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Für das Klima nur eine Notlösung

| 3 Lesermeinungen

  Anfang April hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, der die zukünftige Praxis der Kohlendioxid-Sequestrierung (Carbon Capture and...

 

Anfang April hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, der die zukünftige Praxis der Kohlendioxid-Sequestrierung (Carbon Capture and Storage, oder kurz CCS) regeln soll. Mit dem Entwurf wird neben der Umsetzung der bereits 2007 auf den Weg gebrachten EU-Richtlinie vor allem eine Rechtssicherheit für all diejenigen geschaffen – in erster Linie ist dies die Energiewirtschaft – die planen, zukünftig Milliarden in Einsatz und Entwicklung der neuen Technik fließen zu lassen. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat nun in einer aktuellen Pressemitteilung um Besonnenheit in Anbetracht der für politische Verhältnisse extrem schnellen Entscheidungsfindung gebeten. Zu viele ungelöste Fragen, zu viele Unsicherheiten bringe der Einsatz der neuen Technologie mit sich. Gewiss, man könnte argumentieren, dass der Einsatz innovativer Technologien immer mit einem (Rest-) Risiko verbunden ist. Dass unvorhergesehene Ereignisse auch eintreten können, obwohl im Vorfeld alle Eventualitäten durchgespielt wurden. Im Zusammenhang mit der CCS-Technologie sollte aber darüber hinaus die Frage erlaubt sein, ob durch die gesetzliche Rahmung der neuen Technik nicht auch ein falsches Signal bezüglich des Klimaschutzes ausgesandt wird.

Bild zu: Für das Klima nur eine Notlösung

Quelle: GFZ Potsdam.

Falsches Signal?

Bundesregierung und Industrie berufen sich bei ihrer Initiative darauf, Kohleverbrennung und Klimaschutz mit der neuen rechtlichen Legitimierung besser in Einklang bringen zu können. Wird das Gesetz verabschiedet, so ist anzunehmen, dass die Energiekonzerne darin den Startschuss sehen, ihre Kohlekraftwerke – soweit möglich – mit der entsprechenden Technik auszustatten oder nachzurüsten. Die Kosten dafür dürften sich deutschlandweit im dreistelligen Millionenbereich bewegen. Gelder die indes ebenso in Forschung, Entwicklung und Ausbau regenerativer Energiegewinnung investiert werden könnten – denn eines sollte bei aller Euphorie bedacht werden: Die CO2-Sequestrierung sollte eine Brückentechnologie sein, die nur solange genutzt wird, bis es bessere Alternativen gibt. Mit der Speicherung des Kohlendioxids in unterirdischen geologischen Formationen findet lediglich die Verschiebung eines Problems statt. Wenn es sich die Diskussion nicht ohnehin um ein Gas drehen würde, könnte man sagen „Aus den Augen aus dem Sinn“ – aber auch so bleibt der fade Beigeschmack, dass in diesem Falle ein Problem begraben, aber nicht gelöst wird.

Risikoreiche Langfristentscheidung

Wäre das Verfahren bereits so ausgereift, um es großtechnisch einsetzen zu können, würde es in der Tat einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mit den Unsicherheiten hinsichtlich der bestehenden Risiken aber können zunächst nur Pilotprojekte realisiert werden. Einige Unternehmen rechnen gar damit, die Technologie erst im Jahr 2020 einsetzen zu können. Der Sachverständigenrat weist in diesem Zusammenhang nochmals auf die Tragweite der derzeitigen Gesetzesinitiative hin, mit der eine langfristige Weichenstellung der Klimaschutzpolitik einhergehe. Nicht nur, dass mit der Investitionsentscheidung Gelder gebunden werden; die Verbringung des Kohlendioxids in unterirdischen Aquifere, Salzstöcke sowie der ausgeförderten Gas- und Ölfelder könnte in Konkurrenz zu anderen Nutzungsalternativen wie beispielsweise der Geothermie stehen.

Schwer kontrollierbare Risiken

Weitaus schwerwiegender als eine mögliche Fehlinvestition der Industrie wiegen jedoch die Risiken des erneuten Austritts des Kohlendioxids. Studien haben in diesem Zusammenhang bereits auf bislang nicht einschätzbare geochemische Reaktionen im Untergrund verwiesen (u. a. Gilfillan, S.M.V. et al. (2009) Nature 458, 614-618). So kann es beispielsweise bei Kontakt mit Wasser zur Bildung von Kohlensäure kommen, die wiederum umliegende Gesteinsschichten angreifen könnte. Dabei entstehende Leckagen können derart gering sein, dass sie auch mit einem exakten Monitoring nur schwer zu entdecken wären.

Der Einsatz von CCS-Technologie sollte vor dem Hintergrund der bestehenden Risiken daher als das gesehen werden, was er letztlich ist: eine Notlösung.   

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3 Lesermeinungen

  1. @Ulf von Rauchhaupt

    In der...
    @Ulf von Rauchhaupt
    In der Tat glaube auch ich nicht daran, dass Länder wie China, Rußland und Australien dazu zu bewegen sind, ihre Kohlevorräte im Boden zu lassen. Ich halte die Anwendung der CO2-Sequestrierung – so sie denn Einsatzbereit ist – auch für richtig. Auf einen Versuch sollte man es ankommen lassen – zumindest in Pilotprojekten. Die Erlassung eines entsprechenden Gesetzes, dass die Anwendung auch rechtlich legitimiert würde aber dazu führen, dass Unternehmen ihre Millionen in Forschung und Entwicklung dieser Technologie stecken. Die Unternehmen rechnen ja damit, dass es 2020 zu großtechnischer Anwendung kommen kann. Die Frage ist doch – ohne in Idealismus zu versinken – ob mit Investitionen in gleicher Höhe nicht sauberere Energien gefördert und flächendeckend einsetzbar gemacht werden könnten?!
    Ich finde es bedenklich, dass die Technologie als Heilsbringer gefeiert wird, obwohl es keine Langzeitstudien dazu gibt. Denn dem Klima ist ja letztlich nur geholfen, wenn das CO2 dauerhaft unter der Erde verbleibt – auch über die nächsten 20, 30, 40, 100 Jahre hinaus. Denkbar ist beispielsweise, dass sich das CO2 in Wasser aufgelöst weit vom Ort der Sequestrierung entfernt – über einen Geysir beispielsweise – seinen Weg zurück an die Erdoberfläche bahnen könnte. Unvorhergesehen. Zwar haben wir in Deutschland keine Geysire, es sollte aber bedacht werden, dass es durchaus Unwägbarkeiten gibt, die bei Anwendung der Technologie beachtet werden müssen.
    @Caterwaul
    Sie haben recht. Im Vergleich zur Nutzung von Wind- und Photovoltaikstrom ist die Kernkraft effizienter – im Vergleich zur Verbrennung von Kohle ist sie vor allem sauberer. Das Problem mit der Endlagerung ist aber immer noch immer nicht ganz gelöst, oder?

  2. Hat es sich nicht schon...
    Hat es sich nicht schon längst herumgesprochen, dass der CO2-Anteil in der Atmosphäre (389 ppm), verglichen mit früheren Epochen der Erdgeschichte, eher zu niedrig als zu hoch ist? (denn ohne CO2 stirbt jede Vegetation, und die ernährt uns Menschen.)
    Dass 97% des CO2-Anteils der Atmosphäre aus seit Millionen Jahren ablaufenden, natürlichen Vorgängen stammen? Dass CO2 nicht Ursache, sondern Folge der jetzt zu Ende gegangenen Erderwärmung ist?
    Dass nicht der Mensch, sondern primär die Sonne (die gegenwärtig wieder mal, völlig natürlich, zunehmend kälter strahlt) für Klimaveränderungen verantwortlich ist?
    Dass die Global-Warming-Aktivisten ihr zutiefst egoistisches Süppchen kochen, das sie ernährt — und das alle konträren, stets auf solideren wissenschaftlichen Fundamenten beruhenden Erkenntnisse mit der Einstellung von Forschungsgeldern abwürgt?
    Dass der Öko-Dschihad eindeutig undemokratische (na, lasst uns Klartext sprechen: diktatorische) Ziele verfolgt, um die Bürger vollends zu bevormunden, zu entrechten, zu enteignen und George Orwell rechts zu überholen?
    Dass auch diese Prostitution des Zeitgeists zwangsläufig zu Lasten der ärmeren Bevölkerungsschichten gehen wird?
    P.S.: Die CCS-Technologie ist nicht mal eine Notlösung, sondern ein verzweifelter Versuch der Industrie, der Öko-Mode wider besseres Wissen gefällig zu sein, zumal die Energiekonzerne EU-weit in Unterhosen aus Stacheldraht gesteckt wurden. Jedes Kernkraftwerk ist logischer, umweltfreundlicher und effizienter als Photovoltaik- oder Windstrom in deren gegenwärtigen Entwicklungsständen, die nur durch massive, ideologisch maskierte Eingriffe in die Tasche des Steuerzahlers die Andeutung eines Marktes haben.
    Peter Zentner,
    peter.zentner@t-online.de

  3. Auch auf die Gefahr hin, nun...
    Auch auf die Gefahr hin, nun als Besserwisser dazustehen: aber aus der Studie von Gilfillan et al. läßt sich gerade kein Argument gegen CCS schnitzen, eher im Gegenteil (siehe http://www.faz.net/s/Rub2542FB5D98194DA3A1F14B5B01EDB3FB/Doc~E49D295987E354ABBBBFB30442DA73121~ATpl~Ecommon~Scontent.html).
    Die Vorbehalte gegen CCS scheinen mir geowissenschaftlich bis dato nicht gut begründbar (nur gegen die Einleitung des Gases in die Tiefsee ließe sich Handfestes vorbringen). Umgekehrt ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß Klimaschutzszenarien, die einfach voraussetzen, Länder wie China, Rußland oder auch Australien seien dazu zu bewegen, ihre enormen Kohlevorräte im Boden lassen, nicht funktionieren werden. Wem das Klima wirklich lieber ist als das eigene Weltbild, sollte CCS bis zum Beweis des Gegenteils daher eine Chance geben.

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