Planckton

Planckton

Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Evolution in Rom (V)

| 1 Lesermeinung

Der Kreationismus und ein interessantes gesellschaftliches Phänomen - und ein ziemlich junges dazu. Der Zeithistoriker Ronald Numbers von der University of...

Der Kreationismus und ein interessantes gesellschaftliches Phänomen – und ein ziemlich junges dazu. Der Zeithistoriker Ronald Numbers von der University of Wisconsin in Madison machte heute morgen auf der Tagung an der päpstlichen Universität Gregoriana darauf aufmerksam, daß Kreationismus erst ab 1920 in den Vereinigten Staaten auftrat. Ab den 1960ern verstand er sich als „wissenschaftliche“ Theorie und in seiner jüngste Spielart, dem „Intelligent-Design“ versucht er seit den frühen 1990er Jahren, die Grundregeln der modernen Naturwissenschaft zu ändern, nämlich den Konsens des sogenannten methodologischen Naturalismus (den auch sehr fromme Forscher, wie etwa der französische Phyiker und Thermodynamik-Pionier Pierre Duhem vertreten haben).

Vielleicht kann man nach vier Tagen Konferenz zum Thema Darwin wohl nicht anders, als sich diese Entwicklung als einen Evolutionsprozeß vorzustellen. Deutlich wurde aus Numbers‘ Vortrag jedenfalls, daß es hier Adaptionsprozesse gab, weswegen die soziale Umwelt an der Entwicklung und Ausbreitung der Anti-Evolutions-Bewegung nicht ganz unbeteiligt ist. Auf die Frage, was man gegen den Kreationismus denn tun könne, nannte der amerikanische Historiker drei Dinge: erstens müsse man die Leute viel besser über die Ergebnisse der Evolutionsbiologie aufklären – an seiner eigenen Uni etwa gebe es keine Vernünftige Einführungsvorlesung zur modernen Evolutionsbiologie. Zweitens müßten insbesondere Geistliche aufpassen, die möglichen negativen moralischen Implikationen der Evolutionstheorie nicht übertrieben auszumalen. Nicht zuletzt aber sollten Evolutionstheoretiker sich davor hüten, die Früchte ihres methodischen Naturalismus als Hinweise oder gar Belege für einen metaphysischen Naturalismus zu verkaufen, also für die Vorstellung, es gebe nichts außer dem, was Gegenstand der naturwissenschaftlichen Erkenntnis ist. Ronald Numbers ärgert das: „Leute wie Richard Dawkins oder Daniel Dennett sollten endlich mal still sein“.

0

1 Lesermeinung

  1. Widerlegt nicht letztlich die...
    Widerlegt nicht letztlich die Tiktaalik roseae das Weltbild der Kreationisten? (siehe dazu auch: Der Fisch in uns http://machmichgluecklich.eu/?p=11)

Kommentare sind deaktiviert.