Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Einen Neandertaler zum Geburtstag

Morgen, endlich,  ist es soweit, und weil Weihnachten und Silvester ja gerade erst hinter uns liegen, kann es nur noch Charlies Geburtstag sein, dem alle...

Morgen, endlich,  ist es soweit, und weil Weihnachten und Silvester ja gerade erst hinter uns liegen, kann es nur noch Charlies Geburtstag sein, dem alle Welt entgegen fiebert: Charles Robert Darwin kam am 12. Februar 1809 zu Welt und sollte 50 Jahre später mit seinem Buch „On the Origin of Species by Means of Natural Selection“ die Welt verändern. Kein Weg führt derzeit an ihm vorbei: Mit Ausstellungen in Museen und Kunsthallen, Büchern, Vorträgen, Fernsehdiskussionen und Zeitungsberichten – wir feiern die Geburt des britischen Evolutionstheoretikers.

Kaum ein Themengebiet ist so facettenreich, so sexy, wie die Evolution.

Aber es gibt einen, der Darwin die Schau stehlen könnte. Nur einer, dem das gelingen kann: der Neandertaler, früher Europäer und Held phantasievoller Steinzeitsex-Storys.

Ihm zu Ehren wird am Donnerstag in Leipzig eine Pressekonferenz abgehalten, der wir jetzt entgegen fiebern. Zumindest jene, die mehr wissen wollen und sich nicht mit der Meldung zufrieden geben, dass das Genom des Neandertalers entziffert sei.

Haben sie, oder haben sie nicht? Das Beischlafgeheimnis unserer Ahnen quält vermutlich viele – mehr als jeder Gedanke, den ein Homo sapiens damals seinem robusten Vetter voraus gehabt haben könnte. Nein, leider, er wird nicht selbst erscheinen, um die Antwort zu geben. Der, dessen Genom-Daten wir nun neugierig erwarten, ist schon seit rund 38.000 Jahren tot. Sprechen werden an seiner Stelle die Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, denen der Coup gelungen ist, seinen alten Knochen die Erbinformationen zu entlocken.

Dass ausgerechnet das britische Fachblatt „Nature“ den Vollzug vergangene Woche eilig meldete, verblüfft. Auch dass einige Medien schlicht eine Agenturnachricht übernahmen, die bekanntes wiederholte und lediglich den Konjunktiv des Vorhabens tilgte.

Der Neandertaler-Code ist ein wunderbares Geburtstagsgeschenk, aber viele Details wird man morgen wohl nicht erwarten dürfen. Die Leipziger Forscher planen jetzt keine Veröffentlichung in „Nature“, auch die amerikanische Konkurrenz „Science“ muss sich gedulden. Grund für die Hektik ist das kühne Versprechen, bis Ende 2008 das Neandertaler-Genom zu sequenzieren. Jetzt liegt dessen Basenreihe vor, und Team-Chef Svante Pääbo wird über die schier unerfüllbare Mission der Paläogenetiker einen Vortrag halten: kommenden Sonntag auf der berühmten „Triple A-S“, der Jahreskonferenz der American Association for the Advancement of Science, in Chicago.

Dort gehört der Neandertaler sicherlich zu den Highlights, aber das Treffen (www.aaas.org/meetings) steht insgesamt unter dem Motto „Our Planet and Its Life: Origins and Futures“ und ist einem anderen gewidmet: Happy Birthday, Charlie!

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