Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Evolution in Rom (VI)

| 3 Lesermeinungen

Das Discovery Institute - eine amerikanische Organisation von Intelligent-Design-Anhängern - ist sauer auf den Vatikan. Das heißt, nicht explizit auf den...

Das Discovery Institute – eine amerikanische Organisation von Intelligent-Design-Anhängern – ist sauer auf den Vatikan. Das heißt, nicht explizit auf den Vatikan, sagen sie (man muß ja auch auf die katholischen Sympathisanten Rücksicht nehmen, die es durchaus gibt), sondern auf die Organisatoren der Darwin-Tagung an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, weil von ihresgleichen niemand eingeladen worden sei. Daß das nicht passieren würde, hatte der Chef des päpstlichen Kulturrates allerdings schon vergangenen Herbst wissen lassen. Nun aber überrascht uns das Discovery Institute mit der Theorie, die Jesuiten der Gregoriana seien bei der   Zusammenstellung der Rednerliste dem Druck des Hauptsponsors der Konferenz, der John Templeton Foundation nachgegeben, einer Stiftung, welche sich dem Dialog zwischen Naturwissenschaften und Religion verschrieben hat. Weiter lassen die Intelligenten Designer wissen, daß die auf der Konferenz diskutierten Ansichten nicht die Position der Kirchenspitze repräsentiere. Dazu sei nur auf unseren Blog-Eintrag vom Dienstag („Evolution in Rom (II)“)  verwiesen. Der Mann, den wir dort zitieren (Kardinal Levada) ist Präfekt der Glaubenskongregation. Das ist der Job, den Benedikt XVI vor seiner Wahl innehatte.

Am Samstag Mittag ging die Konferenz zu Ende. Erstaunlicher Weise hatte von der biologischen Prominenz noch ein großer Anteil im Saal ausgeharrt, obgleich es ab Freitag Nachmittag nur noch um theologische Fragen ging – mehr dazu morgen im Wissenschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, auf Seite 61, wer es genau wissen will. Das Interesse der Biologen am theologischen Zugang, noch dazu einem unter überwiegend (aber nicht ausschließlich) katholischer Perspektive, hat die Veranstalter nach Aussage des Konferenzleiters, des Jesuiten Marc Leclerc, dann doch ziemlich überrascht. Offenbar war das Interesse der Theologen an dem, was nun wirklich Sache ist an der Evolutionsbiologie, nicht einseitig. Auf eine sehr eigentümliche Art war es schließlich doch eine schöne Geburtstagsparty für den alten Darwin.

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3 Lesermeinungen

  1. Intelligent-Design...
    …ist für mich die Natur, wenn man so will, die Evolution!
    Und bestimmt nicht die Weltreligionen, die ohnehin in einem irren Religionskosmos verharren…
    Die Weltreligionen sind ein Relikt aus einer diffusen, dunklen Zeit, in der sie Macht über „unwissende“ Menschen ausüben konnten, weil diese Religionen Wissen für sich reservieren konnten.

    Im aufgeklärten Zeitalter sind Weltreligionen völlig überflüssig geworden, trotz der zig millionen Gläubigen, die vorwiegend in Entwicklungsländern ansässig sind…

    Leider werden auch hierzulande Geistliche von Steuergeldern ausgehalten, das ist ein Skandal!
    Von unwissenden, korrupten Politbonzen auch noch unterstützt!
    Meistens sind es Juristen, also Wortverdreher und unwissende, skrupellose Schwurbler!

  2. Seit je wird die Erde von...
    Seit je wird die Erde von zahlreichen, Macht- und Einfluss- reichen Menschen (und solchen mit derlei Ambitionen) bevoelkert, die glauben und sich selbst darin gefallen, oft auch andere glauben lassen koennen, dass sie wissen, Wissen besitzen.
    Sehr vereinzelt gibt es auch diejenigen, die sich mit sehr viel magerer Kost begnuegen, indem sie einfach ersteinmal davon ausgehen, dass sie selbst jedenfalls niemals wissen koennen werden. Weil sie erleben, wie leicht wir alle uns vertun und wie gerne wir alle in weitschweifende Plaudereien geraten und uns in Seemannsgarn und Jaegerlatein oder schmeichelhaften Visionen verlieren, bleibt ihnen nichts anderes, als bohrende, scharfe, eng umgrenzte, nachpruefbare Fragen praezise auszuarbeiten, sorgfaeltig zu beobachten, zu experimentieren, zu zaehlen, zu messen und sehr behutsam, klar definierte und klar begrenzte Schlussfolgerungen zu formulieren, am besten nie anders als in Wahrscheinlichkeiten ausgedrueckt. Werden diese Ergebnisse in Wort und Schrift niedergelegt und kommuniziert, baut sich ein gemeinsamer Erfahrungsschatz auf, der staendig streitbar korrigiert, verfeinert und ausgeweitet wird. Das Auto faehrt, das Flugzeug fliegt, die Lampe leuchtet und ich hoere die Stimme meines Bruders von der anderen Seite dieses Planeten aus dem kleinen Kaestchen in meiner Hand. Wenn nicht, hat jemand einen Fehler gemacht. Selbst Antibiotika und Anaesthetika funktionieren (meistens) und machen den Arzt und den Zahnarzt zu unserem Freund und Helfer (meistens). Der Stammbaum und die Hauptentwicklungsstroeme aller Lebewesen waehrend der vergangenen 3,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte oder so werden in groben Zuegen rekonstruierbar und dabei taucht eine unerwartete Ueberraschung nach der anderen auf. Nicht wenige dieser Ueberraschungen kollidieren mit dem Wissen der Wissenden und ziehen ihre erbitterte Empoerung auf sich.
    Vor bereits etwa 2450 Jahren, so sagt die Sage, soll in Delphi eine Dame, vermutlich im Vollrausch und nach allem moeglichen Hokus Pokus wie geschlachteten Ziegen und anderem, dennoch eine erstaunlich kluge Wahl getroffen haben zwischen diesen beiden verschiedenen Vorgehensweisen, mit denen sich unsere Nervensysteme mit den Umgebungen, in denen sie sich wiederfinden, auseinandersetzen und interagieren. Den unermuedlich unverschaemt fragenden, unertraeglich neugierigen, die Jugend verfuehrenden, respektlosen, gotteslaesterlichen, dickbaeuchigen Sokrates fand diese weise Dame gut, die wissenden Athener Stadtvaeter weniger.
    Fuer jeden Erdenbuerger auf seiner Suche nach der Frage, wo seine Seele denn zu Hause sein und wo diese in ihrer Unsterblichkeit ihr Heim einmal finden soll, sind alle Pforten aller Glaubens- und Wissensgemeinschaften (und alle Klingelbeutel) zu jeder Zeit weit geoeffnet. Auch heute, nach den verflossenen Jahrtausenden, scheint die Sehnsucht nach gemuetlich abgedunkelten und langfristig eingemieften Gewissheitswinkeln unveraendert zu sein, wie die kaum zaehlbaren, jeweils allein rechtglaeubigen Religionsgemeinschaften, die sich aus dem im vorderen Orient entstandenen Monotheismus entwickelt und aufgespalten haben, sowie die Anzahl der zornigen Kreationisten und Heilslehrer deutlich belegen. Die Wissenden sind unter uns, wie eh und je, so wissend und so lebensgefaehrlich, wie eh und je. Prophylaktische Genitalienverstuemmelung, ob Vorhaut oder Vagina, penibel elaborierte Strafandrohungen, haeufig gegenueber genitalen Aktivitaeten, die vermutlich jedem Spass machen, und Sanktionsregister fuer’s Diesseits wie fuer’s Jenseits sollen Zweiflern und Fragen- Stellern auf die Spruenge helfen. Wir muessen dankbar und froh sein fuer jeden Augenblick, in dem uns nicht die Bann- Flueche, die Steine und Messer, die Dynamitladungen, Kanonenkugeln und Bomben der Wissenden um die Ohren fliegen, wir nicht durch ihre Mauern und Stacheldrahtwaelle aus- oder eingegrenzt werden und wir uns nicht in ihren Gefaengnissen und Folterkellern wiederfinden oder wir nicht selbst unversehens Zielscheibe so einfacher und fragloser Verfahrensregeln wie “kill or capture” werden. Sollten hier waehrend der vergangenen Jahrtausende wirkliche Veraenderungen und Weiterentwicklungen stattgefunden haben, muessen sie mir bisher entgangen sein. Kein Winkel auf dieser Erdoberflaeche ist nicht schwerstens bedroht durch die fraglose Entschiedenheit der Wissenden die stets unter forsch flatternden Bannern der Weltverbesserung und ewigem Heil (zumindest fuer die Erwaehlten) marschieren.
    Unsere Sehnsucht nach Sinn und allumfassender Harmonie, nach Erloesung und Unsterblichkeit, nach persoenlicher Geborgenheit auf dem Schosse des Allmaechtigen, des Allerhoechsten im Diesseits und im Jenseits, ist, wie waere es anders moeglich, eine Aktivitaet unserer Nervenzellen und Kenner lokalisieren diese in bestimmten Regionen der Temporallappen unseres Gehirns. Keine Sorge, diese Neuronengruppen sind bei uns Menschen tatsaechlich weiter entwickelt und staerker ausgebildet als bei anderen Saeugetieren, schlauen Voegeln, Insekten oder Kopffuesslern, wie diese ganz erstaunlich pfiffigen Kraken und Kalmare genannt werden. Die koennen dafuer anderes besser als wir.
    Der Menschenkopf fragt und sucht unentwegt. Wer aus Faulheit, Feigheit, Eitelkeit, Herrsch- und Machtsucht glaubt, im Wissen angekommen zu sein, wird fuer sich selbst und seine Zeitgenossen zur ernsthaften Gefahr.
    “Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zugrunde gehn! Dann mag die Totenglocke schallen, Dann bist du deines Dienstes frei, Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen, Es sei die Zeit für mich vorbei!“
    Gar nicht so schlecht formuliert.

  3. Es würde keinen Widerspruch...
    Es würde keinen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glauben geben, wenn die Wissenschaftler bei der Wissenschaft bleiben würden und aus ihren Forschungsergebnissen keine unzulässigen Schlussfolgerungen zögen.
    Die Wissenschaft hat sich entschieden sich nur mit dem Mess- und Wägbaren zu befassen. Also soll sie dabei bleiben.
    Die Wirklichkeit ist aber umfassender. Deshalb können wirkliche Theorien, wie zum Beispiel über die Entstehung des Kosmos, des physischen Lebens oder der Evolution nicht auf naturwissenschaftlicher Grundlage gebildet werden.
    Der Glaube ist eine Vorstufe des Wissens. Allerdings eines Wissens über die Welten, die Voraussetzung für den physischen Kosmos sind.
    Hat man Wissen, so ist dieses – wenn die einzelnen Elemente des Wissen in logischen Zusammenhang gebracht werden – Wissenschaft. Geisteswissenschaft, Metaphysik oder wie immer man sie nennen mag.
    Im Zusammenhang dieses Wissens mit dem Wissen der Naturwissenschaft ergibt sich ganzheitliches, oder interdisziplinäres Wissen.
    Was nun die Evolution betrifft, so kann aus der interdisziplinären Wissenschaft mit Sicherheit gesagt werden, dass alle Theorien der Evolution, die materielle Faktoren annehmen, definitiv f a l s c h sind.
    Der Kampf ums Dasein, Selektion und Auslese haben nicht unmittelbar mit dem Werden der Lebewesen zu tun, sondern sind eine F o l g e des Vorhandenseins der Lebewesen.
    Die Welten, einschließlich der physischen sind dadurch entstanden, dass das Ewige auf sich selbst reflektierte. Die Selbstreflektion des Ewigen fand im Menschen seinen Abschluss. Deshalb geht die Evolution nur weiter, wenn sich der Mensch seines wahren, d.h. ewigen Wesens, bewusst wird.
    Geschieht das nicht, gibt es nur noch Niedergang, wie die ökologischen und gesellschaftlichen Verhältnisse beweisen.
    Näheres zum Fortgang der Evolution hier: http://geheimnisdesmensch

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