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Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Klonhunde, die rot leuchten

Die „Zeit" hatte den Vorgang noch ganz souverän „prominent ignoriert". Dafür tobt seit einer Woche  anderswo auf dem Boulevard ungebremst der...

Die „Zeit“ hatte den Vorgang noch ganz souverän „prominent ignoriert“. Dafür tobt seit einer Woche  anderswo auf dem Boulevard ungebremst der Hundebär.Welcher Hund passt zu Ihnen, fragt zum Beispiel heute ein privater Fernsehsender in seiner Rundmail auf dem nicht enden wollenden Höhepunkt der Bo-Mania, die nun schon bald eine Woche anhält. „Bo“, der First Dog der Familie Obama, der nun also ins Weiße Haus eingezogen ist, soll dem Sender zufolge einen Run UF DIE   Hundezüchter im Land ausgelöst haben. Obamas wuscheliger  Portugiesischer Wasserhund mit der weißen Brust hat es den Tierfreunden angetan. Verständlich auch, wenn man die ersten schillernden Fotos und Filme aus dem prominenten Hundeparadies der First Family sieht.

 

Vor diesem Hintergrund  schmerzt es dann besonders heftig, berichten zu müssen, was da nun in koreanischen Klonlabors für ganz andere „Hundeliebhaber“ zustande gebracht wurde. In jenen Veterinärlabors an der Seoul National University, in dem dereinst der gerissene Klonbetrüger Hwang Woo Suk seine Arbeiten frisierte und in denen er dennoch nachgewiesermaßen erstmals Hunde mit dem Dolly-Verfahren klonierte, sind die ersten  rot fluoreszierenden Beagles kreiiert worden.

Bild zu: Klonhunde, die rot leuchten  Einer der geklonten Beagles mit dem rot fluoreszierenden Anemonen-Gen

 

Ein rotes Leuchten von den Pfoten bis in die Ohrmuscheln – jedenfalls bei entsprechendem Licht.  Arbeitsgruppenleiter und Hauptautor des Artikels in „Genesis“ (DOI: 10.1002/dvg.20504) ist Byeong Chun Lee, der auf nicht weniger als 44 Veröffentlichungen gemeinsam mit Hwang erscheint und das entsprechende Klonpatent hält.

  Bild zu: Klonhunde, die rot leuchten  Das „Genesis“-Paper

 

Biolumineszens bei Design-Haustieren? Das erinnert doch sehr stark an den vor zehn Jahren erstmals erzeugten „GloFish“ – jene inzwischen wahlweise rot, grün oder orange fluoresziende Zebrafische, die seit 2003 weltweit vermarktet werden. Die bellende Biotech-Kreation aus der koreanischen Klonschmiede ist aber erst einmal nicht für den Hausgebrauch gedacht. Sie  soll nach dem Willen der Wissenschaftler vielmehr die medizinische Grundlagenforschung revolutionieren. Was konkret bedeutet: Die rot leuchtenden  Hunde mit dem eingeschleusten Gen für das Red Fluorescent Protein (RFP) aus der Scheibenanomene sollen die Herstellung neuer  transgener Krankheitsmodelle in Tierversuchen ermöglichen.  Das RFP-Gen wird als Reportergen jeweils mit den Erbanlagen gekoppelt, die man zu untersuchen gedenkt.

Immerhin 224 Erbkrankheiten kennt man inzwischen, die Hund und Mensch teilen.

Und weil nun auch noch einige Organgrößen und  wichtige Stoffwechselparameter des Canis familiaris denjenigen des  Homo sapiens ähneln, sehen die koreanischen Hundeklonierer eine große biomedizinische Zukunft für ihre neueste gentechnische Schöpfung. Wie zum Beweis breiten die Forscher denn auch die Leuchtkraft jedes einzelnen Hundeorgans vor den Augen des irritierten Hundeliebhabers schonungslos aus: Herz, Hirn, Darm, Hoden Niere, Leber und Magen im grellsten Rot.

Bild zu: Klonhunde, die rot leuchten  Herz  Bild zu: Klonhunde, die rot leuchten  Pfoten  Bild zu: Klonhunde, die rot leuchten  Darm

Ernsthafte Nachwuchssorgen um die neue Zuchtlinie machen sich die Koreaner angeblich nicht. Mit ihrem kombinierten Gentechnik- und Klonverfahren haben sie zwei zumindest vordergründig vitale Rüden und vier kerngesunde Weibchen hergestellt. Beneiden möchte man sie dafür nicht. Die kühnen Erfinder nicht und die Hunde schon gar nicht.

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