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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Klimawandel in London (2)

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Das Abfassen und Signieren eines politischen Manifestes zum Klimawandel  kann zu einer ungemein gehobenen und wichtigen, nicht zu...

Das Abfassen und Signieren eines politischen Manifestes zum Klimawandel  kann zu einer ungemein gehobenen und wichtigen, nicht zu sagen royal-abgehobenen Angelegenheit werden, wenn sie in den Gemäuern des britischen Adels stattzufinden hat. Unter den Augen von ein paar Eingeweihten haben zwanzig Nobelpreisträger, bunt gemischt aus Naturwissenschaften und Wirtschaft zusammen mit Friedensnobelpreiträgern,  an diesem Nachmittag ihr „St. James Palace Memorandum“ unterzeichnet. His Royal Highness, der Prinz of Wales, „Karl der Grüne“, wirkte selbstverständlich mit. Er war Schirmherr der Veranstaltung im ältesten Londoner Palast. Einem Treffen, das Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung vor zwei Jahren als  ganz und gar bodenständige Veranstaltung  ins Leben rief. Mit der Kanzlerin im Rücken initiierte er die Zusammenkunft von Nobelpreisträgern seinerzeit in Schloss Sanssouci.

Nun also hatte das Nobelpreisträgertreffen zur globalen Nachhaltgkeit in Britannien seine Zelte aufgeschlagen, und es waren diesmal sogar ein halbes Dutzend Laureaten mehr als bei der Premiere, „die vielleicht größte Konzentration von Intelligenz weltweit – zumindest für eine Weile“, wie Schellnhuber zum Abschluß des Londoner Symposiums flachste. Die Geheimniskrämerei, die mit den protokollarischen Bedürfnissen des Königshauses zu tun haben dürfte, war angesichts dieser intellektuellen Supermacht nur ein Nebenaspekt. Wenn auch ein kein unauffälliger und unpassender. Denn angeblich war das Thema „wie kommuziert die Wissenschaft die Klimakrise möglichst öffentlichkeitswirksam“, sogar Gegenstand des Symposiums. Leider, wie gesagt, war der größte Teil der Öffentlichkeit, zumal der ausländischen, von diesen elaborierten publizistischen Reflexionen der insgesamt sechzig Teilnehmer ausgeschlossen.

Immerhin gab es Zutritt, wenn auch unter strengen Regularien organisiert, zu einer kleinen Pressekonferenz, in der das Abschlußdokument von einem guten halben Dutzend Protagonisten des Meetings kommuniziert wurde. Wie vor zwei Jahren nach Potsdam, soll auch dieses Memorandum „in viele Kanäle sickern“, wie Schellnhuber den allgemeinen Wunsch formulierte, die Klimadiplomatie, die in diesen Wochen und Monaten vor der Kopenhagener Klimakonferenz heiß läuft, möge doch die Botschaft der Nobelpreisträger aus London rasch verinnerlichen und in die Tat umsetzen. Was das hieße, läßt sich an einer Zahl festmachen. In den nächsten vierzig Jahren müßten die Erdenbürger ihre Kohlendioxidemission pro Kopf und Jahr auf zwei Tonnen begrenzen. Amerikaner kommen derzeit auf das zehnfache, Europäer auf das fünffache und Chinesen immerhin auf mehr als das Doppelte. Der Anstieg der Emissionen müsse innerhalb der nächsten Jahre gestoppt, der Gipfel spätestens 2015 erreicht werden. Eine Treibhausgas-Emissionsreduktion der Industriestaaten von 25 bis 40 Prozent (gegenüber 1990) sei absolut notwendig.

„Wir haben keine fünf Jahre mehr zu verlieren“, so Schellnhuber. Und so auch der Vorsitzende des Weltklimarates IPCC, Friedennobelpreisträger Rachenda Pachauri: „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Die Lösungen liegen auf dem Tisch.“ 

 Nun ja, die Lösungen. Die in London präsentierten Zahlen sind so dramatisch weit entfernt von der Wirklichkeit und ebenso von den derzeit politisch verhandelten Inhalten der Kopenhagen-Konferenz, dass die klimapolitische Halbwertszeit des offensiven Memorandum-Inhaltes extrem kurz ausfallen könnte. Auf die Notwendigkeit einer „Großen Transformation“ der Weltwirtschaft und -infrastruktur im Sinne des Klimaschutzes und auf den gewünschten radikalen Regenwaldschutz,  wie er ebenfalls  in dem zweiseitigen Abschlußtext festgehalten ist, bewegt sich die Klimadiplomatie derzeit bestensfalls mit Gänseschritten zu.  Aber Überzeugungen wollen eben formuliert sein. An den Nobelpresträgern jedenfalls wird es nicht gelegen haben, wenn Kopenhagen scheitert. Sie haben sich klar ausgedrückt und unterschrieben. Wenn auch meistens hinter verschlossenen britischen Türen und mit einer Ausnahme: Ehrengast Steven Chu, US-Energieminister und Physik-Nobelpreisträger von 1997 sowie sitzfester Koautor des Londononer Manifestes, der zum Star des dreitägigen Zusammentreffens avancierte, verzichtete auf seine Signatur. Er wollte – und mußte sicher auch aus verhandlungstaktischen Gründen – Obamas Klimaunterhändler sämtliche Türen offen lassen.

 

 

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5 Lesermeinungen

  1. wird nicht nur auf CO²,...
    wird nicht nur auf CO², sondern auch Methan und andere schädliche Gase eingegangen…
    Ihre Meinung dazu, Vandale?

  2. Hallo Herr Gueh,

    beim...
    Hallo Herr Gueh,
    beim Waldsterben konnte man als ungeuebter Beteiligter beim Durchfahren des Landes merken das das Waldsterben eine „oekologische“ Katastrophe war.
    Das Klima schwankt von Jahr zu Jahr und Region zu Region. Eine Aenderung ist nur im Verlauf vieler Jahre erkennbar. Eine systematische Beobachtung der Temperaturen gibt es ausserhalb Europas erst seit kurzem.
    Der Anteil des aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammenden CO2 Ausstosses an den Gesamtemissionen lag in der 2. Haelfte des 19. Jahrhunderts als die CO2 induzierte Klimaerwaermung angeblich begann bei 1-2/1000. Heute liegen diese bei etwa 4% in einem System das starken Schwankungen ausgesetzt ist. Einen groesseren Einfluss duerfte die CO2 Speicherfaehigkeit der Ozeane, die temperaturabhaengig ist, haben.
    Bei dieser ganzen CO2 Diskussion wird nicht erwaehnt das CO2 eigentlich ein unbedeutendes Spurengas ist. Hauptklimafaktoren sind Sonne und Wasserdampf.
    Insofern kann man davon ausgehen das sich das Klima laufend aendert, es ist jedoch nicht plausibel das eine derartige Aenderung auf die CO2 Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe zurueckgeht.
    Vandale

  3. "Auf die Notwendigkeit einer...
    „Auf die Notwendigkeit einer „Großen Transformation“ der Weltwirtschaft und -infrastruktur im Sinne des Klimaschutzes …. bewegt sich die Klimadiplomatie derzeit bestensfalls mit Gänseschritten zu.“ … und das ist gut so. Denn Machtspiele der Mächtigen sind denkbar unfähig für die eigene Entmachtung, denn nichts anderes bedeutet ‚Große Transformation‘. Was nötig ist, ist eine Theoriegrundlage für die Diskussion des selbstdurchsetzenden Umsteuerungsansatzes und die politische Umsetzung einer ‚Großen Transformation‘, die nur als Evolutionsprozess-Theorie vorstellbar ist. Und diese umfassende Theoriegrundlage wird nirgendwo gefordert oder eingeführt. Die Theorielosigkeit der Diskussion in Sachen Klimaschutz, Bevölkerungsexplosion, Wachstumsblasen-Krise, Arm-Reich-Schere, usf. kommt einer wissenschaftlichen Blamage von größtem Ausmaß gleich – und kann nur mit Macht-Nr.1-Interessen begründet werden. Aber diesem Mangel kann jeder ja leicht abhelfen.

  4. Hallo Herr Vandale,

    Mann's...
    Hallo Herr Vandale,
    Mann’s Kurve qualifiziert doch nicht alleine als „compelling evidence“.
    Im IPCC Bericht steht schon mehr drin. Und das MIT hat jetzt ja neue Rechnungen vorgestellt die von bis zu 7K Erwärmung bis 2100 ausgehen.
    Wenn man das als „compelling evidence“ wertet muss, man handeln, aber daran auch den Fortschritt messen.
    Interessant wäre deshalb, was als „compelling evidence“ gewertet wird, dass der Klimawandel so voranschreitet wie vorausgesagt. Weitere 0.5K Erwärmung bis 2030 zum Beispiel. Oder gibt es andere Indikatoren?
    Günter

  5. Eine Reduzierung des CO...
    Eine Reduzierung des CO Ausstosses von etwa 10 to/Kopf und Jahr auf 2 to haette eine extreme Verarmung der Bevoelkerung zur Folge. Innerhalb weniger Jahre liesse sich keine auf Kernenergie basierende Energieversorgung aufbauen. Nur mehr die Funktionaere der Oekoreligion koennten dann mit dem Biosprit Hummer durch die Gegend brausen. Der Rest der Bevoelkerung waere auf Eselmobile oder das Schuhwerk angewiesen.
    Das ausgerechnet das Spurengas CO2 und die geringen Mengen die die Menschheit mittels der Verbrennung fossiler Brennstoffe emittiert die Temperatur der Erde beeinflusst haben, ist sehr seltsam. Da mittlerweile die zauberhafte Kurve des Herrn Mann, die den Zusammenhang zwischen CO2 Anstieg und Erderwaermung beweisen sollte aus den IPCC (Regierungsklimalobbyistengremium) verschwunden ist (niemand vermochte seine Ergebnisse nachzuvollziehen, er wollte auch die Quelldaten nicht nennen)
    scheint die CO2 Klimakatastrophe wohl dem gleichen Ende zuzugehen wie das Waldsterben und das Ozonloch.
    Artikel zum Thema Energie, s. meine Homepage
    Vandale

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