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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Die Arktis schmilzt wieder, aber nicht rekordverdächtig

| 32 Lesermeinungen

Das wird wohl nichts mit einem neuen Fanal: Die diesjährige Eisschmelze im Nordpolarmeer steht kurz vor Ihrem Höhepunkt, und wenn sich die im norwegischen...

Das wird wohl nichts mit einem neuen Fanal: Die diesjährige Eisschmelze im Nordpolarmeer steht kurz vor Ihrem Höhepunkt, und wenn sich die im norwegischen „Arctic ROOS”-Sekratariat gesammelten Aufzeichnungen auch nur annähernd bestätigen, dann dürfte das gefürchtete Abschmelzen des Meereises in der Arktis auch im zweiten Jahr nach der Rekordschmelze von 2007 geringer ausfallen.

Momentan nimmt die Eisfläche knapp 5 Millionen Quadratkilometer ein, wie die Grafik zeigt. Das ist gut 1,2 Million Quadratkilometer mehr als vor zwei Jahren. Im vergangenen Jahr wurden zur gleichen Zeit eine halbe Million Quadratkilometer  weniger gemessen.

Bild zu: Die Arktis schmilzt wieder, aber nicht rekordverdächtigAktuelle Meereisausdehnung.  Quelle Arctic ROOS

 

Böse Zungen könnten jetzt also behaupten, dass die im Sommer zurückbleibende Meereisfläche im zweiten Jahr nacheinander sogar wieder ansteigt. Tatsache ist aber auch, dass man – wie die schwarze Kurve zeigt – immer noch deutlich, nämlich mehr als eine Million Quadratkilometer, unter dem langjährigen Mittelwert  liegt.

Dass es dieses Jahr keinen Rekord liegt, dürfte vor allem daran liegen, dass es im Frühjahr im hohen Norden deutlich länger kalt geblieben war. Bei meiner  Stippvisite auf Spitzbergen  vor drei Monaten jedenfalls lagen noch Berge von Schnee und überall hörte man, wie spät die Fjorde diesmal eisfrei wurden.

Auch in den Messkurven der Bergener Arktisforscher lässt sich erkennen, dass die eine Million Quadratkilometer zusätzlicher Eisfläche (gegenüber 2007) schon im Winter und erst recht im Frühjahr „draufgepackt” war. Das Abschmelzen selbst beschleunigte sich dann wieder deutlich, zumal im Juni, Juli und Anfang August, als durchaus wieder Schmelzraten wie im Rekordjahr 2007 registriert wurden. 

Bild zu: Die Arktis schmilzt wieder, aber nicht rekordverdächtig   Eisminimum der Arktis im Jahr 2008. Quelle Nasa

So oder so, für neue Rekordmeldungen wird es wohl nicht reichen. Eine Erkenntnis, die vor allem im Hinblick auf die schwierigen Klimaverhandlungen vor und in Kopenhagen für den einen oder anderen Beteiligten nicht unwichtig ist. Doch gemach. Die Erfahrung lehrt, dass die Klimawandelforschung noch jedes Mal die eine oder Hiobsbotschaft bereit hielt, die dann rechtzeitig aus dem Hut geholt wird.   

     

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32 Lesermeinungen

  1. Internetadresse von oben...
    Internetadresse von oben berichtigt.

  2. Ergeben Messungen ein anderes...
    Ergeben Messungen ein anderes Ergebnis als VORHER mit Modellen errechnet, so sind diese Modelle falsch.
    Dipl.-Ing. Jörg Sando
    Computermodellierer in der Bautechnik

  3. @georg hoffmann

    "Zu...
    @georg hoffmann
    “Zu ersteinmal bedeutet “unserioes” fuer mich, schlampiges oder bewusst faelschendes Arbeiten. Das waere dann eine Beleidigung.”
    Doch nur, wenn die Vorwürfe nicht zutreffen? Logikfehler.
    Der Verweis auf einen Durchschnitt von 1979-2006 (in der Zeit gab es ja noch eine globale Erwärmung ;) ) ist unseriös und manipulativ, wenn man
    1. zum Beispiele nicht erwähnt, dass die Arktis planetengeschichtlich zumeist eisfrei war und
    2. im letzten Jahrhundert (vor der Industrialisierung) mehrfach sehr wenig Eis dort war; 1937: http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,770864-1,00.html
    3. das die Antarktis aktuell ein ganz anderes Bild liefert
    http://arctic.atmos.uiuc.edu/cryosphere/IMAGES/current.anom.south.jpg
    http://www.g-o.de/wissen-aktuell-3344-2005-08-17.html
    Die im Artikel geäußerte Vermutung, dass die “Klimaforscher” bald eine neue Sau durchs Dorf treiben werden erfüllen Sie mit dem Verweis auf Ozeanoberflächentemperaturen, Cherry Picking halt. Auch hierzu gibt es abweichende Meinungen.
    http://wattsupwiththat.com/2009/04/09/was-2007-arctic-ice-really-a-historic-minimum/
    http://www.dailytech.com/Sea+Ice+Ends+Year+at+Same+Level+as+1979/article13834.htm

  4. Der Erderwärmung ist...
    Der Erderwärmung ist entgegenzuwirken durch die Erhaltung der Natur (Voraussetzung) und der Renaturalisierung der Erde.
    Dort wo Zement ist, Wälder abgeholzt sind, ist es auch viel heißer (Konsequenz: die sogenannte Klimaveränderung).
    Dr. Christa Pardeller

  5. @shorafix Zu ersteinmal...
    @shorafix Zu ersteinmal bedeutet “unserioes” fuer mich, schlampiges oder bewusst faelschendes Arbeiten. Das waere dann eine Beleidigung. Die verwandten Satellitendaten zeigen alle verfuegbaren Daten der gleichen Qualitaet. Kein cherry picking, kein Vermischung von Informationen. Zweitens fuer die obigen Kurven, wie auch insbesondere fuer Trends (der Meereis Trend ist klar negativ seit einigen Jahren) ist es voellig irrelevat, ob man eine Klimatologie abzieht oder die Daten sonstwie darstellt. Der Trend bleibt der gleiche, der Abstand dieses Jahres oder des Jahres 2007 sind eben x Mill. km2 von den vorigen Jahren entfernt. Dritten, gibt es Infomationen ueber die zumindest vorigen 100 Jahre und die letzten zwei Dekaden und insbesondere die letzten Jahre bleiben von aussergewoehnlich geringer Eisbedeckung gepraegt (siehe hier http://www.iac.ethz.ch/publications/index?pid=115563). Und viertens: Warum 10.000 Jahre, warum nicht gleich eine Millionen? Irgendwie wird es schon natuerlich sein, der Eisrueckgang.

  6. So, wie der natürliche Feind...
    So, wie der natürliche Feind des Historikers der Zeitzeuge ist – ist der ungekaufte Fachmann der natürliche Zeuge des Politikers – wenn er dem Volke unter Hinweis auf seine gekauften Expertisen willfähriger Fachleute das Geld bündelweise aus der Tasche zaubern will. Allein – der Politiker denkt sich: laß sie zetern, ich sitze an den Fleischtöpfen und am längeren Hebel – und so lange ich einen nicht völlig abwegigen Grund habe, werde ich sie ausnehmen!
    Bei Asterix (in Rom) heißt das, als Asterix und Obelix zum Gladiator ausgebildet werden sollen, von dem reichlich groben Ausbilder: Es wird krachen, Lanista – es wird krachen!
    Genau das wird es bald! Und zwar hier, und nicht in Rom. Da wohl auch.

  7. "Was soll an einem Mittel...
    “Was soll an einem Mittel 79-06 nicht serioes sein?” Langfristig gesehen (z.B. die letzten 10.000 Jahre) könnten solche Schwankungen völlig normal sein und stehen auch tatsächlich in Korrelation zu anderen ableitbaren Daten. Ein Mittelwert über knappe 27 Jahre ist damit nicht “langfristig” genug, um eine Aussage zur zukünftigen Entwicklungen von auch nur 100 Jahre zu ermöglichen. Eine solche Behauptung wäre damit unseriös.

  8. @Leser2009
    Was soll an einem...

    @Leser2009
    Was soll an einem Mittel 79-06 nicht serioes sein? Es gab eben vorher keine Satellitendaten, also sind das alle verfuegbaren Daten.

  9. Nu, erstens, war der...
    Nu, erstens, war der Meereisschwund 2007 extrem (mehrere Standardabweichungen:
    http://www.scienceblogs.de/primaklima/2009/05/die-mar-vom-rasend-schnellen-meereiswachsen-und-dem-was-die-modelle-vorhersagen-teil-i.php). Ich habe bspw eine Wette laufen, dass der Rekord vor 2015 nicht erneut gebrochen wird. Zweitens sind fuer den einzelnen Jahresrekord eher Strömungen wichtig als Temperaturen. Das Eis muss gut durch die Fram Strasse rausgeweht werden. Die Eisdicke hat schon laengst soweit abgenommen, dass auf diese Weise sehr effizient die Eisflaeche verringert werden kann. Und schliesslich ist das mit den Extremmeldungen wirklich nicht besonders schwer. So haben wir beispielsweise die waermste je beobachtete Ozeanoberflaeche im July 2009 erlebt.http://www.noaanews.noaa.gov/stories2009/20090814_julyglobalstats.html

  10. Ein langjähriges Mittel...
    Ein langjähriges Mittel zwischen 1979 und 2006 ist schlicht nicht seriös. Macht aber nichts und es ist schon richtig, der Klimaforschung, die geschlossen die gleiche Meinung* vertritt, jedenfalls laut UNO Klimarat IPCC, wird schon eine Hiobsbotschaft aus dem Hut zaubern, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
    * Die Einheitsmeinung lautet: die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung beträgt 0,6°C +/- 0,2°C siehe auch die entsprechenden Berichte der IPCC.

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