibt es also bestimmte Algen die ungewöhnliche Kalkskelette bilden, wenn sie schockartig anderen CO2 werten ausgesetzt werden. Dies ist aus 2 Gründen wenig aussagekräftig:
    1. Werden fast alle Organismen geschwächt, wenn sich die Umweltbedingungen innerhalb kürzester Zeit ändern.
    2. Ist dies eine Algenart unter buchstäblich Milliarden Arten.“
    zu 1. dies ist ein erstzunehmender Kritikpunkt. Wir versuchen durch Aklimatisierungsphasen diesem Punkt einigermaßen gerecht zu werden. Zugegeben, wir können keine 100 Jahr aklimatisieren um die Realität zu simulieren. Wir sind uns diesem Punkt allerdings bewusst. Daher überprüfen wir unsere Ergebnisse mit dem luafenden „großen Experiment“ in den Ozeanen
    2. Diese Kalkalgen (Coccolithophorieden) sind extrem wichtig für den globalen Kohlenstoffkreislauf. Im Frühjahr bilden einige dieser Arten Blüten aus, die Größen von vielen hundert Quadratkilometern erreichen können
    http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/detail/item/the_response_of_marine_algae_to_climate_change_young_scientist_at_the_alfred_wegener_institute_gets/
    Damit können Veränderungen in diesen Algen wiederum Auswirkungen auf den CO2-Wert in der Atomsphäre
    WeberDortmund: „Da aber die Ozeane hundertemal mehr Masse haben als die Atmosphäre, entsprechen 100 ppm CO2 Zunahme in der Atmosphäre der Zunahme von weniger als 1 ppm in den Ozeanen – wenn die Gleichverteilung erreicht ist.“
    Das würde nur stimmen, wenn man annimmt, dass sich CO2 einfach so im Wasser löst. Das tut es aber nicht, denn es reagiert mit mit besagtem Wasser zu Bikarbonat und Karbonat. Ich möchte hier nicht diese grundlegenden Dinge erklären, dafür möge man
    Zeebe, R.E. and Wolf-Gladrow, D. „CO2 in seawater: Equilibrium, Kinetics, isotopes“ nachlesen.
    HeinzThieme: „Das, was (sich) wissenschaftliche Instutionen auf dem angesprochenen Gebiet heute leisten, um an öffentliche Gelder (staatliche Forschungsmittel) und zu politischer Beachtung zu kommen, überschreitet das Maß an zumutbarer Tolerierbarkeit.
    Mich würde interessieren, wie sie zu diesem Komentar kommen. Mit diesem Satz zweiln sie alle Bereich der Wissenschaft an, da jeder Antrag um Fördergelder durch ein kompliziertes, durch externe Gutachter beurteiltes Verfahren muss. Es reicht selbst für solch ein „heißes“ Thema noch lange nicht aus Versauerung in der Überschrift zu verwenden.
    Mir fehlt leider die Zeit alle Fehler zu korrigieren. Sollten Sie noch Fragen zur „Declaration“ haben, würde ich mich freuen diese zu beantworten

  4. Die Besorgnis im Kommentar von...
    Die Besorgnis im Kommentar von Weber, Dortmund, „Ich fürchte, dass solche Glaubwürdigkeitsprobleme irgendwann auf die gesamte Wissenschaft zurückschlagen, die in der Öffentlichkeit zunehmend als Ansammlung von Interessengruppen gesehen wird – und nicht mehr als eine herausragende kulturelle Institution der Menschheit, die zuvörderst der Suche nach Erkenntnis verpflichtet ist“ ist sehr ernst zu nehmen. Das, was (sich) wissenschaftliche Instutionen auf dem angesprochenen Gebiet heute leisten, um an öffentliche Gelder (staatliche Forschungsmittel) und zu politischer Beachtung zu kommen, überschreitet das Maß an zumutbarer Tolerierbarkeit. Zumindest in unserem Lande haben wir innerhalb der vergangenen 80 Jahre bereits zweimal, einmal nur teilweise, die Erfahrung gemacht, was eine politisch verbogene Wissenschaft begünstigt und welche Folgen das hat.

  5. es ist erstaunlich welch...
    es ist erstaunlich welch geringes Erkenntnisniveau ausreicht um veroeffentlicht zu werden. Vorrausgesetzt die vertretene Meinung entspricht der staatlich gewuenschten Ideologie/Religion. Aus den allgemeinen Leserkommentaren der FAZ schliesse ich das die meisten Leser realistische Fakten einer linientreuen Berichterstattung vorziehen wuerden.
    Ein Aspekt der von meinen Vorkommentatoren nicht erwaehnt wurde, ist der das der PH Wert ein logarithmischer Wert ist. Die Aeusserung „Seit Beginn der Industriealisierung sei der Säuregrad (pH-Wert) des Oberflächenwassers um ein Drittel gestiegen, sagen die Kieler Meeresbiologen“ hoert sich graeuslich an. Der Satz laesst vermuten das der Autor die Chemie nach der 10. Schulklasse abgewaehlt hat.
    Wenn Sie Artikel zum Thema Energie lesen moegen, deren Inhalt zwar nicht die herrschende Religion wiederspiegelt, die jedoch mit wesentlich mehr Sorgfalt erstellt wurden, werfen Sie einen Blick auf die o.g. Homepage.
    Vandale

  6. "Wo Gefahr ist, wächst das...
    „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“
    Die oben dargestellte chemische Reaktion belegt zweifelsfrei eine Versauerung des Milieus. Wer mit einem Minimum an chemischen Kenntnissen ausgestattet ist, kann sehr schnell chemische Reaktionen aufzeigen, die Gegenteiliges bewirken.
    Dazu sind dem System OH-Ionen zuzuführen – z.B. in Form von CaO, Ca(OH)2, KOH, NaOH. In allen Fällen handelt es sich um chemische Verbindungen, deren Elemente für das System Ozean keineswegs fremde Substanzen sind.
    Übrigens ist die Regulierung der pH-Werte von landwirtschaftlich genutzten Böden ein seit langem bewährtes Verfahren. Erich Grantzau

  7. Da mir der Graph des ph-Wertes...
    Da mir der Graph des ph-Wertes in der Zukunft so unglaubwürdig erschien, habe ich mal überprüft, welche Messwerte es für den Ph-Wert in den heutigen Meeren gibt. Da stellt sich heraus, dass es einige Gebiete gibt, in denen schon heute das Meerwasser einen PH-Wert von 7.5 aufweist. Also weit unter dem Wert, der angeblich in 100Jahren erreicht wird, geschweige denn in 40 Jahren, wenn angeblich die ganzen Algen sterben sollen.
    Des weiteren habe ich schon mehrere Berichte gelesen, welche eine um Welten bessere Datenlage hatten, die vorhersagen, dass höhere CO2 Konzentrationen zu VERMEHRTEM Algenwachstum führen soll. (Dies führt natürlich auch wieder zu einer „Katastrophe“ da dann die O2 Konzentration sinken soll. Ist es nicht erstanlich dass im Jahr 1900 die perfekten Temperaturen, der perfekte Niederschlag und die perfekten Gaskonzentrationen herrschten, und jede abweichung zu einer Katastrophe führt…)

  8. Es gibt die Gesetze der...
    Es gibt die Gesetze der Thermodynamik, die man bei jeder wissenschaftlichen Argumentation beachten sollte. Auch wenn es um die Gefährdung der Ozeane durch anthropogenen CO2 Eintrag geht. Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik befasst sich mit der Entropie-Zunahme und besagt, dass alles in den Weltmeeren gelöste CO2 irgendwann in den Ozeanen gleichverteilt sein wird. Da aber die Ozeane hundertemal mehr Masse haben als die Atmosphäre, entsprechen 100 ppm CO2 Zunahme in der Atmosphäre der Zunahme von weniger als 1 ppm in den Ozeanen – wenn die Gleichverteilung erreicht ist. Das wird aber sicherlich hunderte von Jahren dauern, wie man aus umgekehrten Prozess der CO2 Ausgasung schliessen kann, der bei der Eiszeitendynamik beobachtet wird.
    CO2 wird sich also zunächst in einer Oberflächenschicht aufhalten (10 m Ozeanschicht entspricht der Masse der ganzen Atmosphäre). Hier kann man darauf verweisen, dass ein ähnlicher Vorgang der Gleichverteilung bei der Erwärmung der Ozeane stattfindet, auch ausgehend von der Oberflächenschicht. Diese Erwärmung macht sich mittlerweile bereits bis in große Tiefen von 1000 m und mehr bemerkbar – sonst wäre die große Wärmeausdehnung der Ozeane unverständlich, die ja etwa 1/3 zum Anstieg der Weltmeere beiträgt.
    CO2 sollte sich nach den Gesetzen der Thermodynamik vorwiegend in kaltem Ozeanwasser auflösen, eine Beobachtung, die jeder zu Hause mit einer Flasche Sprudelwasser verifizieren kann. Daher sollte in den tropischen Meeren der CO2 Gehalt am wenigsten steigen, besonders dann, wenn diese sich weiter erwärmen.
    Die dort befindlichen Korallenriffe sind also am meisten durch den Anstieg der tropischen Meerestemperaturen gefährdet, was zum ‚coral bleeching‘ führen kann, und insbesondere im Gefolge des El Nino Events von 1997/1998 am Barriere Riff vor der australischen Nordost-Küste beobachtet wurde. Bei den Korallenbänken geht also von der direkten Erderwärmung die meiste Gefahr aus.
    Nun wird aber beobachtet, dass die Erderwärmung nicht gleichmäßig erfolgt, sondern in der Nordhalbkugel mit ihren grossen Festlandsanteil dominiert (größter Anteil in der Arktis), in den Tropen nur mäßig erfolgt, noch weniger auf der Südhalbkugel, und in der Antarktis sich sogar eine leichte Abkühlung abspielt (Satellitendaten, Zunahme des See-Eises).
    Eine Gefährdung der Weltmeere durch Versauerung, welche die Meeresbiologen voraussehen, kann eigentlich nur dann stattfinden, wenn die allgemein gültigen Gesetze der Thermodynamik durch spezielle Phänomene teilweise außer Kraft gesetzt würden. Zum Beispiel durch eine stabile Schichtung der Meere, die eine Durchmischung in die Tiefe verhindert, den Wärmetransport aber trotzdem zuläßt. Davon ist aber in der ‚Monaco Erklärung‘ keine Rede.
    Insgesamt läßt die plakative Art der ‚Monaco Erklärung‘ befürchten, dass in der Öffentlichkeit Glaubwürdigkeitsprobleme auftreten, ähnlich denen der Katastrophenbotschaften des IPCC, wie es auch Joachim Müller-Jung in seiner ironischen Art andeutet.
    Ich fürchte, dass solche Glaubwürdigkeitsprobleme irgendwann auf die gesamte Wissenschaft zurückschlagen, die in der Öffentlichkeit zunehmend als Ansammlung von Interessengruppen gesehen wird – und nicht mehr als eine herausragende kulturelle Institution der Menschheit, die zuvörderst der Suche nach Erkenntnis verpflichtet ist.
    Der Verfasser ist Professor für theoretische Physik an der TU Dortmund

  9. Ich erlebe gerade einen Anflug...
    Ich erlebe gerade einen Anflug von Nostalgie… In MS-paint von Hand erstellte Grafiken, mit buntem ComicSans Schriftzug auf schwarzen oder blauen Hintergrund. So sah meine erste Homepage aus! Nur ging es da nicht um Wissenschaft, sondern um Termine zum gemeinsamen zocken.
    Die Kurven sind selbst in den Bereichen, welche die Vergangenheit darstellen, schön glatt, haben keinerlei Hinweise auf Genauigkeiten, und ähneln verdächtig den standart Kurven für exponentielle und lineare änderungen, ohne Pufferwirkungen und Grenzwerte. Diese Grafik ist offensichtlich von Hand erstellt worden, wobei die Wünsche des „Wissenschaftlers“ eine größere Rolle spielte als Messwerte, und Berechnungen.
    „Seit Beginn der Industriealisierung sei der Säuregrad (pH-Wert) des Oberflächenwassers um ein Drittel gestiegen, […] wird in der Deklaration ein Säuregrad prognostiziert, könne Ende des Jahrhunderts ein Niveau erreicht werden, das dreimal so hoch liegt wie der vorindustrielle Wert. “
    Der pH-Wert soll sich verdreifachen? der Maximale Wert ist 14 und dieser Wert steht für „basisch“. Oder meinte der Herr Wissenschaftler hier mit dem Säuregrad doch den SH-Wert? Bei diesem geht es aber um die Pufferkapazität, welche wenig darüber aussagt, wie stark sich Kalk lösen wird.
    „Kohlendioxidkonzentraion in der Luft – rund 560 ppm – und erreicht werden, bei der sich schon ein Drittel der Korallenskelette buchstäblich aufgelöst hätten.“
    Korallen wachsen im Wasser, nicht in der Luft. Die kurze Zeit die die Korallen bei hohem Wellengang tatsächlich an der Luft verbringen ist ebenfalls unbedenklich, da der auflösende Vorgang Wasser benötigt. Wie hoch muss die Konzentration in der luft sein, damit im WASSER eine Konzentration von 560ppm auftritt?
    So nun gibt es also bestimmte Algen die ungewöhnliche Kalkskelette bilden, wenn sie schockartig anderen CO2 werten ausgesetzt werden. Dies ist aus 2 Gründen wenig aussagekräftig:
    1. Werden fast alle Organismen geschwächt, wenn sich die Umweltbedingungen innerhalb kürzester Zeit ändern.
    2. Ist dies eine Algenart unter buchstäblich Milliarden Arten.

  10. Ja, schön, da bin ich...
    Ja, schön, da bin ich beruhigt. Wenn die Versauerung der Meere »mittlerweile ebenso gefährlich ist wie die Klimaerwärmung«, also nicht etwa gefährlicher, dann ist ja nicht sonderlich viel zu befürchten. Der Verdacht drängt sich auf, daß diese Geschichte schon mal vorsorglich in Gang gebracht wird, um eine neue Sau zu haben, die man durchs Dorf treiben kann, wenn sich die Sache mit dem »menschlich verursachten Klimawandel« endgültig nicht mehr halten läßt und gleich »Neuer Eiszeit« und »Waldsterben« in der Versenkung verschwinden muß. Dann braucht man schließlich auch wieder ein Scenarium, das erschreckend genug ist, Vermögensumschichtungen zu rechtfertigen. Der »Spiegel« könnte das wieder publizistisch begleiten, hat er ja schon 1986 mit seinem Titelbild vom abgesoffenen Kölner Dom (was immerhin einen Anstieg des Meeresspiegels um 70 mtr. erfordern würde) erfolgreich die Klimahysterie begründet.
    Und mal noch ketzerischer gefragt: Wenn infolge Erderwärmung die Polkappen schmölzen und sich gigantische Wasservolumina in die Ozeane ergössen, müßten diese nicht durch Verdünnung der Versauerung entgegenwirken?

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